Dāna
Bedeutung und Verhältnis zur Konsumgesellschaft

 

von Santikaro Bhikkhu und Viriya
München 2003
Copyright Santikaro Bhikkhu und Viriya
nur zur kostenlosen Verteilung

 

- Gut ja, Herr, ist das Geben, und gerade auch bei kleinem Besitz ist gut das Geben, mit Vertrauen getan ist gut das Geben, aus rechtschaffen erworbenem Besitz ist gut das Geben. mit Unterscheidungsvermögen getan ist gut das Geben, das wurde vom Erhabenen empfohlen. Was denen, die der Spende wert, gegeben wurde, das trägt reiche Frucht, wie Samen gesät in gutes Feld. -

Die Sonne, die Erde, das Wasser, die Luft, die wir atmen, Pflanzen und Tiere, unsere Mitmenschen, unser Körper und unser Bewusstsein, all das sind Geschenke der Natur (Dhamma), die uns gegeben werden, die wir miteinander teilen, ohne dass wir einen anderen Anspruch darauf hätten, als früher einmal gewirktes Kamma. Und auch das Dhamma des Buddha ist ein Geschenk für uns und die Gesellschaft, in der wir uns bewegen, in einer Welt beherrscht von Geld und militärischer Macht, in der wir darum ringen, einen Lebenssinn zu finden. Dieses Geschenk des Dhamma ist so viel mehr als Belehrungen, Meditationsanleitungen, Worte. Dhamma kann nur ein Geschenk sein, denn es kann nur gegeben werden, nie genommen werden. Es ist seine Natur, geteilt zu werden, recycelt zu werden, zu zirkulieren in einem Zyklus der Großherzigkeit statt in einem Kreislauf des Begehrens. Das Dhamma des Gebens ist das Gegenmittel zu diesem Kreislauf des Begehrens, in seiner Manifestation als Marktwert, Dividenden, Gewinnoptimierung und allen anderen Ausdrucksformen der Gier in einer auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft.

Würden die Wesen den Lohn für das Verteilen von Gaben kennen, so wie ich, so würden sie nichts genießen, ohne etwas gegeben zu haben, und es würde der Makel des Geizes nicht ihr Herz umsponnen halten. Selbst den letzten Bissen, den letzten Brocken, würden sie nicht genießen, ohne davon auszuteilen, falls sie einen Empfänger dafür hätten. Da nun aber die Wesen den Lohn für das Austeilen von Gaben nicht so kennen wie ich, deshalb genießen sie auch, ohne etwas gegeben zu haben, und der Makel des Geizes hält ihr Herz umsponnen.

Dass Geld in unserem Bewusstsein großen Raum einnimmt, steht außer Frage. Dass Geld und Reichtum eine störende und korrumpierende Rolle in der Religion spielen kann, ist hinreichend bekannt. Die zunehmende Anhäufung von Reichtum der "oberen Zehntausend" der westlichen Welt trägt zur gesteigerten Gewaltbereitschaft, nicht nur in bereits gewalttätigen Gesellschaften bei. Diejenigen mit etwas Geld sind reich, wenn man den Standard der überwiegenden Zahl der Weltbevölkerung zugrunde legt, und sie geben viel Geld für Luxusartikel, Trivialitäten, Schnickschnack und Suchtmittel aus. Aus diesen Gründen zählt die Frage, wie wir über Geben und Nehmen denken, wie sich buddhistische Gruppen und Zentren finanzieren und wie wir unsere Rolle als Buddhisten in einer konsumorientierten Kultur definieren, zu den wichtigsten moralischen und praktischen Fragen, denen sich der westliche Buddhismus jetzt und in den kommenden Jahren stellen muss. Daher verdient Dāna (geben, spenden) als zentraler Begriff bei diesen Fragen eine genaue Untersuchung, besonders, wenn die Gefahr besteht, dass ein kapitalistisches Verständnis von Dāna die Oberhand gewinnen könnte.

Dāna: Bedeutung, Geschichte, Geschichten

Dāna bedeutet "geben", "verteilen", "schenken" oder "angewandte Großzügigkeit". Es ist ein aktives Prinzip, eine aktive Tugend, nicht abstrakte "Verdienste", die irgendwie angehäuft und besessen werden. Dāna beschreibt das Teilen der Gaben, die uns zugefallen sind, seien sie materieller, spiritueller, intellektueller oder künstlerischer Art, mit denen, die ihrer wert sind. Dāna heißt Dinge, die Wert besitzen, dort zu geben, wo sie gebraucht werden und Nutzen bringen. Dāna bezieht sich auf Dinge, die es wert sind, verschenkt zu werden, es handelt sich nicht um die bequeme Art der "Spende", mit der man altes Gerümpel loswird.

Gleich wie aus einem gefüllten Gefäß, das umgedreht wird, alles Wasser restlos herausläuft, ebenso sollte man den Bedürftigen geben, seien sie hochgestellt, mittel oder niedrig, ohne etwas zurückzuhalten.

Empfänger von Gaben qualifizieren sich auf verschiedene Weise. Eine davon ist wirkliches Bedürfnis, wie zum Beispiel bei Opfern von Hungerkatastrophen, Krieg und Naturkatastrophen sowie Kranke, Arme und Waisen. Wenn wir wirklich verstehen, dass andere Menschen, wenn ihr Leben in Gefahr ist, unsere Großzügigkeit verdienen, dann ist unsere Hilfe wirkliche Wohltätigkeit, ausgelöst von Nächstenliebe, und nicht die häufiger anzutreffende moderne Version davon, die durch Mitleid und Überheblichkeit motiviert und abgewertet wird.

Freigiebigkeit hat ihre Wurzel im Mitgefühl.

Eine andere Weise, sich Dāna wert zu erweisen, hat mit der Art, wie man lebt und handelt, zu tun. Zum Beispiel die eines Arztes, der sich um Obdachlose kümmert oder die eines ernsthaft bemühten, nicht selbstsüchtigen Dhammaschülers.

Wer von der Lehre durchdrungen ist, den erkennt man daran, dass er freigiebig ist und mit offenen Händen in der Welt lebt und sich der Bedürftigen annimmt, dass ihn das Schenken und Geben glücklich macht und er seinen Geist vom Makel des Geizes befreit hat.

Zur Seite sitzend, sprach da der König Pasenadi, zum Erhabenen also:
Jataka Nidana 128–129
M 99
A III, 42

"Wann ist denn, Herr, Almosen zu geben?"
"Wenn das Herz, o Großkönig, daran Freude hat."
"Wann nun, Herr, trägt das Gegebene reiche Frucht?"
"Etwas anderes, o Großkönig, ist dies: 'Wann ist Almosen zu
geben?' und etwas anderes wieder dies: 'Wann trägt das
Gegebene reiche Frucht?' Was einem, der sittliche Zucht übt,
gegeben wurde, o Großkönig, trägt reiche Frucht, nicht ist es so
bei einem Unsittlichen."

Am würdigsten aber sind die, welche verstehen, dass alles ein Geschenk ist, das weitergegeben werden muss. Nichts wird als "Mein" zurückbehalten und so bleibt das Geschenk im Fluss, wird veredelt und steigt im Wert.

Was ich aber lehre, o Vaccha, ist dies: Selbst wenn einer die Spülreste aus Schüssel oder Schale in einen Tümpel oder Teich entleert, mit dem Wunsch, dass die darin befindlichen Lebewesen davon verzehren möchten, so hat er, sage ich, schon dadurch Gutes getan; um wie viel mehr aber, wenn es sich um menschliche Wesen handelt. Freilich, o Vaccha, lehre ich auch, dass das den Sittenreinen Dargereichte hohen Lohn bringt, und nicht ist es so bei einem Sittenlosen. Denn im Sittenreinen sind fünf Eigenschaften geschwunden, und mit fünf Eigenschaften ist er ausgerüstet. Welche fünf Eigenschaften aber sind in ihm geschwunden? Sinnenlust istgeschwunden; Ärger ist geschwunden; Starrheit und Mattigkeit sind geschwunden; Aufgeregtheit und Gewissensunruhe sind geschwunden; Zweifelsucht ist geschwunden. Mit welchen fünf Eigenschaften aber ist er ausgerüstet? Mit der dem Heiligen eigenen Fülle der Sittlichkeit ist er ausgerüstet, mit der dem Heiligen eigenen Fülle der Sammlung, mit der dem Heiligen eigenen Fülle der Weisheit, mit der dem Heiligen eigenen Fülle der Befreiung, mit der dem Heiligen eigenen Fülle des Erkenntnisblicks der Befreiung. Somit bringt bei einem, der von fünf Eigenschaften befreit und mit fünf Eigenschaften ausgerüstet ist, das Dargereichte hohen Lohn, das sage ich.

Der vom Geiz angekränkelte Geist wird in diesen Ausführungen sogleich glauben, ein Schlupfloch entdeckt zu haben: "Ich kenne aber doch niemand, der einer Spende würdig wäre, und auch bei Hilfsorganisationen weiß man ja nie, wo das Geld bleibt. Wenn man trotzdem gibt, kommt doch nichts Gutes dabei heraus." Dieser Art des Denkens aber erteilt der Buddha eine klare Absage:

Gibt ein Sittenhafter einem Sittenlosen, Voller Zuversicht, was ehrlich ward erworben, Voller Zutrau'n, dass die Frucht der Handlung groß ist, Läutert Gebertugend diese Opfergabe

Notwendigkeiten

Speise gibt der, der Kraft geben will; Gewänder gibt der, der Schönheit geben will, Ein Gefährt gibt der, der Wohlfahrt geben will; Eine Lampe gibt der, der Schauen will. Der aber ist einer, der alles gibt, wer eine Heimstätte gibt, Und Nichtsterben gibt der, der die Wahrheitslehre verkündet.

Im frühen Buddhismus finden wir viele Beispiele für Dāna. Eines der ersten ist das von Sujātā, die dem ausgehungerten Bodhisatta süßen Milchreis offeriert. Diese Gabe wird als besonders hervorragend bewertet, weil sie zum Erhalt der körperlichen Grundlage des Großen Erwachens beitrug. So ist auch das Erwachen des Buddha unterstützt vom Dāna gewöhnlicher Menschen. Und dieses Beispiel wird durch den Sangha, den er gründete, fortgeführt.

Der Mönch, der aus dem Wald oder dem Kloster kommend über die Felder und durch die Straßen der Dörfer und Städte geht, vor den Häusern stehen bleibt und still auf Dāna wartet, ist weniger ein Stereotyp als ein Archetyp. In Südostasien hat diese Übung überlebt, auch wenn ihr Schicksal ungewiss sein mag. Es ist nicht schwer, sich den glatt rasierten Kopf einer Nonne oder eines Mönchs vorzustellen, der sich über die Almosenschale neigt, während ein Kind oder eine Hausfrau oder ein alter Mann einen Löffel Reis, etwas Curry oder eine Frucht hineingibt. Außer dem stillen Sitzen, welches Bild kommt uns am ehesten ins Bewusstsein, wenn wir daran denken, was Ordinierte tun? Erstaunlicherweise halten die meisten modernen Buddhisten diese Übung aber für weniger erstrebenswert als die der Meditation. Erhalten sie jedoch Gelegenheit, an diesem Geben und Nehmen teilzuhaben, findet man sie hinterher oft tief bewegt. Vermutlich liegt die Kraft dieses Bildes in der alten Bedeutung, die wir noch immer tief in unseren Herzen tragen. Ein zentraler Bestandteil des Archetyps ist Nahrung, das, was ernährt und erhält. Und so haben auch alle Religionen Rituale, die mit dem Essen verbunden sind. Die Robe und die Almosenschale des Buddha zu tragen, ähnelt den christlichen Sakramenten. Sie geben gewöhnlichen Notwendigkeiten wie Nahrung und Kleidung eine tiefere Bedeutung. Ordinierte üben sich bewusst darin, diese Bedeutung zu erhalten und zu vertiefen: Sie sind nur natürliche Elemente, nicht "Mein"; Notwendigkeiten des Lebens, der Natur (= Dhamma) entspringend, im Dienste der Befreiung, Wahrzeichen der Harmlosigkeit und Nicht-Ausbeutung, Hinterlassenschaften des Buddha, weitergeführt durch die edle Nachfolge, deren Vorbild wir nacheifern. Sakramente transformieren uns. Dāna erhält sie am Leben. Diese Art des Denkens bewahrt Dāna davor, eine hohle ausbeuterische Imitation zu werden, ohne wahren Gehalt. Es ist unmöglich, für das Denken  des kapitalistischen Warenaustausches und der konsumorientierten Zügellosigkeit so eine Form des Lebens zu begreifen. Sie ist zu ineffizient, zu gemeinschaftlich, zu langsam, zu glücklich. Zu der Zeit als sich der Buddhismus im Ganges-Tal ausbreitete, bedeutete Nahrung einfach Reis, das ist in vielen Ländern Asiens auch heute noch so. Reis, wie auch anderes Getreide, trägt in sich die Bedeutung von Fruchtbarkeit, Lebenserhalt, Arbeit von anderen und die ganze damit verbundene Ökologie. In einer auf Reis basierenden Ökonomie, wie es z.B. Siam vor nicht allzu langer Zeit noch war, ist es sehr schön und macht offensichtlichen Sinn, die Reisspende ins Zentrum religiösen Lebens und religiöser Übung zu stellen.


Fünf rechtzeitige Gaben gibt es, ihr Mönche. Welche fünf? Man bringt dem ankommenden Gast Gaben dar; dem Fortgehenden bringt man Gaben dar; dem Kranken bringt man Gaben dar; bei Nahrungsmangel bringt man Gaben dar; was es aber an Erstlingskorn und Erstlingsfrüchten gibt, das bringt man als Ersten den Tugendhaften dar.

In einer konsumorientierten Ökonomie jedoch ... Was macht da Sinn? Geschenkgutscheine? Traditionelle Gastfreundschaft gebot es, Fremde mit Essen zu bewirten. Nun, da wir in einer Gesellschaft von Fremden leben, überlassen wir gerne die Gastfreundschaft Burger King, Pizza Hut und anderen Firmen der Gastfreundschaftsindustrie.

Acht Gaben eines guten Menschen gibt es, ihr Mönche. Welche acht? Reines gibt er, Auserwähltes gibt er, zur rechten Zeit gibt er, (für den Mönch)Erlaubtes gibt er, mit Überlegung gibt er, häufig gibt er, beim Geben erheitert sich sein Herz und nach dem Geben fühlt er sich zufrieden. Diese acht Gaben eines guten Menschen gibt es, ihr Mönche. Erlaubten Trank, erlaubte Kost, vorzüglich, rein, zur rechten Zeit, vertraut er oft als Gabe an dem hehren Feld der Heiligen. Wo keine Reue sich erhebt, selbst wenn man viele Dinge schenkt, dort preist die Gabe, die man gibt, ein jeder, der voll Einsicht ist. Wer, weise, also Gaben gibt, vertrauensvoll, freigeb'gen Sinns, solch weiser Mensch wird hingelangen zu einer leidlos sel'gen Welt.

Sangha-Dāna

Was es auch, Cundī, an Jüngerschaften oder Mönchsgemeinden gibt, als höchste unter ihnen gilt die Jüngerschaft des Vollendeten, als da sind die vier Paare der Heiligen, die acht Arten der Heiligen. Diese Jüngerschaft des Erhabenen ist würdig des Opfers, würdig der Gastspende, würdig der Gaben, würdig des ehrfurchtsvollen Grußes, der beste Boden in der Welt für gute Werke. Jene nun, Cundī, die auf die Jüngerschaft vertrauen, die vertrauen auf das Höchste. Denen aber, die auf das Höchste vertrauen, ist höchster Segen beschieden.

Der spirituell Suchende, ausgerüstet mit ein paar Roben, Almosenschale und wenigen anderen Notwendigkeiten, ohne eigenes Heim, ohne Geschäfte, in die investiert werden muss, ohne Familie, die unterhalten werden muss – lebt ein einfaches und freies Leben. Ein nicht selbstsüchtiges, geradliniges, tugendhaftes, glückliches Leben, harmlos und der freundschaftlichen Verbundenheit mit allen Wesen gewidmet und auf die Leerheit (Selbstlosigkeit) ausgerichtet.

Wie die Biene den Nektar mit sich nimmt, ohne die Blüte zu verletzen oder ihre Farbe und Duft zu beeinträchtigen, so lebt der Weise in seinem Dorf.
Solche Gabenempfänger reinigen und erhöhen den Akt des Gebens und das daraus erwachsende Kamma um ein Vielfaches. Deshalb hob der Buddha das Sangha-Dāna über Geschenke an Individuen und sogar über die an den Erhabenen selbst hervor. Man gab nicht nur dem zur Soheit-Gegangenen, der wahrhaft bedürfnislos war. Man gab denen, die sich im Achtpfad übten und ihren Führern, der Gemeinschaft, die den Weg offen hält. Das Prinzip ist nicht auf das Individuum ausgerichtet sondern auf die Gemeinschaft der Praktizierenden, die alle unterstützt, die dem Weg folgen. Der Sangha kann, was nur wenigen gelingt, das Bild des Archetyps auszufüllen, denn er erhebt die Gesamtheit seiner Mitglieder empor.

Die vier, die auf dem Pfad sich befinden, die vier, die seine Frucht genießen, die aufrechte Gemeinschaft, ausgestattet mit Erkenntnis und Tugend: Für die Menschen, die da opfern, für die Lebewesen, die Verdienst erhoffen, die weltlichen Verdienst erwirken, trägt das Sangha-Dāna reiche Frucht.

Dāna-Pārami

Dāna hat im Buddhismus viele Gesichter, und es auf eine reine Lebensmittel-und Kleiderspende zu reduzieren, wird dem Begriff nicht gerecht, wie wir im Folgenden sehen werden. Nach dem Parinibbāna des Buddha wurden die damals bekannten Fabeln den Bedürfnissen des Buddhismus angepasst und die Jātaka-Geschichten entstanden. Einige der schönsten davon heben das Dāna-Prinzip hervor. In einer ist der Bodhisatta ein Hase, der sich ins Feuer wirft, um einem verhungernden Brahmanen (eigentlich der Gott Sakka in Verkleidung) als Nahrung zu dienen, und in einer anderen gibt er als Prinz sein Fleisch und Blut einer hungrigen Tigerin, damit diese ihre Jungen füttern kann. Geben geschieht ohne die Bewertung, welche Lebensform "höherstehend" ist. Die berühmteste dieser Geschichten ist die des Vessantara16, welche einen immensen Einfluss auf die Kulturen Südostasiens ausgeübt hat. In der vorletzten Geburt des Bodhisatta ist die Bühne bereitet für ein Leben des Gebens bis weit über die Schmerzgrenze hinaus, noch weitergehend als in den eben erwähnten Jātakas. Für uns moderne Individuen mag es als größte Gabe erscheinen, unser Leben für andere zu opfern. Das Drama von Vessantaras Leben jedoch zeigt, dass mit dem (Auf-)Geben von Reichtum, Familie, Kindern und schließlich der geliebten, schönen und ergebenen Frau, die man dann auch noch deshalb leiden sieht, noch wesentlich komplexere emotionale Bewegungen verbunden sind.

Im Alter von acht Jahren dachte sich Vessantara: Alles, was ich gebe, ist nur äußerlich und das reicht mir nicht; ich möchte wirklich etwas von mir geben. Wenn jemand mein Herz haben wollte, würde ich meine Brust aufschneiden, es herausreißen und es ihm geben; wenn jemand meine Augen verlangte, würde ich sie herausrupfen und ihm geben; wenn jemand mein Fleisch wollte, würde ich alles Fleisch von meinem Körper schneiden und es ihm geben. Was immer er auch bekommt – vielfach großen Reichtum – Vessantara verschenkt ihn. Die Götter und Könige beschenken ihn noch reichlicher und er gibt alles weg. Als er schließlich nach dem heiligen, glücksverheißenden weißen Elefanten, der ausreichenden Regen garantiert und in der Schlacht unbesiegbar ist, gefragt wird, verschenkt er auch diesen ohne Zögern. Die Menschen von Sivi sind darüber so empört, dass sie seine Verbannung fordern, obwohl sie an ihm keinen Makel finden können. Der König, Vessantaras Vater, muss sich dem Willen des Volkes beugen.

Der Preis, den Vessantara für seine Gebefreudigkeit zahlen muss, ist ein Asketenleben für sich, seine Frau und seine Kinder. Eigentlich ist ihr neuer Wohnort ganz idyllisch, das Essen besteht aus veganischen Köstlichkeiten und seine Frau macht die meiste Arbeit. Die größte Strafe für den großherzigen Geber sind die sieben Monate ohne etwas geben zu können und ohne Bittsteller. Er kann sich nicht weiter in dem Zweck dieses Lebens vervollkommnen. Die nächste Gelegenheit zu geben bietet sich Vessantara erst, als der böse Brahmane Jûjaka seinen Sohn und seine Tochter als Sklaven für seine Frau haben will. Vessantara kann nicht anders, als sie ihm zu geben. Wir modernen Menschen mögen uns fragen, welches Recht er hat, das zu tun, aber für Väter im damaligen Indien, die Frau und Kinder als Eigentum betrachteten, war das nicht völlig abwegig und geschieht auch noch in heutiger Zeit (allerdings gegen Geld). Es ist herzzerreißend, die Verse der Kinder zu lesen, wie sie vom Vater scheiden und sich nach der Mutter sehnen, die noch nicht vom Nahrung Sammeln zurückgekehrt ist, und dann die der Mutter, als sie zurückkommt und statt ihrer Kinder nur ihren still vor sich hin brütenden Ehemann vorfindet. Das Pathos ist dick aufgetragen, berührend und verstörend zugleich. Doch er musste es tun, das wird nie in Frage gestellt. Als später dann die Reihe an der Frau ist, wird sie Vessantara sofort wiedergegeben, nachdem er den Test bestanden hat, denn der, welcher sie haben wollte, ist wieder einmal Gott Sakka in Verkleidung. Die Kinder jedoch werden schlecht behandelt, geschimpft und geschlagen und schließlich von Jûjaka in Sivi gegen Lösegeld freigelassen. Es endet alles gut (außer für Jûjaka) mit Vessantaras Rehabilitation, alle versöhnen sich und Vessantara bekommt grenzenlosen Reichtum, den er bis zum Ende seiner Tage verschenken kann.

Das ist die Geschichte des Bodhisattas, der sich mit der Perfektion des ersten Pārami – Dāna – auf seine letzte Geburt vorbereitet. Das, was oft als grundlegende Tugend dargestellt wird, vielleicht zu grundlegend für intellektuelle Westler, stellt sich als krönender Abschluss der Bodhisatta-Karriere heraus. Das zeigt, dass der Geist von Dāna alle anderen Pāramis durchzieht und vollendet. Für den Bodhisatta gibt es keine Toleranz, keine Weisheit und kein Mitgefühl ohne grenzenloses Geben von ganzem Herzen. Im Visuddhimagga findet sich eine bemerkenswerte Stelle zur Erklärung der Pārami:

"Der Geist der Großen Wesen erhält sein Gleichgewicht, indem sie dem Wohle der Wesen Vorrang geben, indem sie dem Leiden der Wesen abgeneigt sind, indem sie sich wünschen, dass die verschiedenen Erfolge der Wesen andauern mögen und indem sie allen Wesen gleich gegenübertreten. Und allen Wesen geben sie Gaben, die ein Quell der Freude sind, ohne zu unterscheiden: 'Dies steht jenem zu, diesem steht es nicht zu.' Um die Wesen nicht zu schädigen, halten sie sich an die Tugendregeln. Sie üben sich in der Weltabwendung (Entsagung), um ihre Tugend zu vervollkommnen. Sie läutern ihr Verständnis, damit sie nicht in Zweifel geraten, was gut und was schlecht für die Wesen ist. Sie bemühen sich ständig um Tatkraft, weil ihnen das Wohl und das Glück der Wesen am Herzen liegt. Wenn sie aufgrund ihrer überragenden Anstrengung heldenhafte Tapferkeit entwickelt haben, werden sie geduldig mit den vielfältigen Fehlern der Wesen. Sie täuschen nicht, wenn sie versprechen: 'Wir werden dir das geben; wir werden das für dich tun.' Ihr Vorsatz zum Wohle und Glück der Wesen beizutragen ist unerschütterlich. Aufgrund ihrer unerschütterlichen Güte stellen sie andere voran. Aufgrund ihres Gleichmuts erwarten sie keine Belohnung. Weil sie die Vollkommenheiten derart erfüllt haben, perfektionieren diese alle guten Zustände, wie die zehn Kräfte, die vier Arten der Furchtlosigkeit, die sechs Arten des Wissens nicht geteilt (von den Schülern) und die achtzehn Zustände des Erwachten. So perfektionieren sie alle guten Zustände beginnend mit dem Geben."

Komm jetzt! Das ist als Erstes anzunehmen, auszuüben, zu entwickeln, zu verfeinern und entschlossen zu perfektionieren. Erlange Vollkommenheit im Geben dann kannst Du die absolute Weisheit erlangen Furchtlosigkeit

Gerne spricht man von Dāna als der ersten der drei Grundlagen für gutes und verdienstvolles Handeln, der hauptsächlichen Übung im Hause Lebender.

Drei Arten verdienstlichen Wirkens gibt es, ihr Mönche. Welche drei? Das im Geben bestehende verdienstliche Wirken, das in der Sittlichkeit bestehende verdienstliche Wirken und das in der Geistesentfaltung bestehende verdienstliche Wirken. Da, ihr Mönche, ist bei dem einen das im Geben und in der Sittlichkeit bestehende verdienstliche Wirken schwach entwickelt, und das in der Geistesentfaltung bestehende verdienstliche Wirken ist nicht vorhanden. Ein solcher erscheint beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in elenden Verhältnissen unter den Menschen wieder. Da aber, ihr Mönche, ist bei dem einen das im Geben und in der Sittlichkeit bestehende verdienstliche Wirken mittelmäßig entwickelt, doch das in der Geistesentfaltung bestehende verdienstliche Wirken ist nicht vorhanden. Ein solcher erscheint beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in glücklichen Verhältnissen unter den Menschen wieder. Da aber, ihr Mönche, ist bei dem einen das im Geben und in der Sittlichkeit bestehende verdienstliche Wirken stark entwickelt, doch das in der Geistesentfaltung bestehende verdienstliche Wirken ist nicht vorhanden.

Ein solcher erscheint beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, unter den Göttern in der Himmelswelt der Vier Großen Könige wieder. Dort aber übertreffen die Vier Großen Könige, die das im Geben und in der Sittlichkeit bestehende verdienstliche Wirken noch stärker entwickelt haben, die Götter ihres Gefolges in zehn Dingen: in himmlischer Lebensdauer, himmlischer Schönheit, himmlischem Glücke, himmlischem Ruhm, himmlischer Herrschaft, himmlischen Formen, himmlischen Tönen, himmlischen Düften, himmlischen Geschmäcken und himmlischen Tastempfindungen. Oder aber ein solcher erscheint unter den Göttern der Dreiunddreißig wieder. Dort aber, ihr Mönche, übertrifft Sakka, der Götterkönig, der das im Geben und in der Sittlichkeit bestehende verdienstliche Wirken noch stärker entwickelt hat, die Götter der Dreiunddreißig in eben diesen zehn Dingen. Oder aber ein solcher erscheint unter den Yáma-Göttern wieder. Dort aber, ihr Mönche, übertrifft der Göttersohn Suyáma, der das im Geben und in der Sittlichkeit bestehende verdienstvolle Wirken noch stärker entwickelt hat, die Yáma-Götter in eben diesen zehn Dingen. Oder aber ein solcher erscheint unter den Seligen Göttern wieder. Dort aber übertrifft der Göttersohn Santusita, der das im Geben und in der Sittlichkeit bestehende verdienstvolle Wirken noch stärker entwickelt hat, die Seligen Götter in eben diesen zehn Dingen. Oder aber ein solcher erscheint unter den Schöpfungsfreudigen Göttern wieder. Dort aber übertrifft der Göttersohn Sunimitta, bei dem das im Geben und in der Sittlichkeit bestehende verdienstvolle Wirken noch stärker entwickelt ist, die Schöpfungsfreudigen Götter in eben diesen zehn Dingen. Oder aber ein solcher erscheint unter den über die Erzeugnisse anderer verfügenden Göttern wieder. Dort aber übertrifft der Göttersohn Willensgewalt, bei dem das im Geben und in der Sittlichkeit bestehende verdienstvolle Wirken noch stärker entwickelt ist, die über die Erzeugnisse anderer verfügenden Götter in eben diesen zehn Dingen. Das, ihr Mönche, sind die drei Arten verdienstvollen Wirkens. Dāna wird hier zusammen mit Sīla (taugliches Verhalten) und hier nicht vorhandener Bhāvanā (Geistesentfaltung, Kultivierung des Geistes) genannt, was "nur" in verschiedene Götterbereiche führt. Handelt es sich nicht um materielle Dinge, sondern um das Dāna der Furchtlosigkeit (Abhaya-Dāna), dann bezieht sich das auf die Rettung von Gefahren und der dadurch entstehenden Furcht. Wenn wir andere vor Dieben, Räubern, Mördern und wilden Tieren schützen oder sie aus einer durch Naturgewalten wie Feuer, Wasser, Wind oder Erdbeben entstandenen Gefahr retten, schenken wir ihnen Freiheit von Angst und Furcht. Dazu zählen auch Vorkehrungen, die getroffen werden, um diese Gefahren zu vermeiden. Und auch durch das Einhalten der Sīla können sich andere im Umgang mit uns sicher, angstfrei fühlen. Beim Training der Mönche und Nonnen, deren Ziel ja die Befreiung ist liegt bei verdienstvollen Handlungen die Betonung mehr auf Tugend (Sīla), Meditation (Samādhi) und Weisheit (Paññā). Und gerade der zuletzt erwähnte Aspekt des Abhaya-Dāna ist im Klosterleben von grundlegender Bedeutung.

Es gibt da, ihr Mönche, fünf Gaben, große Gaben, bekannt als ursprüngliche, bekannt als althergebrachte, als altüberlieferte; altbewährte, unbeeinträchtigt in ihrer Geltung jetzt wie früher, die nicht beeinträchtigt sind und unbeeinträchtigt bleiben werden, ungetadelt von einsichtigen Asketen und Priestern. Welches sind diese fünf? Da verwirft der edle Jünger das Töten, steht ab vom Töten. Dadurch aber, dass er vom Töten absteht, gewährt er unermesslich vielen Wesen die Gabe der Furchtfreiheit, der Freiheit von Feindschaft und Bedrückung. Indem er aber unermesslich vielen Wesen die Gabe der Furchtfreiheit gibt, der Freiheit von Feindschaft und Bedrückung, wird ihm selber Freiheit von Furcht, Feindschaft und Bedrückung zuteil. Das, ihr Mönche, ist die erste Gabe, eine große Gabe, bekannt als ursprünglich ... Und das, ihr Mönche, ist der vierte Strom des Verdienstes, ein Strom des Heilsamen ... Und ferner verwirft der edle Jünger das Stehlen, steht ab vom Nehmen des Nichtgegebenen ... Er verwirft geschlechtliche Ausschreitung, steht ab von geschlechtlicher Ausschreitung... Er verwirft das Lügen, steht ab vom Lügen ... Er verwirft den Genuss von Rauschmitteln, steht ab vom Genuss von Rauschmitteln. Dadurch aber, dass er vom Genuss von Rauschmitteln absteht, gewährt er unermesslich vielen Wesen die Gabe der Furchtfreiheit, der Freiheit von Feindschaft und Bedrückung. Indem er aber unermesslich vielen Wesen die Gabe der Furchtfreiheit gibt, der Freiheit von Feindschaft und Bedrückung, wird ihm selber Freiheit von Furcht, Feindschaft und Bedrückung zuteil. Das, ihr Mönche, ist die fünfte Gabe, eine große Gabe, bekannt als ursprünglich ... Und das, ihr Mönche, ist der achte Strom des Verdienstes, ein Strom des Heilsamen ... Das, ihr Mönche, sind die acht Ströme des Verdienstes, Ströme des Heilsamen, segenbringende, himmlische, Glück erzeugende, himmelwärts leitende, die zu Erwünschtem, Erfreulichem, Angenehmem führen, zu Heil und Segen.

Die Regeln der Mönche und Nonnen unterziehen ihre Handlungen einem noch feineren Raster als dem der fünf Sila. Und auch die Klöster selbst sind nicht nur symbolisch, sondern auch ganz real Orte der Furchtlosigkeit, der Zuflucht, des Vergebens. Im normalen Bauernleben werden Insekten, Nagetiere, Schlangen, Fische, Geflügel und auch größere Tiere getötet. Das wird als unvermeidlich hingenommen, soweit es unumgänglich ist, um die Familie zu ernähren. Das Wat jedoch ist heiliger Boden, das religiös-spirituelle Herz der Gemeinschaft. Jede Form des Tötens ist hier undenkbar. Das Wat ist eine Zuflucht für Tiere und Menschen. (Oft wird hier die Gelegenheit genutzt, Vögeln und Fischen die Freiheit zu schenken, um dem schlechten Kamma, das im weltlichen Leben entstanden ist, Gutes entgegenzusetzen.) Hier wird man weder bedroht noch belogen, noch bestohlen, noch sexuell belästigt, vielmehr findet man hier Zuspruch und Vergebung – Abhaya-Dāna.

Dhamma-Dāna

Die dritte und wertvollste Form von Dāna ist das Geschenk des Dhamma. Sei es das Gespräch über die Lehre, die Organisation von Vorträgen und Retreats, die Herstellung und Verteilung von Dhamma-Büchern oder der Aufbau von Klöstern, Dhamma-Schulen oder Büchereien.

Es gibt diese zwei Arten von Geschenken: Materielle Geschenke und Geschenke des Dhamma. Das höchste Geschenk ist das des Dhamma. Es gibt diese zwei Arten des Teilens: Das Teilen von materiellen Dingen und das Teilen des Dhammas. Das höchste Teilen ist das Teilen des Dhamma. Es gibt diese zwei Arten der Hilfe: Materielle Hilfe und Hilfe durch Dhamma. Die höchste Hilfe ist die Hilfe durch Dhamma.

In einem wichtigen Sinne wird das Dhamma niemals umsonst gegeben. Die besten Dinge im Leben sind zwar umsonst, aber die Sache hat doch einen Haken. Wenn man das Dhamma wirklich empfangen hat, von ihm verändert wurde, durch es befreit wurde, bleibt es einem nicht länger selbst überlassen, ob man es weitergibt – man muss! Verweigere dich dieser Pflicht und etwas endet, korrodiert, verrottet. Es handelt sich nicht um eine legale Verpflichtung, sondern um eine Verpflichtung zwischen dem Dhamma und unserem selbstlosen Selbst. Genauso wie wir unseren Lehrern gegenüber Dankbarkeit durch das Geben von Dingen, Arbeit und Verehrung ausdrücken; indem wir ihnen dienen, wie auch sie gedient haben, um das Geschenk des lebendigen Dhammas über die Generationen hinweg fließen zu lassen.

Dāna ist ein Dhamma-Wort, das ein heiliges Prinzip ausdrückt. Unsere Übung, das "Ich" aufzugeben, uns Nibbāna in Demut zu nähern, heiligt Geld und Güter, wenn wir nicht unseren begehrlichen Blick darauf richten. Der Gebende und der Empfangende werden geheiligt, wenn das Geschenk nicht nur freimütig, sondern auch ohne die Befleckung der Selbstsucht gegeben und empfangen wird. Selbstlos zu geben, zu empfangen und zu leben, ist ein hohes Ideal, das es anzustreben gilt. Mönche, Nonnen und auch Laien stolpern oft darüber, aber sie stehen wieder auf und versuchen es erneut. Denn diese Ideale (Pāramis) sind zeitlos gültig, notwendig und leiten uns. Dabei geht es nicht darum, was man tun sollte, das Dhamma liegt jenseits von so etwas. Es geht um das, was wir uns wünschen, eine glückliche Welt frei von Leid. Dann sollten wir diese Ideale zu unserem Leitstern machen. Dhamma ist Natur und in ihr wird alles recycelt, das Geschenk, der Schenkende, der Empfangende und das Dhamma. Wenn wir uns dem von ganzem Herzen hingeben, werden uns alle Segnungen zuteil werden.

Fünffachen Segen, ihr Mönche, gewährt das Almosengeben. Welches ist er? Vielen Menschen ist man lieb und angenehm; gute, edle Menschen suchen einen auf; ein guter Ruf verbreitet sich über einen; man erfüllt seine Pflichten als Hausvater; beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, gelangt man auf glückliche Daseinsfährte, in himmlische Welt.


Und der ehrwürdige Sāriputta sprach zum Erhabenen also: "Ist es wohl möglich, o Herr, dass eine Gabe, von dem einen dargebracht, hohen Lohn und Segen bringt, während dieselbe Gabe, von einem anderen dargebracht, keinen hohen Lohn und Segen bringt?" "Das ist möglich, Sāriputta." "Was, o Herr, ist wohl der Grund dafür, was ist die Ursache?" "Da gibt einer, Sāriputta, aus selbstischem Verlangen, gefesselten Herzens, aus Sucht nach Gewinn und in der Hoffnung, dass er die Belohnung dafür nach dem Tode genießen wird. Und als Gabe spendet er dann einem Asketen oder Priester Speise, Trank, Gewand, Gefährt, Blumen, Wohlgerüche, Salben, Bett, Wohnstatt und Beleuchtung. Was meinst du, Sāriputta, mag da wohl einer auf solche Weise Gaben spenden?" "Gewiß, o Herr!" "Wer aber, Sāriputta, auf solche Weise Gaben spendet, der erscheint infolge dieser Gabe beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, unter der Schar der Vier Großen Götterkönige wieder. Nach Auswirkung aber jener Tat, jener Macht, jener Würde, jener Herrschaft steigt er wieder hinab, kehrt er wieder zurück in diese Welt. Ferner, Sāriputta, gibt da einer eine Gabe zwar nicht aus selbstischem Verlangen, gefesselten Herzens, aus Sucht nach Gewinn oder in der Hoffnung, dass er die Belohnung dafür nach dem Tode genießen wird, sondern er gibt eine Gabe im Gedanken, dass Geben etwas Gutes ist; – oder weil er sich sagt, dass seine Eltern und Vorfahren ebenfalls früher Almosen gegeben und so gehandelt haben und es daher für ihn nicht recht sei, von jenem alten Familienbrauch abzuweichen; – oder weil er sich sagt, dass er selbst koche, jene anderen aber nicht kochen, und es deshalb für den Kochenden nicht recht sei, das Geben an Nichtkochende zu unterlassen; – oder weil er sich sagt, dass seine Gabenverteilung sein würde wie jene großen Opfer, dargebracht von den Sehern der Vorzeit, als wie Atthaka, Vámaka, Vámadeva, Vessāmitta, Yamataggi, Angírasa, Bhāradvāja, Vāsettha, Kassapa und Bhagu; – oder weil beim Geben sich ihm das Herz erheitert, Befriedigung und Freude entsteht. Und als Gabe spendet er dann einem Asketen oder Priester Speise, Trank, Gewand, Gefährt, Blumen, Wohlgerüche, Salben, Bett, Wohnstatt und Beleuchtung. Was meinst du, Sāriputta, mag da wohl einer auf solche Weise Gaben spenden?" "Gewiss, o Herr!" "Wer aber, Sāriputta, auf solche Weise Gaben spendet, der erscheint infolge dieser Gabe beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, unter der Schar der Vier Großen Götterkönige wieder. Nach Auswirkung aber jener Tat, jener Macht, jener Würde, jener Herrschaft steigt er wieder hinab, kehrt er wieder zurück in diese Welt. Ferner, Sāriputta, gibt einer eine Gabe nicht aus jenen Gründen, sondern er gibt Gabe als eine Veredlung und Läuterung seines [durch Geistesruhe und Hellblick entwickelten] Geistes. Und als Gabe spendet er dann einem Asketen oder Priester Speise, Trank, Gewand, Gefährt, Blumen, Wohlgerüche, Salben, Bett, Wohnstatt und Beleuchtung. Was meinst du, Sāriputta, mag da wohl einer auf solche Weise Gabe spenden?" "Gewiss, o Herr!" "Wer aber, Sāriputta, auf solche Weise Gaben spendet, der erscheint infolge dieser Gabe beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, unter der Schar der Götter der Brahmawelt wieder. Nach Auswirkung aber jener Tat, jener Macht, jener Würde und jener Herrschaft kommt er nicht wieder, kehrt er nicht mehr zurück zu dieser Welt [d.h. er ist ein Nicht-Wiederkehrer]. Das, Sāriputta, ist der Grund, das ist die Ursache, dass da eine Gabe, von dem einen dargebracht, hohen Lohn und Segen bringt, während dieselbe Gabe, von dem anderen dargebracht, keinen hohen Lohn und Segen bringt.

Hierbei ist anzumerken, dass die Schar der Vier Großen Götterkönige sehr unterschiedliche Charaktere enthält, die von Baum- und Flussgeistern bis hin zu himmlischen Musikanten mit unterschiedlicher Lebensspanne und Macht reicht.

Dāna und Konsum

Der Sinn meines Lebens Dinge kaufen und besitzen und sie wegwerfen
(Haiku nach D. Loy)

Lassen wir dieses Haiku-ähnliche Gedicht als Zusammenfassung der Konsumgesellschaft stehen. Sinn und Wert werden aus Dingen gewonnen, die man kaufen kann. Unser Leben dreht sich mehr um das, was wir besitzen, als um das, was wir sind. Sinn und Wert liegen aber nicht in den Dingen, sonst könnten wir sie nicht wegwerfen. Ein System, das Kapital der Arbeit überordnet, stellt auch finanzielle Werte über andere Werte. Geld zu machen ist wichtiger als das, was zu Glück, Weisheit und Mitgefühl führt. Konsumismus ist aber mehr als ein ökonomisches System, es ist eine Ersatzreligion, ein Wertesystem, eine bestimmte Art zu denken und zu leben, und es hat einen mächtigen Einfluss auch auf jene von uns, die sich bemühen, seinen Verlockungen nicht zu erliegen.

In buddhistischen Ländern wurde über die Jahrhunderte hinweg Dāna mehr und mehr mit den klösterlichen Gemeinschaften verbunden, während Dāna im Frühbuddhismus noch viele verschiedene Empfänger hatte. Im westlichen Buddhismus werden sich aufgrund unserer individualistischen Ausrichtung, unserer materialistischen Prägung und unseren Konsumgewohnheiten andere Schwerpunkte zeigen. So wird es sich bei Dāna vermutlich vorwiegend um Geld handeln. Das wird als "Unterstützung für den Lehrer" oder "Dankbarkeit dem Lehrer gegenüber" interpretiert werden. Während Lehrer im Allgemeinen natürlich der Unterstützung wert sind, sind sie ihrer doch nicht immer bedürftig. Traditionell war das Lehren mehr eine Art zu geben als zu nehmen. Zu Zeiten wird Dāna auch als Entgelt für die empfangene Belehrung dargestellt werden. Das macht in einer kapitalistischen Dienstleistungsgesellschaft auch wirklich Sinn. Trotzdem handelt es sich nicht um ein buddhistisches Verständnis von Dāna. Diese Neuentwicklungen bedürfen aufmerksamer Beobachtung.

Dāna ist in vielem das gerade Gegenteil des Konsumismus. Bei dieser Lebensart ist Geld und Marktwert der Maßstab für alles. Alles wird zum Gebrauchsgegenstand, sogar Familie und Liebe werden vermarktet. Der Markt legt den Wert fest. Wie aber soll der Markt ein friedvolles Herz, spirituelle Einsichten und Befreiung bewerten? Konsumismus und die liberale Demokratie, die ihm immer mehr zu Diensten ist, ist grundlegend unehrlich. Wir werden belogen, indem die Dinge falsch bezeichnet und Trends kreiert werden, wir werden durch Werbung verführt, und es werden Preise an preislose Dinge geheftet. Arbeit wird zu reinem Geldverdienst degradiert, nur dazu da, um kaufen und konsumieren zu können. Solche Arbeit verliert Sinn und Würde. Wir kaufen jeden Schrott und verschulden uns auch noch dafür. All das, was Familie und Gemeinschaft zusammenhielt, Geschichten erzählen, musizieren, Besprechen von Problemen, Heilen, Kunst, Unterhaltung, Sport, zusammen essen und feiern, wird professionalisiert und kommerzialisiert. Das entfremdet uns von der Natur, voneinander, von unserer Geschichte, unseren Wurzeln, unseren Körpern. Kultur wird bedeutungslos. Das Konsumverhalten verdrängt die Dankbarkeit aus unserem Leben. "Ich habe das verdient", "Ich habe dafür bezahlt", "Ich erwarte, dass sie höflich sind und lächeln, schließlich bin ich der Kunde". Dankbarkeit ist notwendigerweise gratis, umsonst, freiwillig. Gekauft und erwartet wird es ein Handel, ein erkauftes Lächeln. Die Logik des Konsumismus enthält die Zunahme von Dingen die ge- und vor allem verbraucht werden. So ist das Miteinanderteilen "out", Individualismus hingegen ist "in". Mehr Verbraucher bedeutet mehr Verkäufe. Gemeinschaft wird aber von Menschen vor allem dadurch gebildet, dass sie teilen, Nahrung, Kleidung, Werkzeuge, Fähigkeiten, Neuigkeiten, Ansichten und Weisheit. Auch wenn das Wort Gemeinschaft immer noch in Gebrauch ist, so dreht sich doch alles immer mehr um "Mich" anstatt um "Uns". Die Gemeinschaft, die auf einer Website basiert oder die durch Fanclubs durch den Besuch der gleichen Disko oder durch gemeinsames Tragen von Markenkleidung entsteht, ist doch eher oberflächlich. Und für Buddhisten, die echte Gemeinschaft als Zuflucht und preisloses Juwel betrachten, muss die konsumorientierte Gemeinschaft doch eher als ein Werk Māras (wörtl. der Zerstörer des Guten) erscheinen. Das bisher Besprochene zeigt, dass Dāna die Antithese des Konsumismus ist. Natürlich werden wir immer Konsumenten bleiben. Verbrauch ist Teil des biologischen Recyclings und an sich nichts Böses. Das Problem ist die dahinter stehende Ideologie, die das Geschenk, die Großzügigkeit, das Dhamma, beschmutzt und zerstört.

Dāna in Thailand

Wenn man längere Zeit in Thailand verbracht und gesehen hat, wie sich mit zunehmendem "Fortschritt" die Werte dort verschieben, kann man daraus einiges lernen, das die Dāna-Kultur, die sich bei uns erst noch entwickeln muss, gefährdet. Im populären Thai-Buddhismus ist Dāna untrennbar mit Boon (von puñña, Gutes tun, spirituell verdienstvolles Handeln) verbunden. Boon besteht vorrangig darin, den Mönchen auf ihrer Almosenrunde Essen zu geben oder dem Wat (Kloster) und dem Sangha etwas zu spenden. Bevor der Kapitalismus die Oberhand gewann, bestand solches Dāna zumeist aus Sachspenden, da es in der dörflichen Ökonomie nicht viel Geld gab. Die Dörfler gaben, was sie hatten, ihr bestes Essen, Stoff für die Roben, Betelnüsse, Werkzeug und Material, ihre Arbeitskraft und ihr Können. Nichts, das sie nicht brauchten oder wollten. Da das Kloster zusätzlich zu seiner religiösen und spirituellen Funktion als Gemeindezentrum, Klinik, Schule, Beratungszentrum, Tratschbörse und Ort für Unterhaltungsveranstaltungen diente, hieß das Kloster zu unterstützen, die ganze Gemeinschaft zu unterstützen. Bis zur Modernisierung waren die Wats somit eher Gemeindeeigentum als klösterliches Eigentum. Von den Mönchen wurde erwartet, dass sie da waren und einfach und nicht selbstsüchtig lebten. Wenn jemand über ein Problem oder das Wetter sprechen wollte, hörten die Mönche zu, schenkten Aufmerksamkeit und Akzeptanz. Wenn ein Ritual, eine Segnung oder Rezitationen irgendwo nötig waren, gingen die Mönche hin. Wenn jemand ein Wehwehchen hatte, ging man ins Wat, denn viele der Mönche waren auch noch Kräuterheilkundige. Am wichtigsten war, dass die Integration der Mönche im täglichen Leben die Taten der Menschlichkeit, Nächstenliebe und Großzügigkeit aus dem Bereich gegenseitiger Verpflichtung zu Handlungen mit spiritueller Bedeutung erhob. Aber Boon zirkulierte auch noch in weiteren Kreisen, innerhalb der Großfamilien, zwischen Arm und Reich, bis hin zu Verstorbenen, Geistern und sogar den Wasserbüffeln. Die auf Geld ausgerichtete Ökonomie hat nach und nach das Meiste davon verändert von Boon zu Baht.23 Zunehmend gibt man Baht oder Essen, das gekauft ist, mit der Hoffnung auf mehr Geld, Erfolg im Geschäft, der Lotterie oder bei Prüfungen, anstatt des spirituellen Verdienstes wegen. In vielen Städten beispielsweise stehen die Mönche heutzutage vor Marktständen Schlange, an denen Verkäufer Fertigmahlzeiten anbieten. Auf der anderen Seite warten die Spender, bezahlen und geben das Essen in die Mönchsschale. Dann gehen beide ihrer Wege. Sehr effizient und ganz im Sinne der Konsumgesellschaft. Auch wenn die Zunge den Unterschied zwischen gekauftem und selbst gekochtem Essen nicht schmecken mag, das Herz bemerkt ihn schon.

Dāna im Westen

Konsumismus versieht alles mit einem Preis. Wenn wir Dāna geben, spielt aber in unseren Herzen der Marktwert keine Rolle, wenn sowohl der Gebende als auch der Empfangende das Geschenkte in Begriffen der Freundschaft, der geteilten Ansicht, des Dhamma betrachten. Wenn wir Dāna aus den Augen verlieren, kann sogar auf Dhamma ein Preis festgesetzt werden, sei es durch teure Kurse oder Dhammabücher oder Ähnliches. Natürlich ist es so, dass, sobald Dhamma wie ein Gebrauchsartikel behandelt wird, es nicht länger Dhamma ist. Sind wir Westler überhaupt in der Lage, diesen Unterschied zu erkennen? Wenn wir den Wert von etwas berechnen, können wir ihn nicht mehr erfahren. Wenn wir in finanziellen Begriffen kalkulieren, bleibt wenig Raum, um freimütig zu geben. Wenn Lehrer-Schüler-Beziehungen auf Erwartungen und Handel aufbauen, können wir keine spirituelle Arbeit erwarten. Die notwendige Voraussetzung der Offenheit und Großherzigkeit fehlt.
Nicht leicht ist es, Ānanda, anderen die Lehre darzulegen. Wer anderen die Lehre darlegt, sollte sich dabei fünf Dinge im Geiste gegenwärtig halten. Welche fünf? Eine stufenweise Darlegung will ich geben, ... Eine begründete Darlegung will ich geben, ... Aus Mitgefühl will ich sprechen, ... Nicht um eines weltlichen Vorteils willen will ich sprechen, ... Weder auf mich selbst noch auf andere anspielend will ich sprechen, so denkend, soll man anderen die Lehre darlegen.

Ajahn Buddhadāsa hob hervor, dass Arbeit Dhamma-Übung ist. Das hat zwei Aspekte. Dhamma-Übung ist die innere spirituelle Arbeit, die unser Leben transformiert, und diese Transformation wird in den gewöhnlichen Pflichten und der Arbeit des täglichen Lebens integriert. Wir verlieren die Fähigkeit zu spiritueller Arbeit, wenn wir die Bedeutung des Wortes Arbeit herabwürdigen zu etwas, das wir tun müssen, um Geld zu verdienen, damit wir einkaufen und konsumieren können. Gleichzeitig wurde der Lebenserwerb professionalisiert und von anderen Dimensionen des Lebens getrennt. Mehr und mehr definiert die Karriere, wer wir sind. Sogar Nonnen, Mönche, lassen sich dadurch verwirren. Lehren wird zu dem, was Ordinierte tun. Dabei zeigt der Dhamma-Vinaya klar genug, dass es im Mönchsleben vorrangig um die Übung geht und nicht um das Lehren. Der professionelle Mönch oder Lehrer beginnt in Zahlen und Quantität zu denken. Die subtilen Qualitäten des sich im Herzen der Wesen entfaltenden Dhammas wird vom Produktivitätsradar aber nicht wahrgenommen.

Wird Lehren zu einer Art Handel, wird das auf die Nonnen und Mönche projiziert. Diese Leute sollten relevant und produktiv sein. Nicht einfach herumsitzen und nichts tun. Was haben sie anzubieten? Was können sie mir geben? Man wird nicht mehr unterstützt, weil man ein edles und weltabgewandtes Leben führt, sondern man muss sich seinen Unterhalt verdienen. Bisweilen fehlt sogar der Raum und die Zeit, sich um die eigene Übung zu kümmern. Das alles lässt den Geist von Nonnen und Mönchen nicht unberührt und so ist es nicht verwunderlich, wenn Dhamma-Gruppen und Klöster Hochglanzbroschüren herausgeben, Gelder für luxuriöse Dhammazentren und Tempel gesammelt werden und Lehrer auf weltweite Tour gehen. Es wird eben lieber in Lehrer mit einem Namen investiert, denn wir verdienen das Beste, was Geld kaufen kann, als lokale Strukturen aufzubauen und Voraussetzungen zu schaffen, durch die man die eigene Übung vertiefen und miteinander teilen kann. Wer hat denn Dāna am nötigsten? Doch die Neuen im Dhamma, die noch hart zu kämpfen haben. Auf diese Weise bereitet man den Boden für künftige herausragende Mönche, Nonnen und auch Lehrer. Die Verbreitung des Dhamma gründet sich nicht auf dem Sammeln von Belehrungen, Initiationen, Übungen, Kursen, Büchern oder Meditationszubehör, sondern auf Dāna.

Die Rolle und der Lebenserwerb jener, die traditionell ausschließlich von Dāna abhängig sind (Ordinierte), wird verfälscht, wenn "Dāna" von jenen vereinnahmt wird, für die Dāna ein zusätzliches Einkommen ist. Sobald Dāna zur Bezahlung für eine Dienstleitung wird (z.B. für Meditationsanleitungen), wird es zum Hindernis für den "Zahlenden". Die Anweisungen werden mechanisch ausgeführt wie jede andere Arbeit auch. Das mag zum Stressabbau tauglich sein und anderweitig Nutzen bringen, aber der tiefere Fortschritt wird gehemmt. Die wahre "Bezahlung" für spirituelle Anleitung ist nie materiell, sondern paþipatti-pûjā, die Gabe der Übung. Und die besteht nicht nur im Beherrschen der Technik, sondern im Umsetzen des Geistes und der Bedeutung der Lehre, der höchsten Form, um Buddha zu ehren. Natürlich geben wir materielle Gaben (amisā-pûjā), aber immer als Geschenk aus Dankbarkeit und nie als Bezahlung. Die traditionellen Heiler in Thailand können hier als Beispiel dienen. Sie leisteten ihren Dienst, ohne dass über Geld gesprochen oder Formulare ausgefüllt wurden. Waren sie erfolgreich, drückte der Patient seine Dankbarkeit durch irgendeine Form der Bezahlung aus. Ohne Erfolg wurde keine Bezahlung erwartet. Das Maß der Bezahlung wurde bestimmt durch die Schwere der Erkrankung, die Schwierigkeit der Behandlung und den Wohlstand des Patienten. Das alles soll nicht heißen, dass Geld zu verlangen im Zusammenhang mit Dhamma völlig ausgeschlossen wäre. Vielmehr geht es auch hier darum, den mittleren Weg zu finden. Was ist angemessen? Welche Dienste können bezahlt werden? Wann ist Bezahlung angebracht und wann ist sie dem Fortschritt hinderlich? Wann ist Dāna wirklich Dāna?

Dhamma-Bücher

Die Gabe des Dhamma übertrifft alle anderen Gaben.


Diese Zeile findet sich auf der ersten Seite vieler Dhamma-Publikationen. Wann aber ist ein Buch wirklich Dhamma-Dāna? Die einfache Antwort darauf ist, wenn die dahinter stehende Motivation darin besteht, das Dhamma mit anderen zu teilen. Manche Gruppen geben deshalb ihre Bücher umsonst ab. Ajahn Buddhadāsa und andere waren der Meinung, dass Buchläden ein nützlicher Weg sind, um in einer modernen Gesellschaft Bücher in Umlauf zu bringen. (Dass er in seinen Jugendjahren viele Dhamma-Bücher las, die im Familiengeschäft verkauft wurden, hat ihn vielleicht diesbezüglich beeinflusst.) Buchläden verlangen natürlich Geld und erwarten Profit. Der Verlag, auch wenn er nicht profitorientiert ist, muss doch seine Angestellten bezahlen, und die Herstellung beim Drucker kostet natürlich auch Geld. So verwirren sich die hinter einem Buch stehenden Motivationen immer mehr. Und dann ist da noch die Frage der Tantiemen für den Autor, was geschieht mit diesem Geld? Wahrscheinlich gibt es auch hier Raum für verschiedene Möglichkeiten. Wichtig ist es vor allem, die grundlegende Motivation, das Dhamma-Dāna rein zu erhalten. Verkaufszahlen und Profit sollten immer an zweiter Stelle stehen. Es wäre doppelzüngig, so zu tun, als könnte ein Buch Dhamma-Dāna sein, während wir gleichzeitig damit Geld machen wollen. Die Sufis sagen: "Du wirst nur einmal bezahlt." Wenn Du also mit Geld bezahlt wirst, erwarte nicht auch noch spirituellen Verdienst.

Schlussbemerkung

Dāna ist die zentrale buddhistische Antwort auf den Konsumismus. Natürlich benötigen wir alle Tugenden – Freundlichkeit, Aufrichtigkeit, Geduld, Disziplin, Einfachheit, Achtsamkeit und Gleichmut – und sie alle sind miteinander verbunden und stützen sich gegenseitig. Keine von ihnen rückt die Herausforderungen der Dhamma-Übung in unserer modernen Welt so in den Fokus unseres Geistes wie Dāna. Die Einstellung des Warenaustausches schleicht sich in unsere Übung, wenn Dāna nicht oder nur schwach entwickelt ist. Wir beginnen anzuhäufen: Die Retreats, die Lehrer, die Initiationen, die "Einsichten", die "Errungenschaften". Lehren, die nur Beschreibungen dessen waren, was uns auf dem Weg begegnet, werden zu "Produktionszielen", die man erreichen und bekommen muss. Hat man sie erlangt – und dafür bezahlt –, stärken sie unsere Identität anstatt sie zu schwächen. Verdient, können sie nicht empfangen werden. Besessen, können wir sie nicht mehr teilen. In dem Maße, in dem Buddhisten ihre Übung mit dem Geist von Dāna erfüllen, wird der Buddhismus im Westen immun gegen den allgegenwärtigen Konsumismus. Und so kann der Buddhismus helfen, eine Gesellschaft zu heilen, die feist und ängstlich geworden an der Gier und der Macht festhält, mit der sie ihren Wohlstand erhält.

So steht in Flammen die Welt durch Alter und Tod. Da müsst ihr retten durch Geben; denn was (als Almosen) gegeben wurde, das ist wohl gerettet.

Was gegeben wurde, hat Glück zum Lohn, nicht aber ist so, was nicht gegeben wurde: Räuber nehmen es weg, oder die Könige, vom Feuer wird es verbrannt, geht zugrunde.26
Es ist nicht leicht, den Geist der Freigiebigkeit und des Loslassens zu entwickeln, doch der Nutzen, der daraus erwächst, ist von unermesslichem Wert. Nicht nur, dass im Geber als Resultat des Gebens ein positiver vegetativer Impuls stattfindet, er sich freut und dadurch im Grunde genommen selbst zum Beschenkten wird, weil sein eigenes Wohlbefinden verstärkt wird, sondern auch im Hinblick auf karmische Folgen und die Befreiung:


Angenommen, es seien da zwei Menschen: der eine ohne Vertrauen, selbstsüchtig, geizig und schmähsüchtig; der andere dagegen voll Vertauen, ein Gabenspender,

der Freude hat am regelmäßigen Geben. Was meinst Du nun, welchen von beiden würden wohl die Heiligen zuerst berücksichtigen, welchen würden sie zuerst aufsuchen, von wem würden sie zuerst etwas annehmen, wem würden sie zuerst die Lehre darlegen ... 27
So wird aus dem Spender von materiellem Dāna ein Empfänger von ungleich wertvollerem Dhamma-Dāna im Zyklus der Großherzigkeit. Diese Betrachtung der Dinge wird dem Nachfolger als häufig zu üben ans Herz gelegt.

Gut habe ich's getroffen, hochgesegnet bin ich, dass ich unter den vom Schmutze des Geizes besessenen Geschöpfen mit einem vom Schmutze des Geizes freien Herzen lebe, freigebig, mit reinen Händen gebend, am Weggeben Freude empfindend, den Bitten zugänglich, am Geben und Teilen mit anderen empfindend. Zu einer Zeit aber, wenn der edle Jünger der eigenen Freigebigkeit gedenkt, da wird sein Geist weder von Gier umsponnen, noch von Hass oder Verblendung umsponnen, zu einer solchen Zeit ist sein Geist recht gerichtet. Recht gerichteten Geistes aber gewinnt er Begeisterung für das Ziel, Begeisterung für die Lehre, gewinnt er Freude an der Lehre. Im Freudigen aber erhebt sich Verzückung; verzückten Geistes beruhigt sich das Innere; im Inneren gestillt empfindet er Glück und des Glücklichen Geist sammelt sich.

Geben (Dāna) wird zum Loslassen (cāga) der Selbstsucht und von einem solchen Menschen heißt es, dass er unter der verkehrt gerichteten Menschheit im Besitze des Rechten weilt, dass er unter der leidenden Menschheit leidlos weilt.

Das Dhamma-Dāna-Projekt der BGM:

Das Dhamma-Dāna-Projekt der BGM bemüht sich, ausgesuchte Dhamma-Literatur in deutscher Übersetzung für ernsthaft Übende zur Verfügung zu stellen. Diese Veröffentlichungen sollen sich nach Möglichkeit selbst tragen, d.h. der Gewinn eines Buches finanziert das nächste.

Langfristige Zielsetzung dieses Projektes ist jedoch, Dhamma-Bücher zur freien Verteilung – wie in Asien üblich – bereitzustellen.

Anfragen bitte an Viriya: bgm@buddhismus-muenchen.de

Alle Bücher sowie einzelne Texte

können auch kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden: www.dhamma-dana.de
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