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Der 1. Tag - warum meditieren?

Der 2. Tag - Aufmerksamkeit

Der 3. Tag - Materialismus

Der 4. Tag - Atemmeditation

Der 5. Tag - Liebende Güte

Der 6. Tag - Gefühle

Meditation im Alltag










    "Meditation ist nichts Besonderes. Sie ist nur ein Offensein für ganz gewöhnliche Dinge. Sie ist nichts aussergewöhnliches. Bitte vergesst das nie.

    Das ist etwas Wunderschönes an der Meditation. Wir versuchen, keine Ergebnisse zu erzielen, das Praktizieren selbst ist das Ergebnis. Zu wissen, was ist, ist das Ergebnis, nicht, was danach kommt. Denkt daran. 

    Vielleicht gibt es in dieser Gesellschaft einen Schwerpunkt auf Zielorientiertheit, darauf, Ergebnisse zu erreichen. In der Meditation ist aber das Praktizieren selbst das Ergebnis. Das ist das Interessante an der Meditation. Das Ergebnis ist offen sein, von Augenblick zu Augenblick zu wissen, was geschieht. So erfahren wir jeden Moment.

Sitzmeditation

    Lasst uns jetzt im Sitzen meditieren. Wer vor dem Sitzen gerne stehen oder sich bewegen möchte, kann das jetzt tun.

    Nun sitzt bitte in einer Bequemen Haltung. Schliesst die Augen und lernt eine Weile, euch nur zu entspannen. Nur den Körper entspannen. Nur, sich mit sich selbst wohl fühlen.

    Nun verbringt ein wenig Zeit damit, einfach glücklich zu sein, dass ihr jetzt meditiert. Sich gut fühlen wegen dem, was ihr versucht zu lernen.

    Was ihr in dieser Meditaion tun werdet, ist etwas sehr sehr Einfaches. Bis ihr das Glöckchen hört, wisst nur, von Moment zu Moment, was ihr hört, die Gedanken, die ihr habt, die Empfindungen die ihr in eurem Körper spürt. Das ist etwas sehr Einfaches, das jeder kann. Wichtig ist die Aufmerksamkeit, das Wachsein, gegenwärtig und lebendig zu sein, von Moment zu Moment.

    Wenn ihr schläfrig werdet, öffnet bitte die Augen.

    Wir hören Geräusche, wir haben Gedanken, wir haben Empfindungen, vielleicht haben wir Gefühle - nur von Moment zu Moment all die Dinge wahrnehmen, die geschehen. Sich mit ihnen anfreunden, lernen, okay zu ihnen zu sagen.

    Wenn ihr unangenehme Empfindungen im Körper habt, seid einfach offen dafür, freundet euch mit ihnen an, nehmt sie einfach wahr.

   Zu dem Lärm, den den ihr hört, okay zu sagen.

    Erkennst du jeden Gedanken, der in deinem Geist erscheint und wieder verschwindet?

(Glöckchen)

Bitte öffnet die Augen, und wenn ihr euch bewegt, wisst, dass ihr das tut, und fühlt die unterschiedlichen Empfindungen im Körper. Bitte macht weiter damit, zu wissen, was von Moment zu Moment im Körper und im Geist geschieht.

    Man kann in vier Haltungen meditieren, sitzend, stehend, gehend und liegend. Heute wollen wir drei davon üben: sitzend, stehend und gehend.

Stehende Meditation

   Lasst uns eine Weile im Stehen meditieren.

   Bitte steht langsam auf, macht euch bewusst, dass ihr aufstehen werdet, und beobachtet die Absicht, aufzustehen.

    Nun fühlt nur, was es bedeutet zu stehen. Fühlt die verschiedenen Empfindungen, die unterschiedlichen Bewegungen im Körper. Wenn ihr unangenehme, schmerzhafte Empfindungen im Körper spürt, erkennt sie nur, und seid offen dafür, sagt einfach okay dazu. Und wenn ihr angenehme Empfindungen im Körper habt, wisst nur, dass ihr angenehme Empfindungen habt.

    Versucht, jeden Teil des Körpers zu spüren, die unterschiedlichen Empfindungen, die verschiedenen Bewegungen des Körpers. Und lernt, freudlich, sanft und liebevoll für euren Körper zu fühlen.

   Und wenn Gedanken kommen - lernt, sie los zu lassen und zum Körper zurück zu kommen. Bitte nutzt euren Körper, um den gegenwärtigen Augenblick zu erfahren, das Hier und Jetzt.

    Bitte lernt, den Körper zu spüren, nicht an ihn zu denken, bitte seht den Unterschied.

    Und fühlt nur, wie es ist, vollkommen still zu stehen.

    Lernt, sanft die Gedanken los zu lassen und zum Körper zurück zu kommen. In der Gegenwart zu sein mit der Hilfe des Körpers, den Empfindungen, den verschiedenen Bewegungen.

    Die Empfindugen zu entdecken, und das Gefühl im Körper sind interesssanter, als die Gedanken.

(Glöckchen)

Gehmeditation

    Jetzt wollen wir ein Wenig Gehmeditation üben. Der Sinn der Gehmeditation ist bewusstes Gehen. Ihr könnt langsam gehen und aufmerksam das Gehen beobachten.

    Wenn du gehst, musst du also die verschiedenen Empfindungen im Körper spüren. Gedanken werden kommen, aber bitte lerne, sie loszulassen und in die Gegenwart zurück zu kommen, zum Gehen.

    Was immer du tust, tu es langsam, bewusst, mit Aufmerksamkeit. Geh also langsam, bewusst. Nimm das Gefühl unter deinen Füssen wahr. Nutze das Gehen, um den gegenwärtigen Moment zu erleben.

    Bitte haltet eure Hände gefalted vor euch.

    Bitte geht langsam, damit ihr euch jede Bewegung im Körper, jede Empfindung, bewusst machen könnt.

    Lasst die Gedanken los, und kommt zurück in die Gegenwart, mit der Hilfe des Gehens. Geht nur, ganz entspannt.

    Lernt, den einfachen Vorgang des Gehens zu geniessen.

    Bitte schaut auf die Füsse der Person vor euch, ohne woanders hin zu sehen. Wenn du den Fuss hebst, weisst du, dass du den Fuss hebst. Fühle die Erde mit deinen Füssen. Lerne, bewusst zu gehen.

    Kannst du gehen wie auf Lotusblüten, sanft, zart?

    Sei dir eines jeden Schrittes bewusst.

Nun bleibt bitte einfach stehen, wo ihr seid. Steht ganz still, mit geschlossenen Augen. Du kannst die Geräusche nutzen, um die Gegenwart zu erfahren.

    Sei einfach gegenwärtig mit der Hilfe des Hörens.

    Können wir die Geräusche klar hören, wie zum ersten Mal? (Glöckchen)

Meditation

    Ihr könnt die Augen schliessen und nur die verschiedenen Bewegungen und Empfindungen im Körper spüren.

   Lernt, den Körper zu spüren, lernt, für den Körper freundlich zu fühlen. Fühle Dankbarkeit, dass du diesen Körper hast, und ihn zu dieser Übung nutzen kannst.

    Fühle, wie es ist, in dieser Haltung zu sitzen.

    Kannst du dich in dieser Haltung entspannt fühlen?

    Deinen Körper und deinen Geist entspannen?

    Entspannt sein bedeutet, keinen Widerstand zu fühlen für irgendetwas in Körper und Geist.

    Lasst uns eine Weile mit dem Atem verbringen. Erlaubt dem Körper, natürlich zu atmen.

    Lasst den Körper atmen, wie der Körper atmen möchte.

    Wenn der Körper ausatmet, weisst du: der Körper atmet aus. Wenn der Körper einatmet, weisst du: der Körper atmet ein.

    Die ganze volle Aufmerksamkeit ist beim Einatmen und beim Ausatmen.

   Es ist natürlich, dass du Gedanken hast. Nimm wahr, dass du Gedanken hast. Lasse sie zu, lehne sie nicht ab, aber richte deine Aufmerksamkeit auf das Einatmen und das Ausatmen.

    Wenn du unangenehme Empfindungen im Körper hast, bitte lerne, sie aufmerksam zu betrachten, dich mit ihnen anzufreunden. Lerne zu unangenehmen Empfindungen okay zu sagen.

(Glöckchen)

Essen als Meditation

    In ein paar Minuten werden wir essen. Deswegen möchte ich euch sagen, wie man das Essen zur Meditation macht.

   Auch hierbei bemühen wir uns aufmerksam zu sein, bewusst zu essen, soweit möglich in der Gegenwart zu essen. Und bitte bemüht euch, das Essen bewusst zu kauen. Langsam, aufmerksam zu kauen. Wenn du isst, beobachte, was du magst oder nicht magst. Und wenn da weder Mögen noch Nichtmögen ist, dann erkenne, da ist weder Mögen noch Nichtmögen. All das kann man entdecken und lernen, wenn man schweigend isst.

    Es ist auch wichtig zu lernen, wie man Extreme vermeidet. Vermeide, zuviel zu essen oder zu wenig zu essen. Für die Meditation ist es wichtig, die richtige Nahrungsmenge zu kennen. Und die kann man nur lernen, wenn man beim Essen auf den Körper hört.


Diskussion

    "Ich möchte gerne über eure Erfahrungen mit dem Meditieren, der Gehmeditation und so weiter diskutieren. Erzählt von euren Erfahrungen und stellt Fragen zu dem, was ihr bei der Meditation vorhin erlebt habt.

    Darf ich fragen, ob es irgendwelche Probleme oder Fragen zur Sitzmeditation gibt? Ich hatte heute Morgen nur gesagt, sitz und versuche wahrzunehmen, was im Körper und im Geist geschieht. Gab es dazu also Schwierigkeiten oder Fragen?"


Frage:
"Wenn ich meditiere vibriert mein Kopf irgendwie, und mein Körper bewegt sich auch, und da ist eine Art Absicht, mich nach vorn zu beugen, oder nach links, und manchmal auch nach rechts. Ich wüsste gerne, ob das ein Problem sein kann."

Godwin:

    "Ich würde gerne mit dir persönlich darüber sprechen . Ich hab gesehen, was mit deinem Körper passiert ist, und wir sollten ausführlicher darüber reden."

Frage:
"Ich wüsste gerne, ob es sowas wie "sollte" oder "sollte nicht" beim Meditieren gibt. Zum Beispiel, wenn ich im Sitzen meditiere, kann ich nicht aufhören zu denken. Es scheint bei der Gehmeditation besser zu sein, aber wenn ich sitze, wenn die Gedanken strömen, bin ich im Konflikt, ob ich versuchen soll, sie zu stoppen, oder sie einfach zu erlauben."

Godwin:

    "Gut, dass du diese Frage gestellt hast, das ist ein sehr verbreitetes Problem. Es ist nicht möglich, mit dem Denken aufzuhören. Je mehr wir versuchen, nicht zu denken, desto mehr Gedanken haben wir.

   Deswegen hab ich in der geführten Meditation gesagt: Es ist natürlich, dass Gedanken kommen. In der ersten Meditation haben wir versucht, aufmerksam zu sein für die Gedanken selbst. Gedanken, Geräusche, Empfindungen, was immer da ist im Körper und im Geist. Wenn du also beim Meditieren Gedanken hast, ist das kein Grund für Konflikt.

    Und in der zweiten Meditation haben wir versucht, den Atem zu beobachten, wir sollten die Gedanken wahrnehmen und uns mit ihnen anfreunden, keinen Konflikt haben, und dann zum Atem zurückkehren. Dann können wir ein paar Minuten beim Atmen sein, aber dann kommen wieder Gedanken. Das ist die Natur des Geistes, und wir können es nicht kontrollieren.

    Meditation heisst, dass wir verstehen, wie der Geist arbeitet, uns mit dem Geist und allem, was dort geschieht, anzufreunden und üben, langsam und freundlich zum Atem zurück zu kommen. Es ist sehr sehr wichtig, auch wenn wir nicht sitzen, aufmerksam gegenüber den Gedanken zu sein. Beim Sitzen, beim Essen haben wir Gedanken.

   Egal also, was wir gerade tun, es ist eine gute Übung, die Gedanken bewusst wahrzunehmen, nicht nur beim Meditieren. Und wir lernen eine Menge über unsere Gedanken, wenn wir sie nur beobachten, wahrnehmen: Was sind das für Gedanken, die ich habe? Die meisten Gedanken drehen sich entweder um uns selbst oder um Andere. Und manchmal sind die Gednken negativ über Andere oder über uns selbst.

   Dann wissen wir, wir haben negative Gedanken über uns oder Andere, und merken, wie sich daraus Gefühle entwickeln. Dies sind sehr wichtige Einsichten, die wir entwickeln, indem wir die Gedanken beobachten.

    Haben wir mehr Gedanken an die Vergangenheit? Haben wir mehr Gedanken an die Zukunft? Warum denke ich mehr an die Vergangenheit? Was passiert, wenn ich an die Zukunft denke? Mach ich mir Sorgen?

    Deswegen müsssen wir unsere Gedanken kennenlernen, und erkennen, wie die Gedanken Gefühle verursachen können, und wie sie Leiden erschaffen können. Das ist ein sehr sehr wichtiger Aspekt dieser Übung. Es geht also nicht darum, die Gedanken zu stoppen, sondern sie zu entdecken, sie zu verstehen und von ihnen zu lernen. Noch andere Fragen oder Schwierigkeiten?"

Frage:
"Ich hatte beim Meditieren jede Menge Gedanken. Manche sind so offensichtlich, dass man sie gar nicht beobachten muss. Aber es gibt auch sehr zarte, schwache, muss man die beobachten?"

Godwin:

    "Wir sollten jeden Gedanken beobachten. Einmal habe ich bei einer geführten Meditation gesagt: "Kannst du dir eines jeden Gedankens bewusst sein?" Und es ist sehr wichtig zu lernen, dass wir die Gedanken wahrnehmen, ohne sie zu beurteilen: dieser ist zart, jener nicht, dieser ist gut und jener schlecht. Ohne Bewertung. Können wir nur einfach beobachten, wie die Gedanken kommen und gehen?"

Frage:
"Wenn ich stehend oder gehend meditiere, kann ich viel aufmerksamer sein, als beim Sitzen, und ich möchte wissen, wie wir das, was wir in der Meditation gelernt haben, im täglichen Leben anwenden können."

Godwin:

    "Über diese wichtige Thema werde ich heute Abend sprechen. Es ist wirklich sehr wichtig, die Meditation in den Alltag zu integrieren. Ich werde also später darüber reden."

Frage:
"Ich meditiere jetzt seit über einem Jahr und hab viele Probleme, zum Beispiel dass sich mein Körper bewegt, der linke Knöchel tut weh, und wenn ich hinterher aufstehe, hab ich Schwierigkeiten, die aber weggehen, wenn ich mich eine Weile bewegt habe. Jetzt tut meine linke Schulter weh. Ich hab also alle diese Probleme, und ich möchte wissen, ob ich alles richtig mache."

Godwin:

    "Ich sehe da kein Problem. Ich hab heute Morgen versucht zu erklären, dass Meditation bedeutet, einfach alles wahrzunehmen, was in Geist und Körper geschieht, ohne mich zu bekümmern: "Mach ich das richtig? Mach ich was falsch? Ist das sehr merkwürdig, was da gerade passiert?"

   Ich hab ein paar mal wiederholt: "Nur wissen, was geschieht und versuchen zu sagen, es ist okay, besonders, wenn es etwas unangenehmes ist." Ich wiederhole trotzdem noch einmal, dass es extrem wichtig ist zu lernen, mit unangenehmen Empfindungen zu arbeiten, in welcher Form auch immer sie im Körper erscheinen. Nur, indem wir sie erkennen und versuchen, uns mit ihnen anzufreunden, nicht, sie als Probleme zu sehen. Denn wenn du in der Meditation mit ihnen umgehen kannst, dann weisst du auch im täglichen Leben, wie du mit ihnen umgehst.

    Es ist also eine grosse Hilfe, wenn diese unangenehmen Empfindungen bem Meditieren auftauchen. Wir haben noch Zeit für eine Frage."

Frage:
"Bei der Meditation im Stehen hatte mein Körper so eine Art Bewegung. Ich möchte wisssen, was da geschieht."

Godwin:

    "Wie ich vor ein paar Minuten sagte: einfach wissen, dass der Körper sich bewegt."

 
 

godwin

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