Patipada

Die Praxis der Dhutanga Kammatthana Bhikkhus
in der Tradition des
Ehrürdigen Lehrmeisters Mann Bhuridatta Thera
verfasst von dem
Ehrwürdigen Lehrmeister Maha Bua Nanasampanno
Wat Pa Baan Taad 2519
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
übersetzt von Martin Bhikkhu und Wulf Dieter Krüger
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann

Vorwort
Ich werde nun beginnen, über die Arten des Trainings – patipadã – der Kammatthãna Bhikkhus zu schreiben, wie sie von dem Ehrwürdigen Lehrmeister Mann praktiziert und gelehrt wurden. Ich hoffe, der Leser wird genug darüber erfahren, um dieses dann als Leitfaden für seine Praxis verwenden zu können. Wenn ich, mit den mir als Autor gegebenen Fähigkeiten, das Werk über dieses Thema schreibe, so weil ich annehme, dass es unter buddhistischen Laien, Mönchen und Novizen einige gibt, die einen Hang zum Dhamma und ein starkes Interesse daran und am Weg der Praxis haben und möglicherweise erpicht sind, dieses zu erlernen. Sind mir jedoch Fehler unterlaufen, so hoffe ich, dass der Leser es mir verzeiht, denn das, worüber ich schreibe, liegt weit zurück.
Dieses Werk wird, ähnlich dem letzten, „Die Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann“, in Form eines Fortsetzungsbeitrags in dem wöchentlichen Magazin Sisapada erscheinen. In weiser Voraussicht, dass die einzelnen Abschnitte nicht rechtzeitig fertiggestellt werden könnten, bat ich Sisapada, mit dem ihnen zur Verfügung gestellten Material ökonomisch umzugehen. Aber die Ausgabe dieses Werkes durch Sisapada soll auch den Autor, der von Natur aus etwas faul ist, dazu zwingen, sein Werk bis zu seiner Beendigung durchzuziehen. Sonst würde es Ausreden über Ausreden geben, die möglicherweise ein frühzeitiges Ende dieses Werkes bedeuten und das ganze Projekt ruinieren würden.
Das Magazin erscheint normalerweise jeden Freitag. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Arbeit mit jeder Veröffentlichung voranschreitet und das Werk eine Chance erhält, vollendet zu werden. Sisapada wurde ebenfalls beauftragt, das Werk bis zu seinem Ende hin zu veröffentlichen. In allem war Sisapada sehr kooperativ und bereit, diesen Anforderungen gerecht zu werden.
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Kapitel 1
Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Der Begriff kammatthana1 ist ein besonderes Wort und ein besonderer Aspekt des Dhamma2, der im Kreis der Dhutanga3 Bhikkhus4 praktiziert wird. Aber die wahre Grundlage des kammatthana existiert in jedermann -in Männern, Frauen, Ordinierten und Laien -, da sie sich zum Beispiel auf solche Dinge wie kesa5 und loma6 bezieht. Einige Leser verstehen möglicherweise nicht, was mit den Begriffen kammatthana oder Dhutanga Kammatthana Bhikkhus gemeint ist, aber ihre Erörterung wird hier nur im Rahmen der Praxis von Dhutanga Kammatthana Bhikkhus in der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann behandelt werden. Mit anderen Arten der Praxis ist der Autor nicht vertraut, abgesehen von dem, was er beiläufig davon erfahren hat. Er hatte nie die Gelegenheit, mit ihnen vertraut zu werden. Wenn es jedoch um die Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann geht, so hat der Autor einiges Wissen durch Beobachten, Zuhören und durch eigene Praxis erlangt. Bevor ich aber darauf genauer eingehe, werde ich den Begriff kammatthana als das Fundament der Praxis erklären, damit er als Leitfaden für die anschließend zu bringenden Berichte dient.
Der unter Buddhisten seit langem wohl bekannte Begriff bedeutet üblicherweise „Das Fundament der Arbeit“. »Arbeit« ist hier von besonderer Bedeutung und unterscheidet sich deutlich von dem, was die Welt unter Arbeit versteht. Mit Arbeit ist hier gemeint, die Existenzen, die kilesas7 , tanha8 und avijja9aus unseren Herzen auszurotten, und zwar, um uns weit von dukkha10 zu entfernen, das uns in Geburt, Alter, Schmerz und Tod immer wieder begegnet und das die Kette ist, die uns an den samsara vatta11 bindet. Diese Kette zu zerstören und uns von dukkha zu befreien, ist für alle Wesen schwierig. Das Ergebnis der praktischen Durchführung dieser Art von Arbeit, selbst bevor man das Ziel erreicht hat, ist Glückseligkeit in diesem und in den nächsten Leben. Deshalb wird ein Bhikkhu, der daran interessiert ist, diese Art von Dhamma zu praktizieren, immer als Dhutanga Kammatthana Bhikkhu bezeichnet, ein Ehrentitel, der denen, die an dieser Art von Praxis interessiert sind, von Mitbuddhisten anerkennend verliehen wird.
Eine Form des kammatthana, die seit der Zeit des Buddha als fester Bestandteil von dem upajjhaya12 bei der Ordination gelehrt wird, besteht aus den folgenden fünf Objekten: kesa, loma, nakha13, danta14 und taco15 . Diese werden dem gerade Ordinierten in dieser und ebenfalls in
1 Das Fundament des geistigen Trainings 2 üblicherweise die Lehre des Erhabenen Buddha 3 Asketische üÜbung 4 Mönch 5 Haupthaar 6 Körperhaar 7 Die Schergen von avijja, das Unheilsame in all seinen Formen 8 Anhaftungen 9 Geistige Blindheit, Unwissenheit, Verblendung10 von geistiger Unruhe, Unzufriedenheit bis hin zum grössten Leid 11 Kreislauf der ewigen Wiedergeburten 12 Mönchsvater 13 Finger-und Fußnägel 14 Zähne
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umgekehrter Reihenfolge ans Herz gelegt, sodass der junge Ordinierte diese Objekte immer wieder und so lange untersucht, bis er eines oder alle fünf vollständig verstanden und durchschaut hat. Diese fünf Objekte sind sehr wichtige Teile des Körpers aller Männer und Frauen.
Es gibt jedoch viele arammana16des citta17, die als kammatthana verwendet werden können. Nach den buddhistischen Texten, die bei Interesse zu Rate gezogen werden können, gibt es vierzig dieser Objekte. Die Vielzahl verschiedener kammatthana-Objekte soll dem an der Praxis Interessierten die Möglichkeit geben, sich entsprechend seinem Charakter eines oder auch mehrere auszusuchen, denn Menschen unterscheiden sich in ihren Charakteren, ähnlich wie Krankheiten, die in den verschiedensten Formen vorkommen. Ebenso unterschiedlich sind die Medikamente, die sich zu ihrer Behandlung eignen.
Die Übung besteht nun darin, dass man sich eines dieser Objekte vornimmt und dessen Namen in einer einem förderlichen und angemessen Körperposition ständig im Geiste als parikamma bhavana18 wiederholt. So zum Beispiel: kesa … kesa… kesa… kesa… kesa… kesa…; oder loma… loma… loma… loma… loma… loma; dazu ist Achtsamkeit erforderlich, um eine ständige Kontrolle aufrechtzuerhalten und den Geist nicht zu anderen Objekten abschweifen zu lassen. Dabei sollte man sich des speziellen Dhamma Objekts, dessen Namen man wiederholt, bewusst sein und es nicht häufig wechseln, denn dies wäre ein Zeichen von Unentschlossenheit. Man sollte nun so lange mit diesem Objekt trainieren, bis man entweder sein Ergebnis wahrhaftig erfährt, oder wirklich weiß, dass dieses Objekt dem eigenen Charakter nicht entspricht, bevor man sich einem neuen Objekt zuwendet.
Wer wirklich weiß, dass ein bestimmtes Objekt seinem Charakter entspricht, sollte dieses als Anker für seinen Geist benutzen und unermüdlich in seinen Anstrengungen fortfahren, bis er Stück um Stück Ergebnisse erfährt und dann auf eine Ebene des Dhamma gelangt, wo es für ihn notwendig wird, das Dhamma-Objekt zu wechseln. Der Übende muss dies selbst wissen. Das Ergebnis, das durch das Training mit diesem oder anderen, dem eigenen Charakter entsprechenden Dhamma-Objekten entsteht, führt zu zunehmender Glückseligkeit und Ruhe im Geiste. Für jemanden, der dies noch nie erlebt hat, hält die Ruhe, zuerst auf der untersten Stufe beginnend, einen kurzen Augenblick an und verlängert sich dann zunehmend. entsprechend seinem Charakter. Schließlich hält die Ruhe so lange an, wie man sich dies wünscht. Die Ruhe der verschiedenen Stufen ist auch unterschiedlich subtil.
Ist das citta ruhig, so kann es auch die Objekte fallen lassen, die es schon immer auf die verschiedenste Art geplagt haben, und übrig bleiben nur noch „ungetrübtes Wissen“ und „leuchtende Klarheit“. Dies sind die dem Geiste zu Grunde liegenden Qualitäten, vereint mit der Glückseligkeit, die entsprechend jeder Stufe der Ruhe entsteht. Dann gibt es auch keinen Zwiespalt mehr, da das citta ohne ein arammana ist. Es ist ganz mit sich eins und, falls noch subtile kilesas in ihm vorhanden sein sollten, so zeigen sich diese nicht. Dies ist vergleichbar mit stillem und klarem Wasser, in dem sich der übrig gebliebene Schmutz am Grund abgesetzt hat und das man dann zum Trinken oder zu anderen Zwecken verwenden kann.
Je länger der Geist ohne arammana verweilt, friedvoll in sich selbst, desto mehr Glückseligkeit und Wundersames entstehen. Dies zeigt einem, wie wichtig und wertvoll der Geist wirklich ist. Beides, das Wundersame und das Wertvolle, kann man niemals wieder vergessen, weil die Natur des Geistes geheimnisvoll und wundervoll ist. Ist der Geist gereinigt, und sei es auch nur für einen Augenblick, dann wird er sein Wunder offenbaren. Lässt man zu, dass dieser Zustand des
15 Körperhaut 16 Gefühlsreaktionen, Objekte 17 Das Wesen des Geistes 18 vorbereitende Übung der Meditation
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citta aufgrund von Nachlässigkeit verkommt, indem man seine Praxis nicht aufrecht erhält oder sie nicht weiterentwickelt, kann dies ein großer Verlust sein und zu großer Enttäuschung führen, da man sich von ganzem Herzen nach dieser wundervollen Erfahrung sehnt. Wahrscheinlich aus diesem Grunde gab es zu Lebzeiten des Buddha einen Savaka19, der sein Herz sechsmal reinigte und wieder verkommen ließ, ein Verlust, der ihm große Enttäuschung bereitete. Aber letztendlich gelang es ihm dann, die Stufe der Erleuchtung zu verwirklichen und ein Arahant20 zu werden. Dies war nur seinem Fleiß und seinen unermüdlichen Anstrengungen zuzuschreiben, die für ihn als Brücke wirkten und es ihm ermöglichten, das amata21 Dhamma zu durchdringen und mit Kammatthana Dhamma als Transportmittel das Land der Glückseligkeit zu erreichen.
All die unzähligen Buddhas und Arahants verwirklichten die Erleuchtung mit Hilfe der verschiedenen kammatthana, wobei sie sich die fünf kammatthana zum Beispiel nahmen. Es gab keinen einzigen unter ihnen, der ohne kammatthana das Dhamma durchdrang. Es ist wahr, wenn es heißt, dass das kammatthana der Mutterschoß der Unübertroffenen Erleuchteten ist. Sie alle mussten sich verlassen auf das kammatthana als Reinigungsmittel, als das Hilfsmittel zur vollständigen Ausrottung und Vertilgung aller Arten von Ansichten und Ideen, der fundamentalen Bestandteile eines citta, das noch unter den Einfluss von vatta22 fällt, bevor sie sich von einem puthujjana23 in einen Ariya24 verwandeln und ihre Herzen rein machen konnten. Deswegen schätzen all die Buddhas das kammatthana hoch und halten es für ein wichtiges und notwendiges dhamma25 und preisen es im Bereich der Religion.
Auch der Erhabene Buddha Gotama schätzte das kammatthana so hoch ein, dass es fester Bestandteil der Tradition wurde. Seine Verwirklichung als ein Buddha war nur mit Hilfe der 40 kammatthana, beginnend mit anapanasati26, möglich. Das ist bis zum heutigen Tage Teil der Lehre des Buddha für seine Anhänger. Es ist die Brücke, die Weltlinge, soweit es in deren Möglichkeiten liegt, mit Nibbana27 verbindet.
Darum war der Begriff kammatthana schon immer eine ganz besondere Form des Dhamma im Bereich der sasana28 und wird es auch immer bleiben. Ein Anhänger der buddhistischen Religion, der noch nicht den Weg des kammatthana kultiviert und trainiert hat, mag er auch um das verborgene Geheimnis in sich, sowohl um das Gute als auch um das Böse, wissen, sollte nicht annehmen, dass er reich an Wissen oder Klugheit sei. Selbst wenn man die Ti-Pitaka29 in-und auswendig kennt, ist dies lediglich eine Auflistung des Guten und Bösen der menschlichen Natur. Sie wurde jedoch noch nicht von der Praxis mit kammatthana als ihrem Führer, der einen zur Wahrheit bringt, bestätigt, wie es des Erhabene Buddha wünschte, der der Welt dieses dhamma lehrte.
Diese vierzig kammatthana Objekte sind wirklich die Basis der Ti-Pitaka, die Mittel für die Zerstörung von Existenzen und Geburten, das Werkzeug zur vollkommenen Auslöschung des cakka30, das die weltlichen Wesen im Kreislauf der Wiedergeburten herumwirbelt. Jedwede Art von Training, die nicht von diesen dhammas getragen wird, ist ganz sicher nicht für die
19 unmittelbarer Schüler des Buddha 20 Ein vollkommen Erleuchteter 21 unsterblich 22 Kreis, Runde bezieht sich meistens auf den Kreislauf der Wiedergeburten 23 Weltling 24 Edler Jünger 25 Konzept, Theorie, Objekte des Geistes 26 Achtsamkeit auf den Ein und Ausatem 27 Erlöschen, Befreiung, Freiheit 28 Die Lehre, Religion 29 Der Dreikorb, die Sammlung der Lehrreden des Buddhas 30 Ein sich drehendes Rad, ein Kreis
Vernichtung von dukkha und der kilesas geeignet. Eine Trainingsart aber, die von diesen dhammas unterstützt wird, ist bestimmt in der Lage, den Berg von dukkha zu vernichten.
Daher muss, wer sich für Frieden, Glück und ein durchdringendes Verständnis von Dhamma trainiert, sich auf diese dhammas als Nabelschnur, als das Fundament seines Trainings verlassen, und zwar von den niedersten bis hin zu den höchsten Stufen des Dhamma – nibbana und vimutti31. Welche Methode auch immer man anwendet, um sich im Guten zu üben, wenn eine harte Nuss zu knacken ist oder es ans Eingemachte geht, das heißt, wenn man in die verschiedenen Ebenen des Dhamma und des citta eintaucht, man muss auf eines dieser dhamma-Werkzeuge zurückgreifen, bevor man in der Lage ist, jedes Hindernis sicher zu überwinden, und zwar weil diese dhammas die Mittel sind, die das Sacca Dhamma32 aufsteigen lassen, deren Gipfel magga33– phala34 und Nibbana sind. All diese dhammas sind im Bereich der Buddha sasana enthalten und die Buddhas aller Zeitalter lehrten sie nach demselben Muster. So werden sie von Generation zu Generation weitergegeben.
Wer immer noch an den Buddhas zweifelt, die das Dhamma in verschiedenen Zeitaltern bis hin zu unserem gegenwärtigen Erhabenen Buddha lehrten, sollte sich im Einklang mit der Lehre des kammatthana dhamma trainieren und es untersuchen. Wenn man es wahrhaftig mit panna35 geprüft, bewiesen und die vom Erhabenen Buddha beabsichtigten Ergebnisse erfahren hat, dann wird man mit Sicherheit -aufgrund von eigener wahrhaftiger Erfahrung -erkennen, dass sich der sasada36 und das Dhamma nicht voneinander unterscheiden, sondern ein und dasselbe sind. Dies steht im Einklang mit dem Wesen des Dhamma, das man kurz so beschreiben kann: „Wer das Dhamma sieht, sieht den Tathagata37“. Dieser Vers kündet uns all die Tathagatas ganz klar an und zeigt, dass der Tathagata immer eins mit dem Dhamma ist. Das heißt, die Wahrheit des Tathagata ist nichts anderes als nur dieses Dhamma; es ist nicht an Ort und Zeit gebunden und jeder Buddha hat innerhalb der jeweils gängigen sammutti38 das parinibbana39 verwirklicht.
Wer das Dhamma in seinem Herzen klar erkannt und durchdrungen hat, hegt keine Zweifel am Tathagata, oder daran, ob der Tathagata existiert. In der Welt glaubt man jedoch, dass er nach Eintritt ins parinibbana still und leise verschwindet und dass es keinen Lehrmeister mehr gibt, der mitfühlend unterrichtet. Die Wahrheit aber ist, dass das Dhamma, das gelehrt wurde, tatsächlich der Lehrmeister ist. Ist man daran interessiert, einen Lehrmeister im eigenen Herzen zu besitzen, dann kann man auch zu jeder Zeit einen finden, so als ob der Erhabene Buddha noch lebte. Entscheidend hierfür ist die eigene Ernsthaftigkeit im Vertrauen zum Dhamma und in der Ehrfurcht vor diesem, das sein Vertreter ist. Selbst, wenn der Erhabene Buddha noch lebte, wäre es ihm unmöglich, einem zu helfen, wenn man kein Interesse dafür aufbrächte. Man würde zu jenen gehören, denen nicht zu helfen ist und für die auch keine Verbesserung zu erreichen wäre.
Um jegliche Gewissensbisse in Zukunft zu vermeiden und um für die Gegenwart und Zukunft Sicherheit zu erlangen, sollte man diese dhammas, die uns der Erhabene Buddha als sein geistiges Erbe und Ebenbild hinterlassen hat, in sich trainieren und kultivieren. Die Ergebnisse werden in jeder Hinsicht dieselben sein, als wäre der Erhabene Buddha noch am Leben. Denn nichts hat sich geändert und Dhamma wird der Lehrer sein, den man für alle Zeiten in seinem Herzen trägt.
31 Freiheit, Befreiung 32 das wahrhaftige Dhamma 33 Pfad, Weg 34 Frucht, Verwirklichung 35 Weisheit 36 Der Welten Lehrer, Lehrer der drei Daseinsbereiche 37 Der So Gegangene, ein Titel, den der Buddha sich selbst gab. 38 Konvention, relative Wirklichkeit 39 Endgültige nibbana, das nach dem Tod eines Buddha oder Arahant erreicht wird.
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Die Erörterung des Begriffes kammatthana ist ziemlich langatmig geraten und mag den Leser etwas ermüdet haben. Mögen Sie alle bitte dem Autor verzeihen, dass er sich nicht kurz fassen konnte, aber er befürchtete, dass einige von Ihnen den Begriff kammatthana nicht genau genug verstehen würden. Nun sollten Sie alle in der Lage sein, ihn zu verstehen und einige Formen der Praxis zu erlernen. Wenn Sie sich dann dem Training zuwenden, wird es Ihnen umso leichter fallen.
Die Ausführungen sollen nun mit den Arten des Trainings – patipada40 – fortgesetzt werden, die der Ehrwürdige Lehrmeister Mann seine Anhänger lehrte, und die bis zum heutigen Tag praktiziert werden. Die Umsetzung des Trainings entsprechend der patipada ist offensichtlich ziemlich schwierig, weil es ein Training ist, das den allgemein üblichen Vorgehensweisen der Welt
– in Taten, Worten und Gedanken – fundamental entgegensteht. Kern der patipada sind die dreizehn dhutangas und die vierzehn khandha vatta41 als Hilfsmittel, um seine körperlichen Handlungen zu disziplinieren, und schließlich die vierzig kammatthana zur Disziplinierung von Herz und Geist. In den verschieden Stadien des Trainings ergänzen sich alle gegenseitig.
Wer bereit ist, von ganzem Herzen das Leben eines Dhutanga Kammatthana Bhikkhu zu führen, muss die verschiedensten Arten von Hindernissen ertragen und ihnen die Stirn bieten können, Hindernisse, die sich schon so lange im Herzen vergraben haben, dass sie zu festen Angewohnheiten wurden und deshalb nur sehr schwer zu ändern sind. Dies muss man aber dennoch ohne Zaudern und Zögern anstreben. Aufgrund der Tatsache, dass es Unterschiede im Lebensstil und Verhalten zwischen Ordinierten und Laien gibt, müssen die Ordinierten Zurückhaltung üben, wie es der Mönchstradition entspricht. Ein Dhutanga Bhikkhu muss deshalb sehr strikt in seinem Umgang und Benehmen sein, und zwar besonders auch bei der Einhaltung all seiner Regeln und Pflichten, damit er sich selbst Quelle des Glücks und der Stärke ist, und um für andere ein bewundernswertes und vertrauenswürdiges Beispiel zu sein, zu dem sie aufschauen können.
Die dreizehn Dhutanga-Übungen und alle anderen Regeln des Trainings, die in Beziehung zu den verschiedenen kammathanas stehen, sind das dhamma, das ganz direkt den Charakter und die Widerborstigkeit der Menschen diszipliniert und korrigiert. Mönche entstammen Laienfamilien und deswegen sind auch ihnen die Angewohnheiten von Laien zu Eigen. Gäbe es keine Disziplinen, um ihre Angewohnheiten zu zügeln und zu zähmen, dann würde ihr Eintritt in die Mönchsgemeinde unweigerlich dazu führen, dass sie sich selbst, die Klöster und die sasana ruinieren. Denn es liegt in der Natur der meisten Menschen, sich und andere ständig auf verschiedene Art und Weise zu verletzen und zu Grunde zu richten. Sie tun dies zwar nicht immer absichtlich, sondern eher aufgrund ihrer eingefahrenen Gewohnheiten, die entweder den verschiedensten Arten von Ehrgeiz oder der Unwissenheit entspringen. Welcher Grund nun wirklich vorliegt, ist schwer zu sagen. Jedenfalls sind sie es, die uns ständig dukkha bereiten und uns mit Mühsal beladen. Deshalb erfahren wir auch nur sehr selten die von uns so ersehnte Leichtigkeit und das Wohlbefinden des Körpers und das Glück im Herzen.
Unter »Selbstverletzung« und »Selbstzerstörung« sind all die Gedanken zu verstehen, die einem wissentlich oder unwissentlich Schaden zufügen. Werden solche Gedanken in Wort und Tat anderen vermittelt, dann fügen sie diesen Schaden zu. All dies fällt unter die Kategorie Verletzen und Zerstören.
Die folgende Erörterung befasst sich nun zuerst mit denjenigen Bhikkhus, die mit dem Ehrwürdigen Lehrmeister Mann zusammenlebten und unter ihm trainierten. Später wird dann darauf eingegangen, wie diese für sich allein lebten und auf sich gestellt trainierten.
40 Arten der Praxis 41 der Kodex des sozialen Verhaltens (z.B.Verhaltensregeln gegenüber Mönchsgästen)
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Die Bhikkhus, Anfänger, Lernenden und kammatthana Praktizierenden, die mit dem Ehrwürdigen Lehrmeister Mann zusammenlebten, wurden von ihm normalerweise dahingehend unterwiesen, in jeder von ihnen auszuübenden Aufgabe und Pflicht sorgfältig zu sein. Er lehrte sie, exakt zu sehen und zu hören, sich geschwind und flink statt langsam und träge zu bewegen, findig zu sein und ihren Scharfsinn bei der Verrichtung jeder ihrer Aufgaben so zu trainieren, dass sie von diesen die verschiedenen Aspekte des Dhamma erlernen könnten. Sie sollten nicht wie ein hilfloses Wesen unnütz herumliegen, sondern gründlich und gewissenhaft sein und immer und bei jeder ihrer Bewegungen sati42 zum Begleiter haben!
Bezüglich der Meditationspraxis lehrte er sie die fünf kammatthana, sowie auch andere kammatthana, entsprechend dem Charakter jedes einzelnen seiner Schüler. Während sie seinen Lehrreden lauschten, übten sie auch die Meditation von samadhi43 . Einigen seiner Schüler gelang es, ihr citta während seiner Lehrreden so vollkommen zur Stille zu bringen, dass sie während dieser Zeit im samadhi verweilen konnten, obwohl ihnen dies seit dem Tage, wo sie mit dem Praktizieren begonnen hatten, noch niemals widerfahren war. Es gab viele solche Bhikkhus und Novizen, die ihr Training unter dem Ehrwürdigen Lehrmeister aufnahmen und die Ergebnisse der Samadhi-Meditation direkt zu dem Zeitpunkt erfuhren, als sie dasaßen und seinen Lehrreden lauschten, obwohl ihre Erfahrungen, da diese abhängig vom Charakter sind, unterschiedlich und nur sehr selten identisch waren.
Den Lehrreden des Ehrwürdigen Lehrmeisters zu lauschen, war eine ausgezeichnete Möglichkeit, seinen Geist zur Ruhe zu bringen und ihn auf den beiden Gebieten von samadhi und panna, auf welcher Stufe auch immer, zu entwickeln. Wer noch nie Ruhe erfahren hatte, begann sie zu erfahren. Andere, die schon ein wenig Ahnung davon hatten, erfuhren mehr davon. Wer samadhi zu seinem Fundament machte, festigte langsam und stetig diese Basis. Jenen, die begonnen hatten, von panna Gebrauch zu machen, wurde, während sie seinen Lehrreden lauschten, von Zeit zu Zeit dabei geholfen. Wer bereits panna als seine Basis entwickelt hatte, konnte bei jeder Gelegenheit seine Weisheit in Tiefe und Feinheit ausbauen.
Nach einer Belehrung zerstreuten sich die Bhikkhus und begaben sich in die Abgeschiedenheit, um ihr Training in den verschiedenen Stellungen verstärkt fortzusetzen. Der Ehrwürdige Lehrmeister schrieb keine bestimmten Zeiten zum Ausruhen und Schlafen vor, sondern überließ es jedem Einzelnen, dies für sich selbst zu entscheiden. Denn es gab Unterschiede in ihren dhatu khandha44 in der Intensität ihrer Anstrengungen und in ihrer Entschlossenheit gegenüber den einzelnen Aspekten des Dhamma. Einige ruhten sich mehr des Nachts aus, während andere eine kurze Ruhepause während des Tages einlegten, um dann, mit nur wenig Ruhe und Schlaf, ihre Anstrengungen während der Nacht zu verstärken, oder manchmal, wenn sie außerordentlich beharrlich und fleißig waren, sich überhaupt keinen Schlaf zu gönnen. Der Ehrwürdige Lehrmeister überließ es deshalb ihnen selbst – d.h. jeder einzelne Praktizierende konnte für sich entscheiden, wann er sich ausruhte, schlief und sich trainierte.
Die fünf kammatthana und die dreizehn dhutanga-Übungen waren von außerordentlicher Wichtigkeit in der Art des Trainings des Ehrwürdigen Lehrmeisters. Es wäre nicht falsch, diese als die »Nabelschnur« des Trainings der Dhutanga Bhikkhus seiner Tradition zu bezeichnen. Immer und innerhalb kürzester Zeit lehrte er diese kammatthana und die Einhaltung der dhutangas diejenigen, die zu ihm zur Unterweisung kamen. Zum Beispiel, wenn gerade die trockene Jahreszeit war, lehrte er sie, im Schatten von Bäumen zu leben. Er unterwies sie, indem er sagte: „Jene großen Bäume da drüben sind voller Blätter – schattig und friedlich, ohne belästigende Geräusche und den
42 Achtsamkeit, Gewahrsam 43 Konzentration, Stufen der geistigen Vertiefungen 44 Physische Beschaffenheit
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Tumult der Welt – ideal für das Meditations-Training! Jene Berge sind Orte, die euch mit Freude am Dhamma erleuchten werden. Jene Höhlen und Klippen sind ausgezeichnet geeignet, um Frieden und Glückseligkeit im Geiste zu entwickeln. Und jener dichte Dschungel wird euch helfen, eure Faulheit und Furcht effektiv zu beseitigen! Jemand der träge und feige ist, sollte an solchem Orte leben! Er wird ihm zu Anstrengungen verhelfen und seine Furcht verschwinden lassen, sodass er mutig und tapfer werden und damit sein Herz um einige Bürden erleichtern kann.
„Auf diesem Berg, in jener Höhle, oder auf jener Klippe – da hat man eine ausgezeichnete und ideale Atmosphäre, um seine Meditation zu entwickeln. Das citta kann leicht in die Stille eintauchen. Wenn das citta still geworden ist, dann kann man viele ungewöhnliche und mysteriöse Dinge sehen, die jenseits unseres normalen Wahrnehmungsvermögens sind. Auf diesem Berg, in jener Höhle oder auf jener Klippe, da gibt es dies und das in dieser oder auch jener Art. Ist man an einem solchen Ort, dann sollte man, falls es dort niemanden und nichts anderes gibt, vorsichtig und nicht achtlos sein. Man sollte dann nicht annehmen, da man nichts sieht und hört, dass es dort nichts anderes gäbe! Denn es gibt eine Menge mysteriöser Dinge und ihre Zahl ist bei weitem größer als die Zahl all der materiellen Dinge, die es in der Welt gibt. Jedoch diese wahrzunehmen, übersteigt die Fähigkeit eines normalen citta und nur unsere mangelhafte Wahrnehmungsfähigkeit verhindert, dass sich uns diese Dinge so offenbaren wie alles andere in der Welt.“
„Der Praktizierende sollte in jeder Lage Zurückhaltung üben und sollte zumindest ruhig und friedfertig sein. Wenn seine Tugendhaftigkeit größer ist, dann ist dies ein Grund, von all den verschiedenartigen himmlischen Wesen, die in der Umgebung und anderswo leben, respektiert und bewundert zu werden, denn die Welt ist niemals unbewohnt von gröberen oder auch feineren himmlischen Wesen. Selbst menschliche und tierische Körper werden von den verschiedensten Arten von lebenden Organismen bewohnt. Wer sich auf das »Stadium der Freiheit« hin unter all den sabhava dhammas45 der drei Welten trainiert, sollte die Existenz oder Nichtexistenz von Dingen, die seine persönliche Erfahrung übersteigen, weder bestätigen noch verneinen, da wir uns nicht einmal der grob-und feinmateriellen Stoffe, die uns umgeben, vollkommen bewusst sind. Manchmal mögen wir mit einigen von ihnen in Berührung kommen, und indem wir falsch mit ihnen umgehen, vernichten wir sie. Falls man achtlos über irgendetwas auf seinem Weg stolpert, geschieht dies aufgrund der Annahme, dass sich da nichts befindet. Das ist die normale Angewohnheit eines Menschen, der unter Hochmut leidet. Wie kann es möglich sein, dass man die Existenz dieses Gegenstandes leugnet, wenn man ihn schon zertreten hat? Die Erfahrung alleine möge genügen, uns unsere Achtlosigkeit zu beweisen – natürlich nur, wenn wir daran interessiert sind, dies herauszufinden. Ist man indes nicht daran interessiert, seine Angewohnheiten zu untersuchen, und lässt diese chronisch werden, dann wird es einem nicht möglich sein, die Wahrheit der Welt und des Dhamma, die uns überall umgibt, zu erkennen.
„Auf diesem Berg, in jener Höhle, und auf jener Klippe, wo ich zu leben und mich zu trainieren pflegte, gibt es geeignete Stellen, frei von Sorgen und allen möglichen Verwicklungen. Wenn euch wirklich etwas am »Land der Freiheit von dukkha« liegt, dann solltet ihr jene Orte für eure Entwicklung aufsuchen und eurer Leben den verschiedenen dhammas anvertrauen. Das ist gleichbedeutend mit dem Sasada an eurer Seite, ganz für euch alleine und in allen Lagen! Ihr werdet, ob ihr nun wacht oder schlaft, glücklich sein. Die Anstrengungen des Geistes werden ständig voranschreiten und nicht so langsam, als wenn ihr euch an überfüllten Lokalitäten und an Plätzen voller Verwirrungen aufhaltet. Der Lord Buddha und all die Savaka Arahants46 setzten an jenen Orten ihr Leben um des Dhamma willen aufs Spiel. Nur wer den Schaden der kilesas, tanha, ãsava47 und samsara vatta, nicht erkennt, zieht ziellos herum und reserviert sich Grabstätten auf dem Friedhof von Geburt und Tod und ist nicht beeindruckt von jenen Orten, von denen der Lord
45 Phänomene, Naturbedinungen 46 Diejenigen, die unter der Anleitung des Erhabenen Buddha Arahants geworden sind. 47 Ausflüsse, Ergüsse
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Buddha und seine Arahants entzückt waren.
„Schaut euch nur diese wilden und dichten Wälder an! Ihr solltet dorthin gehen und bei den Berg-und Waldvölkern leben. Das sind die Orte, die alle eure Anstrengungen, den Strom von vatta im Geiste abzuwürgen und in jeder neuen Runde kleiner und kleiner werden zu lassen, hoch verzinsen. Wer es leid ist, in den verschiedensten Formen der Existenz immer wieder geboren zu werden und immer wieder zu sterben, unterscheidet sich klar von anderen, von normalen Menschen. Ebenso unterscheiden sich Anstrengungen an geeigneten Orten gewaltig von ganz gewöhnlichen Anstrengungen. Die durch eine cankama48 oder die samãdhi bhavana49 erzielten Ergebnisse werden sich, wenn man sie an einem ungeeigneten statt einem geeigneten Ort ausübt, gewaltig voneinander unterscheiden, und zwar allein aufgrund von Unterschieden in Bezug auf Aufmerksamkeit, Stetigkeit von sati-panna50 und Reaktion auf die Umgebung. Die Ergebnisse, die sich aus einer stetigen -statt einer ständig unterbrochenen -Anstrengung ergeben, müssen sich deshalb zwangsläufig unterscheiden!“
„Der Praktizierende, der wahrhaftig den Sasada als sein saranam51 nimmt, sollte dabei mehr an das dargelegte Dhamma denken als an all die verschiedenen Arten von Mühsalen mit der Angst vor dem Tod als Hauptschuldigem. Zum Beispiel die Härten, die einem aus Mangel an den lebensnotwendigen Dingen – den vier Bedarfsgegenständen eines Mönches – erwachsen (z.B. das Essen vom Almosengang); die Mühsale, die einem aus dem Streben bei der Zähmung des citta, das schon immer wild und rücksichtlos war, entstehen; die Plagen, die aufkommen, wenn man während einer langen Zeit cankama geht oder in bhavana52 sitzt und dadurch dukkha vedana53 erzeugt wird, der sowohl den Körper als auch den Geist quält; die durch den unnachgiebigen Widerstand des citta, sich dem erwünschten Disziplin-Rahmen zu beugen, entstehenden Qualen; die Mühsale, die sich einstellen durch Hunger und Erschöpfung aufgrund von ungenügender Ernährung als Folge davon, dass man nur sehr wenig Nahrung zu sich nimmt oder viele Tage lang fastet, um die Anstrengung des Geistes zu unterstützen (falls dies dem Charakter entspricht); das Elend, das aufkommt durch die Abgeschiedenheit und Einsamkeit, ohne Freunde und Acariya54, der einen unterrichtet und mit dem man Erfahrungen austauschen kann; die Nöte, die durch Heimweh, Gedanken an Freunde und Verwandte entstehen, die einem Wärme und Wohlbefinden für Körper und Geist gaben; die Unannehmlichkeiten, die man hat, wenn man vom Regen durchnässt und ohne Unterschlupf ist; die Mühsal, die sich durch Kälte und Schmerzen, hervorgerufen durch die verschiedensten Dinge, einstellt. Qualen, die von Fieber, Leiden und Schmerzen der einzelnen Körperorgane herrühren und für die man keine Medizin hat; die Pein, die entsteht durch Todesangst, während man alleine im Dschungel ist ohne jemanden, der einem helfen oder einen beschützen und ohne jemanden, der nach dem Tod den Körper beerdigen könnte – stattdessen nur Aasgeier, Krähen, Hunde und Flöhe, die gierig die Überbleibsel des Leichnams verschlingen: All diese Gedanken von Mühsal und Plagen hindern einen, bei der Verwirklichung von nibbana voranzukommen! Lasst sie nicht eurer Herz in Aufruhr versetzen. Das wird euren Ruin bedeuten. Ihr werdet nicht mehr in der Lage sein, diesen Weg weiter zu beschreiten!“
„Diese Gedanken sind die Quelle von samudaya55, der Schlüssel, der dem dukkha das Tor öffnet; sie werden eurer Herz verzehren, bis es keinen Ausweg mehr zu finden vermag. Der Praktizierende muss Courage haben und muss strapazierfähig sein! Er muss Hunger, Sonne und Regen und all die verschiedenen Arten von Mühsalen und dukkha ertragen können, die in Geist und
48 Gehmeditation 49 Sitzmeditation 50 Achtsamkeit und Weisheit 51 Zuflucht 52 Meditation 53 Schmerzgefühl 54 Lehrer 55 wörtlich Ursprung, Ursprung alles Seins (der drei Weltsysteme)
Körper entstehen. Er muss die stechenden Schmerzen und den Todeskampf, mit dem er innerlich und äußerlich in Berührung kommt und von denen die ganze Welt weiß, dass sie jedem ohne Ausnahme widerfahren, aushalten und ertragen.
Der Praktizierende muss seinen Geist daraufhin trainieren, unerschütterlich und stark zu werden, sodass er dem Sturm, der normalerweise im Geiste entsteht, trotzen kann, jenem Sturm, der ständig bereit ist, einen zerstörerischen Ausbruch zu entfesseln, der sich auf den unermüdlichen Einsatz des Praktizierenden richtet, ihn zunichte macht und ihn quasi in einen Schwächling verwandelt. Dadurch werden dann die eigene Standfestigkeit, Ausdauer und die unnachgiebigen Qualitäten Schritt für Schritt abgebaut. Zum Schluss wird man wieder vom dukkha überschwemmt werden, so wie schon seit eh und je. Mit jedem vorbeiziehenden Tag wird man sich weiter vom Sasada entfernen. Das »Buddham saranam gacchami56« wird zum Lippenbekenntnis, wie es auch ein Kind nachplappern kann. Das Wesentliche des »Buddham« wird sich zum größten Teil aus dem Herz verflüchtigen.
„Dies ist die Beschreibung eines Verlierers, der vollständig von den kilesas und Mara57 überwältigt wurde – er ist unfähig, seiner eigenen bösen Gedanken Herr zu werden. Das ist der Verlierer der khandha Mara58 – d.h. man erlaubt dem den sankharas59 entstammenden dukkha, einen zu verzehren und zu verbrennen und man ist unfähig, sich mit Hilfe von sati-panna, das einen verlässlich aus der Hölle erretten könnte, einen Fluchtweg zu bahnen. Es gibt keine anderen Feinde in den drei Welten, die so gewitzt und geheimnisvoll sind wie die Feinde im eigenen Herzen – die kilesas und tanha. Sie sind tödlich für die Schwachen, Faulen und Achtlosen, diejenigen, die allzu bereit sind, sich allem zu unterwerfen, womit sie in Berührung kommen, ohne jemals Mittel und Wege zu suchen, um mit ihnen fertig zu werden. Diese Menschen sind die Lieblinge der kilesas und Maras. Ein jeder, der ihr Liebling sein will, sollte sich immer mehr von dieser Art Schwäche, Faulheit, und Achtlosigkeit aneignen. Man wird dann zu ihrem Lieblingsdiener werden, der niemals eine Chance erhält, sich zu erheben und das Licht des Dhamma, das Mittel, das einen von dukkha befreien kann, zu erblicken.“
„In jeder Form der Existenz wird man sein Herz – seinen wertvollsten Schatz – eher den allmächtigen kilesas als Weihgabe anbieten, als dem Dhamma in seinem Herzen. Es ist sehr traurig mitanzusehen, wie sich ein Bhikkhu, der die Qualitäten eines Praktizierenden in sich trägt, solch bösen Kräften unterwirft, ohne sein sati-panna anzuwenden, um sich über sie zu erheben und um im Frieden des Dhamma zu verweilen, nämlich mit seiner Almosenschale und seinem klod60 über Berge und durch Wälder zu ziehen und sich in bhavana zu üben, wie es seines moralischen Formats und seines genügsamen Lebenswandels würdig wäre. Falls so etwas bei den Praktizierenden, die hierher zu Unterweisungen kommen, der Fall sein sollte, wird der Lehrer unweigerlich tot zu Boden fallen, noch bevor sie es tun!“
Es ist kaum möglich, der Lehrfähigkeit des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann – des Heiligen dieser Generation – gleichzukommen. Es ist auch bedauerlich, dass der Autor, der beides, »die Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann« und »die Patipada der Dhuthanga Kammatthana Bhikkhus seiner Tradition«, verfasste, weder über ein klares Erinnerungsvermögen noch über die Weisheit verfügt, die der des Ehrwürdigen Lehrmeisters ebenbürtig wäre, um das Wesen der Dhamma-Lehre des Ehrwürdigen Lehrmeisters ausloten und sie von ihrer besten Seite darstellen zu können -würdig des Ehrwürdigen Lehrmeisters von der Statur eines Bhikkhus, der das »vollendete
56 Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha 57 Versuchung, das Böse oder Herrscher der Hölle 58 Versuchungen der khanda, khandha sind die fünf Gruppen des Anhaftens 59 Gedankenformationen 60 Grosser Regenschirm, unter dem man sitzt oder schlafen kann. Normalerweise wird ein Moskitonetz darüber
gespannt.
Dhamma« verkörperte. Dies ist jedoch die Meinung des Autors, und er bittet um Verzeihung, sollte es der Wahrheit nicht entsprechen.
In seinen Unterweisungen an die Mönche betonte der Ehrwürdige Lehrmeister immer die Einhaltung der dhutangas, vor allem derer, die das Leben an einsamen Orten, wie in Wäldern, auf Bergen, in Höhlen oder auf Felsvorsprüngen vorschreiben. Fast jedes Mal, wenn er Unterweisungen gab, betonte er diese besonders, und zwar entweder am Anfang seiner Rede, gewissermaßen als Einstimmung, oder am Ende seiner Darlegung als Zusammenfassung. So befanden sich seine Anweisungen im Einklang mit seiner Einsiedelei und seiner Vorliebe für die Wälder und Berge als seiner Heimstatt.
Der Inhalt der Dhamma-Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann wich niemals von der Befolgung der dhutangas ab. Nachdem er eine Führung durch diese angenehmen Orte in den Bergen, Wäldern, Höhlen und Felsvorsprüngen vollzogen hatte, belehrte er die Bhikkhus im Zusammenhang mit den verschiedensten Dhamma Lektionen über das richtige Verhalten, wenn man zum pindapata61 das Dorf betrat. Zum Beispiel, wie man die Robe richtig anlegt und wie man sich zurückhaltend benimmt, während man Almosen empfängt.
Sie sollten nicht dahin und dorthin schauen wie geistesabwesende Personen, sondern den Blick absenken, sich ruhig, friedvoll und bescheiden verhalten und, während sie ins Dorf gingen und wieder zurückkehrten. bei jedem Schritt vollkommene sati bewahren. Gleichzeitig sollten sie sich weiter mit dem speziellen dhamma beschäftigen, das sie auch schon vorher untersucht hatten.
Die Dhutanga-Bhikkhus in der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann betrachteten pindapata als ihre wichtigste Pflicht und hielten diese ohne Wenn und Aber strikt ein, ausgenommen, sie aßen nicht, denn dann brauchten sie nicht zu gehen. Sie wurden angewiesen, während des Almosengangs, sowohl auf dem Hinweg als auch während der Rückkehr zu ihrem Aufenthaltsort, ebenso bei der Anordnung des Essens in ihren Schalen und schließlich beim Essen mit der Hand selbst, unbeirrt ihre inneren Anstrengungen fortzusetzen.
Vor dem Essen sollten sie gründlich und wohl überlegt die Nahrung, die sie zu sich nehmen wollten, untersuchen (wie zum Beispiel paccavekkhana62 – patisankhayoniso63), geleitet von der Weisheit und Achtsamkeit jedes Einzelnen, mindestens eine Minute lang. Danach konnten sie bescheiden und zurückhaltend mit dem Essen beginnen, erfüllt von sati an ihrer Seite und auf ihrer Schale. Sie sollten die Reaktionen des Geistes auf das Essen in ihrer Schale, Essen verschiedener Farben und Formen, beobachten, ebenso wie die maya64 des Geistes, die sich auf verschiedene Art zeigt, während man das Essen verspeist, im Auge halten. Sati-panna muss ausgerichtet werden und muss beides, den unnatürlichen Hunger, der von tanha erzeugt wird (d.h. feurige Augen und einAffenherz) und auch die Tricks des Geistes erkennen, die unter Umständen Überdruss und Ekel vor dem Essen erzeugen, das da so durcheinander gemischt wurde und dabei die verschiedenen Geschmacksrichtungen vermengt und verändert hat, wodurch es offenbar unappetitlich wirkt. Dies wiederum entspricht der Art von tugendhaften Menschen, die den Scharfsinn und die Reinheit des Geistes kultivieren wollen.
Die Mittel für die Untersuchungen hängen hauptsächlich von der persönlichen Geschicklichkeit des Einzelnen ab, entweder mit Hilfe von patikula65, der dhatu66, oder auf andere
61Almosengang
62
63 Weise Betrachtung der Almosenspeise, siehe Glossar 64 Täuschung, Illusion 65 Abscheu, Ekel 66 Elemente
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Weise die kilesas, tanha und die Verblendung zu vermindern und auszurotten. All dies sind richtige und angemessene Weisen der Nahrungsaufnahme für die Einzelnen, deren Geschicklichkeit unterschiedlich entwickelt ist. Während man isst, soll man sati, die Basis jeglicher Anstrengung, besitzen, um die Reaktionen des citta, wenn das Essen mit den Geschmacksknospen in Berührung kommt, oder das dhatu khandha67 , während man kaut und hinunterschluckt, beobachten zu können.
Man sollte dem citta nicht erlauben, besessen und leidenschaftlich zu sein, indem man den Geschmäckern der verschiedenen Arten von Speisen nachgibt, denn dies wäre ein Zeichen dafür, dass man seinen sonst üblichen Standard des Benehmens vergisst. Es gibt den ganz natürlichen Hunger, der im dhatu khandha aufgrund von Mangelerscheinungen entsteht und welcher der Ernährung bedarf, und es gibt den Hunger, der dem Befehl von tanha und der Leidenschaften des Geistes folgt. Der erstere ist ganz natürlich und widerfährt jedem, selbst einem Arahant. Man muss jedoch auf der Hut sein bei der zweiten Art des Hungers und diesen überwinden, denn es ist die Leidenschaft, von tanha68 beeinflusst, die überschäumt wie eine Sturzflut, ohne jemals zur Befriedigung zu gelangen. Wenn man nicht darauf achtet und es auf sich beruhen lässt, dann wird es einen in den Ruin treiben.
Der Praktizierende muss immer, wenn er Nahrung zu sich nimmt, sati-panna griffbereit im Geiste halten, denn dies wird ihn an das Erforschen gewöhnen und ihn somit beschützen und verteidigen, während er steht, geht, sitzt, sich niederlegt und isst, und ebenfalls bei der Ausübung seiner verschiedenen Pflichten (wie zum Beispiel das Fegen), die angemessene von einem Bhikkhu zu verrichtende Arbeiten sind. Wenn man dem Geist erlaubt, ohne sati-panna, die Basis jedweder Anstrengung, zu sein, dann wird die Ausübung einer jeglichen Tätigkeit so sinnlos, wie die Arbeit eines Hampelmanns, ohne dass man sich bewusst wäre, dass dem so ist.
Nachdem man gegessen hat, soll man seine Schale auswaschen, sie abtrocknen und danach, falls es sonnig ist, für eine kurze Zeit in die Sonne stellen, bevor man sie wegräumt. Dann fährt man fort mit seiner Beschäftigung, wie cankama gehen oder in samadhi sitzen, oder eine Arbeit erledigen. Nach dem Mahl ist es wahrscheinlich eher angebracht, cankama zu gehen als in samadhi zu sitzen, da es, um Schläfrigkeit zu überwinden, die effektivere Methode ist, sein Training fortzusetzen. Aber an Tagen, an denen man fastet, wird man, zu welcher Zeit man auch praktiziert, weder vor sich hin dösen noch von Schläfrigkeit übermannt werden. Dann kann man sein Training in jeder Körperhaltung mit Leichtigkeit ausüben.
Deshalb wird jemand, der dem Fasten zuneigt, immer gern fasten und dabei die Perioden, von wenigen Tagen bis auf mehrere Wochen steigern; zum Beispiel wird er damit beginnen, 2 -3 Tage keine Nahrung und nur Wasser zu sich zu nehmen, es dann auf 4-5 Tage, 5-6, 9-10, 14-15, oder 19-20 Tage steigern und in einigen Fällen auf einen ganzen Monat ausdehnen. Hat man einige Tage gefastet, kann man, um körperliche Schwächen zu überwinden, vielleicht an einigen Tagen ein Milchgetränk oder einen stimulierenden Nahrungstrunk zu sich nehmen, natürlich nicht täglich, sondern nur an den Tagen, an denen man sich wirklich sehr erschöpft fühlt.
Aber zur Zeit des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann waren Milch, Zucker, Kakao, Kaffeeoder Ähnliches kein Thema, denn selbst wenn man sich gewünscht hätte, ein Photo von diesen Dingen zu machen, um sie, wenn man hungrig würde, wenigstens ansehen zu können, wenn man sie auch nicht hätte zu sich nehmen können, so wäre selbst dies nicht möglich gewesen. Das ist heutzutage, wo alles sehr luxuriös, verschwenderisch und reichhaltig vorhanden ist, anders als zu den damaligen mageren und kärglichen Zeiten anders,
Vielleicht empfinden es aus diesem Grunde heutige Dhutanga Kammatthana Bhikkhus als
67 Körperelemente 68 Begehren, Verlangen
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
sehr schwierig, in ihrer Praxis von bhavana dem Beispiel des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann zu folgen, und beklagen sich überall, dass es wirklich schrecklich sei, weil das citta nicht einspitzig und ruhig werde. Aber wirklich, wie könnte es denn auch ruhig werden? Wenn morgens auf dem pindapata -dem Autor möge vergeben werden, wenn er hier die Wahrheit schreibt -die Almosenschale bis zum Rande mit Essen und Leckereien voll gepackt ist und man manchmal sogar noch die extra Speisen, in Behältern verpackt, in der Hand schleppen muß?! Kommt man dann beim sala69 an, erwarten einen noch mehr Speisen von vertrauensvollen Anhängern, die sich punnakusala70 erwerben wollen. Diese Anhänger kommen von nah und fern, von den verschiedensten Orten und aus allen Richtungen. Sie kommen freudig, um ihren Anteil an dem punna71der Dhutanga Kammatthana Bhikkhus zu erheischen. Und damit nicht genug, am Nachmittag gibt es noch Fruchtsaftgetränke und Limonaden, Eis, Kakao, Kaffee, Zucker und Bonbons, mehr als man verdrücken kann, und man kann nur noch müßig daliegen und sich von ihnen überschwemmen lassen. Das ist der Grund, warum Dhutanga Bhikkhus außerordentlich reich sind, während allerdings ihre Praxis von bhavana höchst dürftig ist! Sie sind faul und träge gleich einem schwer beladenen Schiff, das jeden Moment zu sinken droht, obwohl es noch nicht einmal den Hafen verlassen hat.
Deshalb ist jemand, der Nibbana zu verwirklichen versucht, ganz außerordentlich achtsam, vorsichtig und strikt mit sich selbst. Er ist nicht übermäßig besorgt darum, was er alles in seinen Mund tun und mit dem Magen verdauen kann, noch schreckt er vor all den verschiedenen Arten von Mühsalen und Strapazen zurück. Er wird schonungslos alle Widerstände und Hindernisse auf seinem Weg des Trainings bekämpfen. Obwohl viele Arten von Speisen und anderen lebensnotwendigen Dingen vorhanden sind, wird er von diesen nur sparsam und mit Zurückhaltung Gebrauch machen.
Enthaltsamkeit gegenüber Schlaf oder Nahrung oder die Aufnahme von nur sehr wenig Nahrung sind einige der Mittel, die den Übenden zu Frieden und Glück führen werden. Jemand, dessen Naturell für die Methode des Fastens geeignet ist, wird feststellen, dass sein Geist, je mehr Zeit seit dem Beginn des Fastens verstrichen ist, allmählich ruhiger, klarer und subtiler wird. Ruhe tritt leichter und viel schneller ein als während der normalen Zeiten ohne Fasten. Wenn man mit panna untersucht, ist der Geist scharf und durchdringend; was auch immer man erforscht, es wird dem Wunsch des Herzens entsprechend scharfsinnig ergründet. Hunger und Müdigkeit, statt eine quälende Plage für Geist und Körper zu sein, sind tatsächlich die reibungslosen und förderlichenMittel für das Training des Übenden während jeder Zeit, wo man fastet oder „sehr wenig isst.“
Wer zu diesen Methoden der Anstrengung neigt, wird sich -inmitten von Überfluss an den vier Bedarfsgegenständen -durch Knappheit und Spärlichkeit stets um ihre Förderung bemühen. Er betrachtet jene nämlich nur als notwendig zur Erhaltung seines Lebens, welche ihm seine tägliche Existenz sichern. Das Wesentliche ist das Dhamma in seinem Herzen. Dies nimmt er jedoch, selbst unter Einsatz seines Lebens, sehr ernst und wird es niemals außer Acht lassen.
Der bhavana Übende, der sich wahrhaftig dem Wesen des Dhamma, Magga, Phala und Nibbana,72 hingibt, wird immer nach Orten Ausschau halten, die dem Training in bhavana förderlich sind, ohne sich um Mühsal und dukkha, die aufgrund von Unzulänglichkeiten und Mängeln entstehen, allzu viele Gedanken zu machen. Sein Herz ist ohne irgendwelche verborgenen unaufrichtigen Motive vollständig dem Dhamma gewidmet, dem Mittel, das ihm hilft, dem dukkha zu entkommen. Alle vier Stellungen des Körpers sind seinen Anstrengungen dienlich – als ob er
69 Versammlungsgebäude 70 heilsame Verdienste 71 Verdienst 72 Auslöschung, Befreiung
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
ständig eine Audienz bei dem Erhabenen Buddha, Dhamma und Sangha73 hätte. Mit Ausnahme der Schlafenszeit nutzt er all seine Zeit für die schonungslose Eliminierung der kilesas und der verschiedenen Arten von Verstrickungen des Herzens. Es ist, als wolle er alle kilesas gleich hier und jetzt zerstören und nicht zulassen, dass eine übrig bleibt, um ihm weiterhin Sorgen und Aufregung zu bereiten. Wem eine spezielle patipada74 aufgrund seines Temperaments entspricht, wird dementsprechend seine Trainingsmethode hartnäckig darauf ausrichten und dabei den überwältigten kilesas nicht die Möglichkeit geben, ihn zum Narren zu halten oder den Geist zu beherrschen. Gleichzeitig wird er danach streben, mit den restlichen kilesas so lange zu kämpfen, bis er den vollständigen Sieg über sie errungen hat.
Wer sich ernsthaft und freiwillig dem Dhamma hingibt, wird seine Praxis auf die spezielle, seinen Neigungen entsprechende Methode ausrichten und diese bevorzugen. So wird zum Beispiel jemand, dem das Fasten liegt, so lange konsequent und unerbittlich das Fasten in seine patipada einbeziehen, bis er am Ende des Weges angelangt ist, oder bis seine Körperkraft aufgrund des Alters abnimmt. Er kann dann entsprechend seinem Alter das Fasten eine Weile unterbrechen, um zu einer späteren Zeit wieder zu fasten und je nach den Umständen zwischen beiden zu wechseln.
Wenn man es vorzieht, viel cankama zu üben, wird man sich in dieser Körperstellung, die einem die besten Ergebnisse liefert, immer mehr bemühen als in den anderen, obgleich man möglicherweise zur Abwechslung auf bestimmte Körperstellungen zurückgreifen muss. Wem die Sitzmeditation mehr liegt als die anderen Stellungen, der wird diese vorrangig üben, obwohl auch er zur Abwechslung von Zeit zu Zeit seine Körperstellung ändern wird. Dasselbe gilt für die Meditation im Stehen und im Liegen. Es hängt vom jedem Einzelnen ab, welche Stellung er bevorzugt.
Auch die Trainingsorte entsprechen verschiedenen Charakteren. Einige werden motiviert und ermutigt von freien und weiten Gefilden am frühen Abend oder mitten in der Nacht, da wo die Luft leicht und klar ist. Einige andere lassen sich vom Training in Höhlen, auf Bergkuppen oder in lichten Wäldern, an Seen oder anderen Gewässern motivieren und ermutigen. Das variiert zwischen den Praktizierenden. Jedoch wird der Übende, der auf Selbstentwicklung aus ist, sein eigenes Temperament am besten kennen und sich deshalb immer in Stellungen und an Orten, die für ihn geeignet sind, trainieren. Diese sollten jedoch nicht in Widerspruch zu seiner Neigung stehen, die dies schon richtig ausgewählt hat.
Der Ehrwürdige Lehrmeister Mann lehrte alle seine Schüler jede Ebene des Dhamma und jede Art von Praxis, sei sie innerlich oder äußerlich, gründlich und in die Tiefe gehend, überzeugend und mit eindrucksvoller Begründung. Wer von ihm ausreichende Anweisungen erhalten und den Wunsch hatte, seine Bemühungen zu verstärken, bat um Erlaubnis, allein an einem einsamen Ort, seinem Temperament entsprechend, zu praktizieren. Bevorzugte jemand die Berge, suchte er diese auf. Man kann sich seinen Trainingsort seinem Wunsch entsprechend aussuchen, aber ein wichtiger Aspekt dabei ist die Nähe von Trinkwasser, ohne das man nicht leben kann. Es ist möglich, mehrere Tage auf das Essen zu verzichten, nicht aber auf das Wasser. Dazu gilt, dass Wasser, im Gegensatz zum Essen, nicht den Körper anregt und das Geistestraining behindert. Es ist deshalb nicht notwendig, auf Wasser zu verzichten, denn das würde nur unnötige Qualen hervorrufen, ganz abgesehen davon, dass Wasser für den Körper lebensnotwendig ist.
Deshalb sollte das Vorhandensein von Wasser ein entscheidender Aspekt sein, wenn man sich einen geeigneten Ort zum Praktizieren aussucht. Selbst, wenn man es von einer Quelle, die einen Kilometer entfernt ist, holen müsste, wäre das der Mühe wert und nicht allzu schwierig, es zu beschaffen. Was Almosengang betrifft, so ist es für einen einzelnen Dhutanga Kammatthana
73 Die Gemeinschaft der Edlen, im umfassenden Sinne die Gemeinschaft der Ordninierten 74 hier: Art von Praxis
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Bhikkhu vollkommen ausreichend, wenn es eine Ansiedlung mit 4-5 oder 8-9 Häusern gibt. Das ist deshalb kein Problem, weil sich ein Dhutanga Kammatthana Bhikkhu normalerweise wenig Sorgen um das Essen macht, das er auf dem Almosengang sammelt. Er bescheidet sich mit dem, was auch immer er empfängt. Selbst, wenn dies ganz einfach nur Reis ohne jegliche Zugabe sein sollte und das tagelang, so gibt er sich damit zufrieden, denn er hat sich an beides, Hunger und Sättigung, schon gewöhnt.
Was hier geschrieben steht, mag prahlerisch klingen, obwohl es wahrheitsgemäß der täglichen Erfahrung des Kammatthana-Lebens entspricht, die der Autor selbst ausprobiert und an die er sich gewöhnt hat, deren er aber niemals überdrüssig wurde. Gelegentlich mag er sogar vor seinen Mitstreitern ganz ohne Scham auf sein Mangel-Leiden und seine Armut stolz sein, obwohl die ganze Welt dies anders sieht. Menschen in der Welt betrachten es nämlich als beschämend und widerwärtig, ihre Armut anderen zu offenbaren, nicht so ein Kammatthana Bhikkhu, der ganz offen damit prahlen wird, ohne jegliches Schamgefühl oder Angst, ausgelacht zu werden.
Der Grund, dies offen anzusprechen, ist, dass die Lebensweise des Kammatthana Bhikkhu von dürftigem Unterhalt geprägt ist, angefangen bei der ersten Generation der acariyas wie dem Ehrwürdigen Lehrmeister Mann, dem Begründer dieser Tradition. Deshalb tendieren auch seine Nachfolger in ihrer Praxis dahin, demselben Lebensmuster zu folgen, nämlich dem der Dürftigkeit und der Armseligkeit.
Man unterwirft sich freiwillig dem Hunger und Mangel, da dies dem Geistestraining förderlich ist. Die Praxis des Einzelnen entwickelt sich leichter, als wenn man normal essen würde. Der Körper und das citta sind nicht langsam und träge, was ein Zeichen für extreme Faulheit und das Fehlen von Motivation ist. An Tagen, an denen man, dem Kommando von tanha folgend, viel isst, werden das citta und die Augen nur ungern den Cankama-Weg ansehen und sich eher auf das Kopfkissen ausrichten. Wenn man ihm erlaubt, den ganzen Tag zu schlafen, dann fühlt es sich erst richtig wohl… Je mehr ich hier darüber schreibe, desto mehr würde dies als das wesentliche kammathana angepriesen werden, weshalb es besser ist, damit aufzuhören.
Denkt man wirklich darüber nach, dann sind die Herzen von Kammatthana Bhikkhus und die von normalen Menschen ziemlich ähnlich. Wird es ihnen erlaubt, ihren Begierden zu folgen, so werden sie sich ohne Ende alle möglichen Dinge ausdenken, und dies ohne Einschränkungen und Grenzen. Aber all dies sind wahrlich Höllenwelten, in denen sie sich Tag und Nacht unermüdlich vergnügen. Noch schlimmer, sie werden diese Höllenwelten als ihre Vergnügungsstätten ansehen, ohne jede Angst vor Yama75 . So sind die kilesas beschaffen, wenn sie die Herrschaft über das Herz besitzen.
Der Kammatthana Bhikkhu ersinnt viele Techniken, um seinen boshaften Geist zu disziplinieren. Er fastet, entzieht sich den Schlaf, lebt auf Bergeshöhen, in Höhlen, oder auf Felsvorsprüngen und hält den Geist, der sich ständig nur mit Gedanken und Vorstellungen befasst, in samadhi bhavana76 unter Kontrolle. Er bewerkstelligt dies mit jeder wirksamen Disziplin, die er ersinnen kann, sodass der Geist von Zeit zu Zeit seine Zügellosigkeit verliert und es ihm von einem Tag zum anderen ermöglicht, in Frieden zu leben. Die meisten der Mönche trainieren ihr citta auf diese Weise, solange sie es noch nicht unter Kontrolle gebracht haben. Dies gilt besonders für Mönche in der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann.
Was den Bhikkhu betrifft, der sich aufmacht, um allein in Höhlen oder auf Bergkuppen zu trainieren, so tut er dies, um seinen Geist zu zähmen. Einige Nächte lang findet er keine Gelegenheit sich auszuruhen oder zu schlafen, da sein citta, das gerne abschweift, mit Hilfe des
75 Herrscher der Hölle, Herr über Leben und Tod. 76 ÜSamadhi-Meditation
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Trainings von samadhi bhavana eingefangen und festgezurrt werden muss. Falls er sich auf einer Bergkuppe befindet, muss er sich ebenfalls solcher Dinge bedienen, die das citta fürchtet und die ihm dabei helfen es zu bezwingen, wie zum Beispiel Tiger. Diese Bestie ist in der Lage, das citta eines Kammatthana Bhikkhus effektiv zu plagen, denn sobald sein Brüllen von hinter dem Berg vernommen wird, duckt und beruhigt sich der Geist sofort, ohne weiteren Unfug anzustellen.
Manchmal, wenn dieser berüchtigte und allmächtige acariya ganz in der Nähe sein bedrohliches Gebrüll hervorstieß, wäre dem Bhikkhu fast der Atem eingefroren, jedoch war während dieser Zeit auch der einlullende Klang der kilesas, der ihn mit wilden Träumen und Vorstellungen zu verzaubern pflegte, wie weggeblasen. Was blieb, waren der Schreck, das Zittern und Beben. Manchmal schien es so, als würde der Atem aus nackter Angst zum Stillstand kommen. Die Luft war kalt, aber der Körper war vom Schreck erhitzt und von Schweiß durchnässt, für das störrische citta, das den Instruktionen des Dhamma nicht folgen wollte, eine wohlverdiente Strafe. Unter solchen Umständen pflegte dann das citta dem Erhabenen Buddha Glauben zu schenken und Zuflucht zu ihm zu nehmen. Es wollte nicht mehr an Tiger denken, denn je mehr es daran dächte, desto stärker würde seine Angst werden und es letztlich in die Bewusstlosigkeit treiben.
Wenn dieser Wahnsinn und die Angst vor dem Tod sich noch mehr verstärken, dann muss sich das citta ohne Unterlass „Buddho… Buddho… Buddho…“ zuwenden. Das Wiederholen von „Buddho“ über eine lange Zeit wird dazu führen, dass „Buddho“ und der Geist zu einer Einheit verschmelzen. Danach wird sich der Geist beruhigen und still werden und übrig bleibt nur ein einspitziger Zustand klaren Wissens. Alle Angst verschwindet vollständig und wird gleichzeitig durch Kühnheit und Mut ersetzt. Das citta fürchtet nun nichts mehr in den drei Welten. Während dieser Zeit wird dem citta seine eigene Narretei in der Angst vor Tigern klar und es erkennt zutiefst die Wirksamkeit und den Segen des Erhabenen Buddha, des Dhamma und des Sangha. Es ist standfest und stabil, dauerhaft ausgeglichen und, nicht von den arammanas hin-und hergerissen, vollkommen friedlich, glücklich und sehr beherzt. Das citta wurde einmal dem Feinde, dem Tiger, gegenüber richtig freundlich und hatte tatsächlich die Eingebung, sich auf den Rücken des Tigers zu setzen, ohne auch nur die geringste Befürchtung vor einer Verletzung durch den Tiger. Es schien, als ob der Geist wirklich gegenüber allen Kreaturen, die im Walde lebten, freundlich wurde, ohne jegliche Angst, dass eines der Tiere oder irgendein anderes geheimnisvolles Wesen ihm irgendetwas zu Leide tun könnte. Denn in Wahrheit wären diese wilden Bestien auch gar nicht dazu in der Lage, da jegliche Handlung vom Geist erzeugt werden muss und der mächtigere und gewaltigere Geist naturgemäß die Stärke und Willenskraft des Geistes anderer vermindern würde.
Während er in Wäldern und in den Bergen lebt, sieht sich der Praktizierende normalerweise nach Furcht einflößenden Stellen um, die seinen Anstrengungen dienlich sind. Wilde Tiere wie Tiger können ihm dann bei seinen Anstrengungen unheimlich hilfreich sein. Das ist der Grund, warum die Kammatthana Bhikkhus, obwohl sie Angst vor ihnen haben, die Tiger mögen, denn diese können ganz schnell Furcht in ihnen entstehen zu lassen. In dem Moment, wo man die Abdrücke ihrer Pratzen sieht, wird die Angst, die zuvor in einem Zustand des tiefen Schlafs verharrt hat, urplötzlich zum Leben erweckt. Dadurch ist man vor ihnen andauernd auf der Hut, einerlei welche Körperhaltung man innehat. Dieses Gefühl wird einen ständig heimsuchen und der Geist wird daher stets in einem Zustand der Bereitschaft sein.
Tatsächlich jedoch trainiert man sich, während man sich in diesem Zustand der Bereitschaft und Achtsamkeit befindet. Ist man nämlich voller Angst, dann muss sich der Geist als Gegenmaßnahme und als Zuflucht ganz spontan auf Dhamma ausrichten. Je länger man über Dhamma meditiert, desto mehr wird man die Kraft von sati-panna und einen jeglichen Aspekt seines Trainings unterstützen und entwickeln. Die sich daraus ergebende Ruhe entsteht in Abhängigkeit von der Intensität der Anstrengungen bis hin zu einem Punkt der vollkommenen Stille.
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Sowohl die Liebe zu Tigern als auch die Angst vor ihnen wird daher zum Werkzeug, das den Praktizierenden, der das Wesen des Dhamma zu ergründen sucht, unterstützt und ermutigt. Dass dies überhaupt möglich ist, liegt jenseits von Glauben und Spekulation. Die Wahrheit über viele dieser Erfahrungen ist innerhalb des Kreises der Kammatthana Bhikkhus offenbar geworden, und zwar aufgrund ihres Mutes, sich vollkommen hinzugeben: Selbst wenn man daran sterben sollte, macht man sich in diesem Augenblick deswegen keine Sorgen. Befindet man sich in einer schwierigen Situation, ist in die Enge getrieben worden und kann sich auf nichts anderes mehr verlassen, dann muss man anfangen sich selbst zu helfen. Wenn sich der Geist in einer Notlage auf Dhamma, die natürliche und vollkommene Zuflucht, zurückzieht, wird er ganz sicher und ohne jeglichen Zweifel Ergebnisse erzielen, die man spontan erkennen und erfahren kann.
Wer sich darin nicht trainiert und dies nicht erfahren hat, mag daran zweifeln und verneinen, dass dies möglich sei, aber es gibt jene, die sich trainierten und diese Ergebnisse schon in sich selbst erfuhren, selbst wenn dies von anderen nicht bezeugt werden kann. Auf wessen Seite nun die Wahrheit liegt, ist schließlich und endlich von den Kritikern zu entscheiden. Wer das für sich selbst in seinem Herzen erfahren hat, wird dazu wahrscheinlich nichts zu sagen haben. Hat man diese Dinge einmal selbst erlebt, stellen sie auch kein Problem mehr da. Dies steht im Einklang mit dem Dhamma des Erhabenen Buddha, sei es in den bedeutendsten oder auch in den weniger bedeutenden Aspekten, da der Erhabene Buddha und die Savakas nicht im geringsten auch nur irgendeinen Aspekt anzweifeln. Wer das jedoch noch nicht für sich erfahren hat, kann unmöglich anders als unsicher sein bezüglich des Dhamma, das zum Beispiel feststellt: Die Wahrheit existiert wahrlich, wahrlich existiert das Elend, wahrlich die Tugend und wahrlich die Hölle, der Himmel existiert wahrlich und wahrlich nibbana. Wer dies noch nicht geschaut hat, wird ganz natürlich daran zweifeln und darüber streiten. Aber für den, der es in sich erfahren hat, werden sich all diese Fragen in Luft auflösen.
Zusammengefasst bedeutet das: die verschiedensten dhammas, die vom Erhabenen Buddha dargelegt wurden und die vollständig auf Wahrheit beruhen, können von denjenigen gesehen und verstanden werden, die ganz fest mit ihrem Herzen und mit ihrem Geist dem Dhamma vertrauen. Es gibt wiederum andere, die bis zum heutigen Tage nicht sehen und verstehen können und die es nicht glauben und verneinen, dass Dhamma die Wahrheit ist. Es ist einem nicht möglich, diesen Zweifel in anderen zunichte zu machen, da Dhamma nichts Materielles ist, das man, wie es in der Welt so üblich ist, als Beweis hochhalten könnte. Man kann es nur in sich selbst erkennen – sandittiko77 – entsprechend den Fähigkeiten jedes einzelnen Praktizierenden, darüber nachzusinnen. Deshalb sind die Ergebnisse des Selbsttrainings kein öffentliches Gut, das man mit anderen teilen könnte, anderen, die sich nicht der Arbeit des Erfahrens der Wahrheit unterzogen haben, die doch in Reichweite jedes Einzelnen liegt.
Von dem Kammatthana Bhikkhu, der sich dadurch trainierte, dass er sein Leben aufs Spiel setzte, kann man sagen, dass er sowohl sich als auch das Dhamma getestet hat. Das dient dazu, die Wahrheit herauszufinden und ist eine Methode, die nicht außerhalb des Sasana-Dhamma78, liegt.
All die hier erörteren Methoden wurden regelmäßig von den Kammatthana Bhikkhus angewendet. Jeder Bhikkhu sucht sich die Methode aus, die seinem Charakter entspricht. Dies wurde weder blindlings durchgeführt, noch basiert das hier Erörterte auf bloßen Spekulationen, denn selbst der Autor hat es, diesen Trainingsmethoden folgend, schon ausprobiert und durchgeführt und zwar mit eindeutigen Ergebnissen. Unter den Praktizierenden dieser Tradition befinden sich welche, die genug Training durchführten und dessen Ergebnisse erlebten, um bezeugen zu können, dass diese vielfältigen Methoden des Selbstrainings nicht nutzlos sind, so als wären sie einfach Mittel ohne Zweck. Ganz im Gegenteil, es sind sehr sinnvolle Trainingsarten,
77 Das was geschaut werden kann, das was im hier und jetzt offenbar wird 78 Die dargelegte (buddhistische) Lehre
Kapitel 1 Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
vollständig und mit all den Ergebnissen, die man sich jemals erhoffen könnte. Sie sind im Kreis der Praktizierenden immer als geeignete und ausgezeichnete Trainingsmethoden willkommen.
Die verschiedenen Behauptungen, wonach Magga, Phala und Nibbana nicht mehr verwirklicht werden könnten, nachdem der Erhabene Buddha ins parinibbana gegangen ist und die Praktizierenden nicht mehr die Früchte ihres Trainings von »dhammanu dhamma patipanno« (Ein jeder, der Dhamma im Einklang mit dem Weg des Dhamma praktiziert, ist jemand, der wahrhaftig dem Tathagata die Ehre erweist) ernten könnten, stehen nicht im Einklang mit dem wohl-erklärten-Dhamma dem »svakkhata Dhamma« und werden nie Teil des Dhamma des Erhabenen Buddha sein. Außerhalb des wohl-erklärten-Dhamma gibt es keine absolute und geheiligte Macht. Es ist die Natur des Dhamma, alle Dinge als gleichwertig zu betrachten. Daher gibt sich, wer dem Dhamma vertraut, von Anbeginn bis zum Ende allen dukkhas nicht damit zufrieden, nach Güte und Glück nur auf eigene Faust zu suchen. Er bedient sich verschiedener Trainingsmethoden, indem er diejenigen auswählt, die seiner Vorliebe entsprechen und im Einklang mit seiner Kraft und Ausdauer stehen.
Ein Dhutanga Bhikkhu konzentriert seine Bemühungen auf diejenigen geeigneten Übungsmethoden, die er bei der Begegnung und Besiegung der kilesas in seinem Innern wirksam findet. So wird zum Beispiel ein Furchtsamer die Tiger als seine Lehrmeister suchen, um ihn beiseiner Übung zu unterstützen. Dazu wird er sich in bedrohliche Wälder und Berge wagen, die sich als Schlachtfelder für die Besiegung der Angst, eines der wichtigsten kilesas des Herzens, eignen.
Es ist ganz natürlich, dass das citta unaufhörlich und mit unterschiedlichen Emotionen und Gefühlen auf die verschiedensten Verhältnisse reagiert. Lebt man in einer Stadt oder auf einem Dorf, wo es viele Menschen gibt, so reagiert das citta auf eine Weise, lebt man jedoch in einsamen und Furcht erregenden Gegenden wie dem Dschungel und den Bergen, die von Tigern durchstreift werden, oder auf Friedhöfen, so wird das citta in anderer Weise und mit anderen Gefühlen und Emotionen reagieren. <endmark>
Kapitel 2
GeistesTraining
Deshalb ist es notwendig, viele verschiedene Methoden des Trainings bei der Disziplinierung des citta anzuwenden, um den Tricks (maya) der verschiedensten kilesas, die sich ohne Unterlass im citta offenbaren, aus dem Weg zu gehen.
Wer aufmerksam ist, wird erkennen, dass das citta der Brennpunkt aller Angelegenheiten und die Ursache jeder Beunruhigung ist, sodass er kaum, und sei es auch nur für einen Augenblick, in Frieden leben kann. Die meisten dieser Angelegenheiten sind von niederer und schändlicher Natur und lauern nur darauf, unsere Aktivität in ihre Richtung zerren zu können. Es gibt kaum Dinge, die von Dhamma oder Tugend durchdrungen sind oder sich mit diesen befassen, denn nur sie könnten unserem Geist etwas Ruhe und Frieden bringen. Deshalb muss, wem die Wahrheit am Herzen liegt, das citta genau beobachten und es mit den verschiedenen Methoden trainieren und disziplinieren, wobei er dem Beispiel des Erhabenen Buddha und seinen Savakas folgt.
Die natürliche Neigung von jemandem, der gern ständig in den Wäldern lebt, dürfte dieselbe sein wie die der Menschen im Allgemeinen. Kein Mensch würde normalerweise von sich aus Wälder, Berge oder einsame Gegenden aufsuchen wollen, die ansonsten von den Menschen der Welt gemieden werden. Aber um der eigenen Weiterentwicklung, der Würde und der Tugend willen, die aufgrund dieser Denk-und Handlungsweisen entstehen und die man für sich und andere Menschen als wertvoll erachtet, muss man eben auf diese spezielle Weise handeln. Dies kann man mit den verschiedenen Arten von Arbeit in der Welt vergleichen, die notwendigerweise und nicht aus Neigung erledigt werden, denn niemand möchte wirklich Dinge tun, die sowohl Bürde als auch Mühsal sind. In der Welt jedoch muss es außer dem Einerlei von Essen und Schlafen allenthalben noch mühseligere Arbeiten geben.
Die Arbeit, das Herz zu disziplinieren, ist sogar noch anstrengender. Wenn man es vorher noch nicht ausprobiert hat, sollte man niemals eine weltliche Arbeit als schwieriger betrachten. Beschäftigt man sich dann nämlich mit der Arbeit, das citta zu disziplinieren, ist man vielleicht nicht in der Lage, diese durchzuhalten und fortzuführen. Möglicherweise behauptet man, dass sie eine Tortur und Zumutung sei, und folglich wird man sie niederlegen, ohne sich zu überlegen, wie wunderbar und unübertrefflich ihre Ergebnisse sein können.
Aus der obigen Erörterung kann man erkennen, wie zäh die kilesas, die Beherrscher der Herzen, in dem Bestreben, ihre Tyrannei über die Weltlinge zu behaupten, wirklich sind, denn in Wahrheit dient die Disziplinierung des Herzens dazu, die kilesas aus diesem zu entfernen und auszurotten. Aber weder ist der Jäger bereit zu jagen noch ist der Gejagte, der seit unzähligen Zeitaltern der Herrscher über die Herzen von Mensch und Tier ist, bereit, das Feld zu räumen, denn es wäre ja auch nicht so bequem, irgendwo anders zu leben als im Herzen der Menschen, das ständig verhätschelt wird und dem es an nichts fehlen darf. Welche Formen, Töne, Gerüche, Geschmacksrichtungen, Berührungsobjekte und aramana man auch immer begehrt, sie werden einem unverzüglich dargereicht. Die Rechnung, die man dafür zu bezahlen hat, nachdem man sich ausgiebig daran vergnügt hat, kann später beglichen werden. Alle Ausgaben, die man getätigt hat, gehen zu Lasten des Verwalters. Der Herr selbst hat nicht die geringsten Verpflichtungen. Wenn dem so ist, wer kann denn da noch bei der Disziplinierung des citta streng und widerstandsfähig bleiben und die ausgefuchsten und beredsamen kilesas aus dem Herzen vertreiben?
Deshalb ist das Training des citta mit sati-panna bis zum durchdringenden Verständnis, dass die kilesas die Feinde des Herzens sind, äußerst schwierig und ist es schwer, diese als solche zu erkennen. Das Training des citta und die Disziplinierung der kilesas sind eine sehr anstrengende und todernste Angelegenheit und nicht ein auf dem Sportplatz zur Unterhaltung ausgetragener Wettkampf.
Wer in der Lage ist, die kilesas zu entschleiern und sie aus seinem Herzen zu vertreiben, so wie der Erhabene Buddha, ist ein außergewöhnlicher Mensch. Aber wenn ein gewöhnlicher Mensch die kilesas aus seinem Herzen ausrottet, obwohl er nicht so außergewöhnlich wie der Erhabene Buddha sein mag, so muss er wohl außergewöhnlich unter all den kilesas sein. Wer auch immer das aufgrund der Fähigkeit, die kilesas zu vernichten, entstandene Wunder und das wundersame citta, das die Macht der kilesas überwunden hat, besitzt, der steht wahrlich über der Welt und ist auch kein Teil mehr von ihr. Darum ist die totale Eliminierung des ewigen Kreislaufes außerordentlich anstrengend und mühselig.
Der Kammathana Bhikkhu, der darauf besteht, sich in rauhen Gegenden, wie z.B. in Wäldern und Bergen, aufzuhalten, lebt wie in einem Gefängnis. Bevor er sich von den Fesseln der kilesas befreien kann, muss er sich bis an seine äußerste Grenze verausgabt haben – um es entweder zu schaffen oder daran zu zerbrechen. Der Weg des citta zur Wahrheit des Dhamma ist von genau demselben Kaliber und in der Tat sehr anstrengend. Ganz abgesehen von den peinigenden Lebensumständen, ist die Art der Nahrungsaufnahme, als Teil der Praxis, von ebenso quälender Natur. Wem daran liegt, durch das tiefe Dickicht der Dunkelheit hindurch zu finden, der muss danach streben sich zu disziplinieren, denn das ist Praxis und Tugend. Obwohl er ausgehungert sein und sich wünschen mag, eine Menge zu verspeisen, wird er, wenn er Interesse am Dhamma hat, sich dies versagen und durchhalten. Er wird dann nur sehr wenig essen, um quasi eine Balance zu schaffen zwischen einer ausreichenden Ernährung der dhatu khanda und einer Förderung der Entwicklung des citta, solange die Praxis voranschreitet. Er wird konsequenter Weise nur sehr wenig essen, wenn er merkt, das diese patipada seinem Wesen entspricht. Sollte er jedoch gelegentlich die Nahrungsmenge erhöhen, so muss er beständig achtsam sein und darf seinen Standard der Praxis nicht vergessen. Bei einem Wechsel zwischen Fasten und Essen wären die dhatu khanda in der Lage normal zu arbeiten, ohne zu sehr erschöpft oder von Krankheit niedergeworfen zu werden, während sich das citta allmählich festigt und Fortschritte macht im Einklang mit der Intensität der Anstrengungen, die diesen Prozess unaufhörlich unterstützen. Ist seine vasana79, unterstützt von den verschiedensten Formen seiner Anstrengungen, ausreichend, dann wird er auch sein Ziel erreichen können.
Wer eine Veranlagung zum Fasten hat, wird sich auch darum bemühen, indem er abwechselnd keine Nahrung zu sich nimmt und normal isst oder nur wenig zu sich nimmt, so wie es eben die Situation erfordert. Ergibt sich die Gelegenheit, dann wird man die Anstrengungen des citta verstärken, während man die Verhätschelung der dhatu khandhas einschränkt, um die Leichtigkeit der Praxis zu fördern. Das citta wird sich reibungslos entwickeln und freudiger werden. Wenn es angebracht ist, wird man seine samadhi Praxis abwechselnd mit der Entwicklung von panna vorantreiben.
Wer sich um die Verwirklichung des Dhamma bemüht, ob er nun in den Wäldern, in den Bergen, auf Felsvorsprüngen oder irgendwo anders haust, ob er die Nahrungsaufnahme reduziert, oder fastet, widmet sein ganzes Leben, und zwar in allen verschiedenen Körperstellungen, vollständig der Meditationspraxis. Jeder von ihnen beobachtet aufmerksam die Reaktionen seines Herzens, das mit den verschiedensten arammanas in Berührung kommt. Das Herz, das konsequent und ordentlich ernährt wird, wird sich allmählich verbessern: samadhi wird stabil und panna scharf und durchdringend werden. Man wird erkennen, was man noch nie gewusst, sehen, was man noch
79 Fähigkeiten, Mittel, die in der Vergangenheit entwickelt oder erworben wurden
nie geschaut hat, sein, was man noch nie gewesen ist, und das alles ganz allein im Herzen, das ernsthaft und bereitwillig sich zu verbessern sucht.
Faulheit, Schwachheit, Zusammenhanglosigkeit, Unbeständigkeit, Verworrenheit, Rastlosigkeit und geistige Blindheit, die dem normalen citta innewohnen, werden sich im Laufe der Zeit allmählich und stetig verringern, so lange, bis man klar erkennen kann, wie viel davon verschwunden ist. Die Ergebnisse, die sich zeigen, ganz besonders bei den drei das Herz peinigenden Methoden – mit Hilfe von Furcht, durch endloses Fasten (bei entsprechendem Temperament) und bei lange andauerndem Sitzen mit dukkha vedana als Untersuchungsobjekt – sind um vieles tiefgründiger und wundersamer, als bei anderen Methoden des Trainings. Diese Methoden sollen später, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, erörtert werden.
Es ist dem Praktizierenden überlassen, die Methoden für sein Training zu ersinnen, da sich diese von Mensch zu Mensch unterscheiden. Einige Praktizierende, selbst nachdem sie im wilden an sich schon ziemlich furchterregenden Dschungel gelebt haben, ersannen sich dazu noch andere Mittel, die auf Zeit, Ort und Umstände abgestimmt waren. Befindet man sich an einem solchen Ort und fürchtet sich das citta während der Nacht, so kann man noch die anderen Teile des Waldes aufsuchen und, um die immer größer werdende Angst weiter zu verstärken, dort auf Felsnasen und auf Felsen am Berghang oder an offenen Stellen in samadhi bhavana sitzen oder seine Gehmeditation an verschiedenen Orten durchführen, die von großen Tigern heimgesucht werden. Dies setzt man dann über längere Zeit fort.
In solchen Zeiten untersucht das citta die Beschaffenheit von Furcht und Tod sowie das Wesen von Tigern, die für das citta anscheinend so furchterregend sind, und ebenso seine eigene Natur, um den Unterschied zu erkennen, der solche Furcht entstehen lassen kann. Man untersucht durch Vergleichen und Unterscheiden der verschiedenen Aspekte, die das citta angeblich für deren Ursache hält:
„Was ist so furchterregend an einem Tiger? Denke ich an die Fänge des Tigers, auch ich besitze Zähne; die Klauen des Tigers, auch ich habe Nägel; das Fell des Tigers, auch ich habe Haare; den Kopf des Tigers, auch ich habe einen Kopf; den Körper des Tigers, auch ich besitze einen Körper; die Augen des Tigers, auch ich habe Augen; des Tigers Streifen, auch ich habe Tätowierungen und Körpermale; aber wenn ich an den Schwanz des Tigers denke, selbst der Tiger hat davor keine Angst, warum sollte ich dann davor Angst haben?“
„Spreche ich vom Herzen des Tigers und von meinem eigenen, so sind sich beide gleich, nur dass mein Herz das Herz eines Menschen und das eines Mönches ist und daher einen viel höheren Stellenwert hat. Selbst die verschiedenen Organe und Körperteile des Tigers und meiner selbst bestehen aus denselben Elementen. Es gibt zu wenige Unterschiede, um sich gegenseitig Angst einzujagen. Das Wesen des Tigers ist das Wesen eines Tieres, wohingegen meines das eines Mönches ist, das noch zudem von Dhamma getragen wird und unvergleichlich viel mächtiger ist als das des Tigers. Warum sollte ich also mein Ansehen und meine Stellung als Mönch erniedrigen, indem ich Angst vor einem Tiger habe, der gerade mal eben ein vierbeiniges Tier ist? Wäre das nicht entwürdigend für mein Ansehen als Mönch?“
„Darüber hinaus würde man damit die Sasana mit ihrer Kraft und ihren Wundern für die drei Weltsysteme schwächen, in den Schmutz ziehen und durch den Makel eines feigen und furchtsamen Mönches entwerten. Der Schaden und die Entweihung der Sasana, des unermesslichen Schatzes der drei Weltsysteme, der dadurch entsteht, dass man sein eigenes Leben mehr liebt als das Dhamma, schickt sich überhaupt nicht! Stirbt man, so geschieht dies aufgrund der eigenen Unwissenheit, der es an Weisheit mangelt, ohne auch nur die geringste Auszeichnung oder Würde für einen selbst oder das Sasana. Der Kammatthana Bhikkhu, der auf diese Weise stirbt, stirbt gleich einem, der sich selbst, das Sasana und all jene, die überall praktizieren, verrät. Das ist nicht der Tod eines Kriegers, der um kamma80 weiß und furchtlos den sich ihm bietenden Umständen in die Augen schaut.“
„Ich bin ein Kammatthana Bhikkhu. Ich werde nicht auf diese Weise zu Grunde gehen, sondern als Kämpfer sterben und mein Leben mit Kühnheit und Furchtlosigkeit in der Schlacht verlieren. Dies wird meine Ehre erhalten und es dem Sasana ermöglichen, lange Zeit in der Welt zu bestehen. Deshalb muss ich beides, meine eigene Natur und die des Tigers, die verschiedenen Organe und Körperteile des Tigers und meiner selbst und die Natur der Furcht, die mich vollständig durchdringt, genau untersuchen, um sie klar zu erkennen. Ich muss dies ganz deutlich mit panna erkennen und darf der Furcht nicht erlauben, mir auf der Nase herumzutanzen, denn das wäre entehrend für mich, der ich als Mann mit dem Status eines Kammatthana Bhikkhus geboren bin. Ohne Rücksicht auf Verluste werde ich genau jetzt bis zum Ende kämpfen, bis ich tot oder lebend entweder siege oder eine Niederlage erleide. Welche Seite wird die stärkere und mächtigere sein? Welche Seite wird fähiger sein, ihre Ehre und die des Sasana aufrechtzuerhalten? Welche Seite wird aufgrund von Angst sich selbst und das Sasana zerstören? Dies muss jetzt, noch heute Nacht, in Erfahrung gebracht werden. Dies muss vollständig untersucht werden und zwar sofort.“
Während Untersuchung und Analyse voranschreiten, -wobei die dhatu, die khandas sowie die Natur von Angst und Kühnheit sowohl unterschieden als auch verglichen werden -um ernsthaft und gründlich die Wahrheit über all dies herauszufinden, fängt das Herz an, den Instruktionen von panna folgend, zu erkennen und zu verstehen. Denn panna lehrt es ununterbrochen und lässt keinerlei Lücken oder Abschweifungen zu, bis Ruhe und Frieden einkehren. Zu dieser Zeit bleibt kein Rest von Furcht übrig. Das Ergebnis ist Frieden und Freude. All die von den sannaarammana81 erzeugten Vermutungen und Assoziationen, denen man vorher noch Glauben schenkte, verschwinden vollständig. Was bleibt, ist eine sehr besondere Art von Ruhe und Glück des citta.
Das citta fasst dann Vertrauen zu der Sache, dass die Methoden der Untersuchung wirklich und wahrhaftig der Weg sind, um den Zustand von Verwirrung, Angst und Furcht zu überwinden. Auch ist es von den Ergebnissen überzeugt, die aufgrund der Methoden der Untersuchung, initiiert durch Furcht, in jener Zeit entstehen, denn diese bestehen aus einem wundervollen, noch nie erlebten Frieden und Freude.
Dies ist eine der Methoden, der sich Mönche, um sich der Angst zu entledigen, solange bedienen bis sie die Ergebnisse für sich selbst erfahren haben. Aber in den Anfangsstadien der Praxisweise von kammathana benutzen sie eher eine vorbereitende Übung der Meditation (parikamma bhavana) sich auf einen Aspekt von Dhamma, wie z.B. »Buddho«, ausrichtend wenn grosse Angst aufsteigt, als sich mit Hilfe der Untersuchung daranzumachen. Dies kann auf dieselbe Weise zur Ruhe und zur Vertreibung der Angst führen, nur unterscheidet sich diese Methode von der Methode der Untersuchung dadurch, dass man mit ihr keine geschickten oder kluge Mittel an die Hand bekommt.
Einige der Praktizierenden werden, wenn Angst aufkommt, während sie unter dem Moskitonetz sitzen, dieses aufrollen, um im Freien zu sitzen und sich den Moskitos und Insekten auszusetzen. Man versucht dies durchzuhalten und sich nur auf die Arbeit von bhavana zu konzentrieren, indem man die verschiedenen Methoden anwendet, um die in dieser Zeit entstehende Angst zu überwinden. Das wird so lange fortgeführt, bis man sie wirklich überwunden hat, um sich dann eine Ruhepause zu gönnen.
Die Ruhe des citta, das mit Hilfe der Angst trainiert wird, ist viel feiner und hält auch viel länger an, als die Ruhe, die mit den gewöhnlichen Methoden von bhavana erzielt werden kann.
80 Das Gesetzt von Ursache und Wirkung 81 Objekte der Assoziation und Erinnerung
Während das citta in diesem tiefgründigen und vollständigen Zustand von Ruhe verweilt, verschwindet der Körper ganz aus dem Bewusstsein. Der Kontakt zwischen den inneren und äußeren ayatana82 verschwindet so lange, bis sich das citta wieder aus diesem Zustand herausbegibt, und jene wieder ihre Tätigkeit aufnehmen.
Der Zustand des citta, in dem die Sinnesempfindungen (ayatana) aufhören zu arbeiten, kann mit einem Zustand des Schlafes verglichen werden, doch ist er kein Schlaf. Während des Schlafes passiert nichts Tiefgründiges oder Sonderbares, aber wenn das citta vollkommen still ist, entsteht eine sehr eigenartige und tiefgründige Erfahrung. In diesem Zustand von Ruhe ist das einzige Merkmal »klares Wissen«. Diese Erfahrung führt einen dazu, sich ständig danach zu sehnen, ohne dessen müde zu werden. Es wird den, der dies erfahren hat, dazu bringen, für sein zukünftiges Training kühn zu sein und entschlossen, diese spezielle Methode zu verwenden.
Wer diese Erfahrung gemacht hat, wird niemals schwanken, einerlei wie viel Furcht aufkommen mag. Man wird dann auch Angst als das Mittel benützen, sich zu ermahnen, sich anzustrengen und die Furcht zu überwinden, so wie man dies vorher erfahren hat. Dies veranlasstden Praktizierenden dazu, als Übungsfeld Furcht einflößende Gegenden aufzusuchen. Je gruseliger die Gegend, desto mehr Interesse besteht daran, für die Arbeit der Kultivierung und Entwicklung diese Art von Orten aufzusuchen. Das ist deshalb so, weil das Training des von Angst heimgesuchten Herzens mit Hilfe von sati-panna, die es mit den Tricks des Herzens aufnehmen können, so lange bis sie in Kühnheit und Furchtlosigkeit umschlagen, genau das ist, was man sich schon immer gewünscht hat.
Was nämlich furchterregende Gegenden betrifft, so sind diese dann besonders schrecklich, wenn sie die Jagdgründe von Tigern sind, die üblicherweise auf der Suche nach Futter umherstreifen. In einigen Gegenden streifen die Tiger selbst am hellichten Tag umher. Aber besonders in der Nacht sind diese ihr natürliches Jagdrevier und im Gegensatz zum Tag haben sie dann keine Angst vor Menschen. Anscheinend sorgen sie sich um Menschen genauso wenig wie um die Tiere, die sie vertilgen. Selbst wenn sie in der Nähe einer Unterkunft herumstreichen und nicht zu brüllen anfangen, weiß man nicht, dass sie da sind. Es ist jedoch der natürliche Instinkt des Menschen, Tiger als wild und gefährlich einzustufen, und man kommt wirklich nicht daran vorbei, an sie zu denken und sich vor ihnen zu fürchten. Sucht man einen solchen Ort auf, dann weiß man ganz genau, dass man sich in der Höhle des Tigers befindet. Wer könnte dann so ruhig bleiben, als ob er sich auf einem Marktplatz befände? Natürlicherweise wird man misstrauisch und sich vor ihnen fürchten.
Der Dhutanga Bhikkhu, für seine Tapferkeit bekannt, ist wahrlich ein Garant dafür und verdient Respekt und Bewunderung. Denn wenn er cankama durchführt, ist er unberührt von den Tigern, die in seiner nächsten Umgebung umherziehen und brüllen. Es ist so, als ob gar nichts passiert wäre. Danach befragt, würde er beiläufig mit überzeugenden Argumenten antworten. Wenn er zum Beispiel so gefragt würde: „Tiger sind wilde Bestien, die Menschen wie Tiere verschlingen und über ihre bedrohlichen Taten wird ständig berichtet. Wie ist es dir möglich, deine Gehmeditation durchzuführen, ohne von ihnen beunruhigt zu werden? Hast du eine gatha83,welche die Tiger daran hindert, dich zu verschlingen? Falls ja, würde ich sie gerne von dir lernen, damit ich mich, wenn ich den Dschungel aufsuche, nicht vor ihnen fürchte. Dann könnte ich bhavana ohne aufkommende Furcht und mit Leichtigkeit durchführen. Die größte Qual, wenn ich in Wäldern und in Bergen lebe, wird durch nichts anderes als Angst verursacht. Wenn ich meine Angst aufgrund eines Zauberspruches loswerden kann, der diese bösartigen Bestien daran hindert, mich in Stücke zu zerreißen, wird dies mir zur Beruhigung dienen und mich erleichtern.“
Ganz beiläufig wird der Mönch erwidern: „Dort drüben brüllen die Tiger. Ich jedoch führe Gehmeditation hier durch. Wir sind viele sen84 oder sogar Kilometer voneinander getrennt. Wozu soll ich mich vor ihnen fürchten? Würden sie direkt vor meiner Nase brüllen, im Begriff, mich
82 Sinnesempfindungen 83 Ein Vers, ein Zauberspruch 84 1 sen ist ca. 40 Meter
anzuspringen und zu verschlingen, dann bestünde wirklich Grund zur Angst. Aber wohin ich auch gehe, ich höre nur ihr Brüllen, was der Natur von Tieren mit Mäulern entspricht. Ich habe noch nie erlebt, dass sie sich so wild benehmen und ich mich vor ihnen hätte fürchten müssen.
Was die verschiedenen Zaubersprüche betrifft: Wir kennen sie alle, machen jedoch leider keinen Gebrauch von ihnen. Aber was törichte Menschen wie dich betrifft, so fürchte ich, dass du. selbst wenn du sie von der Göttin Vesuvana im Himmel erlernt hättest, sobald du den Dschungel betreten und das Brüllen von Tigern vernehmen würdest, nur um dein Leben rennen und die Zaubersprüche mit dir nehmen würdest. Ungeachtet der Wirkungskraft der Zaubersprüche, würden sie ganz sicher hinweggeblasen von den Feiglingen, die um ihr Leben rennen und ihre Hosen und alle Zaubersprüche verlieren. Selbst wenn ich Zauber besäße, würde ich sie nicht an Menschen wie dich weitergeben, da ich Angst hätte, dass du sie unbrauchbar machen würdest. Ganz ungeachtet der Tatsache, wie machtvoll sie wären, wenn ein Tor sie benutzte, würden sie ihm nicht helfen. Es ist ähnlich wie mit einem geschulterten Gewehr. Wenn jemand bedroht würde und sich in Gefahr befände, es aber nicht zu bedienen wüsste, wäre es ohne Nutzen.
„Im Moment diskutieren wir gerade einmal über Tiger und Geister und schon fängst du an vor Angst zu zittern. Wie könntest du dann die Achtsamkeit besitzen, einen Zauberspruch aufzusagen, um dich zu schützen? Du würdest geradewegs davonlaufen, eine große Schande, die du für den Rest deines Lebens nicht vergessen würdest. Ich denke nicht so wie du. Sonst müsste ich nach Zaubersprüchen suchen, um diese Tiger und andere Bestien einzuschüchtern, statt mich darum zu sorgen, wie ich Mittel und Wege finde, diese bedrohliche Angst im Innern austreiben zu können. Am Ende bliebe ich ohne Fundament zurück und könnte mich für den Rest meines Lebens nicht mehr auf mich selbst verlassen. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es wirklich beschämend, dass Tiger mächtiger als Menschen sind. Ihr einfältiges Stöhnen und Knurren, das sie in ihrer Wildheit spielerisch ausstoßen, versetzt einige Menschen schon in Schrecken! Es muss gesagt werden, dass Tiger um ein Vielfaches mächtiger sind als Menschen, die kein Fundament in ihrem Herzen besitzen.“
Dies sind die Antworten eines Bhikkhu auf Fragen nach Zaubersprüchen. Sie sind voll von Lektionen, die es zu überdenken gilt.
Der Mönch, der sein boshaftes, dickköpfiges und unkultiviertes citta mit Hilfe von unnachgiebiger Anstrengung so unterworfen und gezähmt hat, dass es für Dhamma und Vernunft empfänglich wurde, wird sich nicht von Ereignissen, denen ein jeder ständig und unvermeidlich ausgesetzt ist, erschüttern lassen. Er kann überall hingehen und in jeder Umgebung leben. Der Dschungel, den Feiglinge für unbewohnbar halten, wird zu seinem Zufluchtsort, wo er immer die Seligkeit der Abgeschiedenheit genießen und in Frieden ruhen kann. Jemand, der nach Tugend und Selbstentwicklung sucht, sollte sich diese Art von Training als seine Methode aneignen. Auch wenn man nicht wie er im Dschungel oder in den Bergen lebt, können die Methoden, wie man sich selbst bei den verschiedensten anfallenden Arbeiten und Pflichten zur Entwicklung von Tugend und zu einem festen Fundament für die Gegenwart und Zukunft diszipliniert, vermittelt und erreicht werden. Anderenfalls wäre es für den Erhabenen Buddha nicht möglich gewesen, der Welt Dhamma zu verkünden und zu lehren, da niemand in der Lage gewesen wäre, nach seinem Beispiel zu praktizieren. Aber es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass es viele gibt, die praktizieren, dem Beispiel des Dhamma folgend, wie ein Schüler einem Lehrer folgt, und daher werden sie gute und tugendhafte Bürger im Kreis der buddhistischen Anhängerschaft.
Die Disziplinierung des citta mit den verschiedenen Methoden und die Auswahl derer, die man als geeignet und effektiv erachtet, ist dem Einzelnen überlassen. Jedoch der Dhutanga Bhikkhu in der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann hat bis zum heutigen Tag immer seine patipada befolgt. Der Mönch, der den im Wettstreit mit dem Gebrüll von Tigern seine Gehmeditation durchführenden Mönch befragt, glaubt wirklich, dass jener andere einen Zauber besitzt, der die Fänge des Tigers verschließt. Er selbst hat große Angst vor Tigern, wenn er deren Gebrüll in seiner Nähe wahrnimmt, obwohl diese niemals seine Umgebung heimsuchten. Das ist der Grund, warum er so eine Frage aufwirft.
Die Erörterung von Dhamma unter den Dhutanga Bhikkhus, wenn sie zur rechten Zeit geschieht, ist von großem Interesse. Dabei mag es sich um Dhamma handeln, das sich aufgrund von Praxis im Herzen offenbart, oder um die unterschiedlichen Methoden, die zur Disziplinierung des citta angewandt werden; oder um Mut und Furcht, die unter verschiedenen Umständen entstehen; oder um dukkha und Qualen, die entstehen, wenn man den Körper extremen Belastungen aussetzt und so gelegentlich das citta damit plagt. Das Thema von größter Bedeutung jedoch ist das verinnerlichte Dhamma von samadhi und panna, das jemand an den verschiedensten Orten erfahren und erlebt hat. Wenn dies gemäß der Ebene der Errungenschaften und Verwirklichungen jedes Einzelnen erörtert wird, ist es angenehm zu hören und erfüllt den Zuhörer mit Freude, sodass man die Zeit und seine Müdigkeit vergisst.
Es gibt einige Fälle, allerdings sehr wenige, wo das citta 3 Stadien durchläuft, bevor es letztendlich in das vollkommene samadhi gelangt. Im ersten Stadium kommt das citta, von einem sehr angenehmen Gefühl begleitet. ein wenig zur Ruhe. Im zweiten Stadium wird klar erkannt, dass die Ruhe und das angenehme Gefühl bedeutend zunehmen. Im dritten und letzten Stadium verschwindet der Körper: man ist sich des Körpers nicht mehr bewusst. Die Sinnesempfindungen hören auf zu arbeiten. Was übrig bleibt, ist reines Wissen, tiefgründig und wundersam jenseits aller Beschreibungen.
Dies kann man als den absoluten Zustand von samadhi bezeichnen, der die stabilste Grundlage für das citta bildet. Das Herz, das in jenen Zustand von vollkommener Stille fällt, wird sich normalerweise darin stundenlang ausruhen, manchmal bis zu zwölf Stunden, bevor es wieder aufsteigt. Während das citta über Stunden in samadhi verweilt, behält der Körper seine Stellung ohne Veränderung bei. Einige mögen sich wundern: Gibt es denn, nachdem das citta sich aus dem samadhi zurückzieht, keine Körperschmerzen? Deshalb seien die Natur des citta und der khandhas hier genauer erklärt.
Wenn das citta vollkommen vertieft in der Stille ruht, werden sowohl das citta als auch der Körper durch nichts gestört. Während dieser Zeit ist die Stille des citta und der khandhas viel tiefgründiger als im Zustand des Tiefschlafes, weil manchmal, wenn man nach langem Schlaf erwacht, Schmerzen in den Teilen des Körpers sind, die sein Gewicht trugen. Auf der anderen Seite wird das citta, das aus dieser Art von samadhi auftaucht, keinerlei Schmerzen von irgendeinem Körperteil erfahren. Jeder Körperteil behält seinen normalen Zustand bei. Darum besteht ein starker Glaube an die Wahrheit, dass jene, die während mehrerer Tage in das nirodha samapatti85 eintreten, tatsächlich die Fähigkeit haben, dies zu vollbringen und dass ihre pyhsische Gesundheit so bleibt wie zuvor und weder von Krankheit heimgesucht noch durch die Vertiefung in samadhi geschwächt wird.
Die Dhamma-Diskussionen unter den Dhutanga Bhikkhus beschäftigen sich normalerweise hauptsächlich mit den durch ihr Training erzielten Ergebnissen, entsprechend dem von jedemEinzelnen erlangten Niveau, und mit den verschiedenen Übungsbereichen und den Örtlichkeiten,wo geübt wurde. Dies ist der wahre Weg des Austauschs und der Übertragung von Wissen des Herzens, die denjenigen geistige Nahrung für lange Zeit bieten.
Ihre Gespräche drehen sich niemals um Dinge der Welt (samsara), um Geschäfte oder Politik, Gewinn oder Verlust, Liebe oder Hass, Wut, Abscheu, Neid, Rachsucht, oder Eifersucht -diese werden nicht einmal angedeutet, weil sie sich allein um die Übung des Dhamma kümmern. Wie lange sie sich auch unterhalten mögen, was davon abhängig ist, wieviel Zeit erforderlich ist, es ist ein Mittel für den moralischen Aufschwung des citta des Zuhörers, sodass dieser das Gehörte in sich aufsaugt und vollständig vom Dhamma durchdrungen wird.
Dies ist eine äußerst vorzügliche Begebenheit, die sehr gut in dem Dhammaspruch beschrieben wird: „Kalena Dhammasakaccha etammangalamuttanam“ (Gespräche über Dhamma zur rechten Zeit sind der höchste Segen). Dies ist deshalb so, weil solche Gespräche unter denen, die diesen Weg gehen, zum Ziel haben, zu wissen und zu erkennen, was wahr ist, und die Wahrheit
85 Der vollkommene Stillstand, alles hört auf zu existieren
zu fördern, und nicht, um über die erreichten Stufen und Fertigkeiten oder wieviel man weiß oder wie schlau man ist, zu prahlen. Das citta eines jeden einzelnen Beteiligten ist während der ganzen Zeit des Gespräches bereit, die Wahrheit zu hören, die ein jeweils anderer darlegt. Wenn aber bei einem von ihnen während seiner Darlegung gesehen wird, dass er Schwachpunkte hat oder Fehlinterpretationen hervorbringt, so wird er stets mit wahrer und aufrichtiger Achtung bereit sein zuzuhören und sich von einem anderen Beteiligten, der eine höhere Ebene des Dhamma erreicht hat, berichtigen lassen. Solche Gespräche dienen der gegenseitigen Überprüfung des Wissens, des Verständnisses und des Status des citta in Verbindung mit den Fertigkeiten des samadhi und des Pfades, der Erfüllung und des Nibbana (Magga-Phala-Nibbana -der Achtfache Pfad -die Verwirklichungen und das Erlöschen, die Freiheit).
Wenn solche Bhikkhus volles gegenseitiges Vertrauen -ohne jeglichen Zweifel oder Vorbehalt -in den Wert und die Richtung der Übungen haben, können sie vertraulich miteinander sprechen und alles Dhamma, das sie in sich haben, gegenseitig offenbaren, ohne etwas zurückzuhalten oder zu verbergen. Auf diese Weise können die Übenden ziemlich deutlich erkennen, welche Ebene des Dhamma ein jeder von ihnen erreicht hat. Dieser Bhikkhu hat diese oder jene Grundlage des citta und eine Ebene des Dhamma, jener hat ein feines citta, jener hat große Weisheit, jener ist dicht davor, sich von Werden und Geburt zu befreien, und dieser hier istbereits über dieses Stadium hinaus, frei von allen Ängsten, und kann sich entspannen. Was diesen hier betrifft, so ist er träge und schwach in seinen Meditationsübungen und wenn er in samadhi sitzt, so lässt er einfach nur den Kopf hängen und schläft innerlich. In der Tat, wo immer er sitzt, er schläft innerlich, weil er äußerst geschickt darin ist, innerlich zu schlafen.. Man sollte daher nicht annehmen, dass unter den Dhutanga Bhikkhus alle durch und durch gut sind. Auch ich erlangte die Fertigkeit, innerlich zu schlafen -mag aber damit nicht prahlen.
Dieser Bhikkhu hier -sein citta wird ständig ruhiger, dieser beginnt sich in samadhi zu entwickeln, dieser hat fremdartige Kenntnisse über Dinge jenseits der Welt wie die pretas86 , Geister und devas87 . Dieser hier zieht es vor, im Sitzen zu meditieren, jener im Liegen und jener im Stehen. Dieser diszipliniert sich lieber, indem er sich nicht hinlegt, dieser dadurch, dass er seine Nahrungsaufnahme verringert und jener dadurch, dass er fastet. Jener diszipliniert sich gern, indem er in die Wälder geht und nach Tigern oder Bären als Mittel zur Überwindung seiner Angst sucht, wobei er diese untersucht und hinterfragt, während Tiger und Bären die Ursache seiner Angst sind. Dieser wiederum diszipliniert sich gern dadurch, dass er nachts in den Bergen umhergeht, um nach Tigern zu suchen. Dieser empfängt gern mysteriöse Gäste in Engelsgestalt (Deva).
Aber dieser hier hat Angst vor Geistern und vor den Geistern Verstorbener. So als ob ihn seine Eltern in einem Haus voller Geister und Verstorbener aufgezogen hätten, die ihn ständigÄngste ausstehen ließen und ihn heimsuchten, sodass er nach seiner Ordinierung dazu neigte, sich vor diesen pretas zu fürchten. Ein anderer ist von leichtgläubiger Natur, nimmt alles hin und glaubt, was andere sagen, und überdenkt nicht gern das Gehörte ob es einsichtig ist, bevor er es als wahr annimmt. Der hier dagegen vertritt vielfache Ansichten und stimmt nicht leicht anderen Menschen zu.
Dieser hier ist gescheit und liebt es, Dinge gründlich zu untersuchen und zu überdenken, bevor er sie annimmt -er glaubt nicht blindlings. Wenn der Acariya sie in Dhamma unterweist, wird ein solcher Bhikkhu am Ende der Lehrdarlegung viele Fragen auf dem Herzen haben, die er dem Acariya stellt, worauf dann zwischen den beiden ein Dialog auf der Basis von Argumenten entsteht. So können die anderen Zuhörer ihr Wissen und ihre Fertigkeiten durch Zuhören auf vielfältige Weise verbessern, zudem ist es eine gute Verfahrensweise, denen zu helfen, die den Weg gehen, und ihre Achtsamkeit und Weisheit zu üben. Ein solcher Bhikkhu ist eine Bereicherung für
86 Ein Toder, Entschwundener, Geist im Sinne von Geistern 87 himmlische Wesen
jene, die mit ihm zusammen sind. Er gibt dem Kreis derer, die den Weg praktizieren, Würde und vermittelt Vertrauen dem Acariya gegenüber, der sie ausbildet und lehrt. Wo immer er geht und mit welchen Bhikkhus er zusammen ist, jeder ist von ihm überzeugt und vertraut ihm. Wenn er für sich alleine ist, versucht er, sich in angemessener Weise mit Vernunft und Dhamma um seine Belange zu kümmern, ohne etwas zu tun, was für seine Freunde oder Gefährten, die sich im Dhamma üben, abträglich wäre oder zu einer Verschlechterung führen könnte. Bei Kontakten mit Laien handelt er angemessen und schicklich und lässt sich nicht zu sehr in ihre Angelegenheiten hineinziehen, denn bei einem Dhutanga Bhikkhu ist immer damit zu rechnen, dass sich ein zu enges Engagement einschleicht. Wenngleich dies im Allgemeinen nicht mit Absicht geschieht, so kann doch ein Mangel an Fertigkeit und Sorgfalt zum Verlust der Tugendhaftigkeit in einem anderen Bereich führen.
Eine weitere Situation, die bei den Praktizierenden immer eintreten kann, ist, dass der Geist, wenn das citta samadhi erreicht, weil es dann ruhig und fest wird und sich nicht von der Außenwelt ablenken und stören lässt, dazu neigt, außergewöhnlich beredt und witzig zu werden. Dies kann leicht dazu führen, dass sich der Übende vergisst. Er könnte glauben, dass er ausreichende Fertigkeiten erworben habe, obgleich dies nicht der Fall ist. Er fängt ja gerade erst an, einigeFertigkeiten zu erwerben, wenn er erstmalig die Übungspraktiken ausprobiert, ohne sich dabei zu vergessen.
Aber die Übenden vergessen sich üblicherweise mehr in dieser als in anderer Weise, weil ihnen dieser Zustand zuvor niemals widerfahren ist. Dies ist der erste Schritt der Tugend, der Ruhe, des Glücks für den Geist und der Festigung des Geistes, der von den Übenden erreicht wird, was sie deshalb in Aufregung versetzt, sodass sie sich vergessen können.
Wenn in einer solchen Situation niemand da ist, der den Übenden warnt, könnte er den Eindruck gewinnen, das Dhamma zu kennen und dem Trugschluss oder der Einbildung erliegen: „Dhamma hat sich offenbart!“. Die Beredsamkeit des Geistes kann dann geistvolle Dhammareden entwickeln und später glaubt er, dass er solche Reden geschickt halten kann und dass sich Dhamma in seinem Geist entwickelt hat. Wie viel er auch redet, das Dhamma schwindet mehr und mehr, wie das Wasser einer Flut, ohne Grenze und Zurückhaltung, bis er schließlich ununterbrochen redet, um zu reden. Bevor er es bemerkt, sind viele Stunden durch Schwatzen oder eine Ausführung zum Dhamma vergangen. Dies geschieht immer wieder.
Im Gespräch mit Menschen hat er keinerlei Zeitgefühl, kein Gefühl dafür, ob es angebracht ist zu sprechen, oder wann es Zeit ist zu schweigen, und seine Reden finden kein Ende, kein „Evam“88. Was immer er an Dhamma in sich trägt, er gräbt es aus und spricht und redet darüber mit jedem, der ihn besucht, bis es vollständig aus ihm heraus geflossen ist, ohne dass er weiß, weshalb sie zu ihm gekommen sind. Er teilt es einfach aus, ohne Zurückhaltung, Bedauern oder Ökonomie. Obwohl in seinem Geiste nur wenig Dhamma vorhanden ist, schwelgt er darin, es zu verbreiten, um sich selbst zu befriedigen. Unablässig fährt er damit fort, es zu verstreuen, ohne es zu entwickelnund zu schützen, indem er an seiner Übungspraxis arbeitet, was als Damm dienen würde, der verhindert, dass das Dhamma aus seinem Geist heraus fließt. Statt dessen fügt er ihm Schaden zu, weil er nicht weiß, wenn er zu weit gegangen ist. Selbst der Wasserspiegel im Meer kann sinken und der Geist, der vernachlässigt wird, indem nicht daran gearbeitet wird, das Dhamma zu entwickeln, weil wenig Zeit für die Übungspraxis aufgewendet wird, wird mit Sicherheit auf ein niedrigeres Niveau absinken. Das citta, das sich „stark nach außen kehrt“, ohne auch an sich für seine eigene Entwicklung zu arbeiten, wird sicherlich mit der Zeit in einen schlechteren Zustand geraten und tiefer und tiefer sinken, bis nichts mehr in ihm ist.
88 Es ist wohl gesagt, ist normalerweise dei Beendigung einer Rede oder auch das Wohlwollen über eine beendete Rede
Was letztlich einem solchen Mönch bleibt, sind zerstreute Gedanken und Ärger im Kopf. Wenn er versucht, seinen Geist zu beruhigen, wird dieser nicht ruhig bleiben und er kann ihn nicht in den Zustand der Ruhe versetzen, wie er das zuvor gewohnt war. Aus der früheren Ruhe und Gelassenheit heraus verändert sich sein Geist und wird eingebildet, eitel, kokett, verwirrt und schwermütig. Es ist gleichgültig, ob der Mönch dann steht, geht, sitzt, liegt oder irgendeine andere Stellung einnimmt, es ist so, als ob sein Geist brennt und er findet weder Ruhe noch Frieden. Wenn er keinen Ausweg mehr sieht, so denkt er daran, mit dem Feuer zu gehen, was die Situation nurnoch verschlimmert, wenngleich er dies nicht erkennt. So denkt er: „Wenn es immer nur Ärger , Verwirrung und Unruhe dieser Art gibt, weshalb soll ich da weiterhin die Robe tragen und eine Belastung für die sasana sein? Es ist besser, die Robe abzulegen, denn ich sehe keinen Sinn darin,in dieser Weise weiterzumachen. Ich muss die Robe ausziehen, um mich von den Ängsten zu befreien, die aus gefühlsmäßigen Schwierigkeiten dieser Art heraus entstehen und aus Gedanken, die während der ganzen Zeit, seit ich Mönch wurde, nicht verheißungsvoll waren.“ Aber, selbst nachdem er die Robe ausgezogen hat, wird ein solcher Mensch durch diese Denkweise keine günstige Entwicklung nehmen, es wird ihm weiterhin an Tugend mangeln wie vor seinem Mönchsleben auch und er wird so unnütz sein wie zuvor. Wenn er sagt, er würde die Sasana entlasten, wenn er sein Mönchsleben aufgibt, so ist dem nicht so. Die Sasana wird dadurch nicht entlastet oder leichter, sondern sie bleibt einfach nur die Sasana, die die Wahrheit aufrecht hält, wie sie es schon immer tat.
Um dies zusammenzufassen: Wer nicht gut ist, ist „Selbst“. Jemand, der nutzlos ist, ist „Selbst“. Niedergeschlagenheit wegen Verfehlungen des Geistes ist „Selbst“. Dies sollte uns lehren, dass, welchen Reichtum wir auch haben, wenn wir diesen nur verbrauchen, ihn ohne Sparsamkeit ausgeben und nicht ergänzen, so wird er nur abnehmen und letztlich aufgebraucht sein. Das Gleiche gilt, wenn es dem Geist gestattet wird, sich treiben zu lassen, sich seinem Schicksal zu überlassen.Das Ergebnis sind Sorgen und Ärger, die einem überall zu jeder Zeit widerfahren. Dies ist so, weil moralische Handlungen -gute sowohl als auch schlechte -nicht das Schicksal eines jeden, sondern nur dessen sind, der sie ausgeübt hat und der allein der Einzige ist, dem die Ergebnisse dieser Handlungen widerfahren.
Der Erhabene lehrte daher, dass man sehr vorsichtig und umsichtig sein muss, nicht nachlässig sein und sich nicht seinen gefühlsmäßigen Impulsen hingeben darf, denn, wenn die ungünstigen Ergebnisse dieser eigenen Handlungen auf einen zurückfallen, so führt dies zu großen Nöten, weil diese Ergebnisse weit schwerer wiegen als eine Bergkette von Hunderten von Bergen. Weise Menschen hüten sich daher vor ihnen und haben stets gelehrt, dass man das Böse fürchten soll. Dies lehren sie bis zum heutigen Tag, weil sie ganz genau wissen, dass die Ergebnisse des kamma -sowohl im Guten als auch im Bösen -nicht Dinge sind, die sich von Zeitalter zu Zeitalter verändern.
Nach dem zuvor beschriebenen Verfahren können die Dhutanga Bhikkhus, vom höchstrangigen bis zum Benjamin, die Basis des citta eines jeden Einzelnen erkennen, ohne tiefe Erkenntnisse (nana) über den Einzelnen zu haben, ohne die Tiefen der einzelnen Person zu erforschen, weil jene Dhamma-Diskussionen, die zwischen den Kammatthana Bhikkhus untereinander regelmäßig durchgeführt werden, von ihnen als sehr wesentlich angesehen werden. Denn sie betrachten sie als ein Mittel zum Austausch von Kenntnissen und Erfahrungen untereinander und als Mittel für die „sammodaniyagatha89“ im Dhamma, das sie auf verschiedene Weisen geübt und erfahren haben.
Wenn sie dann miteinander sprechen, kommt jeder an der Gesprächsrunde Beteiligten, daran über etwas zu sprechen, was er erkannt hat. Das mag etwas sehr Allgemeines oder sehr Feines sein.
89 Das Entfachen von Freude und Inspiration
Wenn sie dann sprechen, kann man etwas über sie erfahren. Wenn sich aber zwei Acariyas unterhalten, wird es umso interessanter, je erregter sie miteinander sprechen. Ihr Dhamma ist von so tiefgründiger Natur und hat ein so hohes Niveau, dass man mit einem Gefühl der Bewunderung zuhört. Man fühlt sich so gering und so beschämt wegen der eigenen mageren Fähigkeit (vasana) bezüglich der Achtsamkeit und Weisheit, dass man am liebsten den Kopf in den Sand stecken möchte, weil man ganz unfähig zu sein scheint, die Dinge zu erfahren, die sie erfahren haben.
Hört man den Acariyas bei ihren Gesprächen zu, so sind sie fesselnd und wunderbar und man hat das starke Verlangen, Dhamma in der gleichen Weise wie sie zu erkennen und zu verstehen. Es scheint einem fast das Herz zu brechen -wo ist denn diese Achtsamkeit und diese Weisheit vergraben, die einen in die Lage versetzen sollte, die gleichen Erfahrungen zu machen wie sie? Man weiß es nicht! Selbst wenn man in seinen eigenen Gedankengängen nach ihnen sucht, man sucht vergebens. Alles scheint dunkel und undurchsichtig, so als ob sich niemals etwas Positives oder Außergewöhnliches ereignen würde, um zu befriedigen und für den Rest des Lebens etwas Freude ins Herz zu tragen, sodass man nicht vergeblich stirbt in diesem mit Unwissenheit angefüllten Körper.
Betrachtet man die anderen Zuhörer, so scheinen sie so würdevoll und ruhig zu sein, gerade so, als flögen sie der völligen Auslöschung ihrer kilesas entgegen. Es scheint, als ließen sie einen hinter sich zurück, der man selbst zu unfähig ist, die Achtsamkeit und die Weisheit zu finden, um sich zu retten -einsam dem Tod überlassen, eingetaucht in den Kreislauf (vatta) des samsara90 . Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr fühlt man das Herz sich zusammenziehen und den Geist sich ängstigen, so als wäre er verzweifelt und einsam im Dschungel ausgesetzt
Sobald die Dhammarunde beendet ist, geht man still zu den anderen Zuhörern und fragt: „Wie fühlst Du Dich nach diesem Dhammagespräch? Ich, jedenfalls, fühle mich, als wollte mir das Herz brechen und als ob ich auf der Stelle sterben würde. Das Dhamma, von dem sie redeten, war so erstaunlich und wunderbar, dass ich, wenn ich mich selbst betrachte, mir vorkomme wie eine Krähe, die auf einem goldenen Berg „thront“. Als ich darüber nachdachte, wollte ich diesen Körper in der Erde vergraben, um mich dessen zu entledigen, weil ich dachte, dass dies vielleicht die Sasana von der Last des toten Gewichtes eines unglücklichen Anhängers befreien würde, dem es an den inhärenten Fähigkeiten mangelt, so wie ich jetzt dastehe. Wie aber erging es euch und den anderen Zuhörern? Was habt Ihr empfunden? Bitte sprecht aufrichtig darüber, damit ich es als eine Dhammalehre aufnehmen kann, die mich in die Lage versetzt, freier zu atmen und mich dieses Gefühls der Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit zu entledigen, das mir das Herz zu brechen scheint.“
Im Allgemeinen sagen jene, die kein Blatt vor den Mund nehmen, in etwa das Gleiche, denn jeder von ihnen empfindet eine große Befriedigung durch das Dhamma der Acariyas. Dann lenken sie ihre Gedanken auf sich selbst, denn sie wollen wie die Lehrer sein. Wenn aber die wesentlichen Voraussetzungen (hetu paccaya) hierfür nicht gegeben sind, macht sich Enttäuschung breit. Dies führt dann zu Gefühlen der Unzufriedenheit (dukkha) verschiedener Art. Sobald sie aber hören, dassdie anderen Lernenden und Übenden des Dhamma es ebenso empfinden, fühlen sie sich erleichtert und atmen freier. Dann fassen sie den Entschluss, die Ausbildung an sich selbst fortzuführen, ohne beklommen und ängstlich zu sein, dass sie nicht fähig wären, dies zu tun, oder nicht in der Lage sein würden, diesen oder jenen Zustand zu erreichen, was ohnehin eine unnütze Selbstquälerei ist.
An der Stelle, wo wir zuvor darlegten, dass einige Dhutanga Bhikkhus den Mut haben und ihr Leben dadurch aufs Spiel setzen, dass sie Orte aufsuchen und sich dort niederlassen, wo Tiger auf ihrer Nahrungssuche umherstreifen, und dass andere gar nachts in den Bergen umhergehen, um
90 Die gesamte Sphäre aller Daseinsebenen
Tiger zu suchen, mögen einige Leser gezweifelt oder nicht geglaubt haben, dass dem so sei. Denn dies führt zu der Frage: „Aus welchem Grund sollten Bhikkhus an solchen Orten verweilen oder gar nach Tigern suchen? Selbst wenn er nur in der Nähe der Höhle eines Tigers verweilt, reicht das für einen furchtsamen Menschen, ihn so zu ängstigen, dass er kaum atmen kann! Weshalb sollte man daher so extrem waghalsige Methoden anwenden? Der durchschnittliche Mönch würde niemals einen so extremen Weg gehen, es sei denn, er wäre ein wenig verrückt.“ In Wahrheit ist es auch so. Aber die Erzählungen über einige Bhikkhus stehen dem entgegen, denn sie überwinden die Angst, die entsteht, wenn sie in der Nähe der Höhle eines Tigers sitzend verweilen, ebenso wie wenn sie in den Bergen, in denen Tiger umherstreifen, sitzen oder umhergehen.
Jedoch die Angst, die in der Nähe des Ortes entsteht, an dem man sich alleine aufhält, ist eine Sache und es kann eine geeignete Methode angewendet werden, diese zu überwinden. Aber die Angst, die die Mönche auf verschiedene Weisen suchen, wie beispielsweise, indem sie in die Berge gehen und auf einem Fels sitzen oder nach Tigern suchen, ist unglaublich stärker, viel stärker als die, die man erfährt, wenn man sich alleine in seinem Wohnhaus befindet! Hätten diese Mönche keine wirksamen Methoden, diese Angst zu überwinden, so ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sie verrückt würden, wenn sie tatsächlich einem Tiger gegenüber stünden. Sie müssen daher eine ganz andere Methode anwenden, um diese Angst zu bezwingen und schließlich zu überwinden. Hierfür benutzen sie eine ausgeklügelte Methode, die jeder Einzelne sich selbst ausdenkt, um sich zu üben und zu disziplinieren.
Es ist sehr wichtig, das citta, wenn es von Angst erfüllt ist, mit guten, den Umständen angepassten Methoden bis zu dem Punkt zu üben, an dem es sich des hartnäckigen Widerstandes der Angst entledigt. Die Ergebnisse, die entstehen, sobald sich das citta der Achtsamkeit und der Weisheit fügt, sind wundervoll und übertreffen alle Erwartungen.
Zunächst dreht der Geist den Spieß um und wird kühn und wagemutig, sobald die Angst durch jene ausgeklügelten und wirksamen Methoden überwunden worden ist. Hiernach bleibt das citta vollständig ruhig und ist ohne jede Angst. Zweitens, wenn sich das citta aus diesem Zustand der Ruhe heraus begibt, bleibt die kühne Furchtlosigkeit erhalten, ohne in das vorherige Stadium der Angst zurückzufallen. Drittens dient dies als offensichtlicher Beweis für den Geist und zeigt sehr deutlich, wie das citta durch disziplinierende Übungen unter Zuhilfenahme und mit Unterstützung durch verschiedene geistige Verfassungen, wie beispielsweise Angst, gezwungen werden kann, seinen hartnäckigen Widerstand aufzugeben. Viertens empfindet man Befriedigung, durch diese oder jene Methode und mit geschicktem Geist die Übung an sich durchgeführt zu haben, und hat keine Angst vor dem Tod.
Es sollte ebenfalls verstanden werden, auch wenn man sich nach anderen Vorgehensweisen übt, dass diese Bhikkhus es mit der Zuversicht aufgrund der Ergebnisse tun, die sie zuvor durchÜbungen erreicht haben. Dies lässt sie weitermachen und ihre Anstrengungen steigern, um in der Entwicklung ihres citta und des Dhamma im Geiste voranzuschreiten, bis sie das Ziel erreicht haben, das sie sich gesetzt hatten.
Folglich sind die Übungen des Geistes oder des Menschen selbst, die die Dhutanga Bhikkhus durchführen, von vielfältiger Art, um dem Temperament des Einzelnen zu entsprechen. Aber allgemein gilt, dass sie alle solche Methoden anwenden, die bei ihnen bereits in der Vergangenheit zu Ergebnissen geführt haben. Daher müssen sie eher an den Methoden weiterarbeiten, statt andere (neue) zu benutzen.
Die Persönlichkeiten der einzelnen Menschen weichen voneinander ab und es gibt solche, deren citta alle Achtsamkeit verliert, sobald Angst entsteht. Sie sind wie hypnotisiert. Es widerfährt ihnen immer wieder, was auch immer ihnen Angst bereitet. Solche Menschen sind für Übungsmethoden, die Angstsituationen nutzen, nicht geeignet, denn sie könnten dabei den Verstand verlieren.
Daher muss die asketische Übung, die angewendet wird, die Persönlichkeit des einzelnen Menschen in Rechnung stellen. Es muss abgewogen werden, welche Methoden geeignet sind und ihm helfen, einen starken Geist zu entwickeln. Man sollte nicht einfach eine Methode aufgreifen, von der man gehört hat, dass sie zu guten Ergebnissen führt, ohne dabei die Eigenschaften des eigenen citta zu berücksichtigen. Tut man dies dennoch, so erfährt man mit Sicherheit Ergebnisse, die nicht so sind, wie sie sein sollten.
Diese Aussage soll nicht die Schwächen oder Unzulänglichkeiten jener steigern, die den Weg üben, sondern deutlich machen, dass das, was man tut, geeignet sein sollte, damit man darausin Übereinstimmung mit dem eigenen Zustand oder den eigenen Voraussetzungen Nutzen zieht. Einige Menschen könnten nämlich dann, wenn sie an diesem Kreuzweg angelangt sind, glauben, dass alles, was ermüdend und schwierig ist und ihnen gegen den Strich geht, ungeeignet sei. Sie folgern daher: „Es ist meiner Persönlichkeit nicht dienlich, solche Dinge zu tun, weil jemand wie ich es gewohnt ist, bequem zu leben. Es ist für mich nicht erforderlich, mich Ängsten verschiedener Art auszusetzen, um im Geiste getroffen zu werden, einen Geistesblitz zu erleben. Ich kann bequem leben und essen und schlafen, was viel angenehmer ist und meiner Persönlichkeit entspricht, die die Bequemlichkeit liebt.“
Man sollte sich aber daran erinnern, wie der Erhabene -der erste Bhikkhu und Arahant, der als die „Zuflucht“ der Welt gilt -die Erleuchtung und Erfüllung im Dhamma durch strenges Üben und harte Disziplin erlangte und nicht durch irgendwelche anderen Methoden, die bequeme und schwache Menschen als gut bezeichnen. Niemand hat jemals die Erfüllung im Dhamma errungen, indem er nach der Lust des Geistes lebte, aß und schlief, ohne jemals dem citta zu widerstehen undauf den Geist disziplinierende Übungen anzusetzen.
Diese strengen Übungsmethoden sind beschrieben worden und fußen auf der Erkenntnis, dass die kilesas der Menschen mit Sicherheit nur davor Angst haben, durch harte Übungen überwunden zu werden, und nicht dadurch, dass man den Geist nach seinem Belieben überallhin gehen lässt. Wendet man Gewalt an, so beugt er sich ein wenig, genug, um die Augen geöffnet zu bekommen und frei zu atmen. Gibt man aber nach und lässt sich von den kilesas verleiten, so gewinnen sie Mut und die Situation verschlechtert sich dramatisch.
Man muss viele Wege und Mittel zur Disziplinierung und Übung nutzen, um die kilesas einzuschüchtern und einen gewissen Grad des Friedens zu erzielen. Wer die Unterwerfung der kilesas für sich erreichen will, muss die harten Methoden zur Übung und Disziplinierung aufgreifen und in einer solchen Weise nutzen, dass sie für seine jeweilige Persönlichkeit geeignet sind. Dies ist möglicherweise der Weg für ihn, von Zeit zu Zeit die kilesas zu umgehen und sie Schritt für Schritt zu schwächen und letztlich zu vernichten. Diese Vorgehensweise verringert auch schrittweise die den Geist quälende Unzufriedenheit, bis er durch diese hilfreichen Methoden den „sicheren Hafen“ des Glücks und der Freude erreicht.
Jene Bhikkhus, die durch die Anwendung dieser strengen und harten Methoden Ergebnisse erzielt haben, erlangen in der Tat Ergebnisse, die für den Geist klar erkennbar und offensichtlich sind. Dies geschieht normalerweise, weil das citta, das auf diese Weise geübt werden muss, ausgesprochen verwegen ist und ohne Zögern alle Kraft einsetzt für das, was es gerade tut. Wenn ein solcher Mönch kämpft, dann kämpft er wirklich, und wenn er stirbt, dann stirbt er wirklich, aber er gibt nicht auf.
Wenn dieser Mönch also einen Übungsort sucht, um seine Angst zu überwinden, so sucht er einen, wo er das auch wirklich kann, zum Beispiel einen, wo er Tiger als Lehrer zur Unterstützung seiner Übung finden kann. Je furchteinflößender ihm ein Ort zu sein scheint, desto entschlossener ist er, diesen aufzusuchen und sich wie in einem „Kampf auf Leben und Tod“ zu üben.
In einem solchen Moment ist er sogar bereit zu sterben. Er will einfach nur die Angst durch die höheren Kräfte der Achtsamkeit und der Weisheit ausgelöscht sehen. Er gibt sich vollständig hin, sonst wäre er niemals in der Lage, seinen Geist zu üben, der für sich allein an einem Furcht erregenden Ort schon ängstlich genug ist. Er ist aber tatsächlich fähig, dies auszuhalten, bis er die Furcht einflößende Kraft der Angst sieht und erkennt, dass diese im Wettstreit mit der überwältigenden Kraft des Dhamma nicht bestehen kann, sodass sie sich direkt vor seinen Augen auflöst. An Stelle der Angst entsteht ganz offensichtlich eine kühne Furchtlosigkeit und dies beweist, dass die Übungspraktiken, die er angewendet hat, nicht nutzlos sind, sondern jenseits aller Vorstellungskraft von größtem Wert sind.
Der Geist einiger Menschen wird in dem Augenblick ruhig, in dem sie Tiger in ihrer Nähe brüllen hören. Bei anderen wiederum konzentriert sich das citta und versinkt in einen Zustand der Ruhe, sobald es den Tiger, dem es gleichgültig ist und der sich nicht darum kümmert, ob jemand nun ein Interesse daran hat, sich vor ihm zu fürchten oder nicht, in seiner Weise umherstreifen hört. Wieder andere, deren citta bei den üblichen Übungspraktiken niemals in der Lage ist, sich zu unterwerfen und in einen Ruhezustand abzusinken, bringen ihr citta dadurch zur Umkehr und dazu, in den Zustand von samadhi zu gelangen, dass sie an einem Weg oder Ort, wo Tiger üblicherweise umherstreifen, eine Sitzmeditation durchzuführen. Hierbei nutzen sie den Gedanken und die Angst, dass die Tiger kommen und nach ihnen schauen werden, wenngleich sie das zu diesem Zeitpunkt gerade nicht tun.
Es gibt zwei Methoden zur Durchführung der Meditation, wenn Angst entsteht. Die erste besteht darin, dass man das citta dazu bringt, sich zu konzentrieren und bei dem Aspekt des Dhamma zu verharren, auf den man sich üblicherweise konzentriert. Dabei gestattet man dem citta nicht, dass es sich nach draußen wendet und über Tiger oder irgendwelche anderen Tiere nachdenkt oder gar träumt. Die Meditationsübung verharrt lediglich auf dem einen Aspekt des Dhamma und überwacht und kontrolliert den Geist mit Achtsamkeit. Dann, ob man nun lebt oder stirbt, zieht man sich vollständig auf diesen Aspekt des Dhamma zurück, den man als anfänglichen Zugang zur Meditation (parikamma) nutzt. Sobald das citta nachgibt, hinabsinkt, wie man hofft, und sich in Dhamma zurückzieht, ohne nach diesem oder jenem zu greifen, wird es mit Sicherheit ruhig. Sobald dann das citta in einen Zustand der Ruhe absinkt, verschwindet die Angst augenblicklich. Dies ist die Übungspraxis für jemanden, der sich im Anfangsstadium der Meditationsübungen befindet.
Die zweite Methode wird von jenen ausgewählt, deren citta samadhi erreichen kann und die eine gewisse Dhamma-Basis des Geistes haben. Wenn bei ihnen Angst entsteht, werden sie höchstwahrscheinlich die Situation mit Weisheit durchleuchten. Mit andern Worten, sie analysieren und untersuchen die Angst und sie analysieren und untersuchen den ganzen Tiger, den das citta als so furchteinfößend empfindet, in allen seinen Einzelteilen. Sie betrachten die Fänge, die Klauen, das Fell, den Kopf, den Schwanz und den Rumpf -jeden einzelnen Körperteil. Sie lösen ihn heraus und betrachten ihn, um herauszufinden, in welcher Weise er Furcht erregend ist. Sie tun dies so lange, bis sie mit Weisheit seine Eigenschaften erkennen und die Angst von selbst verschwindet. Dies ist die Methode für jene, die in der Verfahrensweise zur Entwicklung der Einsicht (vipassana) geübt sind. Durch die Anwendung dieser Methoden werden sie sehr wahrscheinlich in der Lage sein, die Angst zu bewältigen.
I.
Kapitel 3
Die Geschichte vom Anhänger im weißen Gewand (upasaka)
Die zuvor beschriebenen Methoden wurden von jenen Bhikkhus angewandt, die in die Wälder gingen, um dort zu leben und sich zu üben. Sie haben befriedigende Ergebnisse erzielt und die Tiger haben ihnen niemals etwas zu Leide getan.
An dieser Stelle sei eine Geschichte erzählt. Der Leser mag darüber nachsinnen, was sich hierbei eigentlich ereignet hat. Ein Acariya, der ein höher gestellter Anhänger des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann war, übte sich bei seinen Wanderungen entlang des Mekongs auf der laotischen Uferseite in Askese. Bei ihm war ein weiß gekleideter Anhänger (upasaka) -ein Laie. Dieser Acariya hielt sich eine Zeit lang unter einem Felsvorsprung auf und der Anhänger, der die acht moralischen Regeln achtete, verweilte unter einem anderen etwa 120 Meter entfernten Felsvorsprung. Der Acariya, von dem diese Geschichte stammt, erzählte, dass er dort mehrere Monate lang lebte, weil er der Meinung war, dass dieser Ort der Gesundheit sowohl des Körpers als auch des Geistes förderlich sei. Die Übung des „Dhamma in Einsiedelei“ (samana dhamma) entwickelte sich ruhig und ohne Behinderungen -für ihn selbst wie auch für den upasaka91 . Lebensmittel während der Almosenrunde (pindapata) zu erhalten, war nicht schwierig, weil sie sich nicht mehr als vier Kilometer vom nächst gelegenen Dorf aufhielten. Das Dorf bestand aus etwa 15 Häusern und die Dorfbewohner kamen sie nicht besuchen und störten sie auch nicht. Sie hatten also keine Schwierigkeiten und verschwendeten keine Zeit, wenn sie ihre Dhammaübungen entwickelten. Jeder von ihnen -der Acariya, der upasaka und die Dorfbewohner -kümmerte sich um seine eigenen Belange.
Eines Tages, am Nachmittag, fühlte sich der Acariya etwas unwohl, so als hätte er Fieber. Mal heiß, mal kalt und der Körper fühlte sich nicht ganz in Ordnung. Als der upasaka zu ihm kam, bat er ihn, Wasser zu kochen und eine Medizin einzurühren, die er ausprobieren wollte. Ein Arzt hatte ihm gesagt, dass diese Medizin Malaria kurieren könnte, und er fürchtete, dass dies der Beginn eines Malariaanfalls sei. Denn in dem Gebiet, in dem sie sich aufhielten, war Malaria weit verbreitet und viele Menschen litten an ihr. Der Wald war sehr dicht und unwegsam und Menschen, die das Leben in offenen Regionen und auf Feldern gewohnt waren, konnten nicht in das Gebiet gehen und dort leben. Der Wald wimmelte auch von allen möglichen wilden Tieren, Tigern und anderen Mitgliedern der Raubkatzenfamilie und nachts machten sie mit ihrem Schreien und Brüllen viel Lärm. Offensichtlich gab es dort auch einige Menschenfressende Tiger und es hieß, dass dies an den Vietnamesen läge, die die Tiger wild machten, sodass sie keine Angst vor Menschen hätten.
Sobald der upasaka verstanden hatte, was zu tun war, nahm er den Wasserkessel mit zu seinem Platz, um Wasser zu kochen. Danach verschwand er und brachte auch nicht das heiße Wasser, um die Medizin zuzubereiten. Der Acariya wartete, bis es dunkel wurde, aber der upasaka kam immer noch nicht. So dachte er, dass der upasaka es möglicherweise vergessen hätte, weil er in Meditation versunken war und daher seine Pflichten vernachlässigte. Inzwischen war das Fieber des Acariya ständig schwächer geworden, bis es völlig verschwunden war.
Was den upasaka angeht, so bereitete er ein Feuer vor, nachdem er den Wasserkessel geholt
91 Weiß gekleideter Anhänger, Laie
hatte, aber was er auch versuchte, um es anzuzünden, es wollte nicht brennen, bis er schließlich wütend wurde. Dann vergaß er, daß er ein upasaka und Anhänger eines bedeutenden Kammatthana Bhikkhus war, sprang plötzlich auf und dachte wütend: „Ich habe hier x-mal ein Feuer gemacht, warum will es heute nicht brennen? Vielleicht braucht es Wasser. Wenn es welches braucht, werde ich ihm etwas geben.“ Daraufhin – der Leser verzeihe mir -urinierte er überall auf die Feuerstelle, bis diese ganz nass war, und ging weg, ohne etwas zum Acariya zu sagen, der auf das heiße Wasser wartete, bis es dunkel geworden war. Nachdem es tiefe Nacht geworden war, ereigneten sich einige sonderbare und ungewöhnliche Dinge.
Zuvor war an dem Ort, an dem er sich aufhielt, nichts besonders Ungewöhnliches geschehen. Es war etwa 9 Uhr abends, der weiß gekleidete upasaka saß in Meditation und betrachtete seine Verfehlungen und seine unbedachte Handlungsweise gegenüber dem Acariya, bedingt durch den Ärger, der ihn dazu veranlasst hatte, aufzuspringen und auf das Feuerholz zu urinieren. Darüber hinaus war er nicht zum Acariya gegangen, um diesen um Vergebung für seine Verfehlungen zu bitten, um so sein Fehlverhalten zu korrigieren und sein schlechtes kamma aufzuheben. Als er also so saß und verzweifelt über seine Fehler nachdachte, hörte er plötzlich etwa zwei Meter hinter seinem Rücken ein sehr lautes Geräusch, das Brüllen eines riesigen Tigers, der hinter ihm kauerte und ihn ansah, als ob er ihn jeden Moment anfallen und zerfleischen wollte. Er knurrte ständig leise, aber laut genug, um auszutesten, wieviel Mut im Zorn eines Kammatthana-Schülers vorhanden war, und laut genug, dass der Acariya ebenfalls hören konnte, wo er sich befand.
Während der Tiger knurrte, peitschte er seinen Schwanz auf und ab, sodass dieser dumpf auf den Boden schlug. Er schob seinen Körper vor und zurück, als ob er sich bereit machte, den upasaka anzufallen und auf der Stelle zu zerfleischen.
Sobald der upasaka diesen ungewöhnlichen Laut hörte, den er noch nie so nahe bei sich vernommen hatte, fürchtete er sich zum ersten Mal seit seiner Ankunft an diesem Ort vor mehreren Monaten und er wandte sich um, um zu sehen, was das war. Es war etwa die Zeit des Vollmondes und er konnte den riesigen Tiger ganz deutlich dort kauern sehen, wie der ihn anblickte. Sein Blut stockte, die Angst schüttelte ihn und er verlor beinahe das Bewusstsein. Er konnte an nichts denken und sein Geist nahm Zuflucht zu Buddha, Dhamma und Sangha, als ginge es um Leben und Tod. „Mögen Buddha, Dhamma und Sangha mich beschützen und über mich wachen,“ flehte er, „und nicht zulassen, dass dieser Tiger mich zerfleischt, denn dann kann ich den Ehrwürdigen Acariya nicht um Vergebung für meine Verfehlungen von heute Nachmittag bitten, die ich ihm gegenüber beging. Möge Buddha mir helfen und mich diese ganze Nacht beschützen und mögen Dhamma und der Ehrwürdige Acariya metta92 haben und mein kamma für meine Verfehlungen auslöschen. Lasst es nicht dazu kommen, dass ich als Strafe für diese Vergehen von diesem Tiger zerfleischt werden muss.“
So flehte und bettelte er, wiederholte „Buddho“, zitterte, bebte und drehte sich nach ihm um und starrte ihn an, vor Angst, er würde ihn jeden Moment anfallen und zerfleischen. Sobald aber der Tiger sah, dass sich ein Mensch nach ihm umdrehte und ihn anstarrte, zog er sich ein wenig zurück, wobei er ständig knurrte. Dann, innerhalb kurzer Zeit, veränderte er seine Position, näherte sich aus einer anderen Richtung und zog sich wieder zurück. Er tat dies immer wieder.
Unterdessen fühlte sich der upasaka wie tot, da er gezwungen war, angespannt die rastlosen Bewegungen des Tigers zu verfolgen, der ohne Unterlass vorwärts und rückwärts um sein Moskitonetz strich. Wenn der upasaka den Tiger mit festem Blick anstarrte, wich dieser zurück. manchmal so weit, dass es schien, er zöge sich ganz und gar zurück. Sobald aber der upasaka
92 Liebende Güte
nachließ und seine Aufmerksamkeit abschweifen ließ, kam der Tiger wieder ganz nahe an ihn heran. Der upasaka konnte nicht zulassen, dass „Buddho“ und sein Geist sich von einander entfernten, und er musste es ständig wiederholen, bis sein Geist und „Buddho“ mit einander verbunden waren und er sich die ganze Zeit an diesen Einklang als seine Lebensgarantie klammerte. Sobald aber „Buddho“ nur etwas zu entgleiten begann, näherte sich jedes Mal der Tiger. Hatte der upasaka erkannt, dass sich seine Lage verschlechtert hatte, erinnerte er sich sofort an „Buddho“ und flehte Buddha an, sein Leben zu bewahren. Sobald dann „Buddho“ und Geist wieder eins waren, zog sich der Tiger zurück, als ginge er für immer.
Aber die Menschen sind so veranlagt, dass immer Druck auf sie ausgeübt werden muss, damit sie Dinge erledigen. Sobald sich also der Tiger zurückzog, begann „Buddho“ dem Geist zu entgleiten, weil er dachte, dass er nicht sterben würde -dann näherte der Tiger sich wieder, als wollte er den upasaka anfallen. Das tat er jedoch nie, sondern näherte sich nur ständig aus einer anderen Richtung.
Dieser Kampf zwischen dem Tiger und dem upasaka dauerte ohne Unterlass von 9 Uhr abends bis zur Morgendämmerung und keiner von den beiden war bereit, eine Niederlage einzugestehen. Die Tränen der Todesangst des upasaka flossen die ganze Zeit, bis es keine Tränen mehr zu vergießen gab. Bei Tagesanbruch jedoch zog sich der Tiger auf etwa 8 Meter zurück und schlich sich dann davon, bis er außer Sichtweite war.
Obwohl nun der Tiger fort war, verharrte der upasaka noch eine lange Zeit aufmerksam und wachsam unter seinem Moskitonetz. Er wagte nicht, darunter hervorzukommen, weil er fürchtete, dass sich der Tiger weiterhin in der Nähe versteckt hielt. Er hatte Angst, dass der Tiger ihn anfallen und zerfleischen würde, sobald er nachließe und unter seinem Moskitonetz hervorkäme. So sah er sich gezwungen, sitzen zu bleiben, abzuwarten und lange Zeit die Lage unter seinem Moskitonetz zu beobachten, bis er erkannte, dass alles ruhig blieb, der Tiger wirklich fort war und nicht mehr zurückkommen würde. Dann kam er eilig unter seinem Netz hervor und lief schnell zum Acariya hinüber -verwirrt, zitternd, mit flackernden Augen und wirr stammelnd, sodass das, was er sagte, keinen Sinn ergab.
Sobald der Acariya des ungewöhnlichen Verhaltens des upasaka gewahr wurde, befragte er ihn und fand heraus, dass dieser für sein Fehlverhalten ihm gegenüber vom vergangenen Nachmittag um Vergebung bat. Er legte die Gründe für seine Verfehlungen dar, erzählte alles, auch von dem Erscheinen des Tigers und wie dieser die ganze Nacht um ihn herumgeschlichen war.
Statt nun dem upasaka sofort zu vergeben, wandte sich der Acariya diesem zu und sprach mit drohender Stimme, wodurch dessen Beunruhigung gesteigert wurde: „Das was du willst, das bekommst du. Wenn du Gutes willst, so bekommst du Gutes. Wenn du Böses willst, so bekommst du Böses. Aber in diesem Fall wolltest du den Tiger und du bekamst den Tiger. Was bringt es also, wenn du mich um Vergebung bittest? Ich kann dir noch nicht vergeben. Du solltest den guten Dingen, die du magst, mindestens noch eine Nacht begegnenen. Wenn du dann nicht vom Tiger zerfleischt worden bist, wirst du zumindest eine Lektion erhalten haben, über die du noch lange nachdenken kannst. Der Tiger ist ein besserer Lehrer als der Acariya. So werde ich es also ihm überlassen, dich zu trainieren. Wie denkst du darüber? Soll ich dich heute Nacht dem Tiger übergeben? Wenn du seiner Unterweisung nicht zuhörst, werde ich zulassen, dass er dich zerfleischt und ein für alle Male auffrisst, denn ich bin es leid, dich zu unterweisen. Was meinst du? Ist es das, was du willst? Letzte Nacht dem Tiger zu begegnen und seinen Unterweisungen zuzuhören, war den Umständen nach recht angemessen und ich werde dafür sorgen, dass er diese Nacht wieder zu dir kommt und dich lehrt. Wenn du danach immer noch störrisch bist, werde ich zulassen, dass er dich zerfleischt und du die Kraftquelle wirst für seine Wanderungen. Du würdest ihm den Bauch für mehrere Tage füllen. Nun, wie wäre das? Sag es ganz schnell und trödle nicht! Wer ist der bessere, der Acariya oder der Tiger? Antworte jetzt und zögere nicht, oder ich rufe den Tiger diesen Augenblick, dich zu holen und besserem Nutzen zuzuführen, als dieser Acariya es kann.“
Nachdem er dies gesagt hatte, tat der Acariya so, als ob er den Tiger riefe: „Wo ist der Tiger nur hingegangen? Komm schnell zurück und hole dir den upasaka jetzt, zögere nicht. Ich übergebe ihn dir als deinen Anhänger, also komme schnell und nimm ihn mit.“
In diesem Moment schrie der upasaka laut auf und schluchzte, verlor völlig seine Fassung und flehte den Acariya an: „Ich habe fürchterliche Angst und beschwöre den Ehrwürdigen Acariya, den Tiger nicht herbeizurufen, oder ich will hier und jetzt sterben. Letzte Nacht dachte ich einige Augenblicke, dass ich sterben würde, aber ich fasste mich so weit, dass ich mein Bewusstsein behielt. So kam ich also schnell, um den Ehrwürdigen Acariya um Hilfe zu bitten. Aber Ihr ruft den Tiger ständig zurück, woher bekäme ich dann die Energie, ihm zu widerstehen. Daher flehe ich Euch, Ehrwürdiger Herr, an, dem Tiger zu sagen, dass er weggehen und nicht wiederkommen soll.“
Nach vielem Klagen und nachdem er den Acariya angefleht hatte, den Tiger nicht wieder zurück zu rufen; nachdem er sich zu Boden geworfen und um sein Leben gefleht hatte, die von ihm begangenen Verfehlungen eingestanden und versprochen hatte, dass er in Zukunft beherrschter und bedachtsamer sein würde; nachdem er versprochen hatte, dass er sich niemals wieder solche Verfehlungen leisten würde, angesichts dessen, dass ihm das Grauen der eben erteilten Lektion gegenwärtig war, und nachdem er den Acariya um Vergebung angefleht hatte, sah der Acariya, dass der rechte Augenblick gekommen war, dem upasaka zu vergeben. Er unterwies ihn dann und sprach milde und tröstend: „Es war nichts anderes als dein schlechtes kamma, das den Tiger zu dir kommen ließ. Wenn du die Verantwortung für die Schlechtigkeit deiner Missetaten immer noch nicht auf dich nehmen willst, so wirst du es diese Nacht noch deutlicher erkennen! Dann wird, sobald die Nacht hereinbricht, der Tiger kommen und dich holen und wird danach nicht wieder kommen. Er wird dann nicht so nett mit dir sprechen und spielerisch mit dir umgehen wie letzte Nacht.
Bist du verletzt worden, so wirst du dich daran erinnern, denn Gutes und Böses wird es immer auf dieser Welt geben, und niemand kann sich von diesen beiden Aspekten der Naturkräfte loslösen. Wenn es möglich wäre, dass das kamma der Macht irgendeines höheren Wesens oder Prinzips unterworfen würde, so würde eine solche Macht sicherlich die beiden Aspekte der Naturkräfte längst ausgelöscht haben, sodass nichts von ihnen verbliebe und sie uns jetzt nicht mehr behelligten. Tatsache ist aber, dass es gutes und böses kamma immer noch gibt, weil es nicht durch eine besondere Machtinstanz hervorgerufen wird, sondern von jedem einzelnen Individuum abhängt, das sein kamma selbst erwirkt.
In diesem Falle hast du gestern Nachmittag schlechtes kamma erwirkt und du musst dein schlechtes kamma selbst erkennen. Wenn du aber immer noch nicht bereit bist, deinen Fehler einzugestehen, dann ist ziemlich sicher, dass der gestreifte und gelbbraune Herr des kammas heute Nacht zu dir kommen und dich holen wird, damit du die Folgen deines kammas selbst ganz deutlich erkennst.“
Nachdem er ihn so ermahnt hatte, sagte der Acariya dem upasaka, dass er zu seinem Platz zurückgehen solle. Dieser wollte aber aus Angst davor, dass der Tiger sich versteckt hielt und auf ihn wartete, um ihn zu zerfleischen, nicht dorthin zurückgehen. So musste der Acariya ihn erneut zwingen und ihm Furcht einflößen. „Gerade eben hast du gesagt, dass du die Schlechtigkeit deines Starrsinns erkennst und eingestehst und dass du dich nie mehr so verhalten würdest. Aber kaum hast du dies ausgesprochen, da bist du schon wieder widerspenstig. Warum? Wenn dem so ist, kannst du weiterhin starrsinnig sein, wenn du wirklich gegen den Tiger bestehen kannst.“ Dann rief der Acariya erneut nach dem Tiger, damit dieser käme: „Tiger, der du der Lehrer dieses upasakas bist, wo bist du? Komme schnell und hole diesen widerborstigen upasaka und unterweise ihn ein wenig, bitte! Ich bin es leid, ihn zu lehren. Beeile dich! Komm schnell!“
Sobald der Acariya geendet hatte, begann der upasaka erneut zu weinen und versprach: „ich gehe jetzt sofort zurück, aber, bitte, lass den Tiger nie mehr zurückkommen. Ich habe schreckliche Angst vor ihm und letzte Nacht wäre ich beinahe daran gestorben.“ Dann eilte er zu seinem Platz zurück, ohne weiterhin an den Tiger oder den Tod zu denken.
Es war sehr eigenartig und wunderbar. Von jenem Tag an gab es keinerlei Anzeichen, dass dieser Tiger in dem Gebiet, in dem sie sich noch mehrere Monate lang aufhielten, umherstreifte. Normalerweise würde man annehmen, dass es etwas gegeben haben muss, das den Tiger beeinflusst hatte, zu erscheinen und den upasaka zu peinigen, der unverfroren, dumm und bösartig genug war, so fehlgeleitet und unangemessen zu handeln, wie aufzuspringen und überall auf das Feuerholz zu urinieren. Selbst ein normaler Mensch, der nicht interessiert ist, sich in moralischem Verhalten und im Dhamma zu üben, würde dies nicht tun.
Für eine Person wie den upasaka gibt es kaum etwas, das ihn kontrollieren könnte, ausgenommen ein großer Tiger, der ihm ebenbürtig ist und ihn bezwingen und unterweisen kann. Von jenem Tag an war der upasaka vollständig gebändigt und der Acariya erzählte, dass er keinerlei Widerspenstigkeit mehr zeigte. Die Begebenheit hatte auf den upasaka einen sehr wirksamen Einfluss, weil Tiger sehr wohl in der Lage sind, Menschen zu bändigen und zu unterweisen und ihnen Angst einzuflößen, die lange anhält.
An dieser Stelle möchte ich ein wenig abschweifen und eine persönliche Anmerkung einfügen. Denn ich hätte auch gerne einen Tiger, der in der Nähe des Wat93 Pa Baan Taad lebte und mir hülfe, einige meiner Verantwortungen zu tragen, wenn Bhikkhus, Samaneras94 , Theras95 , Nonnen und andere Menschen bei ihren Übungen träger werden und ihre Zeit mit Schlafen verbringen. Der Tiger wäre hilfreich, ihre Anstrengungen zu steigern, denn, wenn sie ihn auch nicht wirklich sähen, so würden doch ihre Anstrengungen durch sein Brüllen angespornt. Dies reichte möglicherweise aus, ihnen die Augen und Ohren zu öffnen und sie dazu zu veranlassen, aufzustehen und ihre Übungen zu machen, sodass sie nicht der Neigung frönten, zu lange zu schlafen.
Andererseits, wenn hier ein Tiger umherstreifte, würden viele Dorfhunde, die in der Gegend des Wats leben, verscheucht. Dies wäre ein Verlust, da auch sie „Acariyas“ sind und Menschen trainieren, die zu träge sind, Türen zu schließen und auf Lebensmittel zu achten und diese wegzuräumen. Ideal wäre, beide „Acariyas“, den Tiger und die Hunde, halten zu können, um sowohl die Anstrengungen als auch das Achten auf und das Wegräumen von Dingen zu fördern. Dieses Kloster wäre dann vollkommen, indem in ihm Menschen lebten, die fleißig ihren Meditationsübungen nachgingen und sich emsig um die Sachen kümmerten.
Wenn dem so wäre, dann wäre das sehr gut. Aber ich befürchte, dass die Bhikkhus, Samaneras, Theras, Nonnen und alle anderen Anhänger, die von überall her kommen, sich vorTigern fürchten und zu träge und nachlässig sind, sich um die Sachen zu kümmern, Ärger machen und wütend auf den Acariya werden würden und sich beschwerten: „Warum einen Tiger herbeiholen, der uns peinigt und uns lästig ist.“ Aber wirklich, es sollte etwas im Kloster geben, das hilft, die Menschen an ihre Pflichten zu erinnern, denn der Acariya allein kann nicht hinter jedem stehen.
Generell betrifft das den „Küchenbereich“, (der etwa eineinhalb Hektar große Teil des
93 Kloster, Pa ist Thai und heisst Wald, Baan Taad ist der Name des Ortes in der Nähe des Klosters 94 Novize 95 rangälterer Mönch
Wats, in dem sich die Frauen als Besucher aufhalten. Er ist abgetrennt durch eine eigene Einfriedung), wo sich die von auswärts kommenden Frauen und Anhängerinnen aufhalten. Dort wird man der Dorfhunde, die sich in großer Zahl in den Wat einschleichen und Lebensmittel stehlen, um sie fortzutragen und zu fressen, nicht Herr.
Wenngleich dies nicht sonderlich wichtig ist und auch nicht etwas, worüber man sich aufregen sollte, so ist es doch ein unerwünschter Zustand. Denn wann immer wir sagen, dass ein Teil einer Gesamtheit unzulänglich ist, bedeutet dies, dass die Gesamtheit ebenfalls mit Mängeln behaftet ist. Dies gilt besonders, wenn es auf Menschen zutrifft und wenn diese nicht einmal daran interessiert sind, die Mängel an sich selbst zu beheben. Dann wiegt es um so schwerer.
Ich hoffe der Leser vergibt mir diese Abschweifung. Da sie aber in Zusammenhang mit der vorangegangenen Erzählung steht, wurde sie hier eingefügt. Kehren wir nun zu der Geschichte über den Acariya und den upasaka zurück, die noch nicht zu Ende ist.
Nach dieser Begebenheit war der upasaka sehr wachsam, weil er sich ständig vor dem Tiger fürchtete, Tag und Nacht, denn er sah in seinem Geiste das Bild des großen Tigers recht lebhaft und dachte, dass er kommen und nach ihm suchen würde. Dies war immer so, wenn er ein-und ausatmete, bis es Abend wurde. Er konnte sich nicht entspannen und gelassen sein, weil er von dem Gedanken besessen war, dass der Tiger ihn anfallen und zerfleischen würde. Dies hatte aber auch sein Gutes, denn, wann immer er sich erinnerte und das Bild des Tigers sah, erinnerte er sich an „Buddho“ und sein Geist hatte keine Zeit abzuschweifen. In jener Nacht begann er seineMeditationsübung, sobald es dunkel zu werden begann. Teils dachte er während seiner Übung an „Buddho“, teils fürchtete er, dass der Tiger kommen würde. Zwischen diesen beiden Gedanken pendelte also sein Geist hin und her. Er konnte nicht schlafen und auch nicht seine Meditationsübung in der Weise durchführen, wie er es gewohnt war. Denn, wenn er seine Übung durchführte, erwartete er, den Tiger zu sehen. So fand er jene ganze Nacht bis zum Morgengrauen keinen Schlaf. Denn hätte er sich entspannt und geschlafen, was hätte er dann mit dem Tiger gemacht, wenn dieser gekommen wäre? Es wäre so, als ob er es herausgefordert hätte, auf den Tiger gewartet hätte, damit dieser ihn nach Belieben zerfleischte!
Sobald der Morgen anbrach, eilte er zu seinem Acariya, der ihn fragte: „Wie war es? Kam dein Lehrer, der Tiger, dich letzte Nacht wieder besuchen?“ Der upasaka antwortete, dass der Tiger nicht gekommen sei, worauf der Acariya ruhig und besänftigend zu ihm sprach: „Worin liegt der Nutzen, sich vor ihm zu fürchten? Fürchtetest du das Böse in Dir in der gleichen Weise wie du den Tiger fürchtest, so wärest du schon längst von dukkha befreit worden. Du musst dich beeilen, um dich des Bösen, das sich in deinem Geist angehäuft hat, zu entledigen, indem du es ständig minderst und letztlich vernichtest. Warum verlierst du dich in Gedanken um den Tiger? Er wird nicht kommen und nichts tun. Nimm mein Wort dafür, dass, so lange du nicht wieder etwas Böses tust, der Tiger nicht kommen wird. Du musst deine Meditationsübungen durchführen, um dich zu entspannen. Dann ist’s der Tiger auch zufrieden und ängstigt sich nicht um dich und er muss dich nicht oft besuchen und nach dir sehen, was ihn von seiner Nahrungssuche abhält. In der Tat, er kam lediglich, dir zu helfen, dich der Unterwelt zu entreißen, in die du wegen deiner bösen Taten gefallen wärest. Wenn du also keine weiteren bösen Handlungen begehst, dann wird der Tiger nicht mit der Absicht zu dir kommen, dich zu fressen. Achte gut auf dich, und wenn du es ernsthaft versuchst und fleißig an deinen Meditationsübungen arbeitest, dann wirst du den Tiger, der dich besuchte, nicht wieder sehen, bis wir diesen Ort verlassen.
Von jenem Tag an sah man den Tiger nicht mehr in der Gegend umherstreifen, wie der Acariya vorausgesagt hatte. Von Zeit zu Zeit hörte man jedoch das Brüllen der Tiger. Dies war aber normal, wie man es überall in den Wäldern üblicherweise hört, und nicht etwas, was zu Beunruhigung führte. Der upasaka arbeitete hart an seinen Meditationsübungen und entledigte sich all seiner Überheblichkeit, sodass er sich innerlich und äußerlich zu einem guten Menschen wandelte. Von jener Nacht an, in der der Tiger zu ihm kam, um ihn belehren zu helfen, wenn es auch nur für eine Nacht war, gab es nichts, was man dem upasaka hätte vorwerfen können. Dies war so sonderbar und ungewöhnlich, dass es bis heute nicht in Vergessenheit geraten ist. Was den Acariya betrifft, so hatte dieser niemals irgendwelche Ängste. Selbst als der upasaka kam und ihm über seine Begegnung mit dem Tiger berichtete, blieb er recht gelassen. Er sagte, dass der Tiger, der erschienen war, in der Tat eine Schöpfung der devas96 gewesen war.
Dieser Acariya war ein hochrangiger Anhänger des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann und liebte es, alleine tief in den Wäldern und hoch auf den Bergen zu leben und sich bezüglich seiner Ernährung auf seine Almosenrunde bei den einheimischen Bauern zu verlassen. Im Laufe der Zeit, die er mit dem upasaka zusammen unter einem Felsvorsprung verbrachte, war er in der Lage, weit bessere Fortschritte in der Entwicklung seines citta zu erzielen als andereswo. So blieb er dort mehrere Monate, bis er kurz vor Beginn der Regenzeit auf die thailändische Uferseite des Mekongs zurückkehrte.
Er erzählte, dass er den Tiger ziemlich deutlich hörte, als dieser den upasaka anknurrte. Er nahm aber keine Notiz davon, weil man immer Tiger hören konnte. Es war üblich und er war daran gewöhnt. Als aber der upasaka schluchzend und wehklagend zu ihm kam und über die Begebenheit berichtete, dachte der Acariya darüber nach und überlegte, was geschehen war. Es war auch ein deva zu ihm gekommen und hatte ihm darüber erzählt. So wusste er also, dass die deva den Tiger geschaffen hatten, um den upasaka zu disziplinieren und von seinem überheblichen Dünkel zu kurieren. Ansonsten hätte er sich an diesen gewöhnt und wäre immer von neuem widerspenstig gewesen, hätte mehr und mehr böse Handlungen vollbracht, sodass er bei seinem Tod in der Unterwelt versunken wäre. Es war daher notwendig, seinen Geisteszustand in solcher Weise zu kurieren, dass er es niemals wieder wagen würde, in dieser Art und Weise zu handeln.
Der Acariya erzählte: „Das, was der deva gesagt hatte, entsprach der Wahrheit, weil sich von jenem Tag an die Persönlichkeit und das Verhalten des upasaka vollständig veränderten und er ein anderer Mensch wurde. Zuvor war er ziemlich widerborstig und manchmal schien es, als wäre er etwas verrückt. Ich war aber niemals dagegen angegangen und ließ ihn seinen eigenen Weg gehen. Erst als der Tiger kam, ihn geradebog und seine Widerborstigkeit auf eine derbe und eindringliche Weise brach, erkannte ich recht deutlich, welche wirklich schlechten Eigenschaften dieser upasaka hatte und dass er ganz und gar nicht verrückt war. Wenn er wirklich etwas verrückt gewesen wäre, dann wären auch das Erscheinen und die Belehrung durch den Tiger wenig nützlich gewesen und die Verrücktheit wäre wieder sichtbar geworden. Bei diesem upasaka aber traten die bösen Eigenschaften seit jenem Tag nicht mehr in Erscheinung und er war stets guter und rechter Gesinnung.“
Dieser Acariya genießt hohes Ansehen im Dhamma und ihm gebührt Verehrung und Lobpreisung. Er verstarb jedoch vor fünf oder sechs Jahren. Als er kurz davor war, die fünf khandhas zu verlassen, sagte er, er wünsche nicht, dass irgend jemand dadurch gestört oder durch ihn beunruhigt würde, weil dies für die Betreffenden zu unnötiger Ablenkung und Sorge führen würde. Er wollte still und gemäß der Kammatthana-Tradition sterben, was bedeutet, dass sein Tod gänzlich im Einklang steht mit der Lebensweise eines Bhikkhus, der den Pfad geht, und nicht mit viel Getöse verkündet wird. Als er eingeäschert wurde, wusste keiner der hochgestellten Bhikkhus im Lande davon, denn es wäre nur ein lästiger Anlass zu großer Bestürzung gewesen. „Betroffenheit über Tote, die nutzlos geworden sind, weil ihre wertvollen Kräfte aufgebraucht sind, ist sehr wahrscheinlich von keinem großen Nutzen, vergleicht man sie mit der Sorge für die Lebenden!“ Er sprach dies ganz gelassen aus und niemand wagte, entgegen seinen Worten zu
96 Himmlisches Wesen
handeln. Für jene waren seine letzten Worte Anweisungen, die aus einem „aufrichtigen Herzen“ kamen, und sie fürchteten, dass es schlecht und boshaft wäre, entgegen seinen Anweisungen zu handeln.
Als er noch lebte, ging ich einmal für zwei Wochen zu ihm, um mit ihm weitab in den Bergen zu verweilen. Der Ort, an dem er sich aufhielt, war im Bergwald gelegen und er verließ sich auf die einheimischen Bauern, um während seiner pindapata seine Nahrung zu bekommen. Die reichte von einem auf den anderen Tag aus. Es wurde erzählt, dass er an jenem Ort viele Jahre (vassa) zubrachte. Als ich dort bei ihm war, maß ich die Zeit, die für die pindapata, hin und zurück, benötigt wurde. Von der Stelle, wo er sich aufhielt, bis zum Waldrand dauerte es nur 3 Stunden und zwanzig Minuten, bis zum Dorf ganze vier Stunden.
Sein Name war Ehrwürdiger Achahn Laa und er stammte aus Vientiane (Vieng Chan) in Laos. Von seiner Ordinierung bis zu seinem Tod lebte er die meiste Zeit auf der thailändischen Uferseite des Mekongs, weil die meisten seiner Freunde im Dhamma und die Acariyas, die diesen Weg praktizierten, in Thailand lebten.
In seinen Übungen des „Samana Dhamma“97 war er sehr mutig und entschlossen und liebte es, alleine zu leben und umherzuwandern. Höchstens hatte er einen upasaka bei sich. Er hatte die Gabe, viele sonderbare Dinge zu kennen, einschließlich jener himmlischen Wesen wie die devas, die ihn lobpriesen. Er erzählte, wo immer er auch hinging, würden sich diese Wesen nahezu immer auch hinbegeben und ihn die ganze Zeit beschützen. Er war von großer Bescheidenheit, war immer voll zufrieden und hielt sich ungern in Gesellschaft -selbst seiner Freunde oder anderer Bhikkhus auf. Er zog es immer vor, in den Wäldern oder Bergen bei den Einheimischen und den Wald-und Bergvölkern zu leben. Sein Dhamma war von sehr hoher Stufe und ihm gebühren Lob und Ehrerbietung. Bezüglich samadhi und panna hatte er große Fähigkeiten und Fertigkeiten, was aber die meisten Menschen, Bhikkhus und Samaneras eingeschlossen, nicht erkannten, weil er niemals viel Aufhebens davon machte. Nur jene, die eng mit ihm zusammen gelebt hatten, wussten darüber gut Bescheid.
Es war etwa im Jahre 2493 BE (buddhistischer Zeitrechnung, 1950 westlicher Zeitrechnung) als ich bei diesem Acariya eine Zeit lang verweilte und die Möglichkeit hatte, von ihm zu lernen und ihm Fragen zu stellen. Ich empfand sein Dhamma als tiefgründig, durchdringend und erschöpfend. Er konnte die „Bedingtheit aller Ursachen“ (paccayakara = paticcasamuppada), was avijja ist, klar und erschöpfend erklären. Es wäre schwer, jemanden zu finden, der es so gut erklären könnte, weil paccayakara98 ein sehr diffiziles und erschöpfendes dhamma ist und nur von jemandem in all seiner Tiefe richtig dargelegt werden kann, der sehr erfahren und bewandert in derÜbung der citta bhavana99 ist. Denn die paccayakara, oder avijja sind sehr subtile und tiefgründige kilesas und der Übende (oder Erklärende) muss mit ebenbürtiger weiser Einsicht (panna-vipassana) ausgestattet sein, damit er die Grundlage der paccayakara, die die wahre Eigenschaft von avijja ist, erkennen und auslöschen kann, was wiederum erforderlich ist, um sie richtig zu erklären. Dieser Acariya war einer von jenen, die in der Lage waren, die avijja-paccayakara100 tiefgründig zu erläutern. Es übersteigt jedoch die Fähigkeiten des Autors, diese hier darzulegen. So müssen wir leider zu anderen Dingen übergehen.
Als dieser Acariya zusammen mit dem Ehrwürdigen Lehrmeister Mann und dem Ehrwürdigen Ajahn Sao lebte, erlernte er die Praxis, nur einmal am Tag zu essen und in der Tradition der kammatthana in den Wäldern und Bergen umherzuwandern. Er tat dies immer, vonseiner Ordinierung bis zu seinem Tode, und ließ niemals weder in seinen Übungen zur Beachtung
97 Dhamma in Einsiedelei, Dhamma in Abgeschiedenheit 98 Bedingte Entstehung 99 Training des Geistes 100 Die Verblendung, Unkenntnis über die Bedingte Entstehung
der Lehre und der aus der Lehre entstehenden Pflichten noch in der Arbeit seines Geistes nach.
Dies war ein Acariya, der so unfehlbar entschieden in seinen Dhammaübungen war, dass es schwer ist, in der heutigen Zeit einen ihm ebenbürtigen Menschen zu finden. Er sollte als Beispiel für all diejenigen gesehen werden, die daran interessiert sind, sich im Dhamma zu üben. Hiermit endet die Erzählung über diesen Acariya.
Bevor wir über den oben genannten Acariya berichteten, legten wir die Übungspraktiken und Disziplinierungen des Geistes der Dhutanga Bhikkhus durch Furcht einflößende Dinge, wie beispielsweise Tiger, dar. Da dieses Thema noch nicht abgeschlossen war, kehren wir nun zu ihm zurück.
Kapitel 4
Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Einige Bhikkhus führen ihre Meditationsübungen am Rande eines tiefen Abgrunds im Sitzen durch, was an sich schon ausreicht, sie zu ängstigen, denn sie könnten ja in den Abgrund stürzen und umkommen. Aber diese Bhikkhus haben keine Angst davor und müssen dies als eine Methode ihres individuellen Trainings tun. Sollte ein solcher Bhikkhu seine Achtsamkeit verlieren und sich vergessen, dann akzeptiert er die Möglichkeit, dass er in die Schlucht fällt und stirbt. Er tut dies aber dennoch, weil er bei seiner sonst üblichen Meditationsübung sein citta nicht kontrollieren und zur Ruhe bringen kann. Denn das citta liebt es, sich auf Dinge hier und dort einzulassen und sich durch diese in Unruhe versetzen lassen. Dies verursacht ihm ständig eine Menge dukkha.
Mensch und Tier fürchten den Tod gleichermaßen und in einer prekären Situation wie beim Sitzen am Rande eines tiefen Abgrunds, muss das citta arbeiten und es bedarf keiner weiteren Zwänge, denn das citta fürchtet nichts mehr als den Tod. In solchen Momenten bekämpft das citta den Tod mit Entschiedenheit und erzeugt somit eine beständige Achtsamkeit, die es dem citta nicht erlaubt abzuschweifen. Der Mönch verfügt so jeden Augenblick über Achtsamkeit, die ihm hilft und ihn unterstützt. Wenn dann das citta gut durch Achtsamkeit beschützt wird, macht es sich nicht still davon und sucht nach anderen reizvollen Dingen, die die Emotionen anregen und die in der Vergangenheit stets seine Feinde gewesen sind. Dann dauert es auch nicht lange, bis das citta in Sammlung und Stille versinkt. Bhikkhus, die die eben beschriebene Methode angewendet haben, erzielten damit befriedigende Ergebnisse -in der gleichen Weise, wie mit den allgemein üblichen Methoden.
Methoden, in denen Zwangsmittel zur Erregung von Todesangst eingesetzt werden, sind äußerst wichtig und wertvoll. Darum führt die Arbeit, auf sein Leben zu achten, indem man ständig achtsam und sich seiner selbst bewusst ist, zu Ergebnissen, die Dhamma im Herzen entstehen lassen. Mit anderen Worten, man beginnt klar zu erkennen und braucht nicht sehr lange darauf zu warten, bis das unruhige, ungestüme citta ganz von allein ruhiger wird und sich dem samadhi zuwendet.
Einige Bhikkhus üben ihre Sitzmeditation in einer Höhle aus. Wenn sie dann das Brüllen eines Tigers hören, bemerken sie, dass sich das citta nicht im geringsten fürchtet, nicht nachgibt und auch nicht in samadhi eintaucht, so wie sie es sich wünschen. Daher müssen sie nach einer Vorgehensweise suchen, die das citta einschüchtert, wie beispielsweise sich vor die Höhle zu setzen. Kommt dann der Tiger, wird sich
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann das citta fürchten und schnell konzentrieren, sich beruhigen und nach einem sicheren, angstfreien Ort suchen, wo der Tiger es nicht erreichen kann. Es wird dann ruhig und taucht in samadhi ein.
Kammathana Bhikkhus, die in diesem Zustand der Angst Geistesstärke erzielt haben, führen ihre Übungen so lange fort, bis das citta in einen Zustand der Ruhe versunken ist. Im Allgemeinen fühlen sie sich dann ziemlich sicher, dass es für sie keinerlei Gefahren gibt, die ihnen Leid zufügen könnten. Aber, was auch immer daran wahr sein mag, sie sind nicht beunruhigt, weil sie es jetzt und für die Zukunft lediglich als eine wichtige Aufgabe erachten, Geistesstärke zu erlangen. Selbst wenn sie in diesem Moment stürben, so wären sie bereit, dies hinzunehmen und das Opfer zu erbringen, weil ihr Vertrauen in Dhamma größer ist als ihre Angst vor dem Tod.
Deshalb suchen jene, die sich wirklich um die grundlegende Bedeutung des Dhamma bemühen, ständig nach Orten und Methoden, um sich auf verschiedene Weisen zu üben -weil sie durch die unmittelbare Erfahrung an solchen Orten und durch solche Vorgehensweisen fortwährend Ergebnisse erzielt haben. Es ist, als machte man eine geringfügige Investition und erzielte einen großen Gewinn daraus, der einem viel Freude bereitet und zum beständigen Weitermachen anreizt, ohne faul zu werden oder sich zu langweilen. Gleichzeitig werden jedwede verbleibende Unsicherheit und jedweder Zweifel bezüglich solcher Trainingsmethoden, „ob sie denn nun zu Ergebnissen führen oder nicht“ unterbunden, denn in jeder Phase der Trainingsarbeit führen diese Übungen zu eindeutigen Ergebnissen, die klar zu Tage treten.
Man kann bei seiner Meditationsübung vor einer Höhle sitzen, in den Bergen umherwandern und auf Felsnasen praktizieren, in der Nacht nach Weise der kammatthana umherwandern, um auf einen Tiger zu treffen, sich für seine Übungen an einem Ort niedersetzen, an dem häufig Tiger umherstreifen, eine Gehmeditation (cankama) oder eine Sitzmeditation durchführen und sich in dem Gebrüll der Tiger um einen herum behaupten. Alle diese Übungen haben aber lediglich den Zweck, dem citta zu helfen, sich viel schneller als sonst üblich zu sammeln und in einen Zustand der Ruhe zu gelangen oder mittels der Kontemplation über die Eigenschaften wilder Tiere als Aspekte des Dhammas Weisheit zu entwickeln mit dem Ziel, sich von seinen „upadana101“ an Leben und Tod zu befreien und sich stetig des Sehnens und Verlangens nach allen möglichen Dingen, die dem citta entspringen, zu entledigen. Das ist der Weg! Aber keineswegs dient es der Selbstzerstörung!
Wer danach trachtet, sich von allen Formen des dukkha, hervorgerufen durch Geburt und Tod, zu befreien, der denkt und handelt im Allgemeinen so. Selbst der Erhabene Buddha, der Erste in den „Drei
101 Anhaftungen, Greifen
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Welten“, setzte sein Leben aufs Spiel, indem er neunundvierzig Tage lang fastete. Dies ähnelt den zuvor dargelegten Verfahrensweisen, denn es ist ein Weg, der Stärke und Entschiedenheit erfordert, um den inneren Feind zu besiegen. Als der Erhabene aber erkannte, dass dies der falsche Weg war, beendete er unverzüglich sein Fasten, änderte seine Vorgehensweise und fasste den unerschütterlichen Entschluss, sich niederzusetzen und die anapanasati kammatthana102 zu entwickeln, bis er das Dhamma103 erkannte, was sein ureigenes Ziel war. Darüber hinaus war er entschlossen, wenn er das Dhamma nicht auf eine ihn befriedigende Weise ergründen könnte, sein Leben hinzugeben, indem er, ohne von jenem Ort zu weichen, seine Meditationsübung so lange ausführen würde, bis er stürbe. Das zeigt, dass dies die letzte Handlung des Erhabenen gewesen wäre, hätte er das Dhamma nicht wirklich erkannt, als er an jener Stelle im Schatten des großen Bodhibaums in Meditation saß und anapanasati übte. Wenngleich er sich des eingeschlagenen Weges nicht sicher war, gab es für ihn dazu keine Alternative.
Denkt man an die besten und herausragendsten Beispiele der Welt, sei es der Erhabene und die Savakas bis hin zu den Acariyas oder jenen normalen Sterblichen überall, die Dhamma praktizieren, so tun sie beachtenswerte Dinge, welcher Art auch immer, die einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen und sich stark von den üblichen Handlungsweisen gewöhnlicher Menschen unterscheiden.
Daher trachten Kammatthana Bhikkhus danach, sich auf verschiedene Weisen zu trainieren, jeder Einzelne so, wie es seiner Natur und seinen Fähigkeiten entspricht. Sie tun dies nicht des Reizes wegen und auch nicht, weil sie sich einbilden, über besseres Geschick, über mehr Mut oder größere Fähigkeiten als ihre Lehrer oder irgendwelche anderen Menschen zu verfügen, sondern sie nutzen diese Methoden in der wahren Absicht, die wesentliche Bedeutung des Dhamma zu erkennen, das sie zur Freiheit von dukkha führen soll. Daher arbeiten und kämpfen sie entsprechend ihren Kräften und Fähigkeiten, die jedoch nicht einmal dem Staub von den Füßen des Erhabenen ebenbürtig sind, als dieser seine Anstrengungen durch die Bereitschaft, sein Leben zu opfern, auf die Spitze trieb. Wenn man sich das richtig überlegt, wie könnten sie dann glauben, dass ihre Anstrengungen denen des Erhabenen überlegen seien, und wie könnten sie ihr Training durchführen, um der Welt gegenüber protzen zu können, wenn ihre Anstrengungen noch nicht einmal des Staubes von den Füßen des Erhabenen Buddha würdig sind?
Bedenken wir die Art und Weise der Praxis des Erhabenen und wie er Dinge vollbrachte und vergleichen dies mit uns selbst, die wir ständig auf die Nase fallen, immer wieder Fehlschläge erleiden, nur geringe Anstrengungen unternehmen, weil wir uns fürchten, dass wir in unserem Handeln über die Praxis des Erhabenen hinausgehen könnten, so ist dies beschämend und eine erbärmliche Einstellung.
102 Praxis der Aufmerksamkeit auf das Ein-und Ausatmen an der Nasenspitze.
Ich bin auch sehr gut darin, mich auf diese Weise zu fürchten, wogegen ich in anderen Dingen, die schlecht sind, nicht klug bin und mich nicht fürchte. Das ist die Verhaltensweise der gewöhnlichen Menschen, die sich kopfüber in Dinge stürzen, vor denen uns die Weisen warnen, Dinge, in die wir uns nicht hineinstürzen sollten. Dinge aber, die zu tun sie uns raten und die wir zuallererst anpacken sollten, meiden wir und fürchten uns, sie in Angriff zu nehmen. Denke ich darüber nach, so ärgere ich mich über mich selbst, weil ich so gerissen bin, mich den falschen Dingen zuzuwenden. Die Leser sollten nun nicht glauben, dass ich ein gutes Beispiel bin. Sonst werden viele von ihnen zu Menschen, die sich ebenfalls für die falschen Dinge entscheiden.
Jene Dhutanga Bhikkhus, die nach den verschiedenen zuvor beschriebenen Methoden des Selbsttrainings suchten, führten diese durch, sobald sie ihre ersten Unterweisungen durch den Ehrwürdigen Lehrmeister Mann erhalten hatten, als dieser noch jung war, und folgen seiner Lehrpraxis bis zum heutigen Tag. Sie ließen nicht nach und gaben nicht auf, weil sie es als Erbe betrachteten, das er ihnen mit „metta“104 überlassen hatte, denn seine Lehre kam von Herzen. Deshalb versuchte jeder von ihnen, sich in Ehrerbietung und voller Vertrauen an diese zu halten, denn: „Dies ist die Übungspraxis, der er sich selbst unterwarf und durch die er Ergebnisse erzielte, die zur Zuflucht seines Geistes wurden. Es ist auch die beste Übungspraxis, die er aus seiner eigenen Erfahrung heraus gewählt hatte, die entschieden, durchschlagskräftig und voller Lebenskraft war. Er hatte sie ausgewählt, um sie denen darzulegen, die entschlossen in Dhamma sind und sie als eine Methode des beständigen Lehrens, Trainings und der Disziplinierung für sich selbst in der Zukunft sehen.
„Es heißt, dass sich der Ehrwürdige Lehrmeister Mann in seinen jungen Jahren mit großer Entschiedenheit übte und dass seine Unterweisungen sehr energisch und von großer Durchschlagskraft waren und er auch die Gabe hatte, das citta anderer Leute zu lesen (paracittavijja -übersinnliche Kräfte). Selbst als er fast zweiundsiebzig Jahre alt war, zur Zeit, als ich anfing, unter seiner Anleitung zu praktizieren, waren seine Unterweisungen noch voller Schwung. Als ich zum ersten Mal den Ehrwürdigen Lehrmeister aufsuchte, konnte ich in der Tat vor lauter Angst kaum aufmerksam zuhören. Gleichzeitig aber waren meine Ehrerbietung ihm gegenüber und mein Vertrauen zu ihm groß und ich musste mich den Wahrheiten beugen, die er mir in allem, was er darlegte, offenbarte, weil sie nicht weggeleugnet werden konnten. Wenn der Ehrwürdige Lehrmeister eine Dhamma-Lehrrede über die Methode der Anwendung von Selbstdisziplinierung zur Übung des Geistes hielt, war dies noch erschreckender, sowohl wegen seiner kräftigen Stimme und seiner Rhetorik als auch wegen der Art, wie er mit dem Finger deutete, während er
103 Die Wahrheit, die letztendliche Wirklichkeit. Die Lehre des Erhabenen Buddha
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann sprach: „Da drüben sind die Wälder! Da drüben sind die Berge! Das sind die wahren Orte für ein citta, das sich windet und wendet und schwer zu zähmen ist! Steckt eure Nasen nicht in Dinge oder in Freundschaften oder sonstiges in diesem Kloster oder anderswo. Jemand, der den Weg geht, muss seinen eigenen Charakter kennen und er muss die Verfahren kennen, mit denen er sich selbst trainieren kann. Wenn er seinen eigenen Charakter nicht kennt, wird er, selbst wenn er an seiner eigenen Übungspraxis arbeitet bis er stirbt, dennoch nicht die Ergebnisse erzielen, die er erreichen sollte. Wenn sein Geist widerborstig ist, muss er in seinen Anstrengungen entschieden sein und mit harter Hand Disziplin üben. Wer Angst vor Tigern hat, muss sich bei ihnen in den Wäldern und Bergen aufhalten. Wer Angst vor Geistern hat, muss auf dem Friedhof leben und mit den verschiedenen Geistern der Toten dort ausharren, bis sein Geist mit den Geistern dort eins wird! Dann kann man sagen, dass sich das citta der Disziplin unterworfen hat.
Wer sich im Wald aufhält und noch nicht furchtlos ist, wenn er Tigern begegnet, darf nicht nachgeben und den Wald verlassen. Wer sich vor Geistern fürchtet und seine Angst immer noch nicht verloren hat, darf den Friedhof nicht verlassen. Man muss Wälder und Berge als Orte des Todes für jene sehen, die Angst vor Tigern haben, und den Friedhof als einen Ort des Todes für jene, die sich vor Geistern fürchten. Aber bevor jemand seine Angst überwunden hat, darf er, wovor auch immer er sich fürchten mag, diesen Ort nicht verlassen. Sonst könnte die Angst ihn auslachen und zum Narren halten. Dies aber würde ihn für den Rest seines Lebens derart beschämen, daß er es auf keine Weise wieder gutmachen könnte.“
„Wenn man sich selbst und die Sasana aufrichtig respektiert, dann darf man nicht zulassen, dass alle möglichen Ängste entstehen, dann darf man sie nicht schlummern lassen, damit sie ihren Dreck über den Geist ausbreiten. Man muss sie am Kragen packen, niederwerfen, zertreten und auslöschen, indem man mit schier unerschöpflicher und geduldiger Ausdauer an sich arbeitet.“
„Wer Angst vor dem Tod hat, wird im Verlaufe seiner verschiedenen künftigen Leben vom Tod heimgesucht werden, ohne ein Ende zu sehen. Wer sich vor Tigern fürchtet, dem werden immer Tiger erscheinen, die kommen, um ihn zu täuschen und zu ängstigen. Ähnlich ist es mit jemandem, der sich vor Geistern fürchtet, denn er wird sich, wo immer er hingeht, Geister verschiedener Art einbilden, die kommen um ihn zu täuschen, bis er nicht mehr in Frieden leben, essen, sich niederlegen oder schlafen kann. Selbst wenn er zufällig ein Blatt von einem Baum herunterfallen sieht, werden ihn seine Gedanken täuschen und ihn glauben machen, dass ein Geist gekommen sei, um ihn heimzusuchen, und dies geschieht dann auch. Man ist unaufrichtig und die eigene Furchtsamkeit und Angst richten einen zu Grunde. Wohin man auch geht, wo immer man sich aufhält, man kann nicht anders als furchtsam und misstrauisch sein, aufgrund der
104 Liebende Güte
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann Angst, die sich das citta ausdenkt und einbildet, um sich dadurch selbst zu täuschen. Man kann dann überhaupt nichts Echtes und Wahres finden.“
„Wie ängstlich der Geist auch sein mag, ein Mensch muss lernen, die Angst zu überwinden, indem er die Methoden der Selbstprüfung und Selbstdisziplinierung anwendet, bis er die wahre Ursache der Angst erkannt hat. Hat man Angst vor Tigern, so muss man lernen, die Angst durch Erfahrung zu erkennen, und zwar mit Hilfe von Achtsamkeit und Weisheit, die durch geduldige Ausdauer unterstützt werden, so lange bis eine kühne Furchtlosigkeit entsteht und man aufspringen und nach dem Tiger suchen kann, während der Tiger nicht kühn genug ist, um etwas dagegen tun zu können!“
„Wenn man Angst vor Geistern hat, so muss man lernen, seine eigene Angst vor Geistern und, was die Geister wirklich sind, zu erkennen. In Wahrheit sind Geister nichts anderes als das eigene Herz, das einen mit seinen Gedanken heimsucht, die einem Angst einjagen. Geister verkehren mit Geistern, Menschen mit Menschen, und sie kommen sich nicht ins Gehege. Untersucht man dies gründlich, so sollte man in Frieden leben können. Man darf nicht rastlos sein Herz in Aufregung versetzen -denn glaubt ihr etwa, dies wäre Glück? Warum also wissen jene, die sich auf diese Wiese üben, nicht, dass ihr citta sie täuscht? Und wenn sie es nicht wissen, wie können sie dann die wahre Bedeutung des Dhamma erkennen?“
„Ich übe mich in dieser Weise schon seit langer Zeit, vierzig, fünfzig oder mehr Jahre lang. Angst ich habe Angst gehabt; Tapferkeit -ich bin tapfer gewesen; Liebe -ich habe geliebt; Hass -ich habe gehasst; Verabscheuung -ich habe verabscheut; Ärger -ich habe mich geärgert -all dies, weil ich eben ein Herz habe und kein toter Mensch oder toter Mönch bin. Aber ich habe mich bis an die Grenzen meiner Fähigkeiten beständig und unnachgiebig trainiert. Jene Dinge, die gewöhnlich das Sagen hatten und übermächtig waren, zerbrachen unter der Kraft der Arbeit und des Fleißes eines Menschen, der keine Angst hat zu sterben. Nichts kann sich unbemerkt in meinen Geist einschleichen und dort heimlich und unbemerkt verbergen. Wo immer ich bin, ich lebe gelassen und ohne Sorgen. Nun stellt sich mir nichts mehr in den Weg, wie es dies zu tun pflegte, um die Torheiten der Angst, der Tapferkeit, der Liebe, des Hasses, der Verabscheuung und des Ärgers zum Entstehen zu bringen, die alle das riesige Feuer der kilesas zur Folge haben, das den Geist verbrennt.“
„Was sonst könnte diese Ergebnisse herbeiführen, die die wahren Ergebnisse des Dhamma sind, als das Training und die Disziplinierung des Geistes, die diesen der Vernunft unterwerfen. Alle, die ihr zur Unterweisung hierher gekommen seid, mit der Absicht, die kilesas jeglicher Art zu vernichten, wie anders wolltet ihr es tun, als dass ihr euch trainiert und selbst diszipliniert – durch die bereits dargelegte Arbeit und Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann Anstrengung. Um allen kilesas, wie zum Beispiel der Angst, ein Ende zu bereiten, gibt es nur diesen einen Weg des Trainings und der Disziplinierung des Geistes, der gegenwärtig ausgelassen umhertobt und überheblich gefühlsmäßig erregenden Dingen (arammana) hinterherjagt, die er sich ausdenkt und sich vorstellt, um euch selbst zu täuschen. Der Erhabene und alle Savakas konnten sich nur dadurch von allem dukkha befreien, dass sie diesen einen Weg des Trainings und der Disziplinierung des Geistes gingen und es gibt keinen anderen Ausweg!“
„Wenn ihr glaubt, dass euch Angst, Trägheit und Zaghaftigkeit den Weg bereiten, um euch von dukkha zu befreien, so braucht ihr das nicht zu erwarten, denn nach einer Weile würdet ihr sterben, vergeudet und verwesend, ein Schandfleck für die Lehre und dazu ein schlechter Geruch. Gebt euch nicht lange irgendwelchen Zweifeln hin, denn dies ist Zeitverschwendung. Das Dhamma des Erhabenen ist kein Dhamma, das euch hätschelt, sanft und zärtlich behandelt und euch hintergeht. Wenn man jedoch der Lehre, die der Erhabene uns hinterlassen hat, vertraut und diese hingebungsvoll so praktiziert, dass man bereit ist, sein Leben für sie zu opfern, ohne dabei die geringste Furcht zu haben, dass das Dhamma einem zu Schaden und Elend gereicht, und wenn man anstrebt, sich von jenen Dingen zu befreien, die die eigenen Feinde und Hemmnisse des Geistes sind, wie beispielsweise Angst, so gelangt man bald an das „Ufer des Glücks“. Es gibt keinen anderen Weg, sich von dukkha zu befreien, als sich in diesem Dhamma zu trainieren und zu disziplinieren!“
„Was soll man also von solchen Orten halten, an denen furchtsame Bhikkhus verweilen, und über die sie klagen, dass sie Furcht erregend seien, obwohl die einheimischen Dorfbewohner sie für ganz gewöhnliche Orte halten und sich nicht vor ihnen fürchten? Andererseits gibt es Orte, an denen ich verweilte, vor denen sich die Einheimischen fürchteten und zu denen sie mich nicht gehen lassen wollten, weil sie Angst hatten, dass Tiger kommen und mich zerfleischen könnten. Aber mich beunruhigten weder die Tiger noch die Aussagen der Dorfbewohner, dass die Tiger sehr wild seien. Meine Unbekümmertheit war keine Angeberei, dass ich mich nicht vor Tigern fürchtete, die in den Augen der Welt Furcht erregende Tiere sind. Ich fürchtete mich auch vor ihnen, aber nicht in der unterwürfigen und ergebenen Weise, wie sich ängstliche Bhikkhus vor ihnen fürchten. Im Gegenteil, meine Angst war die eines Kriegers, der dachte: ,Hier lauert die Gefahr überall und gerade deshalb ist dieser Ort wichtig für meine Entwicklung. Ob ich leben oder sterben werde, ich füge mich meinem kamma, was der Natur entspricht. Wenn ein Tiger kein Fleisch zu fressen hat oder glaubt, dass das Fleisch eines Bhikkhus süßer sei oder besser schmecke als das, was er normalerweise frisst, und er mich fressen will, so gebe ich mich drein. Aber ich muss mich an Dhamma halten -mit anderen Worten, an die Tapferkeit und die Selbstaufgabe für Dhamma -die ganze Zeit und bis zu meinem letzten Atemzug, ohne Dhamma aufzugeben. Dies ist dem Stand eines Kammatthana Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann Bhikkhu angemessen, der in aufrichtigem Glauben an kamma und punna nach Dhamma sucht und die Ehre der Sasana hochhält.’ Nachdem ich diesen Entschluss gefasst und alles dem Dhamma überlassen hatte, wandte ich mich der Arbeit des Geistes zu, unerschütterlich und ohne aufzugeben. Je öfter ich die Tiger in nächster Nähe miteinander brüllen hörte, desto mehr wandte ich mich dem Dhamma zu und trat in engen Bezug zu ihm, stieg so tief hinein, als ob das Dhamma und mein Herz miteinander eins wären. Je länger ich den Kampf zwischen den Tigern und Dhamma, dem von mir angestreben Ziel, focht, desto mehr sah ich das Wunder des Geistes und Dhamma entstehen. Dies verdrängte jeden Gedanken an Tiger, die kommen und mich zerfleischen würden, der nur große Zeitverschwendung gewesen wäre. Aber ein ängstlicher Mensch ist wie ein kleines Kind, das wenig gelernt hat und nach dem Feuer greift, um damit zu spielen, sodass es sich verbrennt. Wenn ein ängstlicher Mensch keinen Ausweg findet, lässt er Gedanken an Tiger oder Geister und dann Angst entstehen, um so sein eigenes Herz zu verbrennen, ohne zu wissen, wie er die Situation bereinigen kann -gleich einem Kind, das mit dem Feuer spielt.“
„Manchmal trifft das Training im Inneren und im Äußeren auf ein Hindernis nach dem anderen. Wenn dann der Geist nicht wirklich gefestigt und mutig ist, erleidet man notwendigerweise Schiffbruch. Mit anderen Worten, der Geist ist durch seine eigenen Probleme beunruhigt und besessen, die, solange sie nicht gelöst sind, dukkha anhäufen, bis sie eines nach dem anderen gelöst sind und im Geiste Leichtigkeit und Zufriedenheit sporadisch einkehren. Gleichzeitig entstehen im Körper Krankheit und Schmerzen, denn der Körper ist ein Anliegen des Geistes, der dafür verantwortlich ist, diesen zu beschützen und wiederherzustellen. Der Geist muss auf den Körper achten und entscheiden, was erforderlich ist, und sich entsprechend den Gegebenheiten um ihn kümmern. In manchen Gegenden herrscht ein sehr drückendes Klima, was das Atmen erschwert. Dies hat gezwungenermaßen Auswirkungen auf Körper und Geist. Aber damit muss man sich abfinden und so lange dort bleiben, bis man sich nach einem geeigneteren Ort umschauen kann, und muss die Unannehmlichkeiten dieser Gegend möglicherweise mehrere Tage ertragen.
Zu jener Zeit, als der Ehrwürdige Achahn Sao und ich erstmals weit in den Norden gingen, um uns zu trainieren, wussten die Menschen dort nichts von kammatthana. Die nackte Armut und der Mangel an allem stürzte auf uns beide „Krieger“ herein. Damals zeigten die Bergvölker nicht, wie heute, Interesse dafür, wie ein Bhikkhu lebte, schlief und aß und welche Dinge er zum Leben benötigte. Ihr dürft nicht glauben, dass ich mit Leichtigkeit und im Überfluss zu dem Acariya wurde, den ihr jetzt vor euch habt, und der ständig Ergebnisse anhäufte. Wir mussten in der Tat ringen und kämpfen und unser Training war dermaßen leid-und entbehrungsvoll, dass wir beinahe unser Leben gelassen hätten.“
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
„Essen! Wir hatten nur den nackten Reis zu essen, versteht ihr! Das war viel öfter der Fall, als dass wir Chili und Fisch hatten, was die Bergvölker normalerweise aßen. Den Dorfbewohnern mangelte es nicht an ihrer üblichen Nahrung, aber sie verstanden nicht, was und wie ein Kammatthana Bhikkhu aß. Höchstens legten sie eine oder zwei Bananen in die Schale, wie es üblich war. Manchmal legten sie Päckchen Chili und Salz bei. Hin und wieder gaben sie uns etwas Chili, der zusammen mit gesalzenem rohen Fisch zerstoßen war. Das fanden wir aber erst heraus, wenn wir an unseren Platz zurückgekommen waren und das Päckchen geöffnet hatten. Wir mussten das beiseite legen, weil wir es nicht essen durften, da keine Laien bei uns waren, die es für uns hätten kochen können105 .“
So war in jener Zeit allgemein die Situation für Kammatthana Bhikkhus, wohin auch immer sie gingen. Nur wenn wir längere Zeit an einem Ort gelebt hatten und wir die Lebensweisen der Einheimischen und sie die unseren zu erkennen begannen, kamen sie auch und stellten Fragen, sodass wir uns gegenseitig besser verstanden. Danach verließen wir den Ort und wanderten zu anderen, die uns für unser Training geeignet zu sein schienen. Dort fing das Ganze wieder von vorne an.“
„Als Ruhe-und Schlafplätze mussten wir notgedrungen nehmen, was vorhanden war, wie wir das zuvor an den verschiedenen anderen Orten auch hatten tun müssen. Während der trockenen Jahreszeit war dies angenehmer und bequemer, weil wir trockenes Gras oder Laub fanden, auf dem wir uns hinlegen und schlafen konnten, ausreichend, um einen weichen Platz zu haben, auf dem wir unser Haupt niederlegen und von Zeit zu Zeit schlafen konnten.“
„In einigen Dörfern gab es verständnisvollere Menschen, die, sobald sie sahen, dass Bhikkhus gekommen waren und in der Nähe des Dorfes verweilten, zu ihnen hinauskamen und fragten, ob alles in Ordnung sei, was ihre Absichten wären, ob sie bleiben oder weiterziehen und wie lange sie bleiben wollten. Wir erzählten ihnen dann etwas darüber, was wir taten, damit sie einen gewissen Einblick bekamen. Dann taten sie sich zusammen und bauten eine Unterkunft, wo wir uns aufhalten konnten, ausreichend, um uns vor Sonne und Wind zu schützen, und eine roh gezimmerte Plattform, auf der wir gelegentlich ruhen und schlafen konnten. Sie schlugen auch einen Pfad für cankama, gerade ausreichend, dass wir diese Übung bequem durchführen konnten.“
„Wohin auch immer wir gingen, wenn wir dort lange genug blieben, kamen im Allgemeinen die Dorfbewohner, wenn sie Vertrauen zu uns gefasst hatten, und bauten Unterkünfte und andere Dinge für uns. Wurde es für uns Zeit zu gehen, so wollten sie uns nicht gehen lassen und klagten, dass sie uns sehr
105 Weil es einem Bhikkhu nach den Vinaya (Mönchsregeln) nicht erlaubt ist, rohes Fleisch und rohen Fisch zu essen
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
vermissen würden. Wir aber mussten immer das tun, was wir für erforderlich hielten. So nahmen wir auch die Übung des ständigen Umherwanderns wieder auf, weil es nicht sehr nützlich gewesen wäre, ständig an einem Ort zu bleiben, und weil sonst unsere Arbeit sich nicht so entwickelt hätte, wie wir es gerne gehabt hätten. An einem Ort eine Zeit lang zu verweilen und dann weiterzuziehen, ist eine Methode, sich wachzurütteln und sich ständig zur Achtsamkeit zu zwingen. Ich persönlich empfand dies als sehr hilfreich für meinen Charakter und meine Arbeit entwickelte sich gut.“
„Das Umherwandern an verschiedenen Orten in der Weise der dhutanga, ohne festes Ziel und Wegweiser, die den Weg oder die Zeit bestimmen und einen binden würden, ist für mich persönlich ein Weg, der nicht belastet und den Geist vollständig befreit. Was andere betrifft, so kann ich dazu nichts sagen, aber wenn es dem Zweck dient, nicht vollgestopft, unordentlich und schlampig zu werden, so läuft es auf das Gleiche hinaus. Ständig auf Wanderschaft sein, dann an Orten verweilen, wo es auch sein mag, die man als geeignet für das Training erachtet, ohne Bedenken und Sorgen. Nur für sich selbst verantwortlich; mit dem eigenen Körper, dem Leben, dem Atem und dem Training, ebenfalls als Teile von einem selbst. Sogar der magga, phala und Nibbana, das einem in Reichweite sein sollte, hängen von den von einem selbst durchgeführten Übungen ab, die bewirken, dass sie entstehen.. Umherzuwandern und hier und da zu leben, sich in Dhamma in der bereits erwähnten Weise zu üben, liegt also an einem selbst. Das zu suchen, was für denjenigen geeignet ist, der darauf aus ist, das Dhamma in sich zu verwirklichen, wozu er in der Lage sein sollte und was er mit jedem Atemzug anstrebt.“
„Wenn man davon überzeugt ist, dass die Gestaltung angemessener Umstände von einem selbst abhängt, dann muss man auch zu einem geeigneten Ort gehen und das Training oder die Arbeit und Disziplin angehen, die einem angemessen sind. Selbst dann, wenn man nicht will, muss man dort hingehen; wenn man dort nicht bleiben möchte, muss man bleiben; wenn man das Training nicht durchführen will, weil es schwierig ist, muss man es trotzdem tun; und wenn man asketische Disziplinen nicht befolgen möchte, wie man sollte, so muss man sie dennoch einhalten. Auch wenn man sich nicht mit der Armut und dem Mangel an allem, einschließlich der vier Bedarfsgegenstände, abfinden will, so muss man sich dennoch damit abfinden, weil man ein guter Mensch sein, Dhamma erkennen und sehen und Freiheit von dukkha erlangen möchte. Wenn man aber den kilesas die Oberhand lässt, ihnen die Führung überlässt, dann bleibt alles, wie es schon immer war.“
„Vor einer Weile sprachen wir über Angst -wie beispielsweise, dass man aus Angst vor Tigern nicht in einsamen Gegenden bleiben will. Das ist die Verhaltensweise der kilesas, die einen immer zurückhalten und einen nicht dorthin gehen lassen wollen, wohin man gehen sollte, wo man sich in der traditionellen Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann Weise der Ariyas106 üben kann, die den Weg aufgezeigt und die kilesas vernichtet haben. Aber die kilesas möchten einen dazu verführen, dorthin zu gehen und dort zu bleiben, wo viele Menschen sind und ständig verwirrende Unruhe herrscht, Lokalitäten, wo sich Menschen amüsieren und Spaß haben, wie Konzertsäle, Theater und andere Orte, wo gesungen und Musik gespielt wird und wo es Unterhaltung aller Art gibt. So führen einen die kilesas hinters Licht! Sie können die Herzen der Menschen erhaschen und so leicht vom Pfad der Tugend und des Dhamma wegziehen und sie können den Geist eines Kammatthana Bhikkhus einfangen und ihn aus dem Wald locken, wo er seine Übungen macht. Oder sie bringen ihn möglicherweise dazu, aus Angst vor Tigern, Geistern oder anderen Dingen nicht in den Wald zu gehen, und locken ihn zurück in die Falle -in das Umfeld der Vergnügungssäle, so wie es ihnen gefällt, wo sie ihn dann vollends fertig machen.“
„Es sollte uns ganz klar sein, dass die kilesas, wenn wir ihnen die Führung überlassen, im Ergebnis unserem Geist ihren Stempel aufdrücken, so wie ich es gerade beschrieben habe. Ich persönlich habe daher versucht, ihnen immer zu widerstehen und ihnen niemals nachzugeben, sondern jenen kilesas Widerstand zu leisten, die immer auf der Lauer liegen, und, wann immer sie Gelegenheit dazu haben, unser Herz fesseln. Deshalb ging ich dorthin, wohin normale Menschen und die kilesas nicht gehen wollen. Ich tat Dinge, die weder die normalen Menschen noch die kilesas tun wollen. Ich trainierte und disziplinierte meinen Geist den Geist, der von der Welt, welche die kilesas schätzt, geliebt wird, und nicht möchte, dass er dauernd trainiert und diszipliniert wird, indem er nach der Weise der kammatthana ständig von einem Ort zum anderen wandert. Umherwandern in Übereinstimmung mit der Gabe zu erkennen, was für das Dhamma richtig ist, damit es den Geist zu Ruhe und Frieden führt, und auch, um in einem selbst ausreichende Klugheit und Weisheit zu entwickeln, damit man die wahre Grundstruktur der Hauptarmee und der Hilfstruppen der kilesas erkennt und immer genau weiß, wo diese sich aufhalten. Darüber hinaus gilt es, in dieser Weise weiterzumachen, bis Achtsamkeit und Weisheit stark genug geworden sind, um es mit den kilesas aufnehmen zu können, sie zu sortieren und auseinander zu dividieren, sodass die mächtigen bleiben und die schwachen zu Grunde gehen. wobei Quartier weder gesucht noch gegeben wird. Das Wesentliche, was bei dieser Aufgabe geholfen hat, waren das Umherwandern und die bereits beschriebenen Orte, an denen sie erfüllt wurde. Diese sind von einer entscheidenden Bedeutung, die niemals unterschätzt werden darf.“
„Ich achte und preise immer jene hoch, die sich auf die zuvor beschriebene Weise trainieren, weil dies der direkte Weg zum „magga phala und Nibbana“ ist, wie er es immer war und immer sein wird. Jene aber, die, sobald sie in den Wald gehen, nur an Tiger denken können, die kommen, um sie zu zerfleischen,
106 Edle, Noble Wesen
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
machen mich müde und traurig und verleiden es mir, sie zu unterweisen. Ich mag sie nicht unterweisen, weil es Zeit-und Energieverschwendung ist und weil es besser ist, meine Zeit und Energie aufzusparen für jene, die wirklich interessiert, ernsthaft und entschlossen sind. Dann kann Dhamma der Welt nützen, was dem so wertvollen, der Natur entsprechenden Aspekt des Dhamma angemessen ist .“
„Wenn ich jemanden zur Unterweisung zu mir kommen sehe, dessen Persönlichkeit schwach und schlaff ist, so als ob sein Knochengerüst, obwohl er körperlich kräftig und fit ist, jeden Moment aus ihm herausfallen würde, dann empfinde ich Mitleid, so als sähe ich einen Kranken, der sich in einem kritischen Zustand befindet und jenseits aller Hoffnung ist, durch eine Medizin kuriert werden zu können. Dann zerfließt all das Dhamma in mir, das ich seit langer Zeit dazu nutzte, um Menschen zu lehren -in der Tat, seit der Zeit, als ich zu lehren begann -und versteckt sich und ich weiß nicht, wo es hin ist. Übrig bleibt nur die nackte Erkenntnis, von der man keinen Gebrauch machen kann. Ich glaube, dass das Dhamma sich vielleicht vor dem Einfluss solch umfassender Schwäche und Schlaffheit, die größer sind, als es ertragen kann, fürchtet.. So läuft es einfach weg und versteckt sich. Dann bleibt mir nichts, was ich hervorbringen und einem solchen Menschen zeigen kann. Ich kann dann einfach nur sitzen, unfähig zu denken, meinen Geist betrachten und bin nicht fähig, etwas zu sagen. Weshalb passiert so etwas? Vergleicht man es mit einem Arzt, so ist es, als wäre dieser am Ende seiner Mittel angelangt, ein so schweres Fieber zu behandeln. Bei einem Menschen wie diesem stoße ich möglicherweise ebenfalls an die Grenzen meiner Mittel, diese Krankheit der Schwäche und Schlaffheit zu kurieren, die sich jedem möglichen Versuch entziehen, ihn durch Zwang zu einer Heilung anzutreiben. Daher verschwindet mein Dhamma in einem Versteck und ich habe nichts, was ich ihm sagen könnte.“
„Alle, die ihr hierher gekommen seid, um euch zu trainieren, habt ihr jemals daran gedacht, dass die Krankheit der Furcht vor Tigern und Geistern auch die Art Krankheit ist, die Dhamma fürchtet? Dhamma wagt nicht, sich dieser Krankheit anzunehmen. Wenn ihr also Dhamma den Raum geben wollt, in dem es bei euch bleiben kann, anstatt wegzulaufen und sich zu verstecken, dann solltet ihr eure Einstellung vollständig ändern. Diese Änderung erfordert nicht sehr viel, denn es reicht aus, einfach nur eure eigenen Stärken und Schwächen in euch selbst, die ihr jetzt so furchtsam seid, zu erkennen. Dies könnt ihr dadurch erreichen, dass ihr darüber nachdenkt, wie der Erhabene, die Savakas und alle Acariyas echte Krieger waren. So muss ich zumindest das bekämpfen, vor dem ich mich gegenwärtig fürchte. Sollte ich jedoch glauben, dass diese Angst heilig ist, sodass ich, wenn ich sie bekämpfe, sie schlecht behandle und aus meinem Geist austreibe, sterben würde, dann müsste ich überlegen, weshalb keiner von denen, die sich trainiert haben und die Angst -so wie diese Angst, die sich in diesem Moment in meinem Herzen befindet schlecht behandelt und aus ihrem Geist vertrieben haben, jemals daran gestorben ist. Warum also fürchte ich
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
mich so? Wird jetzt nicht das Stadium erreicht, in dem mich die Angst zum Wahnsinn treibt? Wenn ich dies jedoch selber nicht weiß, dann kann es kein anderer wissen. Wie also sollte ich nun handeln und mich für das Höchste trainieren -oder widersetze ich mich und werde durch die Angst von nun an vollkommen verrückt?
Was dies betrifft, so deutet der Beweis eindeutig auf die Tatsachen hin, dass der Erhabene, die Savakas und alle Acariyas -und ganz besonders der, der gerade vor euch sitzt und euch lehrt, euch von der Angst zu befreien -nicht starben, weil sie von Tigern zerfleischt wurden. Auch jene, die bereits Parinibbana erlangten, gingen nicht dorthin, weil Tiger sie zerfleischt hatten, sondern wegen „anicca vata sankhara107 -alle bedingt entstandenen Dinge sind vergänglich”. Was mich selbst betrifft, warum sollte ich denn glauben, dass die Tiger die einzigen sind, die darauf warten zu meinen Leichenbestattern zu werden als ob die Welt voll von Tigern wäre, die nur darauf warteten, zu Leichenbestattern von Menschen zu werden, wenngleich ich nicht einen einzigen Tiger gesehen habe, der darauf wartete, sich des Leichnams eines Menschen zu bemächtigen, der gerade gestorben war. Ich habe immer nur Menschen gesehen, die auf verschiedene Weise die Bestattungszeremonien, Einäscherungen und dergleichen und das Einsammeln der Knochen und deren Entsorgung in angemessener Weise durchgeführt haben.“
„Nach solchen grundlegenden Betrachtungen, denke ich, wird die Angst bereit sein zu gehen, mit all ihren Familienmitgliedern, Verwandten und Abkömmlingen, die lange Zeit ihre Wurzeln und ihren sicheren Aufenthaltsort im Herzen hatten. Sie werden ausziehen und sich verflüchtigen, vor Verzweiflung ängstlich zitternd, weil sie keine Möglichkeit haben, gegen einen Krieger mit den modernsten Waffen anzukämpfen. So verschwinden sie also und es bleibt keiner von ihnen zurück. Danach wird es niemals wieder Eindringlinge geben, die Ärger bereiten und Angst entstehen lassen.“
„Verfügt man beim Ergreifen und Entfernen der einzelnen kilesas aus dem Geist nicht über die Methoden der Achtsamkeit und Weisheit als Werkzeuge, die einem helfen sie zu unterdrücken, sondern nur über Wut, die gefährlich droht, um sie einzuschüchtern, so ist dies von keinerlei Nutzen. Man sollte wissen, dass die kilesas sich nicht wie dumme Hunde verhalten, die verwirrt zum Vergnügen des Menschen davonrennen, der ihnen Angst macht, sondern sie haben den raffinierten und scharfen Verstand jener niederen und üblen Natur, der sich auf dem Geist des Menschen niederlässt und ihn nicht loslässt. Je mehr man ihnen droht, ohne über die Werkzeuge der Achtsamkeit und Weisheit zu verfügen, die ihnen wirklich Furcht einjagen, desto mehr bringt man sie zum Lachen und es ist, als hätten sie Spaß daran, sich im Geist
107 Dies ist die erste Zeile eines Verses, der anläßlich von Bestattungen rezitiert wird. Für eine umfassendere Deutung siehe Glossar
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
festzubeißen und ihn aufzuzehren, bis er nicht mehr als der Geist eines Menschen bezeichnet werden kann und gänzlich zum Wesen eines Tieres, eines Gespenstes oder Dämons wird.“
„Ihr dürft nicht glauben, dass die kilesas sich vor Dingen fürchten wie der Kraft der Barbarei oder Wildheit, denn diese kommt lediglich von den kilesas selbst, die sie zur Verfügung stellen und vortäuschen, dass man sie damit einschüchtern könnte. Wenn man die kilesas bedroht, machen sie sich lustig darüber und amüsieren sich köstlich, da sie erkennen, dass man derart dumm ist, nicht zu verstehen, dass solche Drohungen ja sie selbst sind und dass gerade dies ihre Handlungsweise ist.“
„Wenn ihr den kilesas wirklich Angst einjagen und sie vor Euren Augen davonrennen sehen wollt, dann müsst ihr euch daranmachen, euch in jenen Methoden zu üben, die bereits dargelegt wurden. Mit anderen Worten: Wo immer mehr Angst entsteht und wo immer sie am stärksten ist, umso eher solltet ihr dorthin gehen und dort verweilen und umso intensiver solltet ihr die Angst untersuchen und analysieren, ohne aufzugeben und in euren Anstrengungen nachzulassen. Was wäre, wenn ihr sterben solltet? Dann solltet ihr dies hinnehmen und euch Dhamma absolut unterwerfen ohne jedwedes Bedauern und Sehnen. Tut ihr dies, dann wird die Heimat der kilesas mit Sicherheit zerstört und vernichtet, sodass sie alle ungeordnet, verwirrt und in Panik fliehen, was schlimmer ist, als wenn die Hauptstadt durch eine Feuersbrunst verwüstet würde. Habt ihr noch nie eine Hauptstadt in Flammen gesehen, dann solltet ihr mal versuchen, die kilesas mit den von mir bereits dargelegten Methoden anzugreifen. Dann werdet ihr die kilesas panischer und verwirrter aus dem Geiste davonrennen sehen als Menschen, die aus ihrem brennenden Haus flüchten.“
„Ich habe dies bereits getan und Ergebnisse ganz klar gesehen. Da kann mir keiner kommen und etwas vorschwindeln. Deshalb kann ich in voller Überzeugung darüber reden, ohne Angst zu haben, ob jemand darüber lacht oder nicht mit mir darin übereinstimmt, denn die Geschichte ist so wahr, wie ich hier sitze. Das Dhamma, das ich darlege, um es euch zu lehren, mit welchen Fähigkeiten ich das auch tun mag, entstammt fast ausschließlich diesem Training. Wenn jemand möchte, daß ich andere Methoden unterrichte, die ich niemals praktiziert habe und durch die ich niemals Ergebnisse erzielt habe, so kann ich es einfach nicht. Es wäre mir ungewohnt und fremd, wäre eine Rede um des Redens willen und könnte andere in Schwierigkeiten bringen. Das will ich nicht. Aber in der Weise zu lehren, wie ich es hier getan habe, wie immer es ankommt, das kann ich fassen, weil ich mich selbst davon überzeugt habe, weil ich es auch selbst in dieser Weise trainiert habe und wahrhaftig Ergebnisse dieser Art klar in meinem Geiste habe entstehen sehen.“
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Wer immer sehen möchte, wie die kilesas aus seinem Geiste vertrieben werden und die Flucht ergreifen, sollte versuchen, in der Weise zu handeln und sich zu trainieren, wie ich es hier gelehrt habe. Wenn aber jemand sehen will, wie die kilesas mit ihren Kindern, Verwandten und verschiedenen Vorräten für ihre Armeen den Geist besetzen und ihre Häuser, Arbeitsplätze und Orte errichten, von wo aus sie ihren Unflat aller Art über den Geist ergießen, dann muss er den Weg gehen, sich ihnen zu unterwerfen, sodass, wenn irgendeine der kilesas sich auch nur etwas bewegt und hervortritt, er sich ergeben verbeugt und ihr huldigt. Ein solcher Mensch steht für Zeugung und Geburt -das bedeutet immer wiederkehrende Geburt und Tod im gesamten Zyklus (vattavana)108. Er hat kein Bedürfnis, dem zu entfliehen, weil er sich nicht befreien und woanders hingehen kann, selbst nicht bis an das Ende der Zeit, weil der Weg der kilesas und jener, die die kilesas fördern, lediglich der Weg von Geburt und Tod ist.“
Dies unterscheidet sich ganz klar von dem Weg des Dhamma und derjenigen, die Dhamma fördern, um mit jedem Arbeitsschritt die kilesas und den Kreislauf von Geburt und Tod aus dem Geiste auszumerzen. Bei dieser Arbeit zögern sie nicht vorwärts zu preschen, und sie bekämpfen die kilesas in der Weise wie jemand, der keine Angst vor dem Tod hat. Bei einer solchen Kämpfernatur kann sich der Geist, selbst wenn er schwach und matt gewesen ist, ändern, stark und entschlossen werden und weiter üben, bis er sich wandelt und zu einem Geist wird, der vom vivatta109 befreit ist. Sobald der Geist vom „Kreislauf befreit ist“, besteht keine Notwendigkeit mehr, nach den verschiedenen kilesas zu fragen, da sie alle vollkommen verschwunden sein werden.“
„Nun, welchen Weg wollt ihr also gehen? Wollt ihr Kämpfer für die Fortdauer von Geburt und Tod oder für die Zerstörung des Kreislaufs der Wiedergeburten sein, indem ihr euch von allen seinen Keimen befreit, die in unser aller Geist vergraben sind? Jetzt müsst ihr euch entscheiden -schiebt es nicht auf die lange Bank. Ihr dürft nicht glauben, dass ihr einen langen Atem habt -wie ein Stromkabel -denn sein Weg reicht nur von der Nase in die Lunge hinein und wieder heraus. Ihr dürft euch nicht selbst täuschen und glauben, er sei so lang, dass er ewig währte.“
Dies war die Art der ovada110 , die der Ehrwürdige Lehrmeister Mann den praktizierenden Bhikkhus von Zeit zu Zeit erteilte. Wenn er lehrte, um sie wachzurütteln und in ihnen eine entschiedene und fröhliche Einstellung zur Übung des Dhamma zu bewirken, schien die Belehrung weit eindringlicher und schärfer zu sein als sonst. Wenn jemand ihn vorher noch nicht gehört hatte, führte es sehr wahrscheinlich dazu , dass er sich fürchtete, so sehr, dass er zitterte, statt während des Zuhörens ruhig zu werden, was eigentlich der Fall
108 Kreislauf 109 Auflösung des Kreislaufs der Wiedergeburten 110 Belehrung
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
hätte sein sollen, denn es schien ihm, als würde er ihn tadeln und ihm drohen. In Wahrheit aber war dies einfach nur seine Art Dhamma darzulegen, angemessen für die Zeit, den Ort und die Personen, die ihm zuhörten und aufnahmen, was er lehrte. In seiner Belehrung verbarg sich keinerlei Hass oder Ärger. Bei jenen jedoch, die ihn schon gehört hatten, wurde der Geist umso ruhiger und friedlicher, je öfter sie ihn hörten und er sie zum Dhamma antrieb, wie streng und scharf er auch wurde. Es war, als hülfe er ihnen, die kilesas in sich zu zerstückeln, sodass sie alle aus ihrem Geist vertrieben wurden, damit sie mit ihren eigenen Augen und ihrem eigenen Herzen klar verstehen konnten, während sie zuhörten. Darum waren Bhikkhus, die den Weg praktizieren, immer sehr daran interessiert, dem Acariya zuzuhören, den sie verehrten und dem sie vertrauten, ohne jemals übersättigt zu werden. Dies gilt bis in die heutige Zeit.
Die Offenbarung des Dhamma in seinen verschiedenen Aspekten bei geeigneter Gelegenheit für jene, die zur Übung und zur Belehrung kommen, wird als eine wichtige Tradition von jenen aufrechterhalten, die in der Weise des kammatthana in Nachfolge des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann handeln. Diese Tradition wird sukzessiv sowohl von den Acariyas als auch von denen, die sich immer wieder in dieser Weise üben und dabei auf die Lehrer verlassen, weitergeführt. Denn die praxisbezogene Darlegung des Dhamma -angefangen von den ersten Stufen in der Entwicklung des samadhi bis hin zu seiner kompletten Beherrschung und von den anfänglichen groben Ebenen in der Entwicklung der Weisheit bis hin zu ihren tiefgründigsten -spiegelt den direkten Weg der Entwicklung des citta der Acariyas wider. Sie lehren aus ihren eigenen Erkenntnissen und ihrem eigenen Wissen heraus, die direkt aus eigener praktischer Erfahrung abgeleitet sind, sodass jene, die zu ihnen kommen um zu lernen, in ihre Fußstapfen treten und überprüfen können, in welcher Weise ihr Geist nicht mit der Lehre in Einklang ist. Wenn sie wegen etwas unsicher sind, können sie fragen, damit der Lehrer es erklären, weiter ausführen oder sie in den Punkten korrigieren kann, in denen ihr Verständnis ihm unzureichend zu sein scheint, denn sie trainieren sich nicht so, wie jemand, der auf der Basis seiner eigenen Denkweise und Ansichten lediglich annimmt oder vermutet, was richtig oder falsch sei .
Im Allgemeinen lernen die Übenden Dhamma direkt vom Acariya, von den ersten Schritten des bhavana bis zu den höchsten Stufen, indem sie dem Acariya zuhören und häufig mit diesem ihre Lernschritte überprüfen. Wenn dann ihr bhavana zu Erkenntnissen oder Erfahrungen irgendwelcher Art führt, gehen sie zum Acariya und berichten ihm darüber, sodass dieser es weiter erläutern kann, um jeweils ihre Achtsamkeit und Weisheit verbessern und mögliche Fehler Schritt für Schritt korrigieren zu können, sowohl bezüglich ihres samadhi auf jeder Ebene als auch bezüglich ihrer Weisheit auf der jeweils angemessenen Stufe.
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Auf den anfänglichen Stufen des samadhi ist das eben Gesagte nicht so wichtig, wenngleich es einige Fälle gibt, in denen man sonderbare Erkenntnisse hinsichtlich übersinnlicher Dinge erlangen könnte. Falls dem so ist, muss der Acariya verfügbar sein, um die Übungspraxis auf der Basis einer Art von samadhi zu erklären, damit die betreffende Person ihre Übung in der richtigen Weise fortführen kann.
Generell besteht für jeden Einzelnen die Übungspraxis des samadhi darin, sich auf die Grundmethode der bisherigen von ihm üblicherweise ausgeübten Übungspraxis zu konzentrieren. Folglich sollen diejenigen, die mittels eines Dhamma-Objekts, wie beispielsweise anapanasati zur Ruhe gelangen konnten, dieses Objekt beibehalten und ihre Übungen stetig fortführen, ohne nachzulassen oder aufzugeben. Wenn dann infolge dieser Übung sich sonderbare oder ungewöhnliche Dinge ereignen, müssen sie sich an den Acariya wenden und ihm darüber berichten, damit er es ihnen verständlich erklären kann und sie ihre Übungen fortsetzen können, ohne in die Irre zu gehen. Im Gegensatz dazu ist Weisheit von solcher Qualität, daß diese ständig zwischen dem Übenden und dem Acariya überprüft werden muss, da sie äußerst komplex und verwickelt ist. Dies wird jedoch später zu angemessener Zeit erläutert werden.
Die Dhutanga Bhikkhus, die der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann folgen, haben volles Vertrauen und große Ehrfurcht gegenüber ihrem Acariya -mehr als gegenüber ihrem eigenen Leben, weil sie Dhamma aus dem Herzen des Acariyas lernen, damit es zu ihrem eigenen Dhamma wird. Man könnte es auch, was nicht falsch wäre, als eine Übertragung von Herz zu Herz bezeichnen, denn dies geschieht in der Tat auch.
Wenn den Weg praktizierende Bhikkhus zusammenkommen, um bei dem Lehrer an dessen Aufenthaltsort zu verweilen, finden sicherlich auch Lehrsitzungen, Diskussionsrunden und Beratungen statt. Wer ein persönliches Problem hat, kann dies mit dem Acariya besprechen und von ihm Anleitung zu diesem speziellen Problem erhalten, wann immer sich eine passende Gelegenheit ergibt. Hat der Acariya das Problem erläutert, sodass der Bhikkhu es in vollem Umfang verstanden hat, so wird dieser sich entsprechend üben und versuchen, sein Wissen, sein Verständnis und seine praktische Anwendung mit dem in Einklang zu bringen, was der Acariya empfohlen hat. Sollte er späterhin weitere Probleme haben, so kann er sich wieder an den Lehrer wenden und sie abklären.
Andere, die auch ihren Übungen nachgehen, wenden sich an den Lehrer, um bei ihnen entstehende Probleme in ähnlicher Weise zu klären. Sie dürfen sich aber an ihren Zweifeln nicht festbeißen und sie sich anhäufen lassen, weil dies ihren Fortschritt hemmen würde oder gar gefährlich für sie sein könnte, und zwar
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
weil diese Übungspraxis ein Weg ist, den sie zuvor noch nie gegangen sind und es recht wahrscheinlich ist, dass sie Fehler machen oder sich in die falsche Richtung entwickeln, ohne es zu merken.
Alle, die sich auf diesem Wege trainieren, denken und begreifen so, und, wenn jemand von ihnen eine Frage oder ein Problem hat, legt er diese offen und befragt hierzu den Acariya oder einen anderen Bhikkhu, von dem er annimmt, dass er das Problem klären kann. Denn der Kreis der sich Übenden lebt in Gruppen zusammen, mit echter Sorge füreinander und in Abhängigkeit voneinander. Sie leben nicht einfach nur am gleichen Ort beieinander. Durch das Zusammenleben entstehen verschiedene Verbindungen untereinander, die wiederum zu vielfältigen Beziehungen nach innen und außen führen. Dies reicht vom Acariya hinunter und schließt all die ein, die gemeinsam in brahmacariya111 zusammenleben. Sie respektieren und lieben einander und wenn es etwas gibt, das erörtert und besprochen werden muss, dann sind sie darauf bedacht, einander klar und ohne unterschwelligen Eigensinn oder Dünkel Erkenntnis und Verständnis zu vermitteln. Daher ist ihr Zusammenleben friedlich und harmonisch und es kommt selten vor, dass zwischen den sich Übenden Zwistigkeiten entstehen. In der Tat zeigt sich in ihrer Harmonie und Zusammenarbeit, in ihrer Freundlichkeit unter einander, mit der sie dem Sangha (Sangavatthu -Mönchsorden) übergebene Dinge ebenso wie Dhamma in seinen verschiedenen Bedeutungen miteinander teilen, wie auch in der Art und Weise, in der sie bereit sind, sich einander unterzuordnen und nachzugeben, wie gut sie die Übungspraxis durchführen und welcher Respekt ihnen gebührt. Sowohl die Rangälteren als auch die Rangjüngeren achten einander auf verschiedene Weise entsprechend ihren Vassa-Perioden112 und ihrem Dhamma-Status, ohne eine Spur von Hochmut oder Aufgeblasenheit, denn sie haben nichts anderes als Respekt und eine bescheidene Demut und diese würdevollen Verhaltensweisen untereinander sind für sie die normale charakteristische Umgangsweise. Sie leben in vollständiger Abhängigkeit voneinander, so als ob sie alle Teile eines Körpers wären.
Verhalten und Übung in einem Waldkloster
Die vier Bedarfsgegenstände113, die das Kloster von Zeit zu Zeit in unterschiedlichen Mengen erhält, werden verteilt, sodass jeder Bhikkhu und Samanera im Kloster etwas davon erhält, es sei denn, es reicht nicht für alle. Dann wird es jenen gegeben, die es am nötigsten brauchen. Wenn zu einer späteren Zeit dem Kloster mehr dieser lebensnotwendigen Dinge übergeben werden, dann werden sie danach verteilt, wer den
111 im Zölibat und nach den allgemeinen Übungen der höheren Tugend 112 Hier die Anzahl der Jahre, die man als Mönch ordiniert hat. Vassa bedeutete Regenzeit und ist die Zeit der Rückzuges an einem Ort in etwa zwischen Juli und Oktober. 113 Bekleidung, Nahrung, Unterkunft und Medikamente.
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
größeren und wer den geringeren Bedarf hat. Dann wird den Ersteren gegeben, wobei auch versucht wird, allen anderen etwas davon zuzuteilen, je nachdem, wieviel jeder Einzelne davon hat.
Wenn jemand verschiedenartige Spenden überreicht, so muss der Thera114 , der der leitende Mönch ist, die Bhikkhus zusammenrufen, die Spenden ausbreiten und sie an alle, einschließlich der Samaneras, mit metta verteilen, so als ob sie wirklich seine eigenen Kinder wären. Seine Liebe und sein Mitgefühl für die Bhikkhus und die Samaneras, seine Haltung und sein Verhalten ihnen gegenüber ist nämlich wie das von Eltern zu ihren Kindern, nur dass er nicht „weltlich“ handelt wie Eltern, die gelegentlich mit ihren Kindern spielen und sie necken, aber ansonsten entspricht er ihnen in der üblichen Weise, in der Liebe und Mitgefühl nach der buddhistischen Lehre ausgeübt werden.
Der leitende Bhikkhu weiß um seine wesentliche Verantwortung und Pflicht, die er niemals vernachlässigen darf, nämlich das Verhalten und die Eigenschaften der Bhikkhus und Samaneras unter seiner Obhut zu beobachten und darüber zu wachen und sie zu beraten, zu lehren, zu ermahnen und zu tadeln. Wenngleich die Bhikkhus und Samaneras unter einem Acariya diesen möglicherweise sehr fürchten, so haben sie dennoch großen Respekt vor ihm, lieben ihn sehr und haben großes Vertrauen zu ihm. Gleichzeitig hat der Acariya auch metta für sie und passt gut auf sie auf.
Unterläuft einem von ihnen ein Fehler, so muss ihm dies gesagt werden, er muss dafür getadelt, belehrt und recht ausgeschimpft werden, ganz unparteiisch, denn beide stehen in einer engen Beziehung zueinander und sehen sich selbst tatsächlich als ein und dasselbe -eine Einheit, die nicht aufgespalten werden kann. Darum ist das Sorgen für eine solche Gruppe einfach, da sich beide Seiten auf Dhamma gründen.
Begeht jedoch jemand absichtlich einen Fehler, so wird dies von den sich Übenden als schwerwiegend erachtet. Selbst wenn das Fehlverhalten von geringfügiger Art sein mag, so führt es dazu, dass der Acariya und seine anderen Anhänger ihr Vertrauen zu dieser Person verlieren. Erst wenn diese dann aus ihrer Mitte verwiesen und fortgeschickt wurde, können sie ihre Ruhe und ihr Glück wieder finden. Dass Bhikkhus eine solche Abneigung gegenüber Menschen zeigen, die sich absichtlich falsch verhalten, ist in Übereinstimmung mit Dhamma, denn es ist die Eigenart von solchen Menschen, die geringfügige Fehler absichtlich begehen, dass dies nur das Vorspiel für wesentliche Fehltritte in der Zukunft ist. Wenn sie also
114 Der Ältere
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann „den brennenden Baum fällen, solange das Feuer klein ist,“ dann tun sie samici kamma115 . Dem sollten wir zustimmen.
Wie in der „Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann“ beschrieben, hatten sie gewöhnlich während der Vassa-Periode wöchentlich eine Lehrrede und Belehrung. An anderen Tagen jedoch konnten jene, die irgendwelche Zweifel hatten, zum Ehrwürdigen Lehrmeister Mann gehen und ihn befragen, wenn sich eine geeignete Gelegenheit ergab und er verfügbar war.
Wenngleich sie eine feste Unterkunft (vihara) im Kloster hatten, suchten einige Bhikkhus dennoch nach geeigneten Stellen im Wald außerhalb, wo sie cankama oder samadhi bhavana sowohl am Tage als auch in der Nacht nach ihrem Gutdünken durchführen konnten. Nach Ende der Vassa-Periode zogen es viele von ihnen vor, weit entfernt vom Kloster einen Platz zu suchen, der geeignet war für die Arbeit der Selbstentwicklung und wo sie ihre Regenschirmzelte aufhängen konnten. Wenn es jedoch Zeit wurde, die Wege zu fegen und im Kloster aufzuräumen, jeden Nachmittag, und andere verschiedene regelmäßige Arbeiten zu erledigen, einschließlich auf pindapata zu gehen und zu essen, kamen sie üblicherweise zurück zu den anderen, um mit ihnen die Arbeit zu teilen.
Diese Bhikkhus legten keine Zeiten für cankama und samadhi bhavana fest, denn sobald sie frei waren, fingen sie einfach damit an. Sie hatten auch niemals eine festgelegte Routine für die Geh-oder Sitzmeditation und legten auch keine Zeit fest, wie lange sie sich so üben wollten. Einige von ihnen führten die Gehmeditation von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen durch, wogegen sie an anderen Tagen zwischen zwei und sieben Stunden gingen.
Jemand, für den die Sitzmeditation neu ist, kann etwa eine Stunde lang sitzen und dann, wenn er an Fertigkeiten und Fähigkeiten des citta gewinnt, die Dauer allmählich verlängern. Jene jedoch, die sich an die Sitzmeditation gewöhnt haben, können diese lange Zeit durchführen und je besser das citta auf samadhi oder Weisheit fußt, desto länger können sie sitzen. Normalerweise mögen es vielleicht zwischen drei und acht Stunden sein und manchmal die ganze Nacht. Drei bis fünf Stunden Geh-oder Sitzmeditation wird für Geübte als normal angesehen und sie führen dies regelmäßig durch. Es kommen keine Schmerzen, keine Müdigkeit oder Steifheit auf, weil die Geh-und die Sitzmeditation ausschließlich der Entwicklung des citta dienen, denn darin liegt ihr Interesse, und sie ängstigen sich nicht vor allen möglichen Schmerzen des Körpers. Körpergefühle kümmern sie daher nicht, wie sie sich auch nicht um diese kümmern, wenn sie normal sitzen und keine bhavana durchführen.
115 Die Richtige Handlung
Jene Bhikkhus, die ihr citta auf ein hohes Niveau von samadhi entwickelt haben, können, sobald sie mit der Meditationsübung begonnen haben und ihr citta in einen Zustand von klarer Wachheit hinabgesunken ist, viele Stunden lang ungestört hierin verweilen, bevor sie sich aus diesem wieder herausbegeben. In diesem Zustand kann Gefühl (vedana) nicht stören und solange das citta sich nicht aus ihm herausbegibt, entsteht auch kein Gefühl. Deshalb unterscheiden sich die Geh-und die Sitzmeditation einer Person, die eine Grundlage oder Basis des citta hat, sehr von denen einer Person, die noch keine Grundlage hat. Selbst bei ein und derselben Person besteht ein großer Unterschied zwischen seiner Gehund seiner Sitzmeditation, wenn sein citta noch keinerlei Grundlage in Dhamma hat und wenn sein citta bereits eine Basis hat. So ist beispielsweise für einen Neuling eine Geh-oder Sitzmeditation von einer Stunde sehr anstrengend. Sobald aber das citta eine Basis in Dhamma hat, stören keinerlei Schmerzgefühle, selbst wenn man mehrere Stunden lang in Meditation gegangen ist oder gesessen hat. Dies zeigt uns ganz deutlich, dass der Geist von wesentlicherer Bedeutung ist als der Körper. Ist darüber hinaus das Wetter angenehm kühl oder regnet es leicht, so fühlt man sich körperlich wohler und der Geist ist leicht und klar. Beginnt man nun mit der Meditationsübung, so verhält sich das citta bezüglich samadhi und Weisheit anders als sonst. Das citta kann schnell in samadhi hinabsinken und dort lange Zeit verharren, bevor es wieder aus diesem Zustand auftaucht. Hat dann das citta diesen Zustand der Achtsamkeit verlassen, gibt es im Körper keinerlei Wehwehchen oder Schmerzen. Darum ist der Geist das Wesentliche des Menschen.
Wenn sich diese Bhikkhus um ihre Selbstentwicklung bemühen, so tun sie dies ernsthaft mit vollem Engagement und konzentrieren sich ganz auf diese Arbeit, ohne sich mit etwas anderem zu befassen. Ihre Bemühungen werden daher kontinuierlich fortgesetzt, wobei sie in beständiger und stetiger Weise Ursachen und Ergebnisse zeitigen. Die Art und Weise, in der sich der Geist entwickelt, wird daher jedes Mal deutlicher für sie. Geht es um samadhi, so erkennen sie deutlich, dass das citta tief in einen sehr subtilen Zustand hinabsinken kann. Geht es um Weisheit (panna), so erkennen sie deutlich, dass jedes Mal, wenn sie sich mit einer jener „Sachen“ -(arammana -panna kammathana116 wie anicca117 , dukkha118, anatta119 -der Körper und die vier nama khandhas120; die paccayakara121) -befassen, die Mittel zur Entwicklung der vicarana122 sind, der Geist allmählich aus dem „kochenden Sumpf“ der verschiedenen kilesas aufsteigt, wie die Sonne, die am Horizont aufgeht, um ihr Licht über die Welt zu ergießen.
116 fundamentale Weisheitsentwicklung 117 Vergänglichkeit 118 Unbefriedigtsein, Unruhe bis hin zum grössten Leiden 119 Nicht-Selbst, nicht zu einem Gehörend, Nicht-Ich 120 die vier Geistigen Gruppen der Anhaftung siehe Glossar 121 Die Kette der Bedingten Entstehung.
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Diese Ergebnisse bringen alle Übenden dazu, sich in ihr Streben derartig zu versenken, dass sie vergessen, ob es Tag oder Nacht ist, welcher Tag, Monat oder welches Jahr es ist, und sie vergessen die Zeit und wie viele Stunden oder Minuten vergangen sind, weil sie einfach nicht daran interessiert sind, darüber nachzudenken. Worauf sie sich allerdings die ganze Zeit konzentrieren, sind ihre achtsamen Bestrebungen um Weisheit, die sie dem Sieg immer dann näher bringen, wenn sie diesen nachgehen, denn sie sehen, wie die Befreiung von dukkha in einem sich öffnenden Geiste immer offensichtlicher wird. Mit anderen Worten, die verschiedenen kilesas, die den Geist zuschütten, werden unaufhörlich durch Achtsamkeit und Weisheit mehr und mehr beseitigt. Ob man sitzt, geht, steht oder liegt, die ganze Zeit wird der Geist geöffnet, ausgenommen wenn man schläft. Sobald man aber aufwacht, beginnt man den Prozess der Öffnung des Geistes, indem man die kilesas aus ihm ausmerzt. Dies ist die Eigenschaft ihrer Arbeit, die für sie wahrlich so wichtig ist wie ihr eigenes Leben.
Alle Acariyas, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart diese Übungspraxis befolgt haben, müssen stark und ausdauernd gewesen sein und müssen viele Leiden und Schwierigkeiten durch die Übungen und asketischen Praktiken in ähnlicher Weise durchgestanden haben, bevor sie Acariyas werden und andere belehren konnten. Darum soll, wer beabsichtigt und hofft, Dhamma in der Weise zu erreichen wie die Acariyas, die es erfahren haben und ihren Zuhörern offenbaren, dies nicht dadurch zu erreichen suchen, dass er „aus der Reihe tanzt“ und nach seinem Gutdünken das übt, was in der Welt als „praktisch“ angesehen wird.
Man muss wissen, dass sich Dhamma und die Welt gewaltig voneinander unterscheiden. Wenn die Übenden nicht dem Weg und der Anleitung folgen, nach denen sie die Acariyas unterweisen, sondern nur das tun, von dem sie glauben, dass es bequem und leicht oder einfach sei und sozusagen „aus der Reihe tanzen“ und ein modernes, neuzeitliches Dhamma verfechten, das in ihrem Geist entsteht, dann gibt es keine Hoffnung für sie. Denn Dhamma passt sich nicht dem Altertum oder der Neuzeit an. „Dhamma“ ist einfach nur „Dhamma“ und die „Welt“ ist einfach nur die „Welt“. Das ist schon immer so gewesen. Das ändert sich nicht. Dhamma passt sich nicht an. Die Übung des Dhamma muss daher den Weg gehen, jene Bedingungen zu erwirken, die angemessen und geeignet sind. Dann können die Ergebnisse, die richtigerweise erhofft werden sollten, erzielt werden.
Wenn man aber Dhamma verdreht, um es seinen Wünschen und Vorstellungen anzupassen, ohne Gedanken daran, ob es angemessen ist oder nicht, so ist das ein „aus der Reihe tanzen“ und die Ergebnisse, die man so sehr zu erzielen strebt, geraten aus der Richtung wie eine unterbrochene Reihe, oder sie geraten
122 Untersuchung die der Entwicklung von Weisheit dient
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
in die falsche Richtung und sind nutzlos. Dann ist man betrübt und glaubt,, obwohl man die Übungen durchführte, bis man beinahe daran gestorben wäre, nicht die Ergebnisse zu erzielen, die man hätte erzielen sollen, und meint, es wäre besser, überhaupt keine Übungen durchzuführen. „Besser“ und „keine Übungen durchführen“ werden dann, wegen des falschen Begreifens, zu einem Gift, das einen lange Zeit zerfrisst, und zu einem Fehler mit zwei Facetten. Dies ist nichts anderes als der Weg zur vollständigen Selbstzerstörung, bedingt dadurch, dass man den Weg des geringsten Widerstandes geht und Abkürzungen nimmt, wie es einem beliebt, eben „aus der Reihe tanzt“.
Daher nehmt bitte zur Kenntnis, dass Dhamma seiner Natur nach von den festen unabänderlichen Regeln und Prinzipien von Ursache und Wirkung durchdrungen ist. Wer Dhamma in der Hoffnung übt, Werte, Perfektion und Wohlergehen für sich und die Nachwelt zu erwerben, sollte sich die Methoden und Praktiken gut merken und weder gierig sein noch seltsame und unangemessene Übungsmethoden in die Übungspraxis einführen, die aus der Einbildung herrühren, eine treibende Kraft und ein moderner Mensch auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse zu sein. Das alles führt in die falsche Richtung.
Jene größten Weisen, die Dhamma übten und erfuhren, mussten immer wieder mit scharfer Weisheit auswählen und entscheiden, was angebracht war, bevor sie Dhamma erkannten und anderen im Namen des „svakkhata”123 Dhamma verkündeten, was wahr und umfassend und zu allen Zeiten stets angebracht ist. Das heißt, Dhamma ist, wo und in welchem Zeitalter auch immer, in Wort und Bedeutung vollständig, annehmbar und umfassend, bezüglich sowohl seiner kausalen Aspekte als auch der daraus folgenden Ergebnisse. Es ist tauglich, befolgt und geübt zu werden, ohne Zweifel und Wankelmut. Die Ergebnisse, die durch seine Übung erzielt werden, sind immer ein stetig größer werdendes Glücksgefühl und alles, was man erhofft -von der Stufe des kalyana124 Dhamma bis hinauf zu den Stufen des Ariya125 Dhamma. Oder, wenn wir von den verschiedenen Menschen sprechen, die diese Ergebnisse erzielen, so gehören dazu der kalyanajana126 und der Ariyana127 bis hinauf durch die verschiedenen Stadien zu den Arahants128 . Auf diesem Pfad der Tugend, der aus dem Majjhima129 der Übung entsteht, fehlt es an nichts.
123 Wohl erklärt 124 tugendhaft, moralisch gut 125 Edel, nobel 126 Der tugendhafte Mensch 127 Der edle Mensch 128 Ein Mensch, der das höchste Stadium nämlich Nibbana -das Ausgelöschtsein -erreicht hat
129 Mittelweg, mittlerer Weg
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Jene, die den „Mittleren Weg“ in Übereinstimmung mit den Prinzipien des Dhamma geübt haben, betonten immer, dass dieser sila130 , samadhi und panna umfasst. Mit anderen Worten, wann immer man sila hat, muss man auf sila achten; wann immer man samadhi hat, muss man darauf achten, die Samadhi-Übungen durchzuführen, um samadhi entstehen zu lassen; und wann immer man panna hat, muss man panna entwickeln, damit sie entsteht. Man darf aber keinen dieser drei Aspekte ausschließlich fördern oder verwerfen und dadurch verfälschen, denn dies käme einem sich selbst Verwerfen und Verfälschen gleich, denn sila, samadhi und panna sind Schätze des Dhamma, die zueinander in Beziehung stehen.
Die sich Übenden müssen gleichermaßen sila, samadhi und panna beachten und, wann immer es angemessen ist, eines dieser dhamma zu entwickeln, so müssen sie es tun. Diese sind nämlich nicht Aspekte, die man verwerfen oder annehmen darf, wie man gerade Lust hat. Das wäre eine Fehlinterpretation von Dhamma, denn diese Faktoren sind nicht verschiedene Haufen von Schätzen, wie Silber, Gold und Diamanten, von denen man nach Belieben einen auswählen und den anderen ablehnen kann. Im Gegenteil, sila, samadhi und panna sind Eigenschaften des Dhamma, die mit der Übung jener verknüpft sind, die diese Dhamma-Eigenschaften benötigen, und müssen daher in der Weise geübt werden, dass sie harmonisch vereint werden, wenn sila, samadhi oder panna benötigt werden. Mit anderen Worten, sila ist die Basis für jemanden, der sila bewahrt, um die ganze Zeit auf sich zu achten, wogegen samadhi und panna entsprechend den Fähigkeiten geübt werden müssen, damit sie an Kraft gewinnen, denn sie sind ein Paar, das sich gegenseitig unterstützt, sodass keines von beiden in irgendeiner Form fehlerhaft sein könnte. Die Übungspraxis bezüglich dieser beiden Dhamma ist folgende: „Wenn samadhi bisher in keiner Form erreicht worden ist, so muss man es durch eine „Einstiegsmeditation“ zu erreichen suchen -wobei eines der üblichen Meditationsobjekte (wie beispielsweise der Atem bei anapanasati) Ziel der Aufmerksamkeit ist und ständig beobachtet wird -oder eine beliebige andere Methode, die dem eigenen Temperament entspricht und geeignet ist, samadhi zum Entstehen zu bringen. Hat man jedoch bereits eine gewisse Fertigkeit bezüglich samadhi erreicht, so muss man auch vipassana panna131 entwickeln, wenn man die Möglichkeit dazu hat, nachdem das citta aus dem samadhi ausgetreten ist und die dafür erforderliche Kraft hat.
Bei der Erforschung mittels panna muß man die Elemente (dhatu) und die khandhas, wie beispielsweise rupa khandha132 analysieren, indem man ihn zerlegt und seine Eigenschaften untersucht, vorwärts und rückwärts, von außen nach innen und von innen nach außen und immer wieder, in der Weise, dass man alle seine Abscheulichkeiten erkennt, oder indem man ihn als „Ti-lakkhana“133 (anicca, dukkha,
130 Die fünf Tugendregeln 131 Untersuchende Weisheit, Weisheit durch Einsicht 132 Die Anhaftungsgruppe des Körpers 133 Die drei, allen Phänomenen des Universums zugrundeliegenden Eigenschaften
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann anatta) -erkennt, bis man darin gefestigt und meisterhaft ist. Danach lässt man das citta in samadhi auf die gewohnte Weise ruhen. Auf diese Weise können samadhi und panna in Ausgewogenheit geübt werden, ohne dieses oder jenes Dhamma zu wenig oder zu viel zu üben, weil sowohl samadhi als auch panna dhammas sind, die dem citta helfen, sich ohne Schwächen oder Nachlassen stetig zu entwickeln. Daher sollte der Übende beide in ausgewogener Weise betrachten, vom Anfang bis zum Ende seiner Übungen und Praktiken, um magga, phala und Nibbana zu verwirklichen.
Weder sila noch samadhi noch panna sind überholt oder der Zeit voraus, sondern sie sind unübertroffene dhammas gegen jede Art von kilesas in den Herzen der Lebewesen. Daher müssen die sich Übenden ordentlich mit diesen dhammas umgehen, die sie dazu anleiten, alle ihre verschiedenen kilesas auszumerzen, sodass sie Stück für Stück aus ihrem Geiste entfernt werden. Sila , samadhi und panna sind die durchdringendsten und wirksamsten dhammas in der Lehre des Erhabenen Buddhas und dienen als Werkzeuge zur Behebung aller Arten von kilesas, um sie vollständig auszumerzen. Keine einzige kilesa kann stärker sein als diese dhammas. Sie sind miteinander verknüpft und man kann keines von ihnen herauslösen, um mit ihm alleine alle kilesas auszumerzen. Sie müssen alle drei zusammen angewendet werden.
Beim Schreiben dieses Buches -„Die Übungspraxis der Dhuthanga Bhikkhus ...“ scheint es, als würde es recht unstrukturiert und verwirrend und könnte möglicherweise den Leser ebenfalls etwas verwirren. Dies beruht aber auf der Tatsache, dass die Übungspraxis dieser Bhikkhus viele Aspekte beinhaltet, die alle unter der Überschrift „Die Übungspraxis der Dhutanga Bhikkhus“ zusammengefasst sind. Daher muss jeder einzelne Aspekt der Übungspraxis, den jeder einzelne Bhikkhu zu Beginn dieser Übungen nutzt, um sich zu disziplinieren, gesondert betrachtet und erklärt werden. Selbst die Methoden, mit denen sich Bhikkhus üben, wenn sie im Wald leben, wurden noch nicht abschließend behandelt. Wir waren aber an einem Punkt angelangt, wo es erforderlich war, uns anderen Aspekten der Übungspraxis zuzuwenden, die von der Lebensweise im Wald abgeleitet sind und die wiederum zu weiteren Aspekten führten. Ich hoffe daher, dass der Leser mir vergeben wird, wenn ich einige der Themen außer der Reihe abhandelte. Ich musste dies aber aus den oben genannten Gründen tun.
Mehr über Training und Disziplin
Nunmehr fahren wir mit den verschiedenen Formen des Trainings und der Disziplinierung fort, die von den Bhikkhus angewandt werden. Wenn sie eine Trainingsmethode aufnehmen und merken, dass diese ihnen zu größerer geistiger Stärke verhilft als andere Methoden, dann konzentrieren sie sich, ohne
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann 26
nachzulassen oder aufzugeben, von diesem Zeitpunkt an auf diese, bis sie ganz sicher sind, dass das citta keinen Widerstand und keine eigensinnige Widerspenstigkeit dieser Methode gegenüber mehr zeigt. Wenn sie also solche Gegenden, wie sie zuvor beschrieben wurden, aufsuchen, um dort zu verweilen, und sich dort ganz normal wie auch anderswo fühlen, dann haben sie den Punkt erreicht, an dem sie diese Form der Disziplinierung beenden und ihre Übungspraktiken in den üblichen Formen weiterführen können.
Wenn sie es schon geschafft haben, das citta zu üben und zu disziplinieren, dann muss das Ergebnis wie vorher beschrieben sein. Das bedeutet, dass es für sie, wo immer sie sich aufhalten, befriedigend ist und sie sich nicht auf vielfältige Weise, wie zum Beispiel durch die Angst vor Tigern oder Geistern, beunruhigen lassen. Sie werden es aber auch dann, wenn sie sich einmal diszipliniert haben und das citta keine Angst mehr zeigt, wie es zuvor gewöhnlich der Fall war, im Allgemeinen vorziehen, ständig in solchen Gegenden als ihrem üblichen Aufenthaltsort zu verweilen, sobald sie merken, dass sie einen zufriedenen Geist haben, wenn sie in solchen Gegenden bleiben.
Hierin unterscheiden sie sich nicht wesentlich von den Vorgehensweisen der Savakas134 zu Lebzeiten des Erhabenen Buddha, die es vorzogen, so zu leben, wie es ihren natürlichen Neigungen entsprach. Deshalb wollten sie lieber in den Wäldern oder Bergen leben und für den Rest ihres Lebens dort bleiben. Beispielsweise der Ehrwürdige Annakondanna, der die Wälder und Berge erst, als die Zeit seines Todes (Nibbana) gekommen war,135 verließ, um den Erhabenen Buddha aufzusuchen und ihm seine letzte Ehrerbietung zu erweisen, bevor er ins Nibbana einging. Keiner der jüngeren Bhikkhus oder Samaneras, die sich beim Erhabenen aufhielten, hatte ihn, der seine Robe mit roter Erde gefärbt hatte, weil es in den tiefen Wäldern und Dschungels kein Dunkelbraun oder Gelb vom Brotfruchtbaum gab, je zuvor gesehen. So wussten sie nicht, wofür sie ihn halten sollten, und dachten, er sei ein alter Wandermönch -„und wo hatte er seine Robe herbekommen?“. Sie gingen daher mit diesen Gedanken zum Erhabenen und fragten: „Erhabener, bitte vergib uns, dass wir dich belästigen, aber wir möchten wissen, woher dieser alte Wandermönch in seiner Furcht erregend gefärbten Robe kommt. Seine Roben sind rot, als wären sie mit Blut oder etwas anderem, was wir nicht kennen, gefärbt worden?“
Der Erhabene erkannte die falsche Einstellung dieser jungen Bhikkhus und Samaneras, die derartige Zweifel hegten und diesen Maha Thera136 nicht achteten, und entgegnete ihnen sofort: „Dies ist der
134 Die direkten Schüler des Erhabenen Buddhas, die die Arahantschaft (Erleuchtung) verwirklicht haben 135 -Aus weltlicher Sicht gibt es allgemein zwei Aspekte der Erleuchtung: „Sa-upadisesa-nibbana“ und „anupadisesa-nibbana“. Ersteres bezieht sich auf einen noch lebenden Arahant und bedeutet Nibbana (Ausgelöschtsein) in Bezug auf das citta. Es ist rein und ohne avijja. Der Körper, die 5 khandhas jedoch existieren und funktionieren noch wie früher. Letzteres bezieht sich jedoch auf „Nibbana ohne Rest des Seins“ und meint einen Arahant nach seinem Tode. 136 Als Thera wird ein ältere Mönch (ab 20 Mönchsjahren) bezeichnet. Maha bedeutet der Grosse der Obere, das Haupt
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Ehrwürdige Annakondanna, euer aller älterer Bruder und der erste der Savakas des Tathagata, der Dhamma erlangt hat. Ihr müsst euch eures älteren Bruders erinnern und von jetzt an stets an ihn denken, denn der Ehrwürdige Annakondanna ist ein Arahant seit den Anfängen der Sasana des Tathagata. Er hat sich stets in rechter Weise verhalten und samici kamma geübt und gewohnheitsmäßig in den Wäldern und Bergen gelebt, weil er Menschenmassen mit ihren Verwicklungen und ihrem Wirrwarr nicht mag. Jetzt aber ist sein Körper alt und in einem Zustand, der nicht mehr durch Medizin kuriert werden kann. Folglich hat er die Wälder verlassen und ist gekommen, um den Tathagata aufzusuchen und ihm seine letzte Ehrerbietung zu erweisen, denn in Kürze wird er in das Nibbana eingehen. Es ist selten, einen der „Söhne“ des Tathagata zu treffen, der eine solche Vorliebe für das Leben in den Wäldern und Bergen hat wie der Ehrwürdige Annakondanna. Ihr solltet euch daher gut merken, dass der Bhikkhu, der gerade eben den Tathagata verlassen hat, der Ehrwürdige Annakondanna ist, der erste und älteste Sohn des Tathagata und euer aller Rangältester und nicht der alte Wandermönch, wie ihr alle gedacht habt.“
Sobald der Erhabene Buddha seine Erläuterungen über den Ehrwürdigen Annakondanna beendet hatte, tat es den jungen Bhikkhus und Samaneras Leid und sie erkannten ihr Fehlverhalten, über ihn zum Sasada, ohne die Situation wohl überdacht zu haben, unangemessen gesprochen zu haben. Gleichzeitig entwickelten sie großes Vertrauen und tiefe Achtung gegenüber dem Ehrwürdigen Annakondanna und bedauerten, dass er von ihnen gegangen war, bevor sie von ihrem Großen Lehrer über ihn erfahren hatten.
Hinsichtlich der Vorliebe der Bhikkhus, in den Wäldern und Bergen zu leben, erinnert der obige Bericht stark an jene Bhikkhus, die sich in der Nachfolge der Lehre des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann übten. Der wesentliche Unterschied ist, dass der Ehrwürdige Annakondanna ein Arahant war, der allen Buddhisten bekannt ist. Was jedoch die Anhänger des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann bis zum heutigen Tage betrifft, welche Art von Bhikkhus sie auch sein mögen, so kann ich nicht sagen, ob sie so sind, wie der Ehrwürdige Annakondanna war, oder lediglich puthujjanas137 sind. Daher sage ich nur, was ich sagen kann.
Jene Bhikkhus, die entschlossen sind, sich durch das Leben in den Wäldern und Bergen und mittels verringerter Nahrungsaufnahme zu üben und zu disziplinieren, essen ständig weniger als die übliche Menge. Wenn ich sage, dass sie ihre Nahrungsaufnahme verringern, meine ich, dass sie wenig essen. Sie essen nicht, was der Körper verlangt, und sie essen auch nicht, was tanha138 diktiert, die sie gelegentlich befallen mag. Sie essen vielleicht 70% oder 60% oder gar nur 40% des normal Üblichen, bis sie herausgefunden haben, was ihnen angemessen ist. Unter bestimmten Umständen erhöhen sie möglicherweise ihre
137 gewöhnliche Menschen, (Weltlinge) die noch keine der vier (edlen) Stufen, die zum Nibbana (Ausgelöschtsein) führen, erreicht haben. 138 Begierde
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Nahrungsaufnahme, um sie danach wieder zu verringern. Sie versuchen jedoch die ganze Zeit, eine Diät einzuhalten, und sehen es möglicherweise als eine Übungspraxis an, die mit all den anderen Praktiken Hand in Hand geht, die sie lange Zeiträume hindurch ausführen -einen, zwei oder viele Monate lang, wie es für ihre Übung des citta bhavana139 und wie es dem physischen Zustand des Körpers angemessen ist, ohne zu weit zu gehen, sodass sie krank oder durch Hunger geschwächt werden. Sie versuchen daher, ihre Anstrengungen zu unterstützen und zu fördern, bis der Körper abträgliche Reaktionen zeigt oder bis sich ihr citta in einem solchen Maße gestärkt hat, dass es die Hilfe durch diese Methode der Übung und Disziplinierung nicht mehr benötigt. In diesem Stadium können sie ruhig und stetig fortfahren und sind möglicherweise in der Lage, ihre Diät aufzugeben. Dies hängt jedoch vom Einzelfall ab und ist keine feste Regel.
Soweit wir wissen, haben alle Bhikkhus, die Geistesstärke durch eine bestimmte Methode erreicht haben, diese beibehalten und es ist nicht wahrscheinlich, daß ihr citta „rückfällig" wurde. Denn, welche Geistesstärke sie auch erreicht haben mögen, sie haben die ganze Zeit, während derer sie die Methode anwandten, allgemein besondere Techniken und Fertigkeiten entwickelt und es scheint, als würden sie ihren Wert erkennen und diese Methode stets mit tief empfundener Wertschätzung achten. Betrachtet man diese Methode, wie man einen Menschen sieht, so würde man sagen, dass man seinen Wert und seine Tugend schätzt, die von sehr großem Wert für einen selbst sind. Oder anders, sieht man es im Sinne des Dhamma, so würde man den Wert des Dhamma erkennen, der für einen selbst so wertvoll ist, wie zum Beispiel der Erhabene Buddha, der sich in Ehrerbietung dem Dhamma beugte.
Verringert man seine Nahrungsaufnahme, so werden alle Teile des Körpers leicht. Seine Kraft verringert sich, sodass sie das citta nicht belästigt. Dies erleichtert die Übung des bhavana140 und beschleunigt das Erreichen des Ruhezustandes besser als sonst üblich, wenn man die Nahrungsaufnahme nicht verringert. (Dies trifft nur für solche Menschen zu, deren Veranlagung dieser Übungspraxis entspricht).
Führt man die Meditationsübung durch, wenn man die Nahrungsaufnahme verringert, so durchläuft der Geist normalerweise nicht die Höhen und Tiefen, um zur Ruhe zu kommen. Sie unterscheidet sich in den Anfängen der Übungen von der üblichen Vorgehensweise, wenn man die Nahrungsaufnahme nicht verringert und wenn sich das citta in einem Entwicklungszustand befindet, in dem es noch Übung benötigt. Ißt man weniger, ist cankama einfach, in samadhi fühlt man sich zufrieden und sowohl nachts als auch während des Tages führt bhavana allgemein zu ähnlichen Ergebnissen. Normalerweise jedoch ist bei
139 Geistestraining 140 Praxis
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Durchführung der Geh-oder Sitzmeditation nachts die körperliche Verfassung feiner und in der Tendenz geht die Meditation dann besser vonstatten als während des Tages. Aber für Menschen, die weniger essen mögen, führt die Meditation sowohl tags als auch nachts zu ähnlichen Ergebnissen.
Fastet man viele Tage, so entstehen oft Hunger-und Schwächegefühle, aber das citta ist dann in der Tendenz weit leichter, als wenn man lediglich die Nahrungsaufnahme verringert, und sowohl bezüglich samadhi als auch panna erlangt man größere Fertigkeit und Fähigkeit.
Wenn Bhikkhus fasten, beginnen sie allgemein mit einer kurzen Fastenzeit, die sie üblicherweise zeitlich ausdehnen, bis sie dann über lange Zeiträume fasten. Mit anderen Worten, anfänglich fasten sie zwischen zwei und fünf Tagen, um es auszuprobieren. Sobald sie aber erkennen, dass dies zu guten Ergebnissen während ihres bhavana führt, steigern sie die Fastenzeit stetig auf jeweils acht oder neun Tage, je nach den Umständen.
Während ihrer Fastenzeit führen sie ihr bhavana weiter durch und achten auf ihr citta und ihren Körper. Erkennen sie, dass sie sich insgesamt in einem guten Zustand befinden, so wechseln sie zwischen Perioden des Fastens und einer normalen Lebensweise ab. Da sie die Dauer ihrer Fastenzeit stetig ausdehnen, können sie diese jeweils viele Tage lang einhalten. Einige von ihnen bringen es auf vierzehn bis fünfzehn oder sechzehn bis siebzehn Tage und einige fasten, wenn die Umstände günstig sind, einen ganzen Monat lang. Wenn sie so lange Zeit fasten und sich der Körper sehr schwach fühlt, trinken sie vielleicht an manchen Tagen etwas Milch.
Wer erkennt, dass Fasten seiner Neigung entspricht, kann während des Fastens großen und vielfältigen Gewinn erlangen, und zwar: Nach den ersten zwei Nächten des Fastens wird man nicht mehr müde oder schläfrig und nach mehreren Nächten verstärkt sich dies, sodass Müdigkeit nicht mehr zu einem Störfaktor wird. Wo immer man sitzt, der Körper bleibt aufrecht wie ein Pfosten, ohne im geringsten zu pendeln oder zu wippen. Sati141 ist gefestigt und entgleitet einem nicht. Es entsteht wenig Geistesabwesenheit und je länger man mit der Übung fortfährt, desto besser wird die Achtsamkeit, sodass man sich nahezu niemals vergisst. Wenn irgendwelche Gedanken in dem citta entstehen, nimmt sich die Achtsamkeit dieser fast immer sofort an, ohne überhaupt den Entschluss fassen zu müssen, die Achtsamkeit nicht gedankenlos entgleiten zu lassen, denn sie ist ganz natürlich einfach vorhanden. Dies ist möglicherweise so, weil das Fasten, das man durchführt, den Bemühungen um die eigene Entwicklung dient und weil man seine Achtsamkeit vom ersten Tag der Fastenzeit an entwickelt und beständig
141 Achtsamkeit, Gewahrheit
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aufrechterhalten hat. Daher entgleitet die Achtsamkeit weder von Beginn an, noch gerät sie im Verlauf der Fastenzeit in Vergessenheit, einerlei, wie lange man fastet.
Das bhavana geht dann in der Tendenz ruhig und geschickt sowohl bezüglich des samadhi als auch der panna ständig voran. Wenn man den Geist in samadhi hinabsenken möchte, so kann man dies nach Belieben tun. Wenn man mit panna, nachdem das citta aus dem samadhi aufgetaucht ist, Untersuchungen anstellen möchte, dann wird panna stetig schärfer, wenn man sie übt, und sie wird nicht wie üblich, wenn man die Untersuchung durchführt, träge und starr. In allen verschiedenen Körperhaltungen und -stellungen ist die Achtsamkeit gegenwärtig und wird nicht ohne weiteres durch irgendwelche Dinge abgelenkt oder beeinflusst. Untersucht man etwas, das sich zufällig ergibt, so nimmt sich der Geist dessen schnell an und kann es schneller als üblich klar verstehen und erfassen. Der Körper verspürt dann kaum die üblichen Wehwehchen und Schmerzen und fühlt sich ungewöhnlich leicht. Das citta erkennt Gefahren ohne Schwierigkeiten und leistet der Wahrheit keinen störrischen Widerstand, wie dies sonst der Fall war.
Wer sich auf der Ebene des samadhi befindet, ist in allen körperlichen Verfassungen und Stellungen ruhig. Wer sich auf der Ebene von panna befindet, verfügt stets über die Fähigkeit zum Nachsinnen und Nachdenken und analysiert Ursachen und Ergebnisse jener endlosen Dinge, auf die er stößt. Das citta ist dann in die Untersuchung vertieft und betrachtet jedes einzelne dhamma142, während alle Spuren von Müdigkeit und Erschöpfung verschwinden, so als äße man ganz normal.
Wenn Gefühle der Müdigkeit, des Hungers oder der Schwäche entstehen, so nur dann, wenn sich das citta aus samadhi zurückzieht, oder wenn das citta bei der Untersuchungsübung eine Pause macht, oder wiederum, wenn man sich aus dem samadhi herausbegibt, um die Körperstellung oder -haltung zu verändern. Dann spürt man sie wahrscheinlich. Der Grund dafür, dass keine Hunger-oder Schwächegefühle vorhanden sind, wenn sich das citta in samadhi begibt und alle dhammas untersucht, ist, dass das citta vollständig in samadhi und panna vertieft und nicht daran interessiert ist, auf den physischen Zustand des Körpers zu achten. Folglich gibt es in diesem Zustand keine Körpergefühle.
Kommt dann der Tag, an dem man das Fasten abzubrechen beschließt, so entsteht ein Streit zwischen dem citta und den khandhas. Die Körper-und Sinnesempfindungen sagen, dass sie schwach sind und Nahrung und Nahrungshilfen brauchen, um das Leben zu erhalten. Das citta sagt, daß während der Fastenzeit die Meditationsübung leicht von der Hand geht, der Geist ruhig und klar ist und nicht durch alle
142 in der Pluralform -„Geistesobjekte“, entweder Sinnesempfindungen, wie z.B. Erinnerungen an vergangene Geistesempfindungen, oder nicht den Sinnen entstehende Gedanken über die Prinzipien des Dhamma oder logische oder weltliche Prinzipien
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möglichen Dinge gestört wird. Ißt man aber, so verschlechtert sich das bhavana. Denn, sobald man sich satt gegessen hat, denkt man nur daran zu schlafen und nicht an Dhamma und seine feinen Bedeutungen, wie man es während der Fastenzeit tut. Das citta möchte daher nicht essen, weil nach dem Essen das bhavana nicht ordnungsgemäß vonstatten geht, was der Erwartung widerspricht, das bhavana würde effektiver sein, wenn der Körper gestärkt sei. So verläuft der Streit zwischen dem citta und den Körper-und Sinnesempfindungen.
Der Eigentümer143 muss entscheiden, welchen Weg er gehen will. Abwechselnd fasten und gut essen ist die beste Methode. Denn das citta gewinnt, während der Körper lernt, mit Entbehrung fertig zu werden. Man giert nicht ständig danach, mehr und mehr zu essen wie die Tiere, die immer nur fressen und schlafen. Zu viel Fasten kann man nicht ertragen, denn dann beginnt der Körper notgedrungen zu verfallen. Andererseits, wenn man sich mit Nahrung füllt, wird man träge und sucht nach dem Schlafkissen anstatt nach Dhamma und seiner Bedeutung, wie man es tut, wenn man fastet. Folglich hat das Fasten vielerlei Nutzen, wie zuvor beschrieben.
Wenn man fastet, steigert man seine Anstrengungen in allen Stellungen und Haltungen des Körpers bis zum Maximum. Man schläft wenig, nur einen Augenblick lang, was für die Bedürfnisse des Körpers ausreichend ist, um Einnicken und Schläfrigkeit zu unterbinden. Dies wird Menschen, deren Naturell dieser Methode entspricht, in die Lage versetzen, samadhi und panna voranzutreiben und schnell zu erlangen.
Das Hungergefühl, das gelegentlich stark in Erscheinung tritt, dauert nur während der ersten zwei bis drei Tage an und verringert sich dann mehrere Tage lang, aber das Schwächegefühl nimmt in der Tendenz zu. Das citta wird vom ersten Fasttag an stetig klüger und geschickter. Dies erregt das Bedauern des citta, wenn die Fastenzeit beendet wird, und lässt es wünschen, mit dem Fasten fortzufahren. Aber der physische Körper empfindet, dass er es nicht länger aushalten kann, und man muss diesem bis zu einem gewissen Grad nachgeben, weil er sonst nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert und die Körper-Geist-Verbindung zerfällt, bevor die kilesas beseitigt und vernichtet worden sind. Daher muss man Abhilfe schaffen, denn folgte man den Wünschen des Geistes, so würde der Körper aller Wahrscheinlichkeit nach nicht überleben. Gäbe man jedoch ganz und gar nach und ließe dem Körper einfach nur haben, was er will, so würde der Geist aller Wahrscheinlichkeit nach Dhamma nicht in der Weise „trinken“, wie er sollte und wie man beabsichtigt, dass er es tut.
143Mit „Eigentümer“ wird auf den Teil von einem selbst Bezug genommen, der die Verantwortung übernimmt. Dieser Begriff wird von den kammathana Praktizierenden gebraucht
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Fasten führt in Bezug sowohl auf samadhi als auch auf panna zu recht offensichtlichen Ergebnissen, die einen dazu veranlassen, über den Erhabenen Buddha nachzudenken, als er seine strengsten asketischen Übungen durchführte in der Absicht, Erleuchtung144 zu erlangen keine Nahrung zu sich nahm, einfach nur durch Fasten, ohne jedes Streben seitens des Geistes. Als er dies tat, führte es zu keinen Ergebnissen, als er aber den süßen Milchreis aß, den die Dame Sujata brachte und ihm gab, wenngleich er an jenem Abend bereits etwas Nahrung zu sich genommen hatte, war jeder Teil seines Körpers immer noch leuchtend, klar und sehr leicht. Dann, in eben jener Nacht, sobald er die Achtsamkeit auf den Atem (anapanasati) erlangt hatte, eine Herzensarbeit, war der Erhabene in der Lage, Erleuchtung zu erlangen. (der letzte Satz ist unstimmig, muss im Thai nachgesehen werden: Than Martin)
Es ist wahrscheinlich, dass die Wirkung des von ihm durchgeführten Fastens auf den Körper des Erhabenen das citta insofern unterstützte, als der Körper in jenem Augenblick für den Geist nicht zu sehr zu einer Belastung wurde. Wenngleich der Erhabene Fasten missbilligte, indem er sagte, dass er nicht dadurch Erleuchtung erlangt hätte, so ist es wahrscheinlich, dass er darin Fasten zum Zwecke der Unterstützung der geistigen Entwicklungsarbeit nicht einschloss. Es ist zu vermuten, dass er lediglich Fasten als einzigen Weg zur Erlangung der Erleuchtung -was der falsche Weg wäre -meinte, denn Erlangung der Erleuchtung, oder Erreichen des Dhamma, bezieht sich auf den Geist als wesentlichen Teil und in keiner Weise auf den Körper. Dies beruht auf der Tatsache, dass die kilesas allein im Geist vorhanden sind und nicht im Körper.
Da jedoch der Körper gewissermaßen ein förderliches Umfeld für die kilesas ist, kann er diese zahlenmäßig größer werden lassen und stärken. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Körper vor Kraft strotzt und dies auch zeigt, was dem gut geübten Geist sofort deutlich wird, der erkennt, dass „die khandhas außer Rand und Band geraten“. Die kilesas, die den Geist beeinflussen, werden höchstwahrscheinlich mit einbezogen und brausen ebenfalls auf. Dann ist man auf die eine oder andere Weise nicht in der Lage, ihrer Herr zu werden und sie werden einen nach unten ziehen, bis man vollständig im Sumpf versinkt. Wenn man dann zur Besinnung kommt, erkennt man -falls man hinsieht -was geschehen ist. Sieht man jedoch nicht hin, so hat man keine Möglichkeit, zu erkennen, was geschehen ist. Daher gibt man nach und gestattet den kilesas und den dhatu-khandhas, einen zu verleiten, zu was immer ihnen beliebt. Auf diese Weise vereinen sich Körper und kilesas. Ist das citta jedoch rein, dann stellen die Körperempfindungen und Sinneselemente keine Gefahr für das citta, dar. (Absatz nicht klar, Than Martin)
Für einige Menschen ist Fasten also sehr hilfreich bei der Übung des citta bhavana. Daher verbot der Erhabene das Fasten nicht ganz und gar, wenn es im Zusammenwirken mit bhavana genutzt wird. Dies ist
144 wörtlich: „Klares Erkennen von Dhamma “-Standard Formulierung in Thai für Erleuchtung
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einigen Regeln des Vinaya145 zum Fasten zu entnehmen, worin es heißt: „Ein Bhikkhu, der fastet, um sich gegenüber der Welt zur Schau zu stellen, begeht jedes Mal, wenn er fastet, ein Vergehen und auch dann, wenn er in einer Weise handelt, dass er sein Fasten zur Schau trägt. Fastet er aber, um den Bestrebungen des Geistes zu folgen, so mag er dies tun. Dies erlaubt der Tathagata.“ . Dies ist möglicherweise so, weil der Erhabene den Wert des Fastens als Hilfe für die Bestrebungen des Geistes für solche Menschen erkannte, die besonders dieser Art der Übung zuneigen. Daher gestattete es der Erhabene, diese Methode zu nutzen, und verbot sie nicht vollständig.
Für Menschen, deren Naturell für die Methode des Fastens nicht geeignet ist, hätte es wahrscheinlich keinen Wert, wenn sie es anwenden würden. Das ist ähnlich wie bei der Anwendung jener Übungsformen der kammatthana, die nicht den persönlichen Eigenschaften eines Menschen entsprechen und der Ausspruch „Des Einen Gift, des anderen Medizin“ ist hier angebracht.
Aus meinen Beobachtungen weiß ich, dass es anscheinend selbst heutzutage viele Menschen gibt, deren persönliche Eigenschaften für das Fasten geeignet sind. Deshalb bin ich hier darauf eingegangen, damit der Leser darüber nachdenken kann. Insbesondere im Wat Pa Baan Taad, meinem eigenen Kloster, gibt es viele Bhikkhus, die oft fasten möchten. In der Tat, es scheint fast so, als würde das ganze Kloster schichtweise fasten. Dies geschieht immerfort, seit das Kloster gegründet wurde, während der Trockenzeit, der Regenzeit und sowohl während der Vassa-Periode146 als auch außerhalb dieser. Gegenwärtig gibt es immer noch Mönche, die im Kloster in der gleichen Weise fasten, einschließlich der englischen und der anderen in westlichen Ländern geborenen Mönche, die dem Fasten zugetan sind, denn sie sagen, dass ihr bhavana viel bessere Fortschritte macht, wenn sie fasten, als wenn sie nicht fasten. Daher fasten sie häufig. Sie tun dies auch aus freien Stücken, da weder Zwang noch Pflicht zum Fasten besteht.
Die westlichen Bhikkhus können genauso gut fasten wie die thailändischen Bhikkhus und sie können es jeweils eine lange Zeit tun. Danach essen sie ein oder zwei Tage, bis sie wieder fasten. Einige fasten bis zu vierzehn oder fünfzehn Tagen und stehen es gut durch, wogegen andere neun oder zehn Tage lang fasten. Sie sind durchaus imstande, in der gleichen Weise zu fasten wie unsere thailändischen Bhikkhus. Werden sie gefragt, so sagen sie, dass das citta während des Fastens weit weniger dazu neigt, unruhig und unkontrollierbar zu sein. Es lässt sich dann leichter führen und ist sowohl ruhiger als auch friedlicher und
145 der erste Abschnitt der alten buddhistischen Texte (Ti-pitaka), in dem die Reden und Zitate des Erhabenen Buddha aufgezeichnet sind. Der Vinaya stellt alle Einzelheiten der Regeln für Tugend und des Verhalten für die Mönche und die Ereignisse, die zu diesen führten, dar.146 Regenzeit, während der sich die Mönche an einem Ort aufhalten
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann auch fester, wird nicht leicht abgelenkt oder gestört. Darum möchten sie oft fasten, damit sich das citta so schnell wie möglich fortentwickelt.
Wir empfinden mit ihnen und sind froh, dass sie es auf sich genommen haben, so weit her über das Meer zu kommen, um sich zum Mönch der buddhistischen Lehre (Sasana) ordinieren zu lassen. Sie praktizieren die moralischen Gebote des sila bhavana147 und nehmen Entbehrungen und Unzulänglichkeiten auf sich. Sie müssen ihnen ungewohnte Nahrung zu sich nehmen und sind viele Jahre lang weit weg von zu Hause, von ihren Familien und Freunden und sie beschweren sich in keiner Weise, dass sie Heimweh hätten oder sich nach ihrem Heimatland, ihren Freunden und Verwandten sehnten, mit denen sie so eng zusammengelebt hatten. Diese westlichen Bhikkhus ließen sich zum Mönch ordinieren mit der ernsten Absicht, Dhamma zu suchen und sich weiterzuentwickeln, was im Einklang mit der Tatsache steht, dass sie in eine Rasse hineingeboren wurden, die wirklich gescheit ist. Sie zeigen niemals irgendwelche Anzeichen des Hochmuts oder der Einbildung. In der Tat zeigen sie stets Demut und Bescheidenheit, die Respekt und Achtung verdienen. Im Umgang mit anderen Bhikkhus und Samaneras im Kloster verhalten sie sich gut und handeln angemessen.
Nahezu alle westlichen Bhikkhus in diesem Kloster fasten gerne, ohne dass sie dazu gezwungen würden. Sie sehen lediglich andere Bhikkhus fasten und erkundigen sich. Wenn sie die Gründe verstanden haben, probieren sie es selber aus. Danach sieht man sie regelmäßig fasten. Wenn man sie fragt, so sagen sie, dass dann ihr bhavana besser als sonst verläuft. Daher fasten sie dann regelmäßig.
Insbesondere während des vassa, einer Zeit im Jahr, in der keine anderen Tätigkeiten ausgeübt werden und in der Bhikkhus in diesem Kloster ihre Anstrengungen beim Üben steigern, gehen an einigen Tagen nur sehr wenige Mönche gemeinsam auf pindapata148 und essen zusammen, denn wer fastet, braucht nicht auf Almosenrunde zu gehen.
Jeder Bhikkhu fastet so lange, wie es für ihn angemessen ist, einige fasten vier bis fünf oder sieben bis acht Tage. Einige fasten länger, bis zu zwölf oder vierzehn Tage oder mehr, bis zum Ende der Regenzeit. Dies gilt für die thailändischen und die ausländischen Bhikkhus, die in gleicher Weise und viele Tage lang fasten.
In diesem Kloster findet während des vassa alle sieben Tage ein Dhamma-Treffen statt, um die Anstrengungen zur Entwicklung des Geistes zu fördern und zu unterstützen, damit er entsprechend den
147 Praxis der Tugend
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
gegebenen günstigen Bedingungen Fortschritte macht. Nach dem Ende der Regenzeit fallen sehr mühsame Arbeiten und Aufgaben für die Laien an, die kommen, um Dhamma zu hören, sila zu vollbringen, dana149 zu machen und andere kusala150 auszuüben. Dies ist Sitte bei den thailändischen Buddhisten und sie sind es seit Generationen gewohnt, denn es wurde schon von Anbeginn als im Zentrum des Buddhismus stehend betrachtet. Es ist daher äußerst lobenswert, denn solche Taten sind nicht nur gute Handlungen, die zu guten Ergebnissen für die führen, die sie vollbringen, sondern sie geben auch ein gutes Beispiel für die jungen Menschen der folgenden Generation.
Die Methoden der Selbstübung der Dhutanga Kammatthana Bhikkhus, die der Lehre des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann folgen, sind vielfältig und unterschiedlich, weil sie sich in jedem einzelnen Fall voneinander unterscheiden. Daher muss man sie, wenn man über sie schreibt, entsprechend ihren Unterschieden in verschiedene Kategorien unterteilen. Dies geschieht, damit du, der Leser, der du dies mit praktischem Interesse liest, jede beliebige Methode der Acariyas, die du für dich und für deine Lebenssituation als geeignet erachtest, aufgreifen und daraus Nutzen ziehen kannst.
Einige der Bhikkhus, die mit großem Interesse kammatthana übten, haben jahrelang nicht die Erfahrung gemacht, dass sich das citta in einen Zustand der Ruhe und Einspitzigkeit versenkte. Sobald sie aber durch Acariyas und ihre Freunde und Zeitgenossen im Dhamma von einigen effektiven Methoden der Übung und Disziplinierung verschiedener Art erfahren, diese aufgegriffen und selektiv ihren Neigungen entsprechend ausprobiert hatten, wurde ihr citta ruhig und friedlich. Dann waren sie in der Lage, feste und starke Wurzeln im citta zu entwickeln, und zwar in der gleichen Weise wie jene, denen es gelang, das citta in einen Zustand der Konzentration abzusenken, wenn in ihnen durch das Gebrüll der Tiger in der Nähe ihres Aufenthaltsortes Angst aufstieg, was sonst nicht möglich gewesen wäre.
Daher sind der Charakter einer Person und die Disziplinierungsmethoden des Dhamma, die für die Übungen verwendet werden, in jedem einzelnen Fall wesentlich für den Praktizierenden. So ist es beispielsweise für jene, deren citta stark, aktiv und wagemutig ist und sich nicht leicht einem Acariya oder jemand anderem unterwirft, wichtig, ihr eigener Lehrer zu sein und sich selbst zu üben und zu disziplinieren, wobei sie ihre eigenen besonders harten und strengen Methoden anwenden.
Einige Bhikkhus mit einem solchen Charakter leben gerne an Orten, wo sie großen Anforderungen ausgesetzt sind und Entbehrungen ertragen müssen, wo es an den vier Bedarfsgegenständen Dingen
148 Almosenrunde 149 Spenden 150 Wohltätigkeiten
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
mangelt. Manchmal müssen sie ohne auskommen, manchmal haben sie genügend davon, aber in der Regel mangelt es an Annehmlichkeiten. Zudem leben sie dann an Furcht erregenden Orten, um sich zu zwingen und voranzutreiben. Da Menschen aller Schichten und jeden Alters seit ihrer Geburt bestimmte Neigungen haben, reagieren sie günstig auf Druck. Denn es gibt keine Methode des geringsten Widerstandes und der Entspannung, mit der wir uns entwickeln und Erfolg haben können. Wir und andere sind gefordert, um uns zu dabei zu helfen, uns zur Tugend und zu unserem eigenen Nutzen voranzutreiben. Das können wir daran erkennen, wie unsere Eltern von Zeit zu Zeit ärgerlich wurden und uns schalten und hart behandelten, in der gleichen Weise wie die Acariyas uns gegenüber handeln und wie sie uns normalerweise in engem Zusammenhang mit dem Dhamma, das sie uns lehren und in dem sie uns trainieren, rügen und ermahnen, uns, die wir ständig unter ihrer Obhut und Führung leben. Immer nur angenehme und sanfte Worte bei Unterweisungen zu nutzen, ist sehr wahrscheinlich nicht in allen Situationen und bei allen Gelegenheiten angebracht, denn einige „schwierige Fälle“ reagieren recht gut auf „Zuckerbrot und Peitsche“. Die Belehrung muss daher aus einem guten Mix aus strengen und sanften Methoden bestehen.
Wenn ich von Rüge und Ermahnung spreche, denke ich mit Dankbarkeit an die hervorragenden Qualitäten des Ehrwürdigen Lehrmeister Mann, an die Art und Weise, wie er mich und die anderen Bhikkhus gelegentlich schalt, wenn wir uns einen Fehltritt geleistet hatten. Hierbei waren seine Haltung und seine Ausdrucksweise sehr Furcht erregend, wenn er seine Anhänger, die sich töricht verhalten hatten, tadelte und „auf Vordermann brachte“, um sie so durch Tadel und Ermahnung zu aufrechten Menschen zu machen. Betrachtete man die gerade Getadelten und Ermahnten, so taten sie einem sehr Leid, denn sie fürchteten sich so sehr, dass sie zitterten -wie Jungvögel im Regen. Aber das Ergebnis war, dass sie den Tadel und die Ermahnungen lange Zeit mit sich trugen. Solche Ergebnisse erzielt man, wenn andere einem helfen, mit den Übungen voranzukommen.
Was die Ergebnisse angeht, die aus der eigenen Praxis heraus entstehen, so wissen jene Ehrwürdigen, die sich mit bis an ihre Grenzen gehender Kraft und Fähigkeit geübt haben, selbst recht genau, welcher Art die Ergebnisse sind, wie zum Beispiel jene, die durch die Gehmeditation (cankama), nachdem sie sich vor dem Gebrüll der Tiger gefürchtet hatten, einen völlig ruhigen Geist entwickelten und wie sich dann das citta wandelte, mutig und furchtlos wurde, während sie immer noch ihre Gehmeditation so ausführten, wie man es nicht für möglich gehalten hätte. Deshalb ist die Praxis, sowohl in weltlicher Hinsicht als auch mit Sicht auf Dhamma, eine sehr wichtige Methode. Sie zu übersehen, kann sich nicht leisten, wer in seiner eigenen Entwicklung vorankommen will.
Kapitel 5
Geschichten übender Bhikkhus
Der Leser möge bitte verstehen, dass ich bei allen hier beschriebenen Übungsformen der Dhutanga Kammatthana Bhikkhus versucht habe, lediglich das niederzuschreiben, was tatsächlich wahr ist, was ich selbst gesehen oder von den Acariyas gehört habe, die unter dem Ehrwürdigen Lehrmeister Mann ausgebildet worden waren. Dies bezieht sich sowohl auf die kausalen Bedingungen -wie in einem Fall dieser Bhikkhu diese oder jene Eigenschaften hatte und sich daher auf diese Weise üben mochte, wogegen jener Bhikkhu sich auf jene Weise üben mochte -als auch auf die Ergebnisse, die sie durch ihre Übungen zusammen mit deren Ursachen erzielten, wie wir bereits dargelegt haben und darzulegen fortfahren werden. Die Namen jener Acariyas, die dieseÜbungen durchgeführt und Ergebnisse erzielt haben, werden nicht bekanntgegeben, um das zu bewahren, was man für sich behalten sollte. Es mag jedoch Ausnahmen in den Fällen geben, wo es erforderlich ist, die Identität eines Acariya zu nennen.151
Wenn ich solche Ausdrücke wie beispielsweise „einige Bhikkhus“ oder „in einigen Fällen üben sich Bhikkhus gerne auf diese Weise“ verwende, so sollte der Leser dies bitte als indirekte namentliche Nennung eines Bhikkhu verstehen. Folglich stehen die Worte „einige Bhikkhus“ oder „einige Fälle“ tatsächlich für den Namen eines bestimmten Bhikkhu, der sich auf diese oder jene Weise übte oder disziplinierte -wie zum Beispiel durch Fasten oder Gehmeditation, wobei man gegen das Gebrüll von Tigern ankämpft.
Zudem gilt, dass jede Variante der von den Bhikkhus angewendeten Übungs-und Disziplinierungsmethoden eine eigene Methode darstellt, durch die sie eindeutige und sichere Ergebnisse erzielt haben. Da sie alle in der Praxis erprobt worden sind, habe ich sie hier aufgeführt. Es muss daher festgehalten werden, dass nichts des hier Niedergeschriebenen Spekulation oder reine Vermutung ist, denn wäre dem so, gäbe es weder die Gewissheit, dass die Ergebnisse wahrund dauerhaft, noch, dass sie für die sich Übenden annehmbar sind. Der Leser sollte daher bitte begreifen, dass alles bisher Geschriebene und das noch Folgende den wahren Tatsachen entspricht, die den betreffenden Bhikkhus widerfahren sind. Ob es aber richtig oder falsch ist, solche Sachverhalte niederzuschreiben, unterliegt meiner Verantwortung als Verfasser, der ich die Schwäche habe, alles ohne ausreichende Abwägung schriftlich festzuhalten, was schon seit jeher meiner natürlichen Neigung entsprach. Ich hoffe daher, wie immer, dass der Leser mir dies verzeihen wird.
Die Methoden der Selbstübung und -disziplinierung, die diese Bhikkhus anwendeten, bis sie selbst Acariyas wurden, die Bhikkhus, Novizen und andere Menschen bis in die heutige Zeit belehren, scheinen Methoden zu sein, auf die niemand zuvor gekommen war, von denen vorher niemand etwas gehört hatte und die niemals zuvor als Methoden der Selbstübung betrachtet worden waren. Auch würde man in der heutigen Gesellschaft, die eher darauf aus ist, Ergebnisse zu erzielen, als die dafür erforderliche Arbeit zu tun, nicht glauben, dass es Menschen gibt, die wagemutig genug sind, diese Dinge zu tun und dabei ihr Leben zu riskieren, denn das Leben ist das, was die Menschen in dieser Welt mehr als alles andere bewahren wollen. Tatsächlich aber gibt es Menschen, die diese Übungen durchführen, die bereit sind, die damit verbundenen Risiken einzugehen, bis sie ein „lebendiges Wesen“ sind, das den Tod überdauert. Wenn es ihnen durch diese Übungen ebenfalls gelingt, Dhamma zu erkennen, so kann von jedem einzelnen dieser
151 seit dieses Buch geschrieben wurde, sind viele der Acariyas verstorben, deren Namen dann in dieser Übersetzung offengelegt werden.
Bhikkhus gesagt werden, dass er das „dem Tode trotzende Dhamma“ hat, weil die Ursache über den Tod hinaus reicht, sodass das Ergebnis gleichermaßen über den Tod hinaus führt. Solche Ursachen und Ergebnisse werden jedoch wahrscheinlich nicht von Bhikkhus erfahren, deren Interesse darin besteht, zu denken und fest zu glauben, dass ihr Leben so sehr wertvoll sei. Selbst wenn sie daran dächten, diese Übungsmethoden aufzugreifen, so wären sie wahrscheinlich wegen ihrer übermächtigen Verliebtheit in das Leben, die das in ihnen verborgene Dhamma für sie unsichtbar macht, nicht in der Lage, sie umfassend und tiefgreifend durchzuführen.
Auf der anderen Seite gibt es Bhikkhus, deren Interesse an den Prinzipien der Wahrheit gleich groß oder größer ist als die Sorge um ihr Leben, denn gäben sie diese Prinzipien auf, so würde es lediglich dazu führen, dass sich ihr Leben in ständiger Unordnung und andauerndem Tumult ohne Sinn und Ziel befände. Solche Bhikkhus überdenken und überprüfen sorgfältig, indem sie vergleichen, was den Acariyas und was ihnen selbst widerfuhr, wie sich ihr Leben in Bezug auf die Prinzipien der Wahrheit darstellt und in welcher Hinsicht sie den Acariyas überlegen oder unterlegen sind. So zum Beispiel: „Ich habe diese Übungen in dieser Weise durchgeführt, warum aber haben jene sie in jener Weise ohne Angst davor durchgeführt, dass der Maccu-Raja152 über sie lachen und sich über sie lustig machen könnte? Gibt es etwas Verborgenes oder für die Wahrheiten des Dhamma Hinderliches, das mich von ihnen unterscheidet? Wie können sie diese Übungen durchführen und die Risiken auf sich nehmen und erkennen, dass sie verschiedene Dinge an der Oberfläche und in der Tiefe erfahren haben, in die sie durch diese Methoden eingeweiht wurden und die ihnen durch diese enthüllt wurden? Sie vergeudeten ihr Leben auch nicht nutzlos, wenn siediese Methoden der Übung und Disziplinierung anwendeten. Ursachen und Ergebnisse, die ausdiesen Übungen entstanden, sind also ihre eigenen wertvollen Besitztümer, über die wir noch heute nachlesen können. Sie hatten auch physische Körperlichkeit, die sie in der gleichen Weise gehegt und gepflegt haben müssen, wie ich es tue, und sie waren Einzelpersonen, die wahrscheinlich Gefühle der gleichen Art hatten wie die Menschen überall auf der Welt. Wie aber waren sie dann wagemutig genug, solche Opfer zu bringen -und wofür? Jene Dinge, die sie taten, habe ich noch nicht vollbracht und jene Dinge, die sie wussten, habe ich noch nie erkannt. Aber warum? Wir alle sind Menschen in der gleichen Weise und wir alle erstreben die Dinge, die so gut und so wertvoll sind. Ich sollte daher eine ihrer Methoden aufgreifen, die für mein citta und meine Fähigkeiten gut geeignet ist, sie ausprobieren und herausfinden, welche Ergebnisse sie zeitigen.“
Wenn man daran interessiert ist, mit logischen Gedanken den Geist einzufangen und ihn zu den Prinzipien der Wahrheit zu führen, die mit dem vom Erhabenen gelehrten Dhamma in Einklang stehen, dann gibt es unabhängig von Geschlecht und Alter sicherlich eine Methode, die man akzeptieren, aufgreifen und anwenden kann, um aus ihr Nutzen zu ziehen. Denn „Wahrheit“ hängt in keiner besonderen Weise von Geschlecht oder Alter ab, sondern von logischem Denken und von der Suche nach dem Kern der Wahrheit, der in jedem Menschen steckt.
All jene Dhutanga Kammatthana Bhikkhus, die so lange übten und sich entwickelten, bis sie zu so beeindruckenden Persönlichkeiten wurden, dass wir es als angebracht erachten, dem Leser hier über sie zu berichten, zeigten, dass sie eine lebhafte und feste Absicht und ein Verlangen nach den Ergebnissen hatten, die sie anstrebten. Darum dachten sie, als sie all ihre Kraft und Mühe dafür einsetzten, nicht darüber nach, ob dies schwer oder leicht sein würde, ob sie leben oder sterben und ob sie gewinnen oder verlieren würden. Sie hatten lediglich die einzige unerschütterliche Entschlossenheit, dass sie Erfolg haben könnten, ohne einen Gedanken an die Schwierigkeiten und daran, ob sie leben oder sterben würden, denn die von ihnen unternommenen Anstrengungen begannen, die erhofften Ergebnisse stetig zu zeitigen. Sie waren von einer Art, die sie noch niezuvor erfahren hatten. Dadurch vergaßen sie alle ihre Ängste vollständig. Diese Dinge, die anderen Menschen, die Derartiges noch nie erfahren haben, als so erstaunlich erscheinen, sind bei vielen der
152 Der Herr des Todes
Dhutanga Kammatthana Bhikkhus zu sehen, wie bei denen, über die im weiteren Text dieses Buches nachzulesen sein wird.
Erste Begegnung mit einem Tiger
Nun wenden wir uns der Geschichte eines der Acariyas zu, der zu jener Zeit nachts seine Gehmeditation, hin und her vor einer Höhle in den Bergen, durchführte, ohne einen Gedanken daran, dass etwas Außergewöhnliches geschehen könnte. Bevor er mit seiner Gehmeditation begann, hatte er nämlich eine Kerzenlaterne153 aufgehängt, die genügend Licht gab, dass er deutlich sehen konnte, wohin er ging, und normalerweise wissen wilde Tiere, dass Feuer auf in der Nähe befindliche Menschen hindeutet. Sobald aber der Acariya in seine Gehmeditation vertieft war, hörte er einen Tiger auf der einen Seite etwas oberhalb des Pfades seiner Gehmeditation etwa vier Meter entfernt bedrohlich brüllen, wonach dieser von Zeit zu Zeit immer wieder brüllte.
Kaum hatte der Acariya das Brüllen gehört, da wusste er, dass dies ein Tiger war, und er fürchtete sich in seinem citta, blieb stehen und schaute in die Richtung, aus der das Brüllen kam. Da er aber den Tiger nicht sah, fuhr er mit seiner Gehmeditation fort. Fast unmittelbar danach hörte er das Brüllen wieder, hielt erneut inne und versuchte zu erkennen, woher es kam, aber er konnte wiederum keinen Blick erhaschen. Ein Angstgefühl kroch in ihm hoch und wurde immer stärker, bis er zitterte und ihm der kalte Schweiß ausbrach, der ihn durchnässte, obwohl es die kalte Jahreszeit und das Wetter gerade sehr kalt war. Aber er fasste all seinen Mut zusammen und widerstand der Versuchung wegzulaufen. Unterdessen knurrte der Tiger weiter. Er suchte daher nach einem Weg, sich aus seinem Zustand zu lösen, Mut zu gewinnen und die Kontrolle über sich zu gewinnen. Er dachte sich folgendes:
„Ich habe mit den Dhamma-Übungen in der gleichen Weise begonnen, wie sie es zu Zeiten des Erhabenen Buddha taten, als sie mit großem Mut handelten und bereit waren, alle möglichen Opfer auf sich zu nehmen, selbst das eigene Leben zu geben, ohne jegliches Verlangen oder Bedauern. In jenen Tagen soll es viele Tiere und Tiger gegeben haben, die den Bhikkhus gefährlich werden konnten. Es scheint aber nicht vorgekommen zu sein, dass jene wilden Tiere einen Bhikkhu zerfleischt hätten. Selbst wenn es vorgekommen sein sollte, so wird nur von sehr wenigen berichtet -vielleicht nur von einem oder zwei Fällen. Jene Bhikkhus aber erwarben Dhamma, vernichteten ihre kilesas und zeigten der Welt den Weg, bis die Menschen Vertrauen zu ihnen fanden und ihnen glaubten und sie als die erkannten, bei denen sie Zuflucht nehmen konnten. Dies hat sich bis in die heutige Zeit fortgesetzt und es scheint nicht so, als ob sie von Tigern zerfleischt worden wären.“
„Was mich betrifft, so bin ich ein Mönch der buddhistischen Lehre in der gleichen Weise, wie sie es zu Zeiten des Erhabenen Buddha waren, und ich übe mich, um das gleiche Dhamma zu erwerben, das zu dem einzigen Ziel führt -zum Achtfachen Pfad, zur Erfüllung und zum Ausgelöschtsein (Magga – Phala -Nibbana). Warum aber erstarre ich, sobald ich das Geräusch des Tigers höre, der da kommt, mich zu besuchen und zu fragen, wie ich vorankomme, und zittere wie jemand, der außer sich ist und sich eifersüchtig an seinen Körper, sein Leben und sein Herz klammert, als ob ich nicht bereit wäre zu sterben -in der gleichen Weise wie die Menschen in der Welt, wenn ihre Zeit gekommen ist? Warum also widersetze ich mich starrsinnig diesem Faktum der Natur, das schon immer gegeben war, bis zu dem Extrem, wo ich hier stehe und zittere, mich
153 Diese Laternen sind unter den Kammatthana Bhikkhus allgemein bekannt. Sie bestehen aus zwei Metallscheiben
(Zin, Aluminium, etc.) von etwa 5 Zoll im Durchmesser, die mit Hilfe einer Feder zu einem Rohr bedeckt mit
dünnem Baumwollstoff, und je einer Scheibe am oberen und unteren Ende zusammengefügt wird. Die obere
Scheibe hat eine Öffnung von etwa 3 Zoll in der Mitte und eine Kerze wird in der Mitte auf der unteren Scheibe
befestigt. Die Laternen werden gewöhnlich an geeigneter Stelle aufgehängt und geben ein gutes gleichmäßiges Licht
ab.
eifersüchtig an mein Leben klammere und nur nicht sterben will? Und warum stehe ich hier erstarrt und widersetze mich dem Dhamma des Erhabenen Buddha in solcher Weise? Schäme ich mich denn nicht angesichts des Tigers, der mich anbrüllt -mit Gelächter, gerade in diesem Augenblick? Wenn ich mich nicht vor dem Tiger schäme, warum denke ich dann nicht daran, mich nach innen zu wenden, um mich vor mir selbst zu schämen, ein Dhutanga Kammatthana Bhikkhu der ich hier stehe und zittere? Dies sollte reichen, mich achtsam zu machen, aufzurütteln und mich daran zu erinnern, dass ich ein Bhikkhu mit einer Berufung bin, der willentlich allem entsagt hat. Aber ich stehe hier und zittere, weil ich mich mehr um mein Leben sorge als um Dhamma, das schwerer wiegt als die Verhaltensweisen der Tiere. Und der Tiger da ist auch nur ein Tier, wogegen ich ein Mann und ausgewachsener Kammatthana Bhikkhu bin. Warum sollte ich mich daher so vor diesem Tiger fürchten? Das macht keinen Sinn. Und nehmen wir an, während ich hier so stehe und zittere wie ein junger Hund im kalten Wasser, mein Lehrer, mein Acariya, schickte sein citta154 zu mir, um zu erkennen, was hier vor sich geht -er würde mich auslachen, ebenso wie mich der Tiger gerade jetzt auslacht. Und wo verberge ich dann mein Gesicht? Das, was ich hier tue, ist absolut schändlich und bringt in wirklich abscheulicher Weise Schande über die buddhistische Lehre und meinen Lehrer, meinen Acariya, und über all jene, die sich üben, die alle Dhutanga Kammatthana Bhikkhus sind. Gerade in diesem Moment verhalte ich mich wie eine Witzfigur, über die der Tiger und alle in der Nachbarschaft dieses Berges lebenden devatas lachen, sodass ich mein Gesicht verliere. Was sollte ich daher tun, um den Ruf der buddhistischen Lehre und der Buddhisten wiederherzustellen, damit sie nicht verunglimpft werden wie verfaulter Fisch, der auf dem Markt verkauft wird, denn gerade in diesem Moment befinde ich mich in der Rolle des Fischhändlers, der sie zum Verkauf feilbietet?“
Während er sich beruhigte und sich schalt, befand er sich in einem Zustand der Verwirrung und Angst und der Tiger zeigte seinen Spott, indem er mit Gelächter brüllte, wobei er von Zeit zu Zeit pausierte. Das war gerade so, als ob er ihn ermahnte, achtsam zu werden und sich mit den Methoden des Dhamma zu kontrollieren, über die er in Verwirrung nachdachte und nach denen er suchte, und gerade in diesem Augenblick entsclossen und in rechter Weise zu handeln. Es schien, als ob er immer noch der Versuchung widerstand wegzulaufen, und allmählich gewann er seine Achtsamkeit wieder und mit ihr die folgende Methode oder Vorgehensweise: „Welche Wesen auch immer gegenwärtig sein mögen, ob Tiger, Menschen oder ich selbst, im Dhamma, so hat der Erhabene gelehrt, sind wir alle Gefährten, in dem Sinne, dass wir alle ohne Ausnahme in gleicher Weise dukkha, Geburt, Altern, Schmerz und Tod unterliegen. Selbst dieser Tiger, der mich anknurrt und vor dem ich mich so fürchte, dass ich fast wahnsinnig geworden wäre -wenn für jeden von uns beiden Geburt, Alter, Schmerz und Tod in gleicher Weise unser Los sind -was bringt es dann, dass ich mich vor ihm fürchte? Ob ich mich fürchte oder nicht, ich muss sterben, wenn meine Zeit gekommen ist, denn es gibt nirgendwo ein Wesen, das dem entgehen kann. Ich kam hierher, um mich in der Weise des samana Dhamma zu üben, ohne Neidgefühle und ohne jede Absicht, anderen Wesen Schaden zuzufügen. Wenn also dieser Tiger mein Fleisch und Blut braucht, um sich zu stärken, damit er weiterleben kann, so sollte ich glücklich sein, ihm dieses großzügige Geschenk zu machen. Dies wäre weit besser als dumpf hier herumzustehen, mich so stark in eifersüchtiger Weise an diesen lebenden Leichnam zu klammern, dass ich immer noch am ganzen Körper zittere und dabei dennoch nicht bereit bin, ihn an einen anderen Ort zu befördern.“
„Zum Mönch geweiht wurden jene, die Opfer bringen, und nicht jene, die sich eifersüchtig mit so viel Sorge an ihr Leben klammern, dass es für sie selbst und die Lehre eine Beschämung und Schande ist. Seit ich geboren wurde, habe ich das Fleisch und die Haut aller möglichen Tiere gegessen, von denen das Dhamma uns lehrt, dass sie unsere Freunde und uns ebenbürtig in Alter, Schmerz und Tod sind. Sie waren die Nahrung, die mich zu meiner jetzigen Größe wachsen ließ, sodass ich dank all des Fleisches und all der Felle dieser Tiere, die mich kleiden, keinen Schmerz
154 Mit anderen Worten Gedankenlesen
empfände, wenn ich gezwickt oder gekratzt würde. Und warum bin ich jetzt, da die Zeit gekommen ist, in der ich bereit sein sollte, meine Haut und mein Fleisch zu opfern und sie diesem Tiger zum Geschenk zu machen, so engherzig und knauserig wie ein Geizhals, der sich eifersüchtig daran klammert? Zudem hänge ich immer noch so zäh und fest an diesem Körper, dass er zittert, und diese Anhaftung ist so stark, dass ich nicht in der Lage bin, ihn loszulassen. Aber noch schlimmer ist, dass ich darum mit mir gehadert habe. Dennoch will das citta es nicht hinnehmen und auch nicht an Dhamma glauben und ihm gehorchen. Dann muss es in diesem Falle sicher bedeuten, dass meine Mönchsweihe aus reiner Eigenliebe erfolgte, weil meine Angst vor den dämonischen kilesas so stark ist, dass ich an nichts anderes in der Welt denke.“
„Wenn ich den kilesas mehr glaube als dem Dhamma, dann muss ich hier zitternd stehen bleiben und auf diesen Körper achten, dieser Anhäufung von Unzufriedenheit. Wenn ich aber an das Dhamma des Erhabenen Buddha glaube, dann muss ich dieses Blut und Fleisch dem Tiger als Nahrung opfern, damit sie sein Leben erhalten. Es bringt nichts zu warten. Was soll also werden? Der Weg des Dhamma oder der Sprung in den fürchterlichen Wasserstrudel geiziger Anhaftung? Mach schon! Entscheide Dich! Vergeude nicht die Zeit des Tigers, der wartet und nach diesem Mönch lauscht, der aus der Linie jener kommt, die den Dingen entsagen und Opfer bringen, um ihren Mut zu zeigen, der auf Weisheit basiert, die Situationen sorgfältig abwägt. Entscheide: ,Werde ich nachgeben oder anhaften?’“
Dieser angespannte Zweikampf zwischen dem Tiger und dem Acariya dauerte etwa eine Stunde lang und keine Seite war bereit, dem anderen gegenüber nachzugeben. Endlich entschloss sich der Acariya zum Nachgeben, weil er die Gefahr der besitzerischen Anhaftung an das Leben erkannte. Sein Geist wendete sich herum, wurde mutig und war randvoll von metta und Mitgefühl für diesen Tiger, indem er den Lehrvers des Dhammapada als Grundlage in seinen Geist aufnahm: „Alle Wesen ohne Ausnahme sind Gefährten in dukkha, Geburt, Altern, Schmerz und Tod“. Als er das Bild des Tigers, der sein Feind gewesen war, in seiner geistigen Vorstellung sah, veränderte es sich und wurde zum Bild eines engen Freundes, und er dachte daran, wie er ihn gerne streicheln und mit ihm liebevoll spielen wollte, in Mitgefühl und wahrer vom Herzen kommender Verbundenheit. So verließ er also seinen Pfad der Gehmeditation, ergriff die Laterne, die er zuvor auf der einen Seite des Pfades aufgehängt hatte, und ging mit Freundlichkeit und metta im Herzen direkt auf den Tiger zu. Als er aber zu der Stelle kam, wo er den Tiger vermutet hatte, war dieser nicht mehr da. Also machte er sich auf den Weg, um ihn im Wald der ganzen Umgebung zu suchen. Aber die ganze Zeit, die er umherging. um den Tiger zu suchen, erfüllt von Mut, Freundlichkeit und metta, konnte er keine Spur von ihm finden und er erfuhr nie, wohin er auf geheimnisvolle Weise entschwunden war. Nachdem er eine Zeit lang nach dem Tiger gesucht hatte, ohne ihn zu finden, wurde er des Suchens müde. Darauf sprach etwas aus seinem Herzen zu ihm, so als wäre jemand gekommen, um ihn zu warnen, und sagte: „Warum suchst du nach ihm? Erkenntnis und Selbsttäuschung entstehen nur in einem selbst und können in keinem anderen Wesen gefunden werden, weder in diesem oder in einem anderen Tiger. Die Todesangst, die dich gerade vor kurzer Zeit fast wahnsinnig gemacht hätte, ist einfach nur deine Selbsttäuschung. Die Erkenntnis des Dhamma des Erhabenen Buddha, die da lehrt, dass ,alle Wesen ohne Ausnahme Gefährten in dukkha, Geburt, Altern, Schmerz und Tod sind’, die dich befähigte, deine besitzergreifende Anhaftung vollständig aufzugeben, sodass dein citta von Freundlichkeit und metta erfüllt und ein Freund der ganzen Welt wurde, ist auch einfach nur deine eigene Erkenntnis. Diese beiden Geisteszustände gehören niemand anderem als dir selbst. Was suchst du also noch? Wenn es Erkenntnis gibt, dann sollte der, der erkannt hat, Achtsamkeit und Energie haben, das ist recht und angemessen. Fährt man aber fort, bei anderen Wesen, oder bei diesem Tiger, nach etwas zu suchen, dann kehrt man die Erkenntnis wieder um in Selbsttäuschung.“ Sobald diese Erkenntnis, die in ihm gesprochen hatte, endete, kehrte seine Achtsamkeit zu ihm zurück.
Der Acariya erzählte, er sei, als er umherging und nach dem Tiger suchte, der festen Überzeugung gewesen, dass der Tiger sein enger und vertrauter Freund war und dass er ihn streicheln, knuddeln und liebkosen würde, solange er wollte, und dass er nie daran gedacht hätte, der Tiger würde ihm etwas zu Leide tun. Ob dies aber nun der Fall sein würde oder nicht, wusste er nicht.
Hiernach ging er zurück und setzte seine Gehmeditation ganz entspannt fort, ohne jegliche Angst oder Furcht. Inzwischen war das gelegentlich immer wieder zu hörende Brüllen und Knurren, das er zuvor gehört hatte, verstummt und ward nie mehr gehört, weder in jener Nacht noch im Verlauf der Zeit, die er danach noch in dieser Gegend zubrachte.
Der Acariya erzählte, es sei ganz wunderbar gewesen, wie das citta, das so furchtsam war, dass es kaum den Körper aufrecht halten konnte und fast wahnsinnig geworden wäre, fähig wurde, sich zu wenden, kühn und mutig zu werden, sobald es auf verschiedene Weisen gemeistert und diszipliniert worden war, und wie es dann völlig bereit war, Fleisch, Blut und Leben aufzugeben und dem Tiger zu opfern, ohne jede Angst und Zittern oder Sehnen nach dem Leben.
Er erzählte, seit jenem Ereignis, immer dann, wenn er eine Geh-oder Sitzmeditation durchführte und das citta sich nicht problemlos beruhigte, dächte er an den Tiger und wünschte sich, dieser ihn aufspüren und oft anbrüllen würde. Dann würde sein citta angeregt und wachsam und schließlich ruhig. Darüber hinaus würde sich sein Geist verändern und werde angefüllt von metta und Freundlichkeit, wäre glücklich in Mitgefühl für alle Tiere -auch Tiger, denn wenn sich der Geist in dieser Weise durch die Geräusche aller möglichen Tiere, wie auch die von Tigern, verändert, dann ist das Glück, das entsteht, äußerst tief und jenseits aller Beschreibung.
Es gab noch einen anderen Gedanken, den der Verfasser zuvor zu erwähnen vergaß, und der in dem Acariya aufkam, als er nach dem Tiger suchte. Wie er erzählte, war es folgender: „Metta, die als Güte und Sanftheit empfunden wird, ist eine enge und harmonische Vertrautheit mit allen Wesen, sowohl mit den Feinden als auch mit allen anderen, einschließlich aller Menschen, der devatas , Indra, Brahma, Yama155, der yakkhas156 und Dämonen und aller in den Ti-Loka-Dhatu157 , und in einem solchen Zustand gibt es keinen, der als Feind gesehen werden könnte. Die Herzen aller Erhabenen und Arahants sind voll von grenzenloser metta für alle Wesen und jene, die metta haben, sind glücklich, ob sie wach sind oder schlafen.“
Was damals gesagt wurde, schien eine Lehre zu sein, die direkt auf mich allein zugeschnitten war, die sanft in meinem citta entstand, nur für mich allein hörbar und erkennbar. Ich kann mich an vieles davon recht deutlich erinnern, aber nicht an alles, was ich heute bedauere.
In einsamen und verlassenen Wäldern und Bergen zu leben, ist möglicherweise sehr nutzbringend, besonders für jene, deren Ziel und Streben Dhamma gilt. Wie zum Beispiel in diesem Fall des soeben genannten Acariya, der uns erzählte, wie sein citta freundlich und sanft zu allen Wesen ohne Ausnahme wurde, einschließlich des Tigers, den er finden wollte, um ihn zu knuddeln und zu streicheln und um in Mitgefühl mit ihm zu spielen.
Ich glaube ohne Vorbehalt an die Wahrheit dieser Geschichte, weil ich selbst eine ähnliche Erfahrung gemacht hatte. Ich hatte auch einmal so viel Angst, dass ich mich kaum selbst beherrschen konnte. Ich versuchte daher eine Methode, um mich selbst zu üben und zu bändigen, in ganz ähnlicher Weise wie der Acariya, über den wir gerade erzählten, bis zu dem Punkt, wo das citta von seiner störrischen Widerborstigkeit kuriert war, mutig und mit metta erfüllt wurde und fähig, ohne jede Angst nach seinen Feinden aller Art zu suchen. Sobald ich also die Geschichte
155 Herr des Todes 156 Riese, Ungeheuer 157 Die drei Welten der Existenzebenen
dieses Acariya gehört hatte, war ich tief beeindruckt, da sie mir zeigte, dass es immer noch Mönche gibt, die sich in den Wäldern und in der Wildnis üben, wie ich es getan hatte. Vorher hatte ich geglaubt, dass ich der Einzige sei, der dies getan hatte, da es nicht einfach ist, solche Erfahrungen Menschen näher zu bringen, weil sie außerhalb der als normal empfundenen Grenzen liegen, innerhalb derer Menschen überall (in der Welt) denken und überlegen.
Kapitel 6
Die asketischen Übungen (dhutangas)
Jede einzelne der dreizehn dhutangas ist fähig, kilesas aller Art zu bezwingen, was auf die wunderbarste, nahezu unvorhersehbare Weise geschehen kann. Die Übungen sind jedoch bereits ausreichend in der „Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann“ erläutert worden, sodass wir sie hier nicht ausführlich erklären, wenngleich daran erinnert werden muss, dass alle Dhutanga Bhikkhus, die Anhänger des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann sind, diese nach wie vor auf ihre vielfältigen Weisen gemäß der Tradition befolgen.
Jene der dreizehn dhutangas, die bereits ausreichend in der „Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann“ erklärt wurden, sind folgende, es sei denn, die Erinnerung des Autors ist lückenhaft:
1 Weilen (Leben) im Schatten eines Baumes.
2 Auf Almosenrunde gehen als regelmäßige Pflicht.
3 Essen aus der Almosenschale.
4 Nur einmal am Tage essen.
5 Sich nur mit Pamsukula-Roben158 bekleiden.
6 Die Verweigerung der Annahme von Nahrungsmitteln nach der pindapata.
Weitere Erläuterungen hierzu wären lediglich geringfügige Ergänzungen zu jenen, die bereits gegeben worden sind.
Nachdem ich Obiges niedergeschrieben hatte, ging ich zu meinen Ordensbrüdern und sprach mit einigen von ihnen darüber, dass ich nicht beabsichtige, meine Erläuterungen zu den dhutangas zu wiederholen, da diese bereits in „der Biographie“ enthalten seien. Die meisten von ihnen gaben jedoch zu bedenken, dass die Erläuterungen der asketischen Übungen hier wiederholt werden sollten, da man nicht sicher sein könne, dass alle Leser dieses Buches auch die „Biographie“ gelesen hätten. Einige hätten das Buch vielleicht noch nie gesehen und würden dann nicht wissen, wie wichtig die Einhaltung der asketischenRegeln für die Übung des Dhamma sind. So kam ich letztlich zu dem Schluss, dass es notwendig sei, hier einige Erläuterungen der Praktiken einzufügen. Ich bitte aber jene um Nachsicht, die bereits über dieasketischen Übungen in der „Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann“ gelesen haben. Sie mögen sich bitte nicht an der Wiederholung stören und verstehen, dass die Erläuterungen hier eingefügt werden,um jenen zu helfen, die noch nie etwas über die Einhaltung der 13 asketischen Übungen gehört haben.
Die Dhutanga-Regel des rukkhamula159 war die erste asketische Übung, die von Erhabenen Buddha durchgeführt wurde. An jenem Tag, an dem er Dhamma erkannte (erleuchtet wurde) und an dem die drei Welten bebten, saß er im Schatten eines Baumes -des großen Bodhi Baumes, den die Buddhisten bis zum heutigen Tage als einen heiligen Baum und gleichbedeutend mit dem Buddhismus (Sasana -Lehre) und dem Sasada160 betrachten. Auch als der Erhabene in das parinibbana161 eintrat, erfolgte dies im Schatten von Bäumen -den Zwillings-Sala-Bäumen162 . Dies wird unter „rukkhamula“ gemäß dieser Dhutanga-Regel verstanden.
158 Roben, die aus weggeworfenem Stoffmaterial hergestellt worden sind 159 Weilen im Schatten eines Baumes 160 Der Welten Lehrer, Lehrer der drei Welten des Daseins 161 Das Nibbana nach dem physikalischen Tod 162 Shorea robusta
Das Wohnen in einer geschlossenen Hütte mit einem Dach über dem Kopf bietet Schutz gegen vielfältige Gefahren und unterscheidet sich sehr stark vom Leben im Schatten eines Baumes. Dies kann man von jenen erfahren, die sowohl im Schutze einer Hütte oder eines vihara163 als auch „rukkhamula“, im Schatten eines Baumes, gelebt haben. Das Herz empfindet die Behaglichkeit und Wärme der Unterkunft und die große Einsamkeit im Schatten eines Baumes sowie den extremen Unterschied zwischen beiden. Dies umso mehr, wenn sich die Hütte oder der Baum in einem einsamen und wüsten Wald voll von wilden Tieren, einschließlich Tigern, befindet. Wer sich dort aufhält, wird ganz deutlich den außerordentlichen Unterschied zwischen Hütte und Baumschatten erkennen. Das Leben in einer Hütte in einem trostlosen Wald kann angenehm sein, da man sich entspannt niedersetzen und -legen kann, anstatt Vergnügen an der Meditationsübung zu suchen -die an Wertschätzung verliert, denn diese Lebensweise ist bequem und frei von allen möglichen Ängsten und Unsicherheiten.
Wer im Schatten eines Baumes in einem verlassenen Wald ohne Schutz lebt, sodass er keinen Ort der Zuflucht hat, wo er sich bequem und entspannt niedersetzen oder -legen kann, muss bei allem was er tut auf der Hut vor stets gegenwärtigen Gefahren sein. Seine Achtsamkeit und sein citta haben keine Zeit, sich voneinander zu trennen, was immer er gerade tut, denn da ist die Angst, dass sie „auf dem falschen Fuße erwischt“ werden könnten, wenn immer eine Gefahr im Anzug ist.
Der Unterschied bezüglich der Annehmlichkeit der einen und der Unsicherheit der anderen Lebensweise im Wald ist sehr groß. Wer im Schatten eines Baumes lebt, erleidet nahezu täglich in jeder Hinsicht viel. Was jedoch sein samadhi bhavana164 angeht, wenn er fest entschlossen ist, das Dhamma zu schauen, so entwickelt er es besser und gewinnt mehr durch „rukkhamula“, denn in allen seinen Körperhaltungen und Bewegungen handelt er wie ein Mensch, der etwas anstrebt, außer wenn er schläft.
Die gewaltige Angst vor der Gefahr zwingt ihn zu Aufmerksamkeit und Sorgfalt und dazu, seine Achtsamkeit zu bewahren, der er nicht zu gestatten wagt, sich seinem Herzen zu entziehen. Dies ist ohne Zweifel von großem Wert und hilft ihm, sich dieser Mühe zu unterziehen, die das citta dazu bringen kann, samadhi und Weisheit zu entwickeln. Daher ist für einen „Krieger“, der bereit ist, dem Tod ins Auge zu sehen, die dhutanga des Lebens im Schatten eines Baumes in einem wüsten Wald mit dem Kampf in vorderster Linie zu vergleichen. Auch wenn sein citta noch nie Ruhe erzielt hat, niemals erfahren hat, welcher Art samadhi und panna sind, noch nicht die Bedeutung von magga, phala und Nibbana kennt, wenn er innerlich Achtsamkeit in engem Kontakt mit seinem Geist entwickelt, sich bemüht, sie zu bewahren und am Entgleiten zu hindern, dann ist seine Meditationsübung richtig und durch Achtsamkeit abgerundet. Einerlei welchen Dhamma-Aspekt er als Gegenstand seiner Technik des parikamma bhavana benutzt, seine Meditationsübung ist ordnungsgemäß und durch Achtsamkeit abgerundet. In gleicher Weise kann, wenn Achtsamkeit da ist, die den Geist kontrolliert, bei der Untersuchung und Hinterfragung des wahren Zustandes der Natur sabhava dhamma165 , um diesen mit Weisheit klar zu erkennen, reine Weisheit entstehen. Achtsamkeit ist daher eine wesentliche Komponente (dhamma) des Geistes und ist bei allen Dingen, sowohl den nach innen als auch den nach außen gerichteten, von größter Bedeutung.
Mönche, die sich an verlassenen und einsamen Stellen im Schatten eines Baumes oder an ähnlichen Orten aufhalten um sich zu trainieren, haben daher eine weit bessere Möglichkeit, ihre Bestrebungen in dieser Weise zu fördern, als jene, die sich an Orten befinden, wo sie sich sicher und geschützt fühlen und keinerlei Ängste empfinden, wie beispielsweise in einer Hütte. Der Wert des Lebens im Schatten eines Baumes ist darin zu sehen, wie dieses einen davon abhält, sich in Selbstgefälligkeit und Selbstzufriedenheit zu entspannen. Auf diese Weise macht es einen achtsam auf sich selbst, was zur stetig voranschreitenden Entwicklung von samadhi samapatti166 und von Magga-Phala-Nibbana167 führt, ohne Zeitverschwendung
163 Unterkunft 164 Samadhi Praxis 165 der wahre Natur der Dinge 166 Samadhi in all seinen Stufen und Tiefen
oder Verzögerung und auch ohne Zweifel oder Unschlüssigkeit, bedingt durch Nachlässigkeit und Selbstzufriedenheit. Mönche, die in rukkhamula in wilden Wäldern gelebt haben, bis sie sich daran gewöhnt hatten, sind wie kampferprobte Krieger, die den Gegner nicht fürchten, denn sie können überall leben. Dies unterscheidet sie sehr von jenen, die nur wenig Training gehabt haben.
Der Ehrwürdige Lehrmeister Mun pflegte die Übung des Lebens im Schatten eines Baumes in einer Weise zu preisen, die bei seinen Zuhörern einen tiefen Eindruck hinterließ. Es war ein Thema, das er oft ins Gedächtnis rief und über das er bis zum Ende seines Lebens häufig, sprach. Gewöhnlich äußerte er sich darüber so, dass alle seine Anhänger zur Besinnung gebracht und veranlasst wurden, über ihre eigeneSituation nachzudenken, und ihr Interesse an der Übungsweise des Lebens in „rukkhamula“ geweckt wurde. Er pflegte zu sagen: „Wenn meine Bhikkhus etwas über sich selbst, im Groben wie im Feinen, lernen und ihren eigenen Fähigkeiten vertrauen wollen, sodass sie wissen, ob sie Bhikkhus sind, die sich im vollen Umfang trainieren, dann müssen sie beginnen mit der Übung des Lebens in rukkhamula, dem Leben im Schatten eines Baumes in einem einsamen Wald, voll von Tigern und anderen wilden Tieren, damit sie wachsam bleiben. Darüber hinaus wird sich hierdurch erweisen und zeigen, bis zu welchem Grade sie fähig und furchtlos und auch, in welchem Maße sie unfähig und feige sind, bis sie vollständig erkennen, was mit dem vom Erhabenen überlieferten Leben in ,rukkhamula' gemeint ist.“
„Hat man einmal seine angeborenen Ängste und den einem aus den unternommenen Anstrengungen erwachsenden Mut erkannt, der sie vertreiben kann, dann werden sila, samadhi, panna und das höhere Dhamma Stufe für Stufe größer. Sehr wahrscheinlich entwickeln sie sich in Verbindung miteinander und man wird den Fortschritt im eigenen Herzen, so wie er sich entwickelt, Stufe für Stufe erkennen. Auf diese Weise kann man den Wert dieser dhutanga zur Zufriedenheit des eigenen Herzens verstehen.“
„Alle, der Erhabene Buddha und seine Savakas förderten stets die Ausübung dieser dhutanga als einen verinnerlichten Teil ihres kämpferischen Lebens, vom Anfang bis zum Ende, und gaben sie niemals auf, denn sie ist der Wohnort jener Menschen, die wachsam und strebsam -nicht achtlos und selbstzufrieden -sind. Die Mühen, die sie im citta auf sich nahmen, führten zu Ergebnissen und zur Fortentwicklung, bis sie am Ende des Weges angekommen waren, und nichts im Universum ist damit vergleichbar. Darum entwickelte der Erhabene Buddha seine Lehre von der rukkhamula, um als Wegweiser zu dienen, der den Weg aufzeigte, so als würde er sagen: „Diesen Weg musst du gehen, wenn du alle Angst und Gefahr überwinden und dich von dukkha befreien willst. Ihr seid alle so trübe, lustlos und träge und was werdet ihr tun, um dies zu ändern? Dies ist kein langweiliger Ort, ungeeignet für Achtsamkeit und Weisheit, sondern ein Ort, der Achtsamkeit, Weisheit und Strebsamkeit auf jede Weise erweckt und wiederbelebt, sodass sie reifen, kraftvoll und durchdringend werden. Auf denn! Wir, der Tathagata, werden euch den Weg ohne Zögern weisen. Schludert nicht ziellos herum und glaubt, indem ihr eure schwere Last schultert, dass ihr genügend Kraft und Fähigkeit besitzt, jeder für sich allein so weiterzumachen. Wenn ihr nämlich in eine kritische Lage ohne Ausweg geratet, dann habt ihr nichts, auf das ihr zurückgreifen könnt. Ihr müsst jetzt schnell sein und ein geeignetes Schlachtfeld suchen, um den Sieg zu erringen, wie beispielsweise im Schatten eines Baumes. Dort erreicht das citta das für das Herz angemessene Dhamma, frei von kilesas und dukkha aller Art. Es war an einem Ort wie diesem, wo der Tathagata befähigt wurde, alle kilesas zu überwinden, sodass sie sich uneingeschränkt ergaben. Dort drüben ist der Sri-Maha-Bodhi Baum, das Symbol des großen Sieges des Tathagata. Wenn dies nicht rukkhamula ist, was ist es dann? Prinz Siddhattha wurde erleuchtet und wurde der Erhabene Buddha am Fuße des Sri-Maha-Bodhi Baums. Wenn du aber immer noch zweifelst, wo willst du dann hingehen und Dhamma suchen, wenn nicht an einem Ort wie den, wo der Erhabene es suchte und erkannte. Ein Ort wie dieser ist jenen heilig, die die Gefahr erkennen168 .
167 Pfad, Frucht und Nibbana 168 „Gefahr“ steht für die allgegenwärtige Gefahr für das Leben durch Krankheit, Leiden und Tod, die zu jeder Zeit entsteht. Es bedeutet auch die Angst vor dem, was dann in der Zukunft mit einem geschieht.
Denn wo sonst solltet ihr, in Verblendung tappend, hingehen, um nach heiligen Orten zu suchen? Das, was in euch selbst heilig ist, ist der am sehnlichsten erstrebte heilige Zufluchtsort, wünschenswerter als alles andere. Ihr müsst nach ihm suchen, bis ihr ihn findet. Der Ort, an dem danach zu suchen ist, ist das eigene Herz, wobei ihr abhängig seid und unterstützt werdet von einem geeigneten Ort als Feld der Erforschung eures Innern.“
Welchen Aspekt des Dhamma der Ehrwürdige Lehrmeister Mann auch zeigte, wie beispielsweise den zuvor dargelegten, es hinterließ einen tiefen Eindruck und ergriff die Herzen der Zuhörer. Denn es war eine Belehrung aus dem klaren Wissen und wahren Verständnis eines Menschen, der in sich selbst aufrichtig war. Da war kein Platz für Zweifel und es gab keinerlei Gedanken daran, dass die Übungspraxis zur Erreichung des Weges, der Erfüllung und des Nibbhana in einer anderen Weise durchgeführt werden könnte als in der Weise eines Menschen, der sie einzig und allein durch „samici-kamma169“ ausführt. Dies traf umso mehr zu, wenn man den Belehrungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann direkt zuhörte, denn das war gerade so, als würde er den Weg, die Frucht und das Nibbana aus seinem Herzen hervorbringen, sodass seine Anhänger, die geistig blind waren, es fühlen konnten, stark genug, dass sie es mit Bedauern ersehnten, bevor er es wieder an den Ursprungsort zurückbrachte. Mit andern Worten, wenn der Ehrwürdige Lehrmeister Mann eine Dhamma-Rede hielt, so schien es beinahe so, als ob er es aus sich selbst hervorbringen würde, damit es andere sehen konnten. Sobald er geendet hatte, schien es, als würde er es wieder dorthin zurückbringen, wo es hergekommen war -in sein eigenes Herz. Ihm zuzuhören gab uns das Gefühl, als würden wir schweben und auf Wolken gehen. Sobald er aber endete, wurden wir zu einem Haufen Blinder, die nach dem Weg tasteten und ihn nicht finden konnten. Unsicher waren wir über dieses und jenes, im Glauben, dies sei gut und jenes am besten. Wir ergriffen sowohl die Hülse als auch das Reiskorn und befassten uns sowohl mit allem möglichen Unwesentlichen als auch mit den wesentlichen Dingen, was zu nichts Wertvollem führte. Man könnte auch einfach nur sein Schicksal hingenommen haben, um es dabei zu belassen.
Am Fuße eines Baumes leben (rukkhamula)
Der Ehrwürdige Lehrmeister Mann sagte, dass dies ihm immer bemerkenswerte Ergebnisse gebracht habe. Er liebte es daher, an solchen Orten zu verweilen, und wurde dessen niemals müde. Verweilt man an Orten ohne Dach und Wände oder andere Dinge, die vor Gefahren schützen, so muss sich das citta fürchten und unsicher fühlen. Dies ist vor allem nachts der Fall und wenn jemand ganz besonders ängstlich ist, so erblickt er in allem, was er sieht, Tiger. Daher sollte jemand, der sehr ängstlich ist, sich bei Tageslicht merken, wo alle Büsche um seinen Aufenthaltsort herum verteilt sind, damit er sie nachts erkennen kann und weiß, was sie sind. Andernfalls werden die Büsche in seiner Vorstellung zu Tigern, die ihn die ganze Nacht in die Irre führen, sodass er kaum in der Lage sein wird, zu schlafen oder Meditation zu praktizieren.
Wer am Fuße eines Baumes lebt, ist weit umsichtiger und vorsichtiger als jemand, der sich in einem geschlossenen Raum aufhält, sowohl was die mit seinen täglichen Verrichtungen verbundenen körperlichen Bewegungen als auch was das Liegen und Schlafen sowie sein samadhi betrifft. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich sein citta entwickelt und schneller Fortschritte erzielt, trotz der Tatsache, dass keinerlei Druck auf ihn ausgeübt wird und ihn niemand dazu zwingt. Im Gegenteil, jeder Bhikkhu, der sich entscheidet, nach einer Methode des Trainings und der Selbstdisziplinierung zu suchen, nimmt dies freiwillig auf sich.
Manchmal, wenn ein Bhikkhu unter seinem Moskitonetz und im Schatten eines Baumes sitzend samadhi praktiziert, schleicht sich ein Tiger an ihn heran, um ihn sich anzusehen und ihn zu beschnuppern. Einige kommen vielleicht ganz dicht an den Ort heran, wo sich der Mönch aufhält, aber sobald sie erkannt haben, dass es sich hier um einen Menschen handelt, ziehen sie sich schnell zurück und entfernen sich, um niemals
169 Angemessene und rechte Handlungen
wiederzukommen. Möglicherweise kommt ein Tiger ganz nahe heran, weil er nicht weiß, was da ist, und weil er so etwas noch nie gesehen hat. Es gibt aber Tiger, die über ungewöhnliche verborgene Eigenschaften zu verfügen scheinen, die sie sehr misstrauisch machen. Dies zeigte sich an dem Erlebnis eines Bhikkhus, der nachts seine Gehmeditation durchführte, ohne eine Laterne angezündet zu haben, denn es schlich sich ein Tiger bis auf zwei Meter Entfernung an das Ende des Meditationspfades heran, kauerte sich nieder, um den Mönch zu beobachten, und entfernte sich nicht. Dann hörte der Bhikkhu ein leises Geräusch, das er nicht einordnen konnte. Daraufhin leuchtete er mit einer Taschenlampe in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war, und sah diesen Tiger, der sofort davonsprang und danach nie wieder kam. In diesem Falle handelte es sich um einen großen gestreiften Tiger, etwa so groß wie ein Rennpferd. Es war kein Leopard, der sich gerne heranschleicht, um Hunde, die oftmals Menschen begleiten, wenn sie in die Wälder gehen, zu fangen und zu fressen.
Die dhutanga Bhikkhus, die nach der rukkhamula-Art leben, machen verschiedene schreckliche und furchterregende Erfahrungen, von denen hier nur einige beschrieben wurden. Stellen Sie sich als Leser vor, Sie befänden sich in der Situation eines dieser nach rukkhamula Art lebenden Bhikkhus und machten all diese Erfahrungen. Wie wäre Ihnen zumute? Könnten Sie das durchstehen und die Disziplin aufbringen, bis daraus ein Teil Ihrer eigenen Lebensgeschichte würde? Das wäre eine schöne und wunderbare Biographie und dieses Buch hätte einen Wert, beispielhaft, um zukünftigen Generationen als Richtschnur im Herzen zu dienen. Wer aber die Mühen und das asketische Training nicht auf sich nehmen kann, für den besteht Grund zu fürchten, dass eine Biographie der Art entsteht, die ihn, seine Ordensbrüder und die Lehre, die allen Buddhisten am Herzen liegt, in Misskredit bringt, eine Befleckung, die lange durch nichts bereinigt werden kann. Er wird auch zu einem Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen, wodurch wiederum die Sphäre der kammatthana und der Lehre minderwertig werden, weil sie von jemandem abhängen, der unfähig ist und all diese Dinge von unvergleichlichem Wert mit sich in den Ruin zieht.
Setzt man lediglich seine Vorstellungskraft ein, um es für einen Moment auszuprobieren, so reicht dies aus, um zu erkennen, wie beschwerlich für den Körper und wie qualvoll für den Geist der Weg jener ist, die danach streben und kämpfen, solche Methoden anzuwenden. Sie tun dies gleich zu Beginn ihres Lebens als Dhutanga-Kammatthana-Mönche, bis sie in der Lage sind, in allen Formen des Dhamma Wurzeln zu schlagen, weil sie entschlossen sind, diesen Weg zu gehen, wie beschwerlich er auch sein mag. Wo immer Menschen leben, jemand, der willensstark genug wäre, diesen Weg zu gehen und Opfer wie diese zu bringen, ist schwer zu finden. Denn die meisten Menschen fürchten sich davor zu leiden und denken nur an sich und nicht an Dhamma, den Weg, der zur Befreiung von Leiden führt.
Das Leben ohne Obdach und Schutz vor jeder möglichen Unbill kann eine entscheidende Rolle spielen, damit jemand erkennt, dass er Entsagungen vielfältiger Art auf sich genommen hat und von nichts abhängig ist. Sollte sich etwas ereignen, das zu seinem Tode führt, so ist er bereit, sich dem zu fügen und es auf ganz natürliche Weise geschehen zu lassen, ohne dagegen anzukämpfen oder Widerstand zu leisten mit Methoden, die auf der Überzeugung von der Wichtigkeit der eigenen Person beruhen. Wenn die Nahrungsmittel knapp sind oder es an jenen lebensnotwendigen Dingen mangelt, von denen die Welt abhängt und die sie für erforderlich hält, so nimmt er dies dem Dhamma zuliebe hin. Er zeigt keinerlei Anzeichen von Bedrückung und Entbehrungen oder Verärgerung in seinem Herzen, was zu einer Steigerung des Leidens führen und dies noch erdrückender machen würde. Was das Leiden und die Entbehrungen betrifft, die durch die harte Arbeit seiner Bestrebungen entstehen, so nimmt er diese hin und auf sich, weil er durch seine Anstrengungen die Befreiung von Leiden erreichen will. Selbst angenommenen, ein hungriger Tiger käme vorbei, um ihn zu beißen, wegzuschleppen und zu fressen, so würde er sich hingeben und sein Leben opfern mit der Einstellung im Herzen: „Ich bin ein Bhikkhu, der bereits allem entsagt hat.“ Er hat keinerlei eifersüchtig gehegte Anhaftungen, die ihn davon abhalten, alles für das höchste Dhamma zu opfern, und er lebt daher überall in Zufriedenheit.
Wenngleich das Leben, wie es von jenen nach Art des rukkhamula im Schatten eines Baumes im Geiste der Entsagung geführt wird, keine Bedeutung für Menschen im Allgemeinen haben mag, so hat es dennoch eine Bedeutung im Dhamma, das den höchsten Wert besitzt. Daher bekommen diese, entgegen der Ansicht und Meinung der Menschen in der Welt, welche deren Leben und Handlungen als bedeutungslos erachten, unschätzbarem Wert. Menschen, die solche Opfer bringen können, sind jedoch selten zu finden. Der Erhabene Buddha erkannte mit Einsicht, wie wichtig die Eigenschaften dieser dhutanga als effiziente Methode zur Unterwerfung der kilesas im Herzen der in der Welt lebenden Menschen waren. Darum verordnete er jenen in der Welt, die bereit waren, ihm zu folgen, diesen Weg zu gehen, damit jene, die das Herz eines Kriegers haben, befähigt würden, das Endziel des Lebens der Reinheit (brahmacariya) zu erreichen. Der Zweck dieser Lehre ist, ihnen als ein Vehikel zu dienen, in welchem sie durch die Welt des samsara reisen und im Kampf obsiegen können, um dem Erhabenen Buddha zu folgen und schnell mit ihm auf die gleiche Stufe zu gelangen, ohne lange darauf warten zu müssen. Denn diese Regel des Dhamma dient den Praktizierenden als Ansporn, damit sie entschlossen und entschieden ihrem Ziel, das Leben in Freiheit von der Unzufriedenheit (dukkha) zu erreichen, zustreben können. Es gibt keinerlei Zweifel daran, dass dies in Abhängigkeit von all jenen Dingen des Umfeldes erfolgen kann, die als Ansporn dienen, die sie fördern und anhalten, stetig und regelmäßig ihre Bestrebungen zu verfolgen, bis es ihnen gelingt, das Ziel zu erreichen, ohne auf Hindernisse zu treffen.
Die vorangegangenen Ausführungen genügen als knappe Erläuterung des Weges für jene Bhikkhus, die daran interessiert sind und die vielleicht einen Vergleich zwischen sich und diesen Wald-Bhikkhus anstellen möchten, denn beide Gruppen streben danach, sich auf dem Wege des Dhamma zu entwickeln. Sie mögen ihnen auch hinreichend klar gemacht haben, wie sie praktizieren sollten, um auf einen Weg zu gelangen, auf dem sie dukkha sicher und gründlich entfliehen können, ohne herumzusitzen und -mehr oder weniger -auf dukkha zu warten, das aus den Aktivitäten des citta entsteht. Denn, das citta ist der Führer, dasjenige, das gewohnheitsmäßig Gefallen an Dingen hat, die in seine Umlaufbahn geraten.
Diese Dhamma-Wahrheit ist so wichtig, dass es nicht fehl am Platze ist, sie als das erste Grundprinzip des kammatthana zu bezeichnen, denn nahezu alle Dhutanga Kammatthana Bhikkhus, die aufrichtig die Bedeutung von Dhamma suchen, praktizieren diese Dhamma-Regel gern. Ich, der ich dies schreibe, weiß nicht viel und ich bin überhaupt nicht klug, doch habe ich ein Herz und muss diese Dhamma-Regel einfach mögen. Es ist nur so, wenn ich es zu erreichen suche, erlange ich es nicht, und ich gebe daher meine Lage ohne Scham zu.
Die dhutanga-Regel der pindapata
Pindapata ist eine wesentliche Pflicht jener Bhikkhus, die als Söhne der Sakya im Sangha (Sakyaputta Buddha-Jinarasa) ordiniert sind. Dies ist im Buddhismus eines der offensichtlichsten Merkmale und es wird allgemein von den Bhikkhus anerkannt, dass pindapata ein wesentlicher Teil ihres Lebens ist. Das zeigt sich in den Anweisungen anusanas170, die allen Bhikkhus nach der Ordinationszeremonie gegeben werden. Dann werden sie sowohl über das Leben im Schatten eines Baums (rukkhamula senasana) als auch über pindapata unterwiesen. Diese Anweisungen werden als so wichtig angesehen, dass sie nach jeder Ordinierung wiederholt werden. Der Erhabene Buddha hatte diese beiden Praktiken zu seiner Herzensangelegenheit gemacht und sie immer als wichtige Pflichten angesehen, die er bis zum Tag seines parinibbana einhielt. Die einzigen Ausnahmen bildeten Umstände, die es ihm unmöglich machten, diese Pflicht zu erfüllen, wie beispielsweise, als er die vassa im Lelaika Wald mit dem Elefanten Palilayyaka verbrachte, denn in jenem Wald lebten keine Menschen, die ihm hätten Nahrungsmittel geben können, wenn er auf pindapata ging.
170 Instruktionen, Ratschlägen
Die regelmäßige Ausübung der pindapata ist eine Pflicht, die denen, die sie ausüben, Frieden und Glück im Herzen bereitet. Dies bedeutet erstens, dass man sich beim Umhergehen an Orten, wo es Häuser gibt und wo Menschen zusammenleben, und auch wenn man zu solchen Orten geht oder von ihnen kommt, ständigum seine eigene Entwicklung bemüht, was dem Üben von cankama an dem Ort, an dem man sich aufhält,gleichzusetzen ist. Zweitens ist es eine Änderung der Körperhaltung und körperlichen Aktivität für die Zeit, während der man auf pindapata geht. Drittens können jene, die ständig damit befasst sind, Weisheit zu entwickeln, wenn sie pindapata gehen, gelegentlich verschiedene Dinge vorübergehen hören oder sehen, die in ihre Sinnespforten gelangen und sie erregen. Diese Dinge können die Weisheit fördern und sie können sie packen und aus ihnen Nutzen ziehen. Viertens überwindet pindapata die Trägheit, eine denjenigen Menschen angeborene Eigenschaft, die nur Ergebnisse haben wollen, aber zu träge sind, jene Handlungen durchzuführen, ohne die es keine Ergebnisse gibt. Fünftens überwindet sie die Einbildung, die uns glauben lässt, dass wir hochrangige und wichtige Menschen seien, deren Familie seit langem in der Oberschicht etabliert, reich und wohlhabend in jeder Weise ist. Deshalb missfällt einem pindapata, die einen praktisch zum Bettler macht.
Das, was man während der pindapata erhält, kann man essen und es reicht aus, um einen am Leben zu erhalten. Es ist aber nicht so viel, um den Körper an Kraft und Energie gewinnen zu lassen, sodass er zum Feind des Herzens wird, das sich um Dhamma bemüht, und den Fortschritt erschwert.
Wenn man einmal am Tage isst, sollte man ausreichend essen, aber nicht so viel, dass der Magen schwer wird und man Verdauungsschwierigkeiten bekommt, weil man die natürliche Kapazität des Verdauungssystems überlastet hat. Im Allgemeinen werden Fasten und Hunger als normal angesehen für alle, die Dhamma untersuchen, um dukkha restlos zu beseitigen. Darüber hinaus sollte man, wenn man nur einmal am Tage isst, auch untersuchen und überlegen, welche Nahrungsmittel für den Körper wertvoll sind, dem Magen keine Schwierigkeiten bereiten und auch für das citta von Wert sind, sodass die Meditationsübungen (bhavana) ruhig verlaufen und das citta nicht durch unzuträgliche Ernährung getrübt wird. Beispielsweise sind Nahrungsmittel, die zu scharf gewürzt oder zu sehr gesalzen sind, was zu Sodbrennen führt und einen bedrückt, keine Hilfe bei den Bemühungen um Dhamma. Körper und Geist (Herz) sind eng miteinander verbunden und können einander schnell beeinflussen. Es wird daher gelehrt, wenn man die Wahl hat, jene Nahrungsmittel auszuwählen, die sowohl für den Körper als auch für den Geist förderlich (sappaya) und wertvoll sind. Hat man aber keine Wahl und weiß man, dass die einem vorgelegten Nahrungsmittel nicht vorteilhaft auf das Wohlbefinden wirken, so ist es besser, nichts davon zu essen. Äße man sie dennoch, so würde man nur den Körper schädigen und im Geiste dukkha und Angstgefühle bewirken. Wer aber nur einmal am Tage isst, achtet wahrscheinlich sehr genau auf sich selbst, sodass er nicht vom Wohlgeschmack der verschiedenen Nahrungsmittel verleitet wird.
Ob ein Dhutanga Kammatthana Bhikkhu die Praxis ausübt, im Schatten eines Baumes zu leben (rukkhamula), als regelmäßige Pflicht auf pindapata geht oder regelmäßig nur einmal am Tage isst, all dies sind lediglich seine eigenen Trainingsmethoden, um Druck auf die kilesas auszuüben, die zu Unruhe und Instabilität des citta führen. Durch dieses Training wird die Kraft der kilesas beschnitten, sodass sie nicht mutig und vital genug sind, um ungestüm wie ein störrisches Pferd auf dem Schlachtfeld auszukeilen. Daher besteht der Wert, der aus diesen Dhutanga-Praktiken gewonnen wird, darin, dass sie Körper und Herz leicht machen und beflügeln, sodass sie sich leichter als normalerweise trainieren lassen. Der Körper hat dann nicht so viel Vitalität, dass er zu einer Belastung für das citta wird, als wenn man ihn so viel essen, hier und da eine Zwischenmahlzeit einnehmen oder etwas naschen lässt, was äußerst hemmungslos wäre. Dies unterscheidet sich sehr von der Lebensweise der Dhutanga Kammatthana Bhikkhus, die lernen und sich darin üben zu wissen, was bei allem, womit sie zu tun haben, vernünftig und angemesssen ist.
Aus der Almosenschale essen
Dies ist die dhutanga, aus einem einzigen Gefäß zu essen, was bedeutet, dass man alle Nahrung aus der Almosenschale zu sich nimmt, worin sie gesammelt wurde. Sowohl Pikantes als auch Süßspeisen befinden sich in nur einer Schale und werden nicht in getrennten Gefäßen außerhalb der Schale aufgetragen. Dies würde nämlich in der Tendenz Gefräßigkeit und Völlerei fördern, was im Widerspruch zum Wesen eines Dhutanga-Bhikkhu steht, der sich entschlossen hat, einfach zu leben und mit wenig zufrieden zu sein. Dies ist richtig und angemessen für ihn, denn dann ist er nicht mit all den Vorbereitungen für Essen, Sitzen, Schlafen und so weiter befasst.
Der Wert, den Bhikkhus durch das Essen aus der Almosenschale gewinnen, kann groß sein. Dies hängt von der Stärke der Achtsamkeit und der Weisheit des Einzelnen ab, mit der er diesen Wert zu seinem eigenen Nutzen forschend untersucht, nach ihm sucht und ihn herausarbeitet. In der Ausübung dieser dhutanga gibt es auch drei Stufen -die niedrigste, die gemäßigte und die hervorragendste. Auf der niedrigsten Stufe werden alle Nahrungsmittel, wenngleich sie in die eine Schale gegeben werden, für sich und so in der Schale angeordnet, dass die verschiedenen Arten der Speisen voneinander getrennt sind. Beispielsweise befinden sich pikante Speisen und Reis auf der einen Seite der Schale und Süßspeisen auf der andern. Oder, sie sind möglicherweise durch ein geeignetes Nahrungsmittel,wie zum Beispiel eine Banane, die die Vermischung der Speisen verhindert, voneinander getrennt, Für die gemäßigte Stufe gilt, dass ebenfalls alle Speisen in die Schale gegeben aber nur so weit voneinander getrennt werden, dass sie, in sich als Einheit intakt, nicht miteinander vermischt werden. Auf der hervorragendsten Stufe werden alle Speisen, gleichgültig ob süß oder pikant, miteinander vermischt und in keiner Weise voneinander getrennt gehalten.
Bevor er nun in die Schale greift um zu essen, sollte der Bhikkhu darüber nachdenken (paccavekkhana): Patisankha yonisa pindapatam patisemavi... etc.171 Dies ist eine angemessene Art und Weise der Betrachtung all der Speisen, die da zusammen in einer Schale sind. Er sollte dies mit aller Kraft der Weisheit, über die er verfügt, mindestens eine Minute lang tun, denn das Gute, das aus dieser Betrachtung entsteht, wenn sie richtig durchgeführt wird, ist in geheimnisvoller Weise in den vermischten Speisen verborgen.
Eines Tages wird man unerwartet aber sehr entschieden die Gelüste (tanha) sehen, die sich hinter dem Hunger der dhatu khandha (dem Körper), welcher normalerweise nicht als tanha172 angesehen wird, verbergen. Aber der Hunger von tanha, der sich hinter dem Hunger der dhatu khandha verbirgt, ist in der Tat sehr geheimnisvoll, äußerst schwer zu erkennen und sehr schwer in den Griff zu bekommen, weil tanha ständig seine Spuren verwischt und den Hunger der dhatu khandha, der zu jener Zeit äußerst groß ist, durchdringt und infiltriert. Dies verschleiert die Tatsache, dass auch der normale Hunger der dhatu khandha von der unsichtbaren Natur der kilesas durchdrungen ist. Man lernt diese Art von kilesas dann mit Hilfe der Untersuchung vor und während der Mahlzeit sehr gut kennen und wird die Heilkraft von patisankha yoniso… als wirksamste Waffe zur Zerstörung dieser Art unsichtbarer kilesas schätzen lernen. Man wird diesen Dhammavers dann weder in seinen inneren noch in seinen äußeren Angelegenheiten vergessen und schließlich zu jemandem werden, der es in allen Körperhaltungen in seinem Herzen besitzt.
Die Methode der Analyse der verschiedenen Arten von Nahrung und die Untersuchungsmethoden wird aus der Befürchtung, dass dies zu weit führen würde, nicht im Einzelnen erklärt.
171Dieses sind die ersten Worte einer Reflektion, die den Mönchen gegeben wurde und die sie täglich rezitieren. Sie lautet in etwa: Mit Weisheit betrachte ich dieses Almosenessen (pindapata). Es dient nicht dem Genuss, dem Vergnügen, der Verschönerung, der Kräftigung dieses Körpers. Es dient nur zur Erhaltung dieses Körpers, ihn gesund am Leben zu erhalten um meinen heiligen Lebenswandel zu unterstützen. So denkend, möge ich den Hunger beseitigen ohne mich zu überessen, so dass ich ohne Tadel und leicht leben kann. 172 Begierde
Die Dhutanga-Regel, nur pamsukula173 Stoffe zu verwenden
Die Einhaltung der Regel, nur pamsukula Stoffe zu verwenden, ist die Methode zur Vernichtung der kilesas, welche die weltlichen Ambitionen und den Wunsch nach Schönheit und Attraktivität betreffen. Diese kilesas werden von den weisesten Männern als widerlich und überheblich angesehen, wogegen alle durchschnittlichen Narren der Welt sie mit Stolz und Befriedigung betrachten und sich in ihnen vergessen. Aber der Dhutanga Bhikkhu, der nach innerer Schönheit strebt, was ein reines und klares Herz bedeutet, muss diesen kilesas widerstehen, die danach trachten, dass Schönheit und Attraktivität ihnen das Gefühl vermitteln, fliegen und auf Wolken gehen zu können. So muss er sich also aufmachen und nach Pamsukula-Stoffen suchen, die im Leichenhaus oder auf dem Müll abgelegt worden sind, sie nehmen, waschen und Stück für Stück zusammennähen, um ein sabong, civara oder sanghatti 174 zu fertigen, und sie lediglich als Körperbedeckung nutzen, damit er „Samana-Dhamma“175 entwickeln kann. Dann mag er den „Samana“-Traditionen ohne jegliche Besorgnisse oder Ängste folgen. Seine Gedanken sind frei von emotionaler Bindung, die unruhig mit irgendjemandem oder irgendetwas verknüpft ist, außer der Form des Dhamma, an der er gerade arbeitet und in die er vertieft ist.
In früheren Zeiten waren die Pamsukula-Stoffe wirklich wertlos, wie beispielsweise Leichentücher und Kleidungsstücke, die am Straßenrand weggeworfen wurden. Es war nicht eine Stoffabmessung mit der Bezeichnung Pamsukula-Stoff, den die gläubigen Laien spenden, wie dies heute in unserem Lande geschieht. Jene, die in der Lage sind, auszuziehen und den echten Pamsukuka-Stoff zu finden, müssen Bhikkhus sein, die sich entschieden haben, dem allgemein akzeptierten Lauf der Welt zu entsagen, ihre Herzen darauf ausgerichtet haben, Tugend als ihren Reichtum zu erwerben, und auch ihr Lebensziel und ihren Lebenszweck auf Dhamma ausgerichtet haben. Dies bedeutet letztlich, dass sie sich und ihr Leben vollständig dem Erhabenen, dem Dhamma und dem Sangha gewidmet und sich in völliger Hingabe und Entschlossenheit zu deren Diener gemacht haben.
Indem sie alles wegwerfen, was die meisten Menschen als wertvoll betrachten, und der allgemeinen Zustimmung der Gesellschaft entsagen, und stattdessen, wie die meisten Menschen denken, wertlose Menschen und gesellschaftliche Außenseiter werden, gewinnen ihre Herzen in wundervoller und fast unglaublicher Weise an Wert. So wie es bei dem Erhabenen Buddha der Fall war, denn er wurde, als er sein Zuhause verließ, allem Reichtum des Königshauses entsagte und als Asket ordinierte, in den Augen der damaligen Gesellschaft wertlos. Das Ergebnis aber, das daraus entstand, war weit, weit jenseits dessen, was man sich hätte vorstellen können, denn er wurde der höchste Lehrer der drei Welten bis zum heutigen Tag. Die Beachtung dieser dhutanga-Regel ist eine Methode, Bhikkhus ständig daran zu erinnern und sie zu belehren, sich wie weggeworfene Kleidungsstücke zu verhalten. Sie erfüllt den gleichen Zweck wie die vorgenannten dhutangas, nämlich: Sie dient auch dazu, den Wert des citta zu steigern.
Die Dhutanga-Regel, im Wald zu leben
Die Beachtung der Regel, im Wald zu leben, ist eine Tradition jener Dhutanga-Kammatthana-Bhikkhus, die die Praxis nach der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeister Mann befolgen, der diese als die wichtigste aller Dhutanga-Regeln betrachtet hat.
Die Dhutanga-Regeln, die sie oft und regelmäßig einhielten, waren: 1) leben im Wald, 2) leben im Schatten eines Baums (rukkhamula), 3) regelmäßig auf pindapata gehen, 4) nur einmal am Tage essen, 5) aus der Almosenschale essen, 6) Pamsukula-Roben tragen (wobei sie jedoch Roben, die Laien in gutem Glauben
173 Stoffe (Lumpen), die vom Eigentümer als wertlos betrachtet und weggeworfen worden sind 174 Dies sind die drei Kleidungsstücke des Bhikkhus. Der Rock (Sabong), die Hauptrobe (Civara) und die äußere Robe (Sanghati), die aus einen doppellagigen Stoff besteht 175 Das Dhamma der Eremiten. Die Samana Tradition ist die Lebensweise der Eremiten im Wald. Der Erhabene Buddha wird oft als Samana Gotama bezeichnet.
spendeten, nicht ablehnten. Jedoch der Ehrwürdige Lehrmeister Mann trug bis zu seinem Tod niemals Roben, die ihm gegeben wurden. Es gab aber nur wenige seiner Anhänger, die diese Regel nach ihm befolgten), 7) leben auf einem Friedhof oder in einem Leichenhaus, 8) Beibehaltung der Sitzposition (nesajja)176 9) keine Speisen annehmen, die einem angeboten werden, nachdem man von der pindapata zurückgekehrt ist. 177
Die Bhikkhus, die der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann folgen, mögen alle diese Regeln sehr. Was die übrigen dhutangas betrifft, so werden sie von ihnen auch gelegentlich geübt. Wir werden sie aber hier nicht näher erörtern, da sie bereits ausführlich in der „Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeister Mann“ behandelt wurden. Leser, die mehr über diese Regeln erfahren wollen, sollten im Abschnitt über die dreizehn dhutangas in „Dhamma Vibhaga Pariccheda“ 178 nachsehen. Hier jedoch werden weitere Erläuterungen der dhutangas lediglich im Zusammenhang mit den Praktiken des jeweiligen Dhutanga-Bhikkhus gegeben, die demnächst beschrieben werden. Die oben aufgeführten dhutangas wurden von denen gern und ständig praktiziert, die der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeister Mann folgten. Auch die vierzehn khandha vatta 179 werden hier nicht erläutert, da sie leicht in vielen Büchern nachgelesen werden können, wie beispielsweise im zweiten Band der Vinaya-Mukha180 . Wenn der Leser mehr über sie wissen möchte, so sollte er auf die vorhandene Literatur zurückgreifen.
Die Kammatthana Bhikkhus praktizieren immer nach der allgemeinen Art der dreizehn dhutangas und nach den vierzehn khandha vatta. Wenn sie auch von diesen in einigen Details abweichen, so halten sie sich dennoch an die Grundprinzipien der zuvor beschriebenen Regeln, ohne von ihnen abzuweichen und andere Praktiken zu befolgen. Aber die Dinge, die sie praktizieren, und die Erfahrungen, die sie machen, unterscheiden sich tatsächlich in gewisser Weise von Fall zu Fall je nach ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten.
Allgemein machen Bhikkhus, die es gewohnheitsmäßig vorziehen, tief in den Wäldern oder auf Bergen zu leben, eher außergewöhnliche Erfahrungen als solche, die in leichter zugänglichen Wäldern leben. Auch der Ehrwürdige Lehrmeister Mann, der Gründer dieser besonderen Ausrichtung der Dhutanga-Kammatthana-Bhikkhus, neigte immer dazu, in Wäldern, Höhlen und auf Bergen zu leben, und er belehrte die Bhikkhus gerne dahingehend, um sie mehr für das Leben in den Wäldern und Bergen als an den für Menschen üblichen Orten zu interessieren. So hatten jene Bhikkhus, die gerne in diesen einsamen Wäldern lebten, oftmals viele ungewöhnliche Erlebnisse und machten außergewöhnliche Erfahrungen, die zu Geistern, devata, Indra, Brahma, nagas, Tigern und anderen Tieren in Beziehung standen. Gelegentlich wurden sie auch von den Savaka Arahants besucht, die kamen, um sie zu belehren.
176 D.h. sich so viele Nächte lang, wie man beschlossen hat, nicht hinzulegen 177 Die übrigen Dhutangas, die hier nicht gesondert aufgeführt werden, sind: a Der Besitz von nur seinen drei prinzipiellen Roben. b Auf der pindapata kein Haus auslassen.
Im Freien leben. d Sich mit jeder Behausung zufrieden geben. 178 Sie werden auch in der englischen Übersetzung „Die Visuddhimagga“ („Der Weg der Läuterung“) erläutert. 179 Siehe Anhang auf Seite 180 Siehe Anhang auf Seite