Buddha

Ich lehre Eines, und nur dieses Eine:

Das Leiden und  die Befreiung von Leiden.

Was zu der Befreiung von Leiden führt, das ist meine Lehre.

Was nicht zu der Befreiung von Leiden führt, das ist nicht meine Lehre.

Mit diesen oft wiederholten Worten hat der Buddha uns eine zuverlässige Hilfe gegeben, sehr genau zu unterscheiden, was der eigentliche Kern seiner Lehre ist, und was später in guter Absicht oder auch nicht, angefügt und interpretiert wurde.

Hinduistische Einflüsse

 

 

Schon zu Lebzeiten des Buddhas war Indien vom Hinduismus und dem Kastensystem geprägt. Eine herrschende Schicht von Brahmanen genoss den Status und das Ansehen der Oberkaste. Sie waren die Priester, Vermittler zwischen den Göttern und den Menschen. Am untersten Ende der Hirarchie standen die Unberührbaren, die in Armut und Unwissenheit gehalten wurden und die niedrigsten Arbeiten zu ganz geringem oder gar keinem Lohn verrichten mussten.

In dieser Gesellschaft verbreitete sich plötzlich eine Religion, die behauptete, der Mensch sei nicht durch seine Geburt in eine Kaste edel und wertvoll, sondern durch seine Handlungen, seinen Charkter. Die Tieropfer in den Tempeln seien sinnlos und grausam, und die Götter sowieso nicht wichtig, denn der Mensch könne sich nur selbst helfen und befreien.

Natürlich waren die Brahmanen nicht gerade begeistert. Anders als der Islam, der sich mit rücksichtsloser Unterdrückung Andersgläubiger ausbreitet, hat der Hinduismus seinen Erfolg auf Integration begründet. Die zahlreichen lokalen Gottheiten, Riten und Traditionen der Provinzen Indiens wurden einfach integriert. Das ist nicht schwer, wenn die Religion Wiedergeburt und Inkarnationen einer unüberschaubaren Zahl von Gottheiten beinhaltet.

So wurde dem Buddha nach seinem Tode die 9. Inkarnation Vishnus zugeteilt. Noch heute sind einige Hindus erstaunt, dass dies von den meisten Buddhisten nicht als grosse Ehre angesehen wird. Einige der anderen Inkarnationen Vishnus, wie die des Löwen, der Schildkröte oder des Wildschweines, wurden wiederum dem Buddha zugesprochen.

Es ist anzunehmen, dass die starke Betonung des Wiedergeburtthemas auch dem Hinduismus entspringt, denn der Buddha lehrt uns: Kümmere Dich nicht um frühere Leben sondern strebe nach Befreiung im Hier und Jetzt.

Zahlreich sind die Schriften, Kommentare und Legenden, die im Laufe der Jahrhunderte die Buddhistische Lehre ergänzen und erklären sollen.

Da ist z. B. das Abhidhamma, eine sehr intellektuell strukturierte und abstrakte Kategorisierung der diversen Aspekte buddhistischer und zum Teil hinduistischer religiöser und philosophischer Konzepte. Von den 52 geistigen Faktoren, in Tabellen aufgeteilt in 7 universelle, 6 gelegentliche, 4 universelle unheilsame, 10 gelegentliche unheilsame, 19 schöne universelle, 3 abstinente, 2 grenzenlose und einen unverblendeten, bis zur Aufzählung und Erklärung von 24 verschiedenen  Typen des Bewusstseins der Sinnessphäre bietet das Abhidhamma eine reichaltige und intelligente Fundgrube für systematische Psychologen und pedantische Soziologen. Eine Anleitung, im Hier und Jetzt Befreiung von Leiden zu finden, ist sie nicht.

Menschen, die jung sterben, so wird gesagt, haben in einem vorangegangenen Leben gemordet. Warum ist dann aber Mahamaya, die Mutter des Buddha, 7 Tage nach seiner  Geburt gestorben? War sie tatsächlich einmal eine gefährliche Mörderin, oder müssen wir das Gesetz von kamma anders verstehen? Bezieht sich kamma vielleicht ganz direkt auf Hier und Jetzt?

Wenn Alter neben Geburt und Tod zu den grössten Leiden der Menschheit gehören, warum ist dann hohes Alter eine der 10 Segnungen?

Wenn der menschliche Körper nicht schön sein kann, weil er einfach nur ist, was er ist, warum sollte er dann als abscheulich angesehen werden? Ist Abscheu und Ekel vor dem Körper ein Zeichen von Weisheit oder panische Angst vor Versuchung?

Wäre Buddha, wenn er heute leben würde, ein Buddhist?

 

 

 

Dhamma Dipa - Die Insel des Dhamma

 

Der singhalesischen Legende nach hat der Buddha kurz vor seinem Tod Sri Lanka besucht und bestimmt, dass in Zeiten grosser Schwierigkeiten die wunderschöne Tropeninsel eine Zuflucht für seine Lehre, das Dhamma, sein sollte.

Dies und mehr ist - in der Sprache des Pali - niedergeschrieben im "Mahavamsa", einem sehr frühen Werk des Fantasy Genres, entstanden etwa 400 AD, zusammengestellt, wie am Ende eines jeden Kapitels bemerkt wird, zur Erbauung und Freude der Frommen. Der Historische Wert ist fragwürdig, doch selbst optimistische Betrachter zögern, den etwa 80 cm langen Fussabdruck auf dem Addams peak als Beweis des Buddhabesuches anzusehen. Was aber eine Reihe von nationalistisch orientierten Singhalesen, Mönche wie Laien, nicht daran hindert, diesen vermeintlicen Auftrag des Buddha als Grundlage ihres Kampfes gegen die tamilische Minderheit ihres Landes anzusehen.

Kapitel 13 des Mahavamsa beschreibt die Ankunft Mahindas, eines sehr weisen und erfahrenen buddhistischen Mönches, Sohn König Ashokas, aus Indien, der die Bevölkerung Cylons zum Buddhismus konvertierte. (307 - 267 BC) Seine in Pali verfassten Texte wurden damals ins Singhalesische übersetzt.

Nach Mahinda brechen in Ceylon heftige Machtkämpfe der nun durch Schizma und Intriegen entstandenen Buddhistischen Sekten, hauptsächlich die der "Maha vihara" - gegründet von Mahinda selbst - und der ""Abhayagiri vihara" aus.

Unter der Herrschaft des Königs Mahasena (412 - 434) konnte die Abhayagiri-Sekte durch Verleumdnung der Maha vihara Mönche erreichen, dass deren Klöster zerstört und die Mönche vertieben wurden. Nach 9 Jahren in der Verbannung durften die Mönche zurückkehren und der König liess ihre Vihara wieder aufbauen.

Um die wiedererrungene Akzeptanz zu festigen und erfolgreich mit der völlig theoretisch ausgerichteten Abhayagiri Sekte konkurrieren zu können, schien es oppoturn, die alten singhalesichen Texte zurück ins Pali übersetzen zu lassen und mit neuen Kommentaren zu versehen. In den eigenen Reihen fand sich jedoch niemand, der sich der Aufgabe gewachsen fühlte.

Auf Missionsreisen in Südindien entdeckten Maha vihara Mönche einen sehr gelehrten und intellektuellen Bramahnen, den sie für geeignet hielten. Sie brachten ihn nach Sri Lanka, gaben ihm den Namen Buddhaghosa, "die Stimme Buddhas", und dort, in Anuradhapura, übersetzte er den gesamten Pali Kanon und produzierte umfangreiche und ausführliche Kommentare.

Buddhaghosas Integrität kann eigentlich nicht bezweifelt werden. Sein hinduistischer Hintergrund ist sicher nicht ohne Einfluss geblieben, aber er seblst räumt verschiedentlich ein, bestimmte Dinge nicht vollkommen zu verstehen, z. B. das Bedingte Entstehen:

"Will heute ich den Sinn erklären, von der Bedingtheit des Entstehens,

doch find ich keinen Grund und Boden, als ob im Meere ich versänke"

 

An keiner Stelle wird behauptet, dass Buddhaghosa ein Erleuchteter war, und trotz seinem eigenen Eingeständnis, bestimmte Dinge nur aus bestem Wissen und Gewissen erklären zu können, haben seine Schriften (zusammen mit dem Mahavamsa) die ursprünglichen Texte als Referenz ersetzt.

Es gibt in der Bumesischen Literatur Hinweise, dass die alten Manuskripte von Mahinda verbrannt wurden.

Zumindest für die Maha vihara Sekte hat sich diese Vorgehensweise sehr bewährt.

Warnende Worte des Buddhas, in denen er die Verwässerung und Verfälschung seiner Lehre voraussah, werden offnsichtlich in den Wind geschlagen zugunsten von späteren fragwürdigen Interprettionen und Volksmärchen. Kann es sein, dass intellektuelles Verstehen und spekulieren so viel einfacher ist und so viel mehr Einfluss und persönliche Befriedigung sichert, als sich, wie der Buddha empfahl, unter einen Baum zu setzen und in stiller Meditation zu Befreiung zu gelangen?

 

 

 

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