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Leiden Begreifen


von
Phra Ajaan Suwat Suvaco

Aus dem Thailändischen ins Englische übersetzt von Thanissaro Bhikkhu
Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Lothar Schenk

Untersucht euren Körper. Untersucht euren Geist. Ihr habt jetzt durchgehend Meditation gepflegt, und selbst wenn euer Geist noch nicht beruhigt ist, selbst wenn die Versenkungsstufe, zu der er gelangt ist, noch nicht so fest ist, wie ihr es gerne hättet, selbst dann ist das Meditieren von Vorteil, weil es dazu beiträgt, Zuversicht zu entwickeln, Beharrlichkeit zu entwickeln. Zum Mindesten wirkt es sich auf der sinnlichen Ebene aus, indem es euern Verstand schärft und gleichzeitig zur künftigen Charakterverbesserung beiträgt. Lasst euch also nicht entmutigen. Lasst nicht den Gedanken aufkommen, dass eure Meditation nichts Erkennbares bewirkt hätte. Letzten Endes, was wollt ihr denn mit der Meditation erreichen? Man meditiert, um den Geist zu beruhigen; und der Geist beruhigt sich dadurch, dass man loslässt. Das ist das Wesen der Meditation: das Loslassen. Wenn man meditiert, um etwas zu erreichen, dann handelt es sich dabei um Verlangen, die Ursache des Leidens. Meditation dreht sich nicht ums Verlangen. Der Dhamma ist schon da, darum müssen wir ihn nur gründlich erforschen, um die Wahrheit zu erkennen. Die Wahrheit ist nichts Neues. Es gibt sie schon seit undenkbaren Zeiten.

Alle Buddhas der Vergangenheit sind zu genau diesem Dhamma, zu genau dieser Wahrheit erwacht. Obwohl der Kosmos sich von einem Zeitalter zum nächsten gewandelt hat, hat sich der Dhamma nicht zugleich mit dem Kosmos geändert. Ganz gleich, in welchem Zeitalter ein bestimmter Buddha geboren wurde, so erwachte er doch immer zu ein und derselben Wahrheit; und er lehrte immer ein und dieselbe Wahrheit. Derselbe Dhamma, dieselbe Wahrheit ist jederzeit allgegenwärtig. Es ist nur so, dass wir sie nicht erkennen. Wir haben sie nicht bis zu ihren elementaren Eigenschaften ergründet. Ich möchte nur, dass ihr willens seid, sie gründlich zu erforschen. Die Wahrheit ist immer die Wahrheit. Sie ist immer da.

Die Wahrheitslehre des Buddha beginnt mit dem Satz, dass Leiden eine Tatsache ist. Seid ihr von Wehe und Leiden in irgendeiner Art betroffen? Untersucht euch genau. Gibt es da drinnen irgendwo Wehe und Leiden? Oder ist davon überhaupt nichts zu finden? Solange es in eurem Inneren Leiden gibt, ist die Wirklichkeit der vom Buddha gelehrten Edlen Wahrheiten noch vorhanden. Wenn ihr euer geistiges Auge aufmerksam auf das Leiden richtet, das in euch auftaucht, dann ergründet ihr die Wahrheit im Einklang mit dem, was wirklich ist.

Aber der Buddha zeigte nicht nur die Wahrheit vom Leiden auf, er lehrte auch den Weg zum Ende des Leidens. Auch das ist eine Wahrheit. Der Buddha hat gewährleistet, dass wir Befreiung von Wehe und Leiden erlangen werden, wenn wir ihn vollständig entfalten. Es ist nicht so, dass Leiden die einzige Wahrheit ist, dass wir unter Wehe und Leiden begraben bleiben müssen. Der Buddha hat einen Weg aus dem Leiden heraus gefunden, wie ein kluger Arzt, der nicht nur etwas über die Krankheiten weiß, sondern auch eine wundervolle Arznei kennt, um sie zu heilen.

Deswegen ist die Wahrheit vom Weg so wichtig, denn viele, viele Menschen, die ihn beschritten haben, sind auch ans Ziel gelangt. Die Wahrheit vom Weg ist etwas, das man in die Tat umsetzt, um sich vom Leiden zu befreien — so, wie wir es gerade rezitiert haben:

Ye dukkham nappajanati,

Wer das Leiden nicht erkennt,

Atho dukkhassa sambhavam

des Leidens Entstehen...

Tañca maggam na janati

wer den Weg nicht kennt,

Dukkhupasamagaminam

den Weg zur Aufhebung des Leidens...

Te ve jati-jarupaga

wird erneut zu Geburt und Altern kommen.

Wenn wir das Leiden nicht begreifen und den Weg zum Ende des Leidens, werden wir Geburt, Altern und Tod erfahren müssen, welche nicht nur die Ursachen für Leiden sind, sondern auch für das Verlangen, das zu mehr Leiden führt.

Wir sollten froh sein, dass wir alle edlen Wahrheiten haben, die wir brauchen. Es gibt Leiden, und der Weg zum Ende des Leidens liegt nicht weit weg. Wenn wir in die Texte schauen, stellen wir fest, dass der Buddha und seine edlen Schüler nichts weit Hergeholtes praktiziert haben. Sie haben die Handlungen von Körper und Geist gereinigt. Sie taten das, indem sie ihren Körper und Geist so sahen, wie sie tatsächlich sind. Wenn wir nicht erkennen, wie unser Körper und Geist tatsächlich sind, dann verursacht das Leiden. Wenn wir uns darum bemühen, unseren Körper, unseren Geist so zu sehen, wie sie wirklich sind, dann ist das der Weg zur Befreiung vom Leiden. Außer diesem gibt es gar keinen Weg.

Wer haben schon einen Körper. Wir haben schon einen Geist — diese Fähigkeit zur Erkenntnis. Also nehmen wir diese Erkenntnisfähigkeit und wenden sie an, indem wir den Körper gemäß seiner drei Merkmale eingehend untersuchen: aniccata, Unbeständigkeit; dukkhata, Leidhaftigkeit; und anattata, Nicht-Selbstheit. Unbeständigkeit und Leidhaftigkeit stehen auf Seiten des Leidens und seiner Ursache. Wir müssen Dinge, die unbeständig sind, eingehend untersuchen, um erkennen zu können, wer sie sind, wer für sie verantwortlich ist, wem sie wirklich gehören. Diese Sache mit der Unbeständigkeit ist wirklich wichtig. Rupam aniccam: Form ist unbeständig. Wem gehört die Form? Rupam dukkham: Form ist leidhaft. Wer wird von dem Leiden getroffen? Leiden ist etwas, das von bestimmten Ursachen und Bedingungen abhängig ist, damit es auftauchen kann. Es kommt nicht von selbst. Genau wie bei Klängen und Geräuschen. Wir brauchen Berührung, um sie hören zu können. Ohne Berührung wissen wir nichts von irgendwelchen Klängen und Geräuschen. Genauso hängt auch das Leiden von Berührung ab. Ohne Berührung wissen wir auch nichts von Leiden. Wenn Wehe und Leiden uns von ganz alleine treffen und versengen könnten, hätte der Buddha niemals Befreiung von ihnen erlangen können. Es gäbe für uns keine Möglichkeit, etwas zu tun, denn ganz egal, was wir tun würden, wäre das Leiden in der Lage, uns von sich aus zu treffen und zu versengen. Aber Tatsache ist, dass wir durch unsere Übung Befreiung vom Leiden erlangen können, weil es nicht unlösbar mit dem Geist verbunden ist, weil es nicht unlösbar mit dieser Erkenntnisfähigkeit verbunden ist. Es ist abhängig von der Berührung mittels der Sinnesorgane, um auftauchen zu können.

Deswegen untersuchen weise Leute genau, wie es sich mit der Wahrheit verhält. So wie es in unserer Rezitation heißt:

Ayam kho me kayo,

Dieser Körper hier,

Uddham padatala

Von den Fußsohlen aufwärts,

Adho kesamatthaka

Vom Kopfscheitel abwärts,

Taca-pariyanto

Von Haut umgeben.

Innerhalb dieses Körpers haben wir alle fünf Ansammlungen: Form, Gefühl, Wahrnehmung, Gedankenbildungen und Bewusstsein. Form ist die gröbste der Ansammlungen, denn wir können sie mit der Hand berühren und sie mit den Augen sehen. Was Gefühl, Wahrnehmung, Gedankenbildungen und Bewußtsein betrifft, so sind das geistige Erscheinungen. Obwohl wir sie mit dem Körper nicht berühren können, können wir sie trotzdem erkennen und erleben. Zum Beispiel haben wir ständig Wohlgefühle, Wehgefühle und Weder-Wohl-Noch-Weh-Gefühle. Wahrnehmung: wir erinnern uns an bestimmte Dinge und benennen sie. Gedankenbildung erzeugt Gedanken, und Bewusstsein bemerkt die Dinge. Wir alle bemerken Dinge, benennen sie, erzeugen Gedanken über sie und erleben Wohl und Wehe wegen ihnen.

Das Hauptproblem ist Form in Gestalt des Körpers. Der Buddha lehrte uns, ihn genau zu untersuchen, um die edlen Wahrheiten sowohl bei der Form als auch bei den geistigen Erscheinungen zu erkennen. Wenn er lehrte, dass Geburt Leiden ist, Altern Leiden ist, Tod Leiden ist, dann bezog er sich auf Geburt, Altern und Tod bei eben dieser Form hier, wo die fünf Ansammlungen zusammentreffen — diese physische Form, die wir alle haben. Und dennoch möchten die meisten von uns nicht über diese Wahrheiten nachdenken. Wir glauben, dass Geborensein angenehm sei. Wir bringen Wohl und Wehe ganz durcheinander. Weil wir die Wahrheit darin nicht erkennen, suchen wir nicht nach einem Ausweg. Der Buddha allerdings kannte diese Wahrheit, weswegen er sie sich ständig gegenwärtig hielt. Er probierte aus, ob Geborensein angenehm ist, indem er darauf achtete, ob der Geist beim Geborensein ruhig bleiben konnte: "Gibt es etwas Schmerzliches dabei? Etwas, das im Geist Unruhe stiftet? Und was schmerzt und beunruhigt den Geist anderes als Geburt, das Aufsteigen von Dingen?" Eben wegen des Geborenseins des Körpers müssen wir nach Nahrung für ihn suchen, um ihn am Leben zu erhalten. Und wenn es erst einmal Geburt gibt, gibt es auch Altern, Verfall und Verschleiß, dauernden Verschleiß. Was immer wir uns verschaffen, geht wieder weg, geht tagtäglich wieder weg, verfällt tagtäglich wieder.

Der Buddha erwachte zu der Wahrheit, dass Geborensein überhaupt nicht angenehm ist. Wohlsein gibt es da nur, wenn wir etwa hungrig sind und dann genug essen, damit der Hunger für kurze Zeit weg geht. Aber bald werden wir wieder hungrig. Wenn es uns in der Sonne heiß wird, suchen wir im Schatten Unterschlupf, um uns etwas abzukühlen, aber bald spüren wir die Hitze wieder. Sind wir müde, machen wir eine Rast. Aber wenn wir uns für längere Zeit hinlegen, fühlen sich unsere Glieder bald steif an. Wenn wir lange Zeit gehen, werden wir müde. Wenn es sich so mit den Dingen verhält, kann der Geist ja keinen Frieden, keine Ruhe finden. Aufgrund von Geburt wird er aufgewühlt und bringt Befleckungen hervor. Und das ist noch nicht alles. Wenn Geburt erst einmal stattgefunden hat, folgen darauf Altern und Verfall. Man mag sich noch so sehr um den Körper kümmern, er bleibt nicht bei einem. Am Ende fällt alles auseinander. Und wenn er am Sterben ist, kann ihn keiner mehr zusammenhalten. Wenn wir erst dann zur Besinnung kommen, wenn er schon tot ist, und erst dann begreifen, dass er sterben muss, ist es zu spät, um noch etwas tun zu können.

Aber wenn wir diese Wahrheiten schon jetzt in der Gegenwart überzeugend einsehen können, dann lassen wir uns nicht von unserer Jugend oder von unserer Vitalität in Sicherheit wiegen. Wenn wir jederzeit die Tatsache gegenwärtig haben können, dass der Tod unvermeidlich ist, dass uns jederzeit — obwohl wir so stark sein mögen wie ein Elefantenbulle — eine Krankheit befallen und so niederwerfen kann, dass wir nicht einmal mehr aufstehen können, dass wir nicht mehr in der Lage sind, uns selbst zu helfen: wenn wir das einsehen, dann sagt man, lassen wir uns von Gesundheit nicht zu selbstgefälligem Nichtstun verleiten. Dann werden wir so handeln, wie es uns wirklich von Nutzen ist und uns eine Zuflucht schaffen, die wir dann brauchen werden, wenn wir bei unserer Jugend, Gesundheit oder Lebenskraft keinen Schutz mehr finden. Wo man auch hinschaut im Körper, sieht man, wie er sich aufreibt. Wo man hinschaut, sieht man Krankheiten. Wo man hinschaut, sieht man Unreines. Wenn man das klar erkennt, wird man nicht mehr wie ein Narr zum Festhalten daran verleitet werden. Ihr könnt die einzelnen Bestandteile des Körpers betrachten und erkennen, dass sie alle unbeständig, leidbehaftet und Nicht-Selbst sind. Wenn ihr klare Einsicht in Nicht-Selbst gewinnt, werdet ihr auch in der Lage sein, Leiden und Unbeständigkeit abzuschütteln. Das kommt deswegen, weil Unbestand eine Sache von Nicht-Selbst ist; Leiden ist eine Sache von Nicht-Selbst. Sie sind nicht unsere Sache, sie gehen uns nichts an. Also was sollte es uns bringen, wenn wir dagegen ankämpfen und unseren Geist ihretwegen mit unguten Regungen beflecken?

Deswegen nennen das die Edlen, wenn sie diese Wahrheiten erkennen, die Gefahren des Kreisens im Samsara. Ihr müsst verstehen, was mit dem Ausdruck "Kreisen" gemeint ist. Es gibt das Kreisen in der Befleckung, das Kreisen im Handeln und das Kreisen in den Auswirkungen des Handelns. Das Kreisen in der Befleckung ist das Nichtwissen, durch das der Geist dumm und befleckt wird. Diese Befleckungen sind die Ursache von Wehe, Leiden und Gefahr. Dann gibt es das Kreisen im Handeln. Alle Handlungen, die wir unter dem Einfluss der Befleckungen ausführen, lassen uns im Kreislauf weiterkreisen, wobei wir manchmal auf rechte Weise handeln, manchmal auf verderbliche Weise. Selbst rechtes Handeln kann ja zu Verblendung führen. Wenn wir als Ergebnis unseres rechten Handelns Gutes zu sehen und zu hören bekommen, Anerkennung erfahren oder Reichtum erlangen, dann kann dies bei uns zu ungutem Handeln führen, wenn wir nachlässig und überheblich werden, weil wir uns irrigerweise dazu verleiten lassen, diese Dinge mit einem Selbstgefühl auszustatten und als persönliche Errungenschaften anzusehen. Wenn sie sich dann anders entwickeln, als wir es gerne hätten, sind wir enttäuscht und fangen an, böse zu handeln. Wenn sie uns entgleiten, handeln wir auf unrechte Weise. Dadurch wird das Kreisen im Handeln sowohl in Bezug auf körperliches Handeln als auch auf Handeln in Worten verursacht. Wenn wir dabei auf verderbliche Weise handeln, dann ist aufgrund dessen das Kreisen in den Ergebnissen schmerzlich für uns. Wenn wir diese Schmerzen erleiden, wird der Geist befleckt. Unsere Sicht verschleiert sich, weil uns das Leiden überwältigt. So entstehen sowohl Hass als auch Gier nach den erwünschten Dingen, und dadurch beginnt das Kreisen in der Befleckung von neuem.

Wenn wir daher das Leiden als Teil dieses Kreislaufs begreifen können, dann können wir das Kreisen in der Befleckung anhalten, das wiederum neues Kreisen im Wirken und seinen Auswirkungen hervorbringen würde. Also lasst uns die Wahrheit vom Leiden ergründen, damit wir dieses Kreisen durch Einsicht in Gestalt der rechten Ansicht, welche ein Glied des edlen Wegs ist, unterbrechen können. Lasst uns den Weg durch die Erkenntnis des Leidens in Geburt, Altern, Krankheit und Tod pflegen und stärken. Wenn wir das Leiden als das begreifen, was es wirklich ist, brauchen wir uns um die Ursache des Leidens nicht zu sorgen, denn wie könnte diese entstehen, wenn wir die Nachteile ihrer Auswirkungen erkennen? Sobald das wahre Wissen entstanden ist, wie könnte da noch Nichtwissen auftauchen? Es ist wie wenn man sich in Dunkelheit befindet. Wenn wir herumlaufen und versuchen würden, die Dunkelheit zu packen und wegzuschieben, würde uns das nicht gelingen. Durch uns läßt sich die Dunkelheit nicht vertreiben. Sie muss vom Licht vertrieben werden. Wenn man ein Feuer anzündet, verschwindet die Dunkelheit von alleine. Genauso ist es mit dem Nichtwissen. Wir können es durch unser Denken nicht vertreiben. Es kann nur durch unmittelbares klares Sehen, durch Einsicht vertrieben werden. Sobald wir diese Art von Einsicht hervorbringen, verschwindet die Ursache des Leidens von alleine, ohne dass wir uns eigens mit ihr beschäftigen müssten.

Also gebt euch Mühe, diese unmittelbare klare Einsicht zur vollen Entfaltung zu bringen, und ihr werdet ohne jeden Zweifel die Befreiung vom Leiden erfahren. Strengt euch richtig an.

Das soll erst einmal genug sein. Meditiert weiter.


Source : http://home.arcor.de/einsicht/comprehend.html