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Körperschulden

(Bodily Debts)
von
Ajaan Lee Dhammadharo
(Phra Suddhidhammaransi Gambhiramedhacariya)

Aus dem Thailändischen ins Englische übersetzt von Thanissaro Bhikkhu
Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Lothar Schenk

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Unser Körper hier: tatsächlich gibt es daran nicht das Geringste, das uns wirklich gehört. Von Tieren und Pflanzen haben wir ihn her — von Schweinen, Garnelen, Hühnern, Fischen, Krabben, Kühen usw. und von verschiedenem Gemüse, von Früchten und von Getreide, die zu Speisen gemacht wurden, die wir gegessen haben, die der Körper gekaut und verdaut und in Blut, das die einzelnen Körperteile ernährt, umgewandelt hat. Anders gesagt, haben wir gekochte Dinge genommen und wieder in ungekochte Dinge zurückverwandelt: Ohren, Augen, Hände, Arme, Rumpf usw. Daraus entstehen dann männlich und weiblich, man gibt ihnen Status und Ehrentitel, und so kommt es am Ende, dass wir diesen ganzen Konventionen auf den Leim gehen. Tatsächlich sind aber unsere Köpfe Kohlköpfe, unsere Haare sind Schweineborsten, unsere Knochen sind Hühner- und Entenknochen, unser Fleisch ist Rindfleisch usw. Es gibt nicht ein einziges Teil, das uns wirklich gehört, aber wir beanspruchen das Ganze für uns und behaupten, es sei dieses oder jenes. Wir vergessen die ursprünglichen Besitzer, von denen wir das alles bekommen haben, und eignen es uns also an. Wenn dann die Zeit naht, wo sie kommen und alles wiederhaben wollen, da wollen wir es nicht mehr hergeben, und dann geht es drunter und drüber und bringt Leiden für uns, wenn der Tod naht.

Wenn all die Tiere, die wir gegessen haben, jetzt in diesem Augenblick aus uns heraustreten würden (dabei rede ich nicht mal von den ganz großen, wie Kühe und Ochsen; sagen wir, es wären nur die kleinen — Garnelen, Fische, Austern, Krabben, Hühner, Enten und Schweine —, die herauskämen), dann wäre in diesem Meditationssaal nicht genug Platz für sie alle. Keiner könnte mehr leben hier im Kloster. Wieviele Schweine, Enten, Hühner und Garnelen hat jeder von uns gegessen? Wieviele Schwärme an Fisch? Wenn man das ausrechnen würde, wer weiß, was für eine Zahl dabei heraus kommen würde — all die Tiere, die wir selber zum Essen getötet haben, oder die andere für uns getötet haben. Wie könnt ihr glauben, dass diese Tiere nicht kommen und einen Ausgleich dafür verlangen werden? Wenn wir ihnen nichts geben können, dann werden sie mit Sicherheit alles, was wir haben, wieder in Besitz nehmen. An der Schwelle des Todes: genau da werden sie uns umringen und verlangen, dass wir unsere Schulden bezahlen sollen. Wenn wir dann nichts für sie haben, werden sie uns einfach niedertrampeln. Nur wenn wir genug haben, was wir ihnen geben können, werden wir ungeschoren davonkommen.

Anders gesagt: wenn wir innerlich viel Gutes entwickelt haben, dann werden wir in der Lage sein, etwaigen Schmerzen, die uns quälen, Paroli zu bieten und den Körper mit Anstand zurückzugeben — das heißt, unser Anhangen daran aufzugeben. Das ist der Augenblick, in dem wir Frieden finden. Wir sollten uns klar machen, dass der Körper uns schon jetzt, tagtäglich, Stück für Stück, verlässt und uns gehen lässt. Wir aber haben ihn noch nie verlassen, haben ihn keineswegs gehen lassen. Wir hängen auf jede denkbare Art und Weise an ihm, zum Beispiel ist es beim Essen so: wir hängen am Essen, aber das Essen hängt nicht an uns. Essen wir es nicht, gibt es nicht einen Mucks von sich. Das ganze Anhangen liegt nur auf unserer Seite.

Freude, die uns der Körper bringt, ist weltliche Freude: einen Augenblick lang gut und gleich wieder anders. Sie bleibt nicht und sie ist nicht von Dauer, ganz und gar nicht. Nehmt einmal das, was ihr esst: wann genau ist es gut und wohlschmeckend? Gut und einladend sieht es nur aus, wenn es schön angerichtet auf einem Teller liegt. Und wohlschmeckend ist es nur in dem kurzen Augenblick, wo ihr es im Mund habt. Und wie ist es, wenn es die Kehle hinuntergerutscht ist? Und wenn es in die Eingeweide gelangt ist und am anderen Ende wieder herauskommt, wie ist es dann? Es ändert sich die ganze Zeit. An solche Dinge zu denken reicht aus, um einem die Illusionen über alles in der Welt zu nehmen.

Weltliche Freude ist nur gut, wenn sie heiß und frisch ist, wie frisch gekochter Reis auf einem Teller, wenn er noch heiß ist und dampft. Wenn man ihn kalt werden lässt, schmeckt er nicht mehr. Lässt man ihn stehen, bis er hart wird, kriegt man ihn nicht mehr hinunter; und lässt man ihn über Nacht liegen, wird er schlecht und man muss ihn wegwerfen.

Was die Freude des Dhamma betrifft, die ist wie das Leuchten der Sterne oder die Farbe von Gold. Das Leuchten der Sterne ist klar und rein. Bei ihrem Anblick fühlt sich ein jeder beruhigt und erquickt. Ist jemand niedergeschlagen und er blickt zu den Sternen auf, schon verschwindet seine Niedergeschlagenheit. Was die Farbe von Gold betrifft, so schimmert und glänzt es immer gleich. Egal, wozu das Gold verarbeitet wird, seine Farbe verändert sich nicht. Es schimmert und glänzt genau wie immer.

Genau so dauerhaft ist auch die Freude des Dhamma und ist für diejenigen, die ihn ausüben, alle Zeit hindurch erquickend. Deswegen streben vernünftige Leute nach Freude im Dhamma und geben ihre wertlosen, bedeutungslosen weltlichen Freuden auf, um sie für dauerhafte Freude einzutauschen, indem sie die Meditation ausüben, bis ihre Herzen und Taten jene Stufe der Güte, Schönheit und Reinheit erreicht haben, die jenseits von allem Tun, jenseits von Wehe und Leiden liegt.

Source : http://home.arcor.de/einsicht/koerperschulden.html