Keine Religion

von Ajahn Buddhadasa

 

VORWORT DES HERAUSGEBERS

Jedem zu helfen den innersten Sinn seiner Religion zu erkennen.

Für gegenseitiges gutes Verständnis unter allen Religionen zu arbeiten.

Kooperation unter den Religionen aufzubauen, um die Welt der Macht des Materialismus zu entreissen.

Buddhadasa Bhikkhu widmete sich sein ganzes Leben als buddhistischer Mönch hindurch diesen drei Vorsätzen. Obwohl er sich immer der Sache der Religion und der interreligiösen Zusammenarbeit verschrieben hatte, war sich Buddhadasa Bhikkhu auch der vielfältigen, konfusen und verzerrten Zwecke bewusst, denen Religion unterworfen wird. Sein Lebenswerk war daher, den wahren Gehalt und Zweck von Religion zu erklären. Indem er dies tat, kam er zu dem scheinbar widersprüchlichen Schluss: Es gibt keine Religion.

Die Sichtweise "keine Religion" wurde in einer Rede entwickelt, die ursprünglich im Laufe des Jahres 1967 in Bangkok vor einer Gruppe von Freunden und praktizierenden Laien gehalten wurde. Diese wurde aufgezeichnet, später Mitte der 70er durch Bhikkhu Punno übersetzt und in Bangkok herausgegeben. Nachdem sie viele Jahre vergriffen war, haben wir "KEINE RELIGION" revidiert und anlässlich des Jahrhundertjubiläums des Chicagoer "Parlament der Weltreligionen" (von 1893) herausgegeben, das wenige Monate nach dem Tod des Ehrwürdigen Ajahn Buddhadasa stattfand. (Abgesehen von diesem Vorwort wurde für den Nachdruck nichts geändert). Alle Kopien waren bald vergriffen und Dank der anhaltenden Nachfrage wurde ein weiterer Nachdruck notwendig.

Buddhadasa Bhikkhu glaubte aufrichtig, dass der Weltfrieden möglich, und nicht nur ein Traum ist, wenn die Menschheit nur die Selbstsucht besiegen würde, welche die Ursache aller unserer Konflikte und Schwierigkeiten ist. Ausserdem besteht er darauf, dass die Weltreligionen - wenn sie sich selbst treu sind - die wichtigsten Vermittler sind, zur Verbreitung von Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit innerhalb der Gesellschaften dieser Welt. Hätte er dem Parlament in Chicago beiwohnen können, würde er die Betonung auf sein Lieblingsthema, das Anhaften an "Ich" und "Mein" gelegt haben, um auf den Kern der Selbstsucht und Sünde zu stossen, die überwunden werden müssen, soll Friede offenbar werden. Denn nur wenn wir verstehen, welche Unwissenheit und Torheit dem "Ich" und "Mein" zugrunde liegt, können wir lernen es loszulassen und all seine Leidhaftigkeit, sei es in persönlicher oder sozialer Hinsicht. Darin ist das Herz der Religion zu finden, die "keine Religion" ist. Die Reden des Ehrenwerten Ajahn enthalten gewöhnlich eine ganze Menge an Ausdrücken in Pali, der historischen Sprache des Theravada Buddhismus. Nach unserem besten Vermögen haben wir diese Ausdrücke in leichtverständliches Englisch gleicher Bedeutung übersetzt. Sie sind im Text erklärt und werden klar, indem sie wiederholt zur Anwendung kommen; insbesondere Leiden (dukkha), Anhaften (upadana) und Nicht-Selbst (anatta). In dem angefügten Glossar sind einige Schlüsselbegriffe zusammengefasst.

Der Ehrwürdige Ajahn ging davon aus, dass seine Zuhörer mit dem Prinzip des Nicht-Selbst vertraut sind, es mag jedoch Nichtbuddhisten unbekannt sein. Im Theravada Buddhismus ist Nicht-Selbst ein grundlegender Aspekt der Realität, der allen Dingen gemeinsam ist, einschliesslich unserer Körper, aller Erfahrungen, Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, Pläne und Träume. Von den höchsten bis zu den niedrigsten Formen und Phänomenen der Natur kann nichts gefunden werden, das wirklich ein Selbst ist, das heisst ein andauerndes, separates, individuelles Wesen. Alle Dinge - ausgenommen Nibbana, die höchste Wirklichkeit - sind vergänglich, bedingt, von Natur aus unbeständig und dem Verfall unterworfen. Daher ist alles Nicht-Selbst (anatta) und enthält keine naturgegebene Selbstheit oder Selbstexistenz. Obwohl diese Tatsache in dem Originalgespräch nicht direkt erklärt wird, bietet Ajahn Bhuddhadasa zahlreiche Beispiele, die den Lesern helfen sollten ihr Verständnis für diesen buddhistischen Schlüsselbegriff zu vertiefen, den er als entscheidend für interreligiöse Harmonie und Weltfrieden hielt. Da die Rede des Ehrwürdigen Ajahn an eine Zuhörerschaft von Thai Buddhisten gerichtet war, nimmt er auf Thailands prominenteste Religionen Bezug: Buddhismus, Islam und Christentum. (Indessen der Leserkreis jedoch grösser ist, haben wir Referenzen auf weitere Weltreligionen eingefügt). Der zentrale religiöse Begriff in Thailand, wie im Grossteil von Süd- und Südostasien, ist "Dhamma" oder "Dharma". Wir haben ihn aus zwei Gründen in dieser Broschüre lieber beibehalten, statt ein englisches Äquivalent zu benützen. Erstens gibt es kein wirkliches englischesÄquivalent; verschiedene Übersetzer haben ihn auf mehr als zwei Dutzend Arten übertragen. Zweitens neigen englische Begriffe dazu durch die Kulturen und Religionen, die sie hervorgebracht haben, gefärbt und verwirrt zu werden, wie sie ihrerseits die religiösen Feinheiten anderer Kulturen und Sprachen verzerren. Im Originalgespräch erfolgten alle Zitate aus buddhistischem wie auch christlichem Schrifttum aus dem Gedächtnis und in freier Umschreibung. Hier aber wurden alle Bibelzitate aus der Revised Standard Edition der American Bible Society übernommen. Alle Fussnoten stammen vomÜbersetzer und Herausgeber. Abschliessend gebührt, wie schon beim vorhergehenden Druck, besonderer Dank dem Center for the Long Life of Buddhism of Wat Cholapratan Rangsarit (Nontaburi, Thailand) für die Hilfe beim Layout und der Veröffentlichung dieser Broschüre, insbesondere Ajahn Surasak Surayano und Phra Jaran Aranyadhammo. Weiterer Dank und Segen für all die vielen Personen, in Chicago wie auch in Siam, deren Beitrag an Wissen, Zeit, Energie und Geldmitteln diesen Nachdruck ermöglicht haben. Mögen alle Wesen das Beste erkennen, was das Leben zu bieten hat - ewigen Frieden und Freiheit der Leerheit, das Herz aller Religion.

Santikaro Bhikkhu im Auftrag von Phramaharitthi Thirajitto und Buddhadharma Meditation Center (Hinsdale, Illinois, USA) ANMERKUNG DES ÜBERSETZERS

Ein Schlüsselbegriff, den Buddhadasa Bhikkhu in allen Gesprächen benützt um die Aufmerksamkeit der Thai-Zuhörer anzuziehen, ist "tua-goo". "Tua-goo" muss als "Ich" übersetzt werden, aber die vollen Bedeutungen des Thai-Wortes kommen dabei nicht zum tragen. Thai hat buchstäblich Dutzende von Formen für das Pronomen der ersten Person. Unter diesen ist "tua-goo"eine der familiärsten und wird in vielen Fällen als vulgär betrachtet. Ihr Gebrauch deutet oft Ärger auf der Seite des Sprechers an. Die häufige Anwendung durch den Ehrenwerten Ajahn macht bei den Zuhörern einen grossen Eindruck. Dieser Eindruck ist auf vielen Ebenen fühlbar. Wenn er sagt: "Leiden ist verursacht durch Anhaften an tua-goo" oder uns auffordert, tua-goo auszulöschen, führt das den Hörer dahin zu sehen, wie das Ego eine emotionelle Reaktion auf Reize ist und wie immer Selbstsucht daraus resultiert. Schliesslich kann der Hörer erkennen, dass Ego im Grunde ein Missverständnis, eine Illusion ist. Der Gebrauch des Wortes "tua-goo" durch den Ehrenwerten Ajahn kann daher oft den Hörer zu einer neuen Sichtweise aufschrecken, etwas, das niemals eintreten würde, wenn er eines der neutraleren persönlichen Fürwörter der ersten Personverwendet hätte. Da Englisch nur eine Form dieses Pronomens hat, gehen in der Übersetzung alle diese vielen Bedeutungsfeinheiten verloren. Der Übersetzer nahm dazu Zuflucht soviele verschiedene Wörter wie möglich zu verwenden ("Ich", "Selbst", "Ego", etc.) in der Hoffnung, dass möglicherweise eines davon den Leser, oder die Leserin, zu einer neuen Sichtweise von sich selbst stimuliert.
Bhikkhu Punno

ÜBER LEERHEIT

Tue Arbeit jeglicher Art mit einem Geist, der in der Leerheit ruht Und bringe der Leerheit alle Früchte dar; Nimm die Nahrung der Leerheit in dich auf, wie es die Heiligen tun, Du wirst dir selbst gestorben sein von Anbeginn.

Buddhadasa Bhikkhu

N O R E L I G I O N

27. Januar 1967 Suan Usom Foundation, Bangkok

Ich bin heute nicht hierher gekommen um eine formelle Ansprache oder Vorlesung zu halten, sondern zu einem informellen Geplauder unter Freunden. Ich hoffe dass ihr dem alle zustimmt, damit wir miteinander reden und einander zuhören können, ohne Formalitäten und Rituale, selbst wenn unser Gespräch hier etwas anders oder ungewöhnlich gerät. Ferner gedenke ich nur über die wesentlichsten Dinge zu sprechen, wichtige Themen, welche die Leute für bedeutend halten. Wenn ihr also nicht sorgfältig zuhört, habt ihr womöglich Schwierigkeiten zu folgen oder missversteht etwas, besonders jene unter euch, welche die vorhergehenden Gespräche in dieser Serie nicht gehört haben. (Tatsächlich ist es auch für mich schwierig, denn ich muss ja bei jedem neuen Gespräch eine Verbindung zu den vorhergehenden aufrechterhalten.)

Das letzte Gespräch hatte das Thema "Was ist zu tun um LEER zu sein." Diesmal beabsichtige ich über "Keine Religion" zu sprechen. Wenn ihr das Thema seltsam oder unbegreiflich findet oder ihr nicht damit einverstanden seid, nehmt euch bitte die Zeit darüber nachzudenken. Aber denkt daran, es ist nicht notwendig das, was ich sage, gleich zu glauben oder ihm beizupflichten.

Wenn wir so zusammen kommen fühle ich, dass etwas uns daran hindert einander zu verstehen und das ist ganz einfach das Problem der Sprache selbst. Da gibt es nämlich zwei Arten der Sprache. Die eine ist die konventionelle Sprache, die normale Menschen sprechen, ich nenne sie "Umgangssprache".

Umgangssprache wird von Menschen benützt, die Dhamma nicht recht gut verstehen und von jenen weltlichen Menschen, die so verkrustet sind, dass sie für alles ausser für materielle Dinge blind sind. Dann gibt es noch die Sprache, die von solchen gesprochen wird, welche die Wirklichkeit (Dhamma) verstehen, speziell von denen, welche die Wirklichkeit in ihrem tiefsten Sinne kennen und verstehen. Das ist eine andere Art von Sprache. Wir nennen sie "Dhamma-Sprache". Manchmal, wenn nur wenige Worte oder sogar nur wenige Silben geäussert werden, findet der gewöhnliche Hörer die Dhamma-Sprache paradox und völlig konträr zu der Sprache, die er spricht. Ihr müsst euch immer bemühen zu erkennen, welche Sprache gerade gesprochen wird.

Menschen, die für die tatsächliche Realität (Dhamma) blind sind, können nur die Umgangssprache sprechen, die konventionelle Sprache der gewöhnlichen Leute. Andererseits können Menschen, welche wirklich die letzte Wahrheit (Dhamma) erkannt haben, beide Sprachen sprechen. Sie können die Umgangssprache recht gut handhaben und sind vertraut mit dem Gebrauch der Dhamma-Sprache, speziell wenn sie im Kreise derer reden, welche Dhamma kennen und realisiert haben. Unter denen mit tiefem Verständnis wird fast ausschliesslich die Dhamma-Sprache gesprochen; unglücklicherweise verstehen dann normale Menschen nicht ein Wort. Dhamma-Sprache wird nur von denen verstanden, welche das rechte Wissen haben. Was noch mehr ist, in der Dhamma-Sprache ist es nicht mal nötig einen Ton von sich zu geben. Da wird beispielsweise mit einem Finger gedeutet oder eine Augenbraue gehoben und die letztendliche Bedeutung der Realität ist verstanden. Daher interessiert euch bitte für diese zwei Sprachen, die Umgangssprache und die Dhamma-Sprache, und bemüht euch zu erkennen, welche Sprache gerade gesprochen wird.

Um die Wichtigkeit dieser Unterscheidung zu veranschaulichen, lasst uns folgendes Beispiel betrachten. Gewöhnliche, unwissende, weltliche Menschen haben den Eindruck, dass es diese Religion gibt und jene, und dass diese Religionen verschieden sind, so verschieden, dass sie zueinander in Opposition stehen. Solche Leute sprechen von "Christentum", "Islam", "Buddhismus", "Hinduismus", "Sikhismus" und dergleichen. Sie betrachten diese Religionen als unterschiedlich, getrennt und unvereinbar. Diese Leute denken und sprechen gemäss ihren persönlichen Gefühlen und lassen so die Religionen zu Feinden werden. Aufgrund dieser Mentalität kommt es zu verschiedenen Religionen, die sich feindlich gegenüberstehen.

Diejenigen, welche zum Wesen der Religion durchgedrungen sind, werden alle Religionen als gleichartig betrachten. Obwohl sie sagen mögen es gibt Buddhismus, Judentum, Taoismus, Islam oder was auch immer, werden sie auch sagen, dass alle Religionen im Inneren gleich sind. Letztlich jedoch fühlen sie, dass die Sache, genannt "Religion", gar nicht existiert. Da ist kein Buddhismus, da ist keine Christentum, da ist kein Islam. Wie können sie das Gleiche sein oder sich in Konflikt befinden, wenn es sie nicht mal gibt? Es ist einfach nicht möglich. Daher ist die Aussage "Keine Religion" in Wirklichkeit Dhamma-Sprache der höchsten Ebene. Ob sie verstanden wird oder nicht ist etwas anderes, hängt vom Hörer ab und hat nichts zu tun mit der Wahrheit oder Religion.

Ich möchte gerne ein einfaches Beispiel aus der materiell orientierten Umgangssprache anführen: "Wasser". Menschen die nicht einmal über die einfachsten Dinge viel wissen, denken dass es viele verschiedene Arten von Wasser gibt. Sie betrachten diese verschiedenen Arten von Wasser, als hätten sie nichts gemeinsam. Sie unterscheiden Regenwasser, Quellwasser, Grundwasser, Kanalwasser, Sumpfwasser, Grabenwasser, Gossenwasser, Kloakenwasser, Toilettenwasser, Urin, Durchfall und viele andere Arten von Wasser voneinander. Durchschnittliche Menschen werden darauf bestehen, dass diese Wasser völlig verschieden sind, weil solche Leute die äussere Erscheinung zum Kriterium nehmen.

Eine Person mit etwas Kenntnis jedoch, weiss dass reines Wasser in jeder Art von Wasser zu finden ist. Wenn wir Regenwasser nehmen und es destillieren, werden wir reines Wasser erhalten. Wenn wir Flusswasser nehmen und es destillieren, werden wir reines Wasser erhalten. Wenn wir Kanalwasser, Kloakenwasser oder Toilettenwasser nehmen und es destillieren, werden wir auch dann noch reines Wasser erhalten. Eine Person mit diesem Verständnis weiss, dass all diese verschiedenen Arten Wasser das Gleiche sind, soweit es den Wasser- Gehalt betrifft. Was die Elemente angeht, welche es verunreinigen und anders aussehen lassen, so sind diese nicht das Wasser selbst. Sie können sich mit dem Wasser verbinden und das Wasser verändern, aber sie sind nie das Wasser selbst. Wenn wir durch die verunreinigenden Elemente hindurchschauen, können wir das Wasser sehen, das immer das Gleiche ist. Wieviele Arten von Wasser es scheinbar auch geben mag, sind sie doch alle das Gleiche soweit die wesentliche Natur von Wasser betroffen ist. Wenn wir die Dinge von diesem Standpunkt aus betrachten, können wir sehen dass alle Religionen das Gleiche sind. Wenn sie unterschiedlich erscheinen, ist es so, weil wir Urteile aufgrund äusserer Formen fällen.

Auf einer noch intelligenteren Ebene können wir jenes reine Wasser nehmen und noch weiter untersuchen. Wir müssen dann zu dem Schluss kommen, dass da kein Wasser ist, sondern nur zwei Teile Wasserstoff und ein Teil Sauerstoff. Wasser bleibt keines übrig. Die Substanz die wir "Wasser" genannt haben, ist verschwunden, sie ist leer. Dies trifft überall zu, ungeachtet wo wir die zwei Teile Wasserstoff und ein Teil Sauerstoff finden. In der Luft, im Boden oder wo auch immer diese Teile gefunden werden mögen, ist der Zustand Wasser verschwunden und die Bezeichnung "Wasser" wird nicht mehr angewendet. Für einen der zu dieser Ebene der Wahrheit durchgedrungen ist, gibt es so etwas wie Wasser nicht.

In gleicher Weise sieht einer, der die letzte Wahrheit erreicht hat, dass es so etwas wie "Religion" nicht gibt. Es gibt lediglich eine gewisse Natur, die wir nennen können wie wir wollen. Wir können sie "Dhamma" nennen, wir können sie "Wahrheit" nennen, wir können sie "Gott" nennen, "Tao" oder was auch immer, aber wir sollten dieses "Dhamma" oder diese "Wahrheit" nicht abgrenzen als Buddhismus, Christentum, Taoismus, Judentum, Sikhismus, Zoroastrismus oder Islam, denn wir können sie weder einfangen noch einsperren mit Etiketten und Begriffen. Dennoch werden solche Einteilungen vorgenommen, weil die Leute diese namenlose Wahrheit für sich selbst noch nicht erkannt haben. Sie haben nur die äusseren Ebenen erreicht, gerade so wie mit Kanalwasser, Dreckwasser und dem Rest.

Der Buddha wollte, dass wir verstehen und sehen, dass da keine "Person" ist, kein separates Individuum, dass da nur Dhammas oder natürliche Phänomene sind. Wir sollten uns daher nicht an den Glauben klammern, dass es diese und jene Religion gibt. Wir haben die Etiketten "Buddhismus," "Islam" und "Christentum" selber hinzugefügt, lange nachdem die Begründer lebten. Keiner der grossen religiösen Lehrer gab jemals seinen Lehren einen persönlichen Namen, wie wir das heute tun. Sie lehrten uns lediglich, selbstlos zu leben.

Bitte versucht, das richtig zu verstehen. Wenn die letzte Ebene erreicht ist, wenn das Absolute erkannt wird, existiert nicht einmal der Mensch. Da gibt es nur noch die Natur, nur Dhamma. Diese Realität kann nicht als irgend eine spezielle Sache angesehen werden; sie kann nichts anderes sein als Dhamma. Sie kann nicht thai, chinesisch, indisch, arabisch oder europäisch sein. Sie kann nicht schwarz, braun, gelb, rot oder weiss sein. Sie kann nicht östlich oder westlich, südlich oder nördlich sein. Noch kann sie buddhistisch, christlich, islamisch oder sonst was sein. Versucht also bitte dieses Dhamma zu erreichen, denn dann seid ihr im Herzen aller Religionen und aller Dinge angelangt und kommt schliesslich zum vollständigen Aufhören von Leid.

Obwohl wir uns "Buddhisten" nennen und uns zum Buddhismus bekennen, haben wir die Wahrheit des Buddhismus noch nicht erkannt, denn wir sind nur mit einem winzigen Aspekt unseres eigenen Buddhismus bekannt. Seien wir auch Mönche, Nonnen, Novizen, Laienanhänger oder was immer, so sind wir uns doch nur der Rinde, der äusseren Hülle bewusst. Deshalb denken wir, unsere Religion unterscheide sich von den anderen Religionen. Weil wir die Wahrheit unserer eigenen Religion noch nicht erkannt und verstanden haben, schauen wir auf andere Religionen herab und preisen nur unsere eigene. Wir betrachten uns selbst als eine spezielle Gruppe und andere als Aussenseiter oder Ausländer. Wir glauben, dass sie irren und nur wir Recht haben, dass wir etwas Besonderes sind und eine spezielle Berufung haben und dass nur wir die Wahrheit und den Weg zur Erlösung besitzen. Wir haben viele dieser blinden Glaubensansichten. Solche Ideen und Ansichten zeigen uns, dass wir noch unwissend sind. Wir sind sehr närrisch, genau wie kleine Babys, die nur ihren eigenen Bauch kennen. Sagt einem kleinen Kind, es solle ein Bad nehmen und sich mit Seife waschen um den ganzen Schmutz weg zu bekommen; das kleine Kind wird nur seinen Bauch schrubben. Es versteht noch nicht sich überall zu waschen. Es wird niemals daran denken sich hinter den Ohren, zwischen den Zehen oder irgendwo dergleichen zu waschen. Es schrubbt und poliert lediglich seinen Bauch ganz kräftig.

In der gleichen Weise wie das Kind kennen die meisten Anhänger des Buddhismus nur wenige Dinge, z.B.: Wie man etwas nimmt und wie man etwas bekommt. Selbst während sie Gutes tun, die Tempel und die Mönche unterstützen, und die Regeln beachten, ist ihr einziges Ziel etwas zu bekommen. Ja sie möchten sogar mehr zurück erhalten als sie gegeben haben. Wenn sie Gaben darbieten, erwarten einige Leute zehnmal soviel zurück wie sie gegeben haben, einige einhundertmal, einige eintausendmal und einige sogar noch mehr. In diesem Fall wäre es richtiger zu sagen, dass diese Leute überhaupt nichts wissen, denn ihnen ist nur bekannt, wie man etwas bekommt und wie man nimmt. Das ist aber überhaupt kein Buddhismus. Das ist die Religion vom Bekommen und Nehmen. Wenn sie jemals etwas nicht bekommen oder nicht nehmen können, sind sie frustriert und leiden. Wirklicher Buddhismus ist das Wissen wie man bekommt, ohne zu bekommen und nimmt, ohne zu nehmen, sodass es überhaupt keine Frustration und kein Leiden gibt.

Darüber muss sehr oft gesprochen werden, damit jeder mit dem Herzen des Buddhismus vertraut wird: Nicht-Anhaften. Im Buddhismus geht es darum zu versuchen überhaupt nichts zu fassen oder zu greifen, sich an überhaupt nichts anzuhängen oder sich fesseln zu lassen, nicht einmal von der Religion selbst, bis man schliesslich erkennt dass da letztendlich auch kein Buddhismus ist. Das bedeutet, wenn wir es direkt aussprechen, dass da kein Buddha ist, kein Dhamma und kein Sangha! (Der Buddha, Dhamma und Sangha -die Gemeinschaft- sind das geliebte Dreifache Juwel, welches die meisten Buddhisten als die Basis ihres Glaubens verehren.) Wenn wir jedoch auf diese Art sprechen, wird es keiner verstehen: die Gläubigen werden schockiert und erschreckt sein.

Diejenigen welche verstehen, sehen dass der Buddha, der Dhamma und der Sangha das Gleiche sind: nur Dhamma oder nur Natur selbst. Der Zwang zu ergreifen und sich an dhammas als Personen und Individuen zu hängen, existiert in ihnen nicht. Alles ist unpersönlich, das heisst es ist Dhamma oder Natur in ihrem reinsten Zustand oder wie immer wir es nennen wollen. Wir wagen aber nicht so zu denken. Wir fürchten uns zu denken, dass es keine Religion gibt, dass da kein Buddha, Dhamma oder Sangha ist. Selbst wenn den Leuten dies gelehrt würde, oder sie gezwungen würden auf diese Art zu denken, sie wären dennoch nicht fähig zu verstehen. In der Tat würden sie ein völlig verzerrtes Verständnis bekommen und ihre Reaktion wäre das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war.

Aus diesem Grund erschienen nach dem Hinscheiden des Buddha, viele neue Systeme religiöser Praxis. Die Lehren wurden in abgestufter Form reorganisiert. Die leichter zugänglichen Aspekte wurden hervorgehoben, sodass selbst wenn jemand wünschte, Darbringungen zu machen, um erhebliche Verdienste dafür zu erwerben, dem dutzendfachen, hundertfachen oder tausendfachen seines "Verdienstes" entsprechend, konnte er das tun. Das war ein vorläufiges Arrangement, ein Köder, um mit dem Lohn für gute Taten die Menschen anzuziehen und sie davon abzuhalten, in die Irre zu gehen. Als Ausgangspunkt wurden die Menschen ermutigt, sich so fest wie möglich an das Gute und seinen Lohn zu halten. Wenn sie das fortgesetzt täten, würden sie schliesslich entdecken, dass es unnötig ist, sich an das Gute zu hängen oder ihm anzuhaften. Sie würden dazu kommen einzusehen, dass jegliches derartiges Anhaften unbefriedigend und schmerzlich ist. Auf diese Weise würden sie sich allmählich von der Gewohnheit des Anhaftens freimachen. So führt Dhamma durch aufeinanderfolgende höhere Ebenen. Deshalb stützt sich in ihrer Anfangsstufe die Dhamma-Praxis darauf "Verdienste zu erwerben" damit die Menschen schon zu Beginn etwas bekommen, was sie wirklich gerne haben wollen.

Der nächste Schritt auf dem Dhamma-Weg ist, sich freiwillig zu entscheiden ein schlichtes und einfaches, ein reines Leben zu führen, in welchem man sich nicht durch irgend etwas in die Irre leiten oder berauschen lässt. Auf dieser Ebene gibt es noch ein "Ich-Gefühl" welches sich an dieser Art Glückseligkeit erfreut, aber es ist ein besseres, weiter entwickeltes "Ich".

Die nächst höhere Dhamma-Ebene ist es, keinerlei Spuren des "Ich" mehr überbleiben zu lassen. Es hat aufgehört. Der Geist hat nicht länger das Gefühl ein "Ich" zu sein, ein Selbst zu sein und es gibt keine Möglichkeit, dass Leiden oder Unzufriedenheit auftreten können, da es kein "Ich" mehr gibt, um zu leiden. Leiden kann nicht auftreten, weil diese Ichlosigkeit das höchste Glück ist, wie wir in der Umgangssprache sagen. Wenn wir jedoch in der Dhamma-Sprache reden gibt es nichts zu sagen. Da ist nichts zu bekommen, nichts zu haben, nichts zu sein - keine Glückseligkeit, kein Leiden, überhaupt nichts. Wir nennen das "Leerheit". Alles ist noch vorhanden, aber es ist frei und "leer" von "Ich-" oder "Mein-" Gefühlen. Aus diesem Grund sprechen wir von "Leerheit".

Zu sehen, dass alles leer ist, heisst zu sehen, dass die Dinge weder ein Aspekt von einem selbst sind noch in irgend einer Weise von einem Selbst besessen werden. Die Worte "leer" und "Leerheit" bedeuten in der gewöhnlichen Sprache unwissender Leute, dass nichts existiert. In der Sprache des Buddha, des Erwachten, aber bedeuten die Worte "leer" und "Leerheit" alles existiert, jedoch ohne das Anhaften an irgend etwas bezogen auf "Ich" oder "Mein". Dass es kein Ergreifen oder Festhalten von Dingen, als wären sie "Ich" oder "Mein" gibt, ist Leerheit von "Ich" und Leerheit von "Mein". Wenn die Worte "leer" und "Leerheit" auf diese Weise gebraucht werden, ist es die Leerheit der Dhamma-Sprache. "Leer" in dem Sinne zu benutzen, dass in Wirklichkeit nichts existiert, ist die Sprache weltlicher Menschen die in ihren Sinnen gefangen sind, ist die Sprache des Materialismus, ist die Sprache von Haushältern die nichts als ihr Heim kennen. "Leerheit" hat uns hier ein weiteres Beispiel vom Unterschied zwischen Umgangssprache und Dhamma-Sprache gegeben.

Wir sollten dieser Wahrheit über die Sprache immer gewärtig sein und unterscheiden, ob die Worte welche wir hören, lesen und gebrauchen Umgangssprache oder Dhamma-Sprache sind. Zum Beispiel sagte der Buddha: "Töte deinen Vater und deine Mutter, dann wirst du Nibbana erreichen", "Töte Vater und Mutter, sei ein undankbares Kind, dann wirst du Nibbana erreichen." Der Buddha meinte nicht, dass wir das wörtlich nehmen und unsere leiblichen Eltern töten sollten. Statt dessen meinte er, dass Unwissenheit eine Art Vater und Begehren eine Art Mutter ist. Diese beiden gebären das Ego-Bewusstsein und nachfolgend alle Formen von Selbstsucht und Sünde. Es gibt keinen Grund ihnen gegenüber Dankbarkeit zu empfinden; vernichte sie auf der Stelle und Nibbana ist verwirklicht.

Auf diese Weise zu sprechen heisst die Dhamma-Sprache gebrauchen, welche der gewöhnliche Mensch nicht verstehen kann. Er muss studieren und sich erkundigen, nachdenken und überlegen, bis er schliesslich versteht. Die Edlen aber, jene die Dhamma schon erkannt haben, werden sofort verstehen, obwohl nur wenige Worte gesprochen werden und zwar ohne Erklärung oder Rat. Ein blosses Wort genügt ihnen um ohne weitere Erläuterung zu verstehen, weil sie Dhamma-Sprache gründlich kennen.

Die Worte "Geburt" und "Tod" erfordern bezüglich der Sprache das gleiche Unterscheidungsvermögen. In der Umgangssprache bedeutet das Wort "Geburt" aus dem Schoss einer Mutter geboren zu werden. In der Dhamma-Sprache jedoch bedeutet das Wort "Geburt", dass eine Form von Anhaften geboren wird. Diese Art Geburt ereignet sich jedes mal, wenn wir einen Gedanken oder ein Gefühl aufsteigen lassen, dem Ergreifen und Festhalten von etwas als "Ich" oder "Mein" beigemengt ist, so wie "Ich bin", "Ich habe" und "Ich tue". Das ist die Geburt des "Ich" oder des Ego.

Zum Beispiel, denkt man wie ein Krimineller, wird man im selben Augenblick als Krimineller geboren. Wenige Momente später verschwinden diese Gedanken, man denkt wieder wie ein nor-males menschliches Wesen und wird wieder als menschliches Wesen geboren. Wenn man Augenblicke später närrische Gedanken hat, wird man unmittelbar als Narr geboren. Wenn man dann auf eine zunehmend närrische und dumpfe Art denkt, wird man sofort als Tier geboren. Immer wenn Leidenschaft intensiv verspürt wird - wenn sie in einem mit Feuersglut brennt - wird man als Dämon in der Hölle geboren. Wann immer man so hungrig und so durstig ist, dass man meint, niemals gesättigt werden zu können, wird man als unersättlicher, hungriger Geist geboren. Wenn einer ohne Grund übermässig vorsichtig und ängstlich ist, wird er als feiger Titan geboren. (Tiere, Dämonen, hungrige Geister und feige Titanen sind die Bewohner der "unteren Daseinsbereiche" in der traditionellen Buddhistischen Kosmologie) So kann man an einem einzigen Tag beliebig oft in vielen unterschiedlichen Formen geboren werden, da jedesmal eine Geburt erfolgt, wenn irgend eine Form des Anhaftens an den Gedanken etwas zu sein aufsteigt. Jede Vorstellung von "Ich bin", "Ich war", oder "Ich will" ist zugleich eine Geburt. Das ist die Bedeutung von "Geburt" in der Dhamma-Sprache. Daher muss man, wann auch immer man dem Wort "Geburt" begegnet, sorgfältig darauf achten, seine Bedeutung in dem jeweiligen Zusammenhang zu verstehen.

"Geburt ist Leiden". Diese Worte bedeuten, dass die oben beschriebene egoistische Art der Geburt immer schmerzvoll und von Übel ist. Das soll besagen, wenn wir die Geburt des "Ich" auf irgend eine Weise zulassen, setzt unmittelbar Leid ein. Wenn wir einfach und direkt im Bewusstsein von "Nicht-Ich-Sein" leben, ist es wie ungeboren zu bleiben und niemals Leid zu erfahren.

Obwohl die körperliche Geburt lange zurück liegt, gibt es keine weitere spirituelle Geburt des egoistischen "Ich".

Andererseits gibt es sofort Leidhaftigkeit, wann immer sich egoistisches Denken oder Fühlen erhebt, und das Leiden entspricht immer der speziellen Art des "Ich" welches gerade geboren wird. Ist das "Ich" menschlich, leidet es wie ein Mensch. Ist das "Ich" ein Engel, leidet es nach Art der Engel. Ist das "Ich" dämonisch, leidet es höllisch. Die Art des Ergreifens und Anhaftens kann sich wiederholt ändern, ebenso das geboren werden als Tier, hungriger Geist und feiger Titan. An einem Tag kann es viele Geburten geben, viele Dutzende von Geburten, und jede von ihnen ist unbefriedigend, frustrierend und schmerzlich. Diese Art Geburt zu vernichten ist Nibbana.

Was den Tod in der Version der Umgangssprache betrifft, so ist es nicht nötig, darüber zu sprechen was danach geschieht. Warum sollte man darüber reden was geschieht, wenn wir erst mal im Sarg liegen? Statt dessen setzt euch bitte mit der äusserst dringenden Frage der Ego-Geburt auseinander. Das heisst, werdet nicht geboren und es wird kein Leiden geben. Ohne das Gefühl des geboren Werdens gibt es keine Person mehr und alle Probleme verschwinden damit. Das ist alles. Wenn es dieses ständige geboren werden nicht gibt, gibt es keinen "Jemand" mehr um Probleme zu haben. So einfach ist das. Die verbleibende Lebensspanne steht nicht mehr zur Debatte, wenn wir erst mal wissen wie die Tatsache, dass dieses "Ich" nie mehr geboren werden wird, zu erfahren ist. Dies kann "Nicht-Geburt" genannt werden. Ihr könnt es auch "Tod" nennen, wenn ihr das vorzieht.

Ihr seht also, dass die Worte "Geburt" und Tod" in der Umgangssprache die entgegengesetzte Bedeutung wie in der Dhamma-Sprache haben. Die gleiche Situation existiert in den alten Schriften anderer Religionen, speziell denen des Christentums. Als Resultat verstehen die Christen ihre eigene Bibel nicht, gerade wie wir Buddhisten den Tipitaka (Die alten Schriften der Buddhisten) nicht verstehen. Daher, wann immer Mitglieder der beiden zusammentreffen, geraten sie ins Argumentieren, bis sie blau im Gesicht sind. Die Auseinandersetzungen sind einfach unglaublich; sie kämpfen bis ans Ende. Lasst uns daher in dieser Sache der Umgangssprache und der Dhamma-Sprache einiges an Verständnis entwickeln.

Wir haben das Wort "Geburt" in einem buddhistischen Kontext diskutiert, lasst uns nun ein Wort aus den christlichen Texten betrachten, nämlich "Leben". Matthäus sagt, dass Jesus Christus "sein Leben gab zu einer Erlösung für viele" (Matt.20:28). An anderer Stelle sagte Jesus, "Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote" (Matt.19:17). Diese beiden Aussagen zeigen, dass das Wort "Leben" mehr als eine Bedeutung hat. Im ersten Zitat wird "Leben" im Sinne der Umgangssprache benützt. Jesus liess zu, dass sie seinem Körper das Leben nahmen, hier "Leben" in seiner gewöhnlichen Bedeutung. "Leben" im zweiten Zitat ist das gleiche Wort "Leben", aber jetzt bezieht es sich auf ein Leben, das niemals getötet werden kann. Es ist ein Leben das nie den Tod kennen wird. Wir sehen dadurch, dass sogar das einfache Wort "Leben" zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen haben kann.

Das Wort "Sterben" liefert ein anderes Beispiel. In der Umgangssprache heisst "Sterben", dass die körperlichen Funktionen geendet haben, was die Art von Tod ist, die wir mit unseren Augen se-hen können. "Sterben" jedoch, in der Sprache die Gott benützt, hat eine ganz andere Bedeutung. Als er im Garten Eden zu Adam und Eva sprach und ihnen sagte die Früchte eines bestimmten Baumes nicht zu essen, "denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben" (Gen.2:17). Adam und Eva assen jene Frucht, wir wissen aber, dass sie dabei nicht in der gewöhnlichen Bedeutung starben, wobei die Leute im Sarg enden. Das heisst, ihre Körper starben nicht. Statt dessen starben sie in anderer Hinsicht, im Sinne der Dhamma-Sprache, den spirituellen Tod, viel schrecklicher als im Sarg begraben zu sein. Dies Schicksal, schlimmer als der Tod, war das Auftreten einer enormen Sünde in ihrem Geist, das heisst, sie begannen in dualistischer Weise zu denken - gut und böse, männlich und weiblich, nackt und bekleidet, Gatte und Gattin,und so weiter. Das Übermass an Gegensatzpaaren erschwerte die Pein so sehr, und ihr Gemüt wurde von so argem Leid überflutet, dass es unmöglich zu beschreiben ist. All das wurde durch die Jahre weiter gereicht und jeder der in der heutigen Zeit lebt hat es geerbt.

Die Konsequenzen sind so unheilvoll gewesen, dass die Christen dem ersten Auftreten von dualistischem Denken die Bezeichnung "Sündenfall" gaben. Diese ursprüngliche Sünde geschah erstmals bei diesem ersten Paar und wurde dann an alle Nachkommen weitergereicht, bis auf den heutigen Tag. Das ist es was Gott mit dem Wort Tod meinte; wann immer wir die Frucht des Dualismus (vom "Baum der Erkenntnis von Gut und Böse") zu uns nehmen, müssen wir an Ort und Stelle sterben. Das ist die Bedeutung von "Tod" in der christlichen Sprache.

"Tod" hat die gleiche Bedeutung in der Sprache des Buddha. Warum ist das so? Weil beide Religionen bezüglich Anhaften und Dualismus auf die gleiche Wahrheit hinweisen. Immer wenn dualistische Gedanken aufsteigen, ist Leid daran gebunden, das heisst Tod. Tod bedeutet das En-de von allem Guten, das Ende von Glückseligkeit, das Ende von Frieden, das Ende von allem was der Mühe lohnt. Dies ist die Bedeutung von "Tod" in der Dhamma-Sprache. Die meisten von uns sterben auf diese Weise mehrmals am Tag.

Es wird "Tod" genannt, weil es das Herz schwer macht. Es ruft, bis zu einem gewissen Grad, immer ein Gefühl der Frustration und Depression hervor, von Sorge, Unruhe und Angst ganz zu schweigen. Je intelligenter und klüger jemand ist, desto öfter stirbt er und um so profunder sind seine Tode. Die Tode einer klugen Person sind spezieller und kreativer, als die einer unwissenden Person.

Wir müssen wissen, wie der Tod zu vermeiden ist, um in Übereinstimmung mit den Lehren des Buddha und Jesus (sowie der anderen Propheten) zu sein. Buddhismus und Christentum haben das Gleiche zum Ziel: Lass nicht zu, dass dich die Ursünde überwältigt, lass dein Herz oder deinen Geist nicht von dualistischem Anhaften dominieren. Verwehre, dass es jemals wieder den Geist beherrscht.

Wir müssen uns immer der wahren Natur des Dhamma bewusst sein, dass es in Wirklichkeit keine Dualität irgend einer Art gibt - kein Gewinn, kein Verlust, keine Glückseligkeit, kein Leid, kein Gutes, kein Schlechtes, kein Verdienst, keine Sünde, nicht männlich, nicht weiblich. Es gibt absolut überhaupt nichts, das geteilt und in Gegensätze polarisiert werden könnte. Statt sie uns zu eigen zu machen, sollten wir sie transzendieren.

Die Gegensatzpaare sind die Basis alles Anhaftens, also fallt nicht auf ihre Tricks herein. Hängt euch an keines von ihnen. Versucht zu verstehen, dass diese Dinge niemals zu fassen und festzuhalten sind, weil sie unbeständig sind, keine wirkliche Substanz haben und Nicht-Selbst sind. Versucht euren Geschäften mit ungebundenem Geist nachzugehen. Arbeitet mit einem Geist der an nichts haftet und frei von allen Formen des Anhaftens ist. Das nennt man "Arbeiten mit einem leeren Geist".

Wir sollten Aufgaben jeglicher Art mit leerem Geist erledigen, sei es im Büro oder zu Hause. Sogar Ruhe und Erholung sollten mit leerem Geist absolviert werden, einem Geist der immer ungebunden und frei bleibt, weil er über allen Dualitäten steht. Wenn wir mit einem geschäftigen Geist arbeiten, einem Geist der ruhelos ist und ständig nach einem Ding oder einer Idee nach der anderen greift und daran haftet, einem Geist der mit Bindungen überladen ist, dann gibt es Leid und wir müssen unvermeidlich in einen niedrigen Zustand geboren werden. Die niedrigeren Daseinsbereiche, von welchen die traditionellen Buddhisten sprechen, treten unverzüglich auf: Geburt als Dämon in der Hölle, als Tier, als hungriger Geist, oder als feiger Titan erfolgt augenblicklich. Dies ist das ernsthafteste Problem mit dem die Menschheit konfrontiert ist, es ist die urtümlichste Sünde und es ist der Tod in Dhamma-Sprache. Daher sollten wir ohne Anhaftungen leben, arbeiten und spielen.

Es gibt einen kurzen Vers von mir, über den ich gerne sprechen will.

Tue Arbeit jeglicher Art mit einem Geist der in der Leerheit ruht Und bring der Leerheit alle Früchte dar; Nimm die Nahrung der Leerheit in dich auf wie es die Heiligen tun, Du wirst dir selbst gestorben sein von Anbeginn.

Manche Leute sind unfähig diesen Vers zu verstehen und sie sagen immer, dass der Autor verrückt ist. Trotzdem ist er gar nicht so schwer zu erklären.

Dass wir alle Arten von Arbeit mit einem leeren Geist verrichten sollten ist eine Warnung, dass der geschäftige und aufgeregte Geist, der die Dinge begierig anspringt, immer von Verblendungverdunkelt und umwölkt wird. Er ist voller Sorgen und Ängste und wird düster und unsicher. Wenn Leute darauf beharren so weiter zu machen, werden sie mit Sicherheit bald einen Nervenzusammenbruch oder andere Art von Krankheit erleiden. Wenn sie eine Anhäufung dieser geistigen Krankheiten und der entsprechenden körperlichen Beschwerden zulassen, werden sie damit enden ans Krankenbett gebunden zu sein. Selbst wenn sie intelligente, talentierte und anspruchsvolle Leute sind, die wichtige Arbeit verrichten und eine grosse Menge Geld verdienen, sie werden dennoch damit enden ans Bett gefesselt zu sein mit Nervenzusammenbrüchen, Geschwüren und anderen Störungen, verursacht durch Unsicherheit und Angst. Alle diese Krankheiten beginnen mit dem Gieren nach und Anklammern an solche Dinge wie Ruhm und Geld, Gewinn und Verlust, Glücklich- und Unglücklichsein und Lob und Tadel.

Also lasst euch nicht mit diesen Dingen ein. Befreit euch von solchen Anhaftungen und der Geist wird leer sein. Der Geist wird brillant, intelligent und so klar und scharf wie nur möglich sein. Dann tut eure Arbeit mit gerade so einem leeren Geist. Alle eure Bedürfnisse werden befriedigt werden, ohne das geringste Bisschen Frustration oder Leid. Manchmal wird es sogar erscheinen wie eine Art Dhamma-Spass. Das Beste dabei ist, auf diese Weise zu arbeiten ist die Art von Dhamma-Praxis, welche uns von der falschen Unterscheidung zwischen der Dhamma-Praxis im Tempel und der Arbeit zu Hause befreit. Eine solche Aufteilung ist ziemlich närrisch; das ist es aber was passiert, wenn die Leute nur in der Umgangssprache denken.

Gemäss der Dhamma-Sprache müssen wir Dhamma in diesem Körper und Geist zur gleichen Zeit praktizieren, in der wir mit eben diesem Körper und Geist unsere Arbeit tun. Die Dhamma-Praxis ist da in der Arbeit; die Arbeit an sich ist die Dhamma-Praxis. In anderen Worten, Arbeit zu tun ohne zu ergreifen oder anzuhaften, ist ein Weg Dhamma zu praktizieren. Wo immer und wann immer wir Nicht-Anhaften praktizieren, da und dann findet Dhamma-Praxis statt.

Demgemäss, ob wir damit beschäftigt sind den Geist zu üben ohne Anhaften und ruhig zu sein oder ob wir arbeiten um unseren Unterhalt in dem einen oder anderen Beruf zu verdienen, wenn wir es mit leerem Geist tun der kein Anhaften bildet, ist genau da die Praxis des Dhamma. Es spielt keine Rolle ob wir in einem Büro, einer Fabrik, einer Höhle oder sonstwo sind. So zu arbeiten, ohne in Anhaftungen, Besessenheiten und Ego verwickelt zu werden, ist das, was mit "Tue Arbeit jeglicher Art mit einem Geist der in der Leerheit ruht" gemeint ist.

Auf diese Weise zu arbeiten hat zur Folge, dass wir uns bei der Arbeit erfreuen und dass die Arbeit gut getan wird, weil unser Geist dann sehr klar und scharf ist und es keine Sorgen über Dinge wie Geld gibt. Die Dinge, welche wir benötigen, werden auf den üblichen Wegen erworben und das alles ohne durch Ergreifen und Anstrengung hervorgebrachtes Anhaften.

Das bringt uns zur zweiten Zeile des Verses, welche lautet: "Und bringe der Leerheit alle Früchte dar". Wenn unsere Arbeit Früchte trägt in der Form von Geld, Ruhm, Einfluss, Status und so fort, müssen wir alles an die Leerheit abgeben. Seid nicht so dumm euch an diese Dinge als "gehört mir", "mein Geld", "mein Erfolg", "mein Talent" oder "mein" Irgendwas anzuklammern. Das ist es, was mit Nicht-Anhaften an die Resultate unserer Arbeit gemeint ist.

Die meisten von uns klammern blindlings an unseren Erfolgen und so vermehren unsere Erfolgserlebnisse unsere selbstsüchtigen Wünsche und Befleckungen (kilesa). Lasst uns nur für einenMoment unachtsam sein und Pein befällt uns infolge des Gewichtes der Anhaftungen und Ängste. Wahrhaftig, diese Art mentalen oder spirituellen Schmerzes ereignet sich ständig. Schon bald, wenn wir nicht vorsichtig sind, manifestiert sich der Schmerz auch physisch im Körper. Manche Leute haben Nervenzusammenbrüche oder werden wahnsinnig, während andere eine der zahlreichen Varianten von Neurosen entwickeln die heute in der Welt so verbreitet sind, obwohl sie berühmt, gelehrt und wohlhabend sein mögen. All diese Pein rührt von der Tatsache her, dass die Menschen in der ganzen Welt ihre eigenen Religionen missverstanden, missbraucht und ignoriert haben.

Wir sollten nicht glauben, dass die Lehre vom Nicht-Anhaften nur im Buddhismus zu finden ist. Tatsächlich kann sie in jeder Religion gefunden werden, obwohl viele Leute sie nicht bemerken, weil sie in Dhamma-Sprache ausgedrückt ist. Ihre Bedeutung ist tiefgründig, schwierig einzusehen und wird gewöhnlich missverstanden.

Bitte vergebt mir, ich will nicht beleidigend sein, aber ich habe den Eindruck, dass viele religiöse Leute ihre eigene Religion noch nicht verstehen. Zum Beispiel rät uns St. Paulus in der christlichen Bibel "Die da Weiber haben, dass sie seien, als hätten sie keine; und die da weinen, als weineten sie nicht; und die sich freuen, als freueten sie sich nicht; und die da kaufen, als besässen sie es nicht; und die dieser Welt brauchen, dass sie derselbigen nicht missbrauchen" (Cor.7:29-31). Diese Stelle ist im Neuen Testament der christlichen Bibel zu finden; jeder kann dort nachsehen. Sie sollte genau so verstanden werden, wie unser grundlegendes buddhistisches Thema des Nicht-Anhaftens. Das heisst, wenn du eine Frau hast, klammere dich nicht daran "sie zu haben"; wenn du einen Gatten hast, klammere dich nicht daran "ihn zu haben". Wenn du betrübliche oder schmerzvolle Erfahrungen gemacht hast, hafte nicht daran als "Ich" oder "Mein" und es wird sein als wäre es nie geschehen. Das heisst, sei darüber nicht traurig. Hänge dich nicht an Freude, Güter und auch nicht an weltliche Geschäfte.

Tatsache ist, unglücklicher Weise, dass die meisten Menschen - gleich welcher Religion - von diesen Dingen beherrscht werden. Sie bereiten sich selbst unerträgliches Leid wegen solcher Angelegenheiten, bis sie schliesslich verrückt werden oder Selbstmord begehen. Aber diejenigen von uns, welche den Rat des Paulus befolgen, können weitermachen als wäre nichts passiert. Leiden solcher Art stösst uns nicht zu, wir bleiben wohlauf. Wir kaufen Dinge, ohne etwas nach Hause zu bringen, was heisst, dass wir uns niemals an das klammern was wir kaufen und heimtragen. Wir haben es gekauft, wir haben es nach Hause gebracht, aber es ist als hätten wir gar nichts gekauft, weil wir den Gedanken dass wir etwas besitzen nicht entstehen lassen.

Das ist es, wie man kaufen und leben soll, so als besitze man keine Güter. Wenn du diese Textstelle aber mit einigen Christen diskutierst, wirst du bemerken, dass sie diese überhaupt nicht verstehen. Selbst einige Geistliche, die Lehrer ihrer Religion, konnten mir nicht korrekt erklären,wie in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Paulus zu handeln ist. Ihre Erklärungen waren vage und dunkel. Sie redeten um den heissen Brei herum und gaben keine praktische Deutung dieser Stelle. Tatsächlich hat dies aber die gleiche Bedeutung wie "Tue Arbeit jeglicher Art mit einem Geist der in der Leerheit ruht und bring der Leerheit alle Früchte dar", was natürlich auch viele Buddhisten nicht verstehen.

Die dritte Zeile meines Verses lautet "Nimm die Nahrung der Leerheit in dich auf wie es die Heiligen tun". Einige Leute fragen da möglicherweise "Was essen wir denn dann"? Wenn alles leer ist oder an die Leerheit gegeben wurde, was wird da zu essen sein? Die Antwort ist, Nahrung zu essen die der Leerheit gehört, genauso wie die Edlen es tun. Wir arbeiten mit leerem Geist und übergeben allen Lohn an die Leerheit. Die Leerheit bevorratet alles und bewahrt es sicher auf. Wenn es Zeit ist zu essen, können wir aus dem Vorrat der Leerheit auch essen.

Wenn du eine Million Dollar mit deiner Arbeit verdienst und sie in einem Safe oder in der Bank bewahrst, bringe sie der Leerheit dar und denke nicht "Es ist mein, es gehört mir"! Wenn du das Geld ausgibst, tue es mit dem gleichen leeren Geist. Benütze das Geld einfach um Nahrung zum Essen zu kaufen oder was immer für deinen Bedarf benötigt wird. Das ist gemeint mit "Nimm die Nahrung der Leerheit in dich auf wie es die Heiligen tun".

In dieser letzten Zeile sind mit "die Heiligen" jene gemeint, die zutiefst verstehen und frei von Anhaftungen sind. Wir selbst sollten in der gleichen Weise essen, wie es diese Befreiten tun. Der Buddha nahm Nahrung zu sich und all die Erleuchteten Schüler assen ebenfalls. Wir sagen also nicht, dass ein Buddha keine Nahrung mehr essen muss, aber von wem auch immer er seine Speise erhält, es ist immer die Nahrung der Leerheit, denn sie wird empfangen und gegessen ohne jegliches Gefühl von Inbesitznahme oder Anhaften. Und dennoch hat ein Buddha immer mehr als genug zu essen. Das ist der Sinn von "Nimm die Nahrung der Leerheit in dich auf wie die Heiligen es tun".

Wir können das Gleiche tun. Wenn wir die gesamten Früchte unserer Arbeit der Leerheit übergeben, verschwinden sie nicht. Nichts geht verloren. Physisch, weltlich ausgedrückt, ist alles noch vorhanden. Es ist in der üblichen Weise aufbewahrt und beschützt und das Gesetz erkennt es als unser Eigentum. Wenn jemand versucht es uns wegzuschnappen, können wir darum kämpfen unsere Rechte bei Gericht zu schützen, aber immer mit demselben leeren Geist. Das heisst, wir brauchen nicht ärgerlich oder aufgeregt werden, wir brauchen nicht leiden, wir brauchen uns nicht persönlich betroffen fühlen, wir brauchen uns nicht anklammern. In der Tat werden wir, bei vollkommenem Nicht-Anhaften, sogar besser in der Lage sein unseren Fall zu vertreten. Wir müssen uns nicht selbst irgend welche Probleme schaffen und die Dinge werden nicht kompliziert und schwierig; wir werden in der Lage sein unsere Rechte äusserst wirkungsvoll zu schützen.

Um diesen Punkt noch etwas weiter zu verfolgen: Sogar wenn wir in einem Streitgespräch verfangen oder in einen Prozess verwickelt sind, sollten wir jederzeit zurückhaltend und achtsam sein, so dass der Geist frei von Anhaften ist. Achtet darauf ohne Anhängen und gefühlsmässig nicht involviert zu sein. In anderen Worten, versichert euch erst, dass der Geist leer ist, dann argumentiert und kämpft den Fall bis zum Ende aus. Auf diese Art werden wir im Vorteil sein. Unsere Seite wird klüger debattieren, wird geschickter argumentieren und wird einen Sieg auf einem höheren Niveau erfahren.

Selbst in Fällen wo wir gezwungen sind zu beleidigen, gebraucht die üblichen Worte, aber tut das mit leerem Geist. Das klingt womöglich komisch und hoffnungslos undurchführbar, aber es ist wirklich möglich. Das Wort "leer" schliesst so seltsame Aspekte ein; es sind alles Folgerungen des Arbeitens mit leerem Geist, indem wir alles, was wir erhalten, bereitwillig an die Leerheit geben und stets Nahrung aus der Speisekammer der Leerheit essen.

Die vierte, abschliessende und wichtigste Zeile des Verses lautet "Du wirst dir selbst gestorben sein von Anbeginn". Wir sind uns selbst bereits gestorben - das kostbare innere "Ich" ist weg vom allerersten Moment an. Das heisst, dass wir als Tatsache erkennen werden, wenn wir die Vergangenheit erneut untersuchen und mit Klarheit, Achtsamkeit und Weisheit darüber reflektieren, dass es da nie eine "Person" oder ein "Individuum" gab. Wir werden sehen, dass es nur die grundlegenden Lebensprozesse (khandha) gibt, die Sinnesgrundlagen (ayatana), die Elemente (dhatu) und natürliche Phänomene (dhammas). Sogar die Dinge, an die wir uns vorher noch als existent klammerten, gibt es nicht mehr. Sie starben in demselben Augenblick.

Alles ist im Moment seiner Geburt bereits gestorben. Es gab nie ein "Ich", und es gab nie ein "Mein". In der Vergangenheit waren wir dumm genug "Ich" und "Mein" ständig mit herumzuschleppen. Aber jetzt wissen wir die Wahrheit, dass sie sogar im Rückblick nie waren wofür wir sie hielten. Sie sind "Nicht-Ich", sie sind "Nicht-Mein", die ganze Ich- und Mein-Bezogenheit war tot von Anbeginn an, bis zu diesem Moment. Sie hat aufgehört, auch für die Zukunft. Fallt in euren Erfahrungen niemals mehr auf irgend ein "Ich" oder "Mein" herein. Hört einfach auf, in Begriffen von "Ich" und "Mein" zu denken. Ihr seht also, dass wir die Bedeutung des Verses nicht so interpretieren müssen, dass wir uns selbst physisch umzubringen haben. Man muss schon seinem Ego in die Falle gegangen sein, um es so zu verstehen; eine derartige Auslegung ist aber zu physisch, zu oberflächlich und zu kindisch.

Dieses "Ich", dieses "Ego" ist nur ein geistiges Konzept, ein Gedankenprodukt. Es gibt nichts substanzielles oder dauerhaftes, worauf es sich gründen könnte. Da ist nur ein sich ewig wandelnder Prozess, der gemäss Ursachen und Bedingungen dahinfliesst, aber Unwissenheit missdeutet diesen Prozess als eine dauerhafte Wesenheit, als ein "Selbst" und ein "Ego". Also lasst keine anhaftenden Gedanken und Gefühle entstehen, die auf "Ich" und "Mein" basieren. Alle Schmerzen und Probleme werden auf der Stelle enden, sodass der Körper-Geist-Prozess bedeutungslos wird und keinen Anlass mehr zur Sorge gibt. Er ist bloss eine Ansammlung von fünf Daseinsgruppen (khandha) und funktioniert auf Grund von Ursachen und Bedingungen, seiner eigenen Natur nach rein. Diese fünf Daseinsgruppen oder zusammengesetzte Lebensprozesse sind natürlich frei von Anhaften und Selbstsucht. Was den inneren Aspekt, die Angewohnheiten des Verlangens und der Selbstsucht, betrifft, versucht ohne sie auszukommen. Strebt beständig danach, ihr Entstehen zu verhindern, bis die Befleckungen und die Selbstsucht keine Gelegenheit mehr haben, das Herz zu verunreinigen. Auf diese Weise zwingen wir unser Selbst zu sterben, das heisst, wir sterben durch das Ausschalten der beschmutzenden Selbstsucht und der Beflekkungen (kilesa).

Lasst einfach kein egoistisches Bewusstsein zu, das ist die Bedeutung von "Tod" in Dhamma-Sprache. Wenn nichts sich als "Ich" und "Mein" gebärdet, wo kann Leid dann stattfinden? Leid kann nur einem "Ich" und einem "Mein" zustossen. Ihr seht nun, ein "Ich" und "Mein" zu besitzen ist der Urgrund des Leidens. Sollte es bisweilen etwas Glück geben, sobald Anhaften dazukommt, wird das Glück schmerzvoll, also noch eine weitere Art zu leiden.

Unwissende Menschen klammern sich immer an etwas; sie verstehen es nicht zu leben, ohne sich an "Ich" und "Mein" festzuhalten. Das Ergebnis ist, dass sogar angenehme Dinge zu Ursachen von Leid verwandelt werden. Glück wird in Schmerz verwandelt; Güte wandelt sich in Pein; Lob, Ruhm, Ehre und dergleichen werden alle in eine Form des Leidens verwandelt. Sobald wir versuchen sie zu ergreifen und uns daran zu hängen, werden sie alle unbefriedigend, schmerzhaft und hässlich. Unter Gut und Böse, Tugend und Sünde, Glücklich- und Unglücklichsein, Gewinn und Verlust und all den anderen dualistischen Paaren, tritt Leiden unvermeidlich auf, sobald wir uns an einen der Pole des einen oder anderen Paares hängen. Sich an einen der Pole zu klammern nimmt uns auch für seinen entgegengesetzten Partner gefangen.

Wenn wir intelligent genug sind uns nicht an irgend eine Form des Dualismus anzuhängen oder anzuhaften, dann werden wir wegen diesen Dingen nicht länger zu leiden haben. Gut und Schlecht, Glück und Leid, Tugend und Sünde, und der Rest, werden nie wieder Schmerzen bereiten. Wir erkennen, dass sie bloss natürliche Phänomene sind, das gewöhnliche Material der Natur. Sie sind alle naturgemäss leer und daher ist in keinem von ihnen Leid enthalten.

Das sind die Konsequenzen, im Geist kein Ego zu haben, keinerlei "Ich" und kein "Mein". Äusserlich können wir "Ich" und "Mein" gemäss den gesellschaftlichen Gepflogenheiten sagen, aber gebt ihnen in eurem Geist oder Herzen keine Existenz. Wie Paulus sagte, "Die da Weiber haben, dass sie seien, als hätten sie keine; und die da weinen, als weineten sie nicht;.....und die da kaufen, als besässen sie nicht."

Äusserlich sollten wir uns wie die Anderen verhalten: Essen wie sie essen, arbeiten wie sie arbeiten, und sprechen wie sie sprechen. Sagt in ihrer Umgangssprache: "Dies ist mein Haus, es gehört mir". Es ist nicht verkehrt diese Worte zu gebrauchen, wenn nötig, aber lasst euren Geist nicht darauf hereinfallen. Lasst solche Worte draussen, gewährt ihnen im Geist keinen Zutritt, glaubt ihnen nicht. Wir sollten uns immer darin üben, das heisst, "Der Mund ist das eine, der Geist das andere". Der Mund sagt etwas, aber das Herz weiss es besser.

Tatsächlich sind solche Worte gewöhnlich eine Beleidigung um Lügner und Betrüger zu verurteilen, also nichts Fördernswertes. Aber letztlich kann es gewandelt und auf eine Person angewandt werden, die wirklich Dhamma praktiziert, das heisst, deren äusserliches Verhalten mit weltlichen Gepflogenheiten übereinstimmt, deren innere Wirklichkeit aber eine gänzlich andere Sache ist. Während das äusserliche Gebaren tatsächlich abläuft, bleibt der Geist davon unberührt. Wir nennen das "Der Mund ist das eine, der Geist das andere" oder "Das Innere und das Äussere stimmen nicht überein". Ein Verhalten, das wir gewöhnlich verurteilen und wegen seiner Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit aufzugeben versuchen, wird zur vornehmsten und vortrefflichsten Handlungsweise in der Dhamma-Sprache. Manchmal da scheint Dhamma-Sprache schon ziemlich seltsam zu sein!

Ehrlich zu sein, mit dem Mund und im Geist, das heisst in Rede und Gedanken, ist Sache der Umgangssprache, nicht der Dhamma-Sprache. Gewöhnliche Menschen verlangen, dass unsere Worte ehrlich unser Denken widerspiegeln, geht es aber um die Dhamma-Sprache des Buddha, handeln wir auf die Weise, welche "Der Mund ist das eine, der Geist das andere" genannt wird. Inanderen Worten, das Äussere erscheint auf eine Art, während das Innere die gegenteilige Haltungeinnimmt. Äusserlich, in unseren Reden und Taten, können wir all die Dinge besitzen wie andere auch, aber im Geist besitzen wir nichts. Innerlich sind wir pleite und bankrott, ohne einen Pfennig auf dem Konto. Also, erinnert euch bitte an den Spruch - "Der Mund ist das eine, der Geist das andere" - aber natürlich in seiner Bedeutung in der Dhamma-Sprache, nicht wie er in der Umgangssprache verstanden wird. Bitte denkt darüber nach.

Eine andere gebräuchliche Lehre betrifft die Demut. Der Buddha lehrte uns nicht zu prahlen oder anzugeben und Jesus Christus betonte diesen Punkt sogar noch mehr. In der Bibel sind viele Seiten diesem Thema gewidmet. In der Bergpredigt lehrt uns Jesus unsere religiösen Praktiken - wie beten, Gaben spenden und fasten - heimlich zu vollziehen, um es andere nicht sehen zu lassen (Matt.5-7, insbesondere 6). Wenn es etwas ist von dem wir wollen, dass andere es sehen, heisst das wir möchten damit angeben; das ist aber Anhaften. Wenn wir seine Lehre auf unsere buddhistischen Praktiken anwenden, sei es beim Einhalten der besonderen Gebote an den Tagen der Observanz (uposatha), dann sollten wir uns nicht aufwendig kleiden oder pudern und parfümieren. Lasst niemand wissen, dass wir die speziellen Gebote befolgen, haltet sie nur einfach streng ein. Jesus betont diesen Punkt auf viele Weisen, sowohl in seinen Predigten als auch anderswo. Wenn Gott Gebete dargebracht werden, beim Fasten oder Entsagung üben, lasst es andere nicht sehen. Wenn wir Almosen geben möchten oder für wohltätige Zwecke spenden wollen, lasst es uns heimlich tun; andere sollen nicht wissen, wer der Spender ist. Jesus lehrt uns alles zu tun, ohne dass irgend jemand davon weiss. In anderen Worten, sein Ziel ist Nicht-Anhaften zu lehren. Derartige Praxis vernichtet Selbstsucht und überwindet Sünde.

Buddhisten sollten in der Lage sein dieses Prinzip des Gebens, ohne es irgend jemand wissen zu lassen, zu verstehen; diese Art des Gebens wird die Selbstbezogenheit des Spenders stärker zerstören als ein öffentliches Geben. Wie ihr wisst, sagen wir gerne "Den Rücken der Statue mit Gold bepflastern". Dieser Spruch kann auf zwei Arten ausgelegt werden. Nach dem Verständnis dummer Leute sollte man das niemals tun, weil Gold auf den Rücken einer Statue zu kleben einem keine Ehre, Reputation oder andere Vorteile einbringt. (In Thailand ist es eine populäre Form des Verdiensterwerbens kleine Quadrate Goldblatt auf Buddha-Statuen oder andere verehrte Objekte zu heften. Im volkstümlichen Glauben der Thai wird diejenige welche Goldblatt auf die Augen, den Mund, die Stirn die Wangen etc. einer Buddha-Statue aufbringt, im nächsten Leben mit schönen Augen, Mund, Stirn, Wangen etc. wiedergeboren, so wie jene auf der goldgeschmückten Statue. Zugleich wird ihr verdienstvolles Tun von allen gesehen.) Andererseits bedeuten die Worte "Den Rücken der Statue mit Gold bepflastern" klugen Leuten deshalb etwas Gutes, weil dieses Tun keine Beachtung, Lob, Status oder Ehre einbringt. Man hat den Wert der Handlung nicht für einen weltlichen Vorteil eingetauscht. Auf diese Weise erwirbt man höheren Verdienst, als wenn man das Gold auf der Vorderseite der Statue anbringen würde.

Wir sehen hier, dass die Lehren des Christentums und des Buddhismus die Gleichen sind; sie haben die gleiche Bedeutung, nämlich das Anhaften zu vernichten. Wir sollten alle religiösen Pflichten und Praktiken vollziehen, ohne das Wissen anderer. Letztlich ist es, als würden sie nicht mehr existieren und auch wir nicht mehr. Da gibt es kein gut, kein böse, keine Tugend, keine Sünde, keinerlei Glückseligkeit, kein Leid und schliesslich nicht mal irgend eine Religion. Das ist die höchste Stufe von Religion.

Lasst uns nun die Tatsache bedenken, dass Nicht-Anhaften, der höchste Dhamma, etwas Wundervolles, Unbezahlbares und Aussergewöhnliches ist. Es ist das Herz jeder Religion. Es ist das Wesen des Dhamma. Wenn da ein Gott ist, kann er nur unmittelbar hier im Nicht-Anhaften gefunden werden.

Nicht-Anhaften, der höchste Dhamma, ist genau genommen deshalb so wunderbar, weil jeder der ihn sucht, überhaupt nichts investieren muss. Kein Geld, Gold oder Juwelen werden benötigt, nicht ein einziger Pfennig. Nach der Logik der Umgangssprache kann man nichts bekommen oh-ne etwas zu investieren. Wenn jene, die Verdienste, Güte oder was immer gewinnen wollen darauf hören, müssen sie mit Geld, Silber und Gold bezahlen oder ihre Arbeit investieren. Die Realität ist jedoch gänzlich anders, wenn sie auf die Dhamma-Sprache hören. Der Buddha sagte, dass das Nibbana kostenlos zu haben ist. Nibbana - die Kühle und der Frieden, welche man erfährt, wenn es kein Anhaften gibt - kostet keinen Pfennig. Das heisst, dass wir um des Nibbana willen praktizieren können, ohne unterwegs überhaupt Geld auszugeben. Jesus sagte etwas, das die gleiche Bedeutung hat. Er lud uns ein das Wasser des Lebens zu trinken, das nichts kostet. Er sagte das mindestens dreimal. Ferner rief er uns auf in das ewige Leben einzutreten, das bedeutet den Zustand zu erreichen, wo wir eins mit Gott sind und deshalb nie mehr sterben werden.

"Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst" (Offenb.Joh.22:17). Dieser Aufruf des Jesus ist identisch mit dem, was im Buddhismus gelehrt wird. Der Buddha sagte, dass der Edle Pfad zur Befreiung, die Früchte der Befreiung und das Nibbana umsonst sind; keine finanzielle Aufwendung ist erforderlich. Wir leben gemäss dem Edlen Achtfachen Pfad, was bedeutet, wir geben dieses auf, wir geben jenes auf und fahren damit fort Dinge aufzugeben, bis alles aufgegeben ist. Gib alles auf und nimm nichts zurück. Empfangt keinerlei Zahlung, dann werden wir auch nichts zu bezahlen haben: Wir werden das erkennen, was "der Edle Pfad, die Früchte der Befreiung und das Nibbana" genannt wird. Wir können den Wohlgeschmack des Nibbana kosten, ohne einen Pfennig zu bezahlen.
Wir geben eine Menge Geld aus, indem wir versuchen Nibbana zu kaufen, aber das Geld erweist sich als Hindernis. Es ist als würde man Geld investieren, um einen Palast im Himmel zu gewinnen; die beiden haben nichts miteinander zu tun. Sie sind tatsächlich inkompatibel. Wenn wir Almosen geben wollen, so sollte es einzig für das Wohl anderer sein. Nibbana ist unser wichtigstes Anliegen und bedarf keines Geldes.

Warum machen wir dann Spenden? Natürlich nicht für uns, sondern um unseren Mitmenschen zu helfen, dass sie auch das erreichen mögen, was eigentlich keines finanziellen Einsatzes bedarf. Wir tragen also Geld bei, um Tempel und Schulen zu bauen, wir entwickeln Lehrmethoden und wir veröffentlichen Bücher, um damit unseren Menschenbrüdern zu helfen auf dem rechten Pfad zu wandeln, zu jenem zu wandeln, das ohne finanziellen Aufwand erreicht wird: Nibbana. Jene unter uns, die beabsichtigen mit ihrem Gold und Silber Verdienste zu erwerben, sollten das bitte auf diese Weise betrachten.

Wenn diejenigen, welche beabsichtigen ihr Geld für den sogenannten himmlischen Lohn zu investieren, es sich nicht nochmals überlegen, werden sie sich eher Verluste zuziehen, statt Gewinne zu machen. Es wird ihnen nicht nur misslingen Gewinn zu machen, sie werden nicht mal in der Lage sein ihre Investition wieder zu erlangen. Und wenn es keinen Gewinn gibt und keinen Gleichstand, bleibt nur Verlust übrig. So zu handeln läuft den Worten des Buddha zuwider der sagte: "Es ist umsonst". Auch Jesus hat das so gesagt.

Jesus sagte auch "Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebet es auch" (Matt.10:8). Es scheint, dass der Buddha nie ganz das Gleiche sagte, aber wir können doch aus seiner Lehre folgern, dass er diese Worte leicht hätte sagen können. Wenn etwas umsonst zu haben ist, sollten wir es auch umsonst weitergeben. Seid nicht unwillig und zögert nicht . Nützt Menschen nicht aus, indem ihr Gefälligkeiten verlangt oder durchblicken lasst, dass es zu ihrem Nutzen sein wird, wenn sie einem in dieser oder jener Weise helfen würden oder zu verstehen gebt, dass Schüler eine Dankbarkeitsschuld gegenüber ihren Lehrern haben. All das ist nicht angebracht. Wenn wir etwas umsonst bekommen, müssen wir es auch umsonst abgeben. Daher, als das Erhabenste von allem, ist der Dhamma jeder Religion etwas, das umsonst zu haben sein muss. Sobald wir ihn bekommen haben, sind wir verpflichtet ihn ebenfalls umsonst an unsere Mitmenschen weiterzugeben. Versucht nicht dafür irgend welche Vergünstigungen abzuschmeicheln.

Wenn wir zu religiösen Anlässen Spenden geben, sind diese für einen bestimmten Zweck, was keine Auswirkung darauf hat, ob wir Nibbana verwirklichen. Solche Beiträge sollen dazu dienen, Menschen, die den Weg noch nicht sehen, dabei helfen fähig zu werden ihn zu finden und schliesslich bei dem anzukommen, was für alle umsonst zu haben ist. Am Ende werden auch sie ohne Hindernisse jene kostbare Sache erhalten, die nichts kostet.

Wenn wir sorgfältig schauen sehen wir, dass das Höchste, das vortrefflichste aller Dinge, die wir umsonst bekommen," Nibbana" genannt wird (aber auch bei vielen anderen Namen). Jesus nannte es "Leben". Dieser Zustand in dem wir gegenwärtig existieren ist der Tod. Weil alle sterben erreichen sie Gott nicht, erreichen das Allerhöchste nicht. Wenn wir jedoch den Lehren des Jesus folgen, werden wir sofort wieder geboren. Nachdem wir so lange im Sterben begriffen sind, müssen wir wieder geboren werden. Wenn wir neu geboren werden, werden wir ins ewige Leben geboren, welches das wahre Leben ist. Der Buddha sprach in der gleichen Weise. Er sagte, wir erkennen nicht, dass diese Existenz wie tot sein ist, das heisst, dass sie Leiden ist. Wir müssen uns das erforderliche Wissen aneignen, wir müssen in eine neue Welt hinein erwachen, neu geboren. Dann wird es kein Leiden mehr geben. Dieses zu verstehen, ist ein grundlegendes Prinzip.
Bis zu dieser Erkenntnis waren wir tot, das heisst voll des "Ich" und "Mein". Ständig unter der Bürde des Ego und Egoismus zu leben ist der Tod. Jetzt sind wir ins ewige Leben wiedergeboren, ins Nibbana-Leben, das todlose Leben, in die Unsterblichkeit, in der alles "Ich" und "Mein" endet. Dies ist das wahre Leben welches niemals sterben kann. Die fünf Daseinsgruppen (kandha), die grundlegenden Lebensprozesse, sind jetzt rein, Körper und Geist sind frei von Anhaften und Selbstsucht. Zuvor wurden die fünf Gruppen, der Körper-Geist-Prozess, mittels "Ich" und "Mein" beständig ergriffen und umklammert und durch dieses verderbte Anhaften immer befleckt. Dieses ständige "Ich" und "Mein" waren der Tod.

Wenn die befleckenden Wünsche und Anhaftungen völlig abgetan sind gibt es eine neue Geburt in der Welt der Edlen. "Wiedergeburt in der Welt der Edlen" ist ein Ausdruck in der Umgangssprache. In der Dhamma-Sprache sprechen wir von "es löschen". Lösche das "Ich" und das "Mein"; lösche das Ego und seine Selbstsucht. Nichts ist dann mehr. Es bleibt nur allerhöchste Leerheit, das ist Nibbana. So sagt es die Dhamma-Sprache.

Sprechen wir in der Umgangssprache, wie es Jesus oft tat, so sagen wir, dass man in der Welt der Edlen wiedergeboren wird und ewig im Königreich Gottes lebt. Das ist Umgangssprache. Wenn wir es dann in Dhamma-Sprache übersetzen, gebrauchen wir die entgegengesetzten Worte und sprechen von "Löschen". Die eine Sprache redet von "Wiedergeburt", während die andere von völligem "Erlöschen" spricht. Aber nur die Worte sind verschieden. In der Umgangssprache reden wir vom wieder geboren werden; in der Dhamma-Sprache reden wir vom vollständigen Erlöschen.

Lasst uns daher ein Leben des totalen Erlöschens leben, ein Leben, das die Flammen des Begehrens löscht, ein Leben der Kühle. Wenn wir brennen, sterben wir. Eine Person, die innerlich heiss ist, ist wie ein Dämon in der Hölle, ein Tier, ein hungriger Geist oder ein feiger Titan. So eine Person stirbt ständig. Ihr Anhaften an "Ich" wird nie gelöst. Das Ego wurde noch nicht aufgelöst; es siedet und wallt in ihr mit Feuersglut. Es muss herunter gekühlt werden.

Zum leichteren Verständnis sei daran erinnert, dass das Wort "Nibbana" "Abkühlen" bedeutet. Zur Zeit des Buddha war "nibbana" ein gewöhnliches Alltagswort, das in den Häusern, Strassen und Märkten gesprochen wurde. Wenn etwas Heisses abgekühlt war, benützten sie das Wort "nibbana" um dies zu beschreiben. War der Curry zu heiss um ihn zu essen, dann aber zum Essen genügend abgekühlt, pflegten sie zu sagen "der Curry ist nibbana, also lasst uns essen". (Tatsächlich nimmt dieses Wort verschiedene Formen an, als Verb, als Hauptwort und Adjektiv, je nach Fall und Zusammenhang. Da in Thai Worte nicht konjugiert werden, wie in den indischen Sprachen, wird nur die Form "nibbana" gebraucht).

Wir können sehen, dass das Wort "nibbana" ursprünglich kein höherer religiöser Begriff war, sondern eine gewöhnliche Alltagsverwendung in der Umgangssprache hatte - das Abkühlen von etwas Heissem. Wenn, beispielsweise, eine rotglühende Holzkohle soweit abkühlt, bis sie aufgenommen werden kann, können wir das "nibbana" nennen. Wenn wir diese Bezeichnung auf höherer Ebene, zum Beispiel für Tiere, anwenden dann bezieht sie sich auf Tiere, die nicht mehr "heiss" sind. Die "Hitze" bei Tieren ist ihre Wildheit und Ungestüm, die für Menschen gefährlich sind. Wenn ein wilder Elefant oder wilder Bulle gezähmt und wohl trainiert ist , so dass letztlich seine Wildheit, sein Aufbegehren und seine Bösartigkeit verschwinden und er für Menschen sicher wird, können wir sagen er ist "nibbana", womit "er ist abgekühlt" gemeint ist.

Wenn wir von Menschen sprechen, bedeutet "heiss" eine Person, die brennt und siedet, als wäre sie in der Hölle oder den anderen niederen Daseinsbereichen. Das ist nicht nibbana. Nachdem wir erkannt haben wie Dhamma anzuwenden ist um uns abzukühlen, beginnen wir zu kühlen, fahren fort zu kühlen, kühlen beständig, kühlen bis alles gründlich kühl ist, was die höchste Ebene von nibbana darstellt: Absolute Kühle.

Selbst jetzt ist ein gewisses Mass an nibbana erforderlich, damit wir in der Lage sind hier zu sitzen und Dhamma zu diskutieren. Anderenfalls, wenn die Flammen jetzt in uns auflodern würden, wäre es uns nicht möglich hier sitzen zu bleiben. Wir sollten daher verstehen, dass Nibbana ohne Unterlass zu uns in Beziehung steht, mit jedem Einatmen und Ausatmen. Wäre das nicht so, hätten wir keinerlei Verbindung mit Nibbana, würden wir alle verrückt werden und sterben, bevor wir es gewahr wären. Glücklicherweise haben wir fast ständig eine Beziehung zu Nibbana. Sie mag zeitweilig verschwinden, wenn sich Lust, Hass oder Verblendung erheben, wenn der Geist von Befleckungen und Selbstsucht besetzt wird. Wenn aber Lust, Hass und Verblendung in unserem Geist nicht gewärtig sind, erfahren wir ein kleines Mass an Nibbana, eine kurze Kostprobe oder ein kostenloses Muster von Nibbana. Dank dieser wiederholten, flüchtigen Blicke auf Nibbana werden wir nicht verrückt und sterben nicht an Überhitzung. Wir überleben dank der wohltätigen Wirkungen Nibbanas. Wir sollten also Nibbana danken und unsere Dankbarkeit erweisen, indem wir so handeln, dass uns immer mehr Nibbana für immer längere Zeitspannen zuteil wird. Beruhigt und kühlt die Dinge ständig, das heisst, vernichtet "Ich" und "Mein". Lasst nicht zu, dass das Ego seine Ohren spitzt und den Schwanz hebt. Haltet das Ego klein und mit Selbstdisziplin und guter Lebensführung aus Schwierigkeiten heraus. Verringert es, reduziert es, schrumpft es, bis nichts übrig bleibt, dann erreicht ihr das Beste, was ein menschliches Wesen überhaupt erreichen kann.

Immer wenn wir streiten, aufgrund von Meinungsverschiedenheiten, aus Stolz, Eitelkeit oder Eigensinn, zeigt sich, dass wir den Kontakt mit Nibbana verloren haben. In solchen Momenten sind wir verrückt. Wenn wir mit anderen zu irgend einer Zeit argumentieren, streiten oder uns einmischen - egal ob in einer gewöhnlichen oder religiösen Angelegenheit - sind wir geistesgestört. In solchen Augenblicken sind wir nicht mehr wirklich menschlich, weil wir uns auf das Niveau von Streit und Kampf herabbegeben haben. Und, wie schon vorher gesagt wurde, werden die Leute, wenn sie in Narrheit beharren, denken, dass es viele verschiedene Religionen gibt, die unvereinbar in Opposition zueinander stehen, die Feinde sind, welche wetteifern, kämpfen und einander vernichten müssen. Das sind die dümmsten und unwissendsten Leute. Sie verursachen und erfahren ein grosse Menge an Kummer.

Wenn Religionen als gegensätzlich und widersprüchlich betrachtet werden, ergibt sich daraus, dass die Leute zu Feinden werden. Jeder denkt: "Wir haben recht, sie haben unrecht; sie haben unrecht, wir haben recht" und so fort, und dann gibt es Streit und Kampf. Solche Leute sind unglaublich dumm: Worüber sie streiten, ist doch nur die äussere Schale. Jeder sollte erkennen, dass dies nur äusserliche Formen sind, sie sind nicht die innere Essenz.

Wenn intelligente und einsichtige Menschen um der wesentlichen Dinge der Religionen willen zusammenkommen, erkennen sie, dass die Religionen alle gleich sind. Obwohl sie äusserlich verschieden erscheinen mögen, wissen intelligente Menschen, dass in allen Fällen der innere Geist der Gleiche sein muss. Die innere Essenz ist die Gleiche, wie unterschiedlich die äusseren Formen auch sind, so wie wir es mit der Analogie des Wassers gesehen haben. Die wesentliche reine Natur des Wassers ist immer die Gleiche ungeachtet wie faulig oder schmutzig es auch von aussen erscheint. Nicht das Wasser ist schmutzig, sondern die anderen Elemente welche ihm beigemischt wurden. Wir sollten diese anderen Elemente nicht annehmen. Wenn wir diese Elemente annehmen, heisst das wir trinken schmutziges Wasser; heisst das wir schlucken den Dreck, Urin, Exkremente und dergleichen, aber trinken kein reines Wasser.

Immer wenn es Streit gibt, sei es unter Laienanhängern, Novizen, Nonnen oder Mönchen, bedeutet das, dass die betroffenen Leute Schmutz essen, sie beflecken sich nämlich mit "Ich" und "Mein". Das sollte nie geschehen; man sollte es aufgeben. Spitzt die Ohren nicht und hebt nicht den Schweif. Blast euer Ego nicht auf und erschafft nicht diese auf Stolz fussenden Konflikte. Damit lässt man die Dinge zu weit gehen. Eure Pflicht ist vielmehr diese Dinge zu befrieden und sie abzukühlen.

Wie blöde ist es, dass, je älter eine Person wird, sie um so mehr mit Ego erfüllt wird. Ich entschuldige mich für diese offene Rede, aber manche Fakten kann man nicht ignorieren. Warum werden Menschen mit dem Alter egoistischer? Weil sie, je älter sie werden, sich um so mehr an Anhaften gewöhnt haben; "Ich" und "Mein" sammeln sich innen an und stapeln sich auf indem wir altern. Ausserdem haben Leute Söhne und Töchter, also blasen sie sich mit Ego auf und beschliessen über ihre Kinder zu herrschen. "Mein Sohn! Wie konnte er das ohne meine Erlaubnis tun"! Wenn sie Enkel haben, werden sie sogar noch aufgeblasener und überlegen. Daher sind ältere Leute von "Ich" und "Mein" stärker besessen, als Kinder das sind.

Wenn wir zurück in die Kindheit schauen, werden wir finden, dass Kinder nur sehr wenig Ego haben. Unmittelbar nach der Geburt ist es sehr schwer viel Ego in ihnen zu finden, und das Kind im Mutterleib hat überhaupt kaum Spuren von "Ich" oder "Mein". Wie wir jedoch ins Erwachsenenalter kommen, Vater und Mutter werden, und später Grossvater und Grossmutter, dann entwickeln sich "Ich" und "Mein" in einer Menge von Formen und Persönlichkeiten. Sie werden tief in unserem Geist verwurzelt und haften da mit einer Zähigkeit dass sie nur schwer zu entfernen sind. Alte Leute sollten daher sehr sorgsam und wach sein. Sie sollten versuchen, zum Kind-sein zurückzukehren. Wie Kinder zu sein, ist eine Art Dhamma-Praxis, die zu Nicht-Anhaften und Leerheit führt. Ansonsten, je älter sie werden, um so weiter vom Buddha und von Nibbana entfernt werden sie enden.

In Wahrheit, indem wir älter werden, sollten wir uns dem Buddha annähern. In anderen Worten, je mehr wir altern um so jünger sollten wir sein. Je älter wir werden um so jugendlicher sollten wir werden. Während wir altern, sollten wir leichtherziger, fröhlicher, heiterer und frischer werden. Wir sollten nicht trocken und leblos enden, so dass wir allmählich verschrumpeln. Jedermann sollte zunehmend frisch, heiter und leichten Herzens werden während er älter wird. Im Al-tern sollten wir dem Buddha, dem Dhamma und dem Sangha näherkommen, was bedeutet, dass wir Dhamma mehr und mehr verstehen. Je erfolgreicher wir dabei sind die inneren Flammen zum Zurückweichen zu bringen, um so kühler werden wir. Indem wir kühl werden, fühlen wir uns zunehmend erfrischt und herzlich, wir sehen heiterer und lebendiger aus. Wenn wir vollkommen abgekühlt sind, werden wir geradezu glänzen vor Heiterkeit und Munterkeit. Daher sollten wir, je älter wir werden, um so munterer und frischer aussehen und uns fühlen.

Die lebhafte physische Tätigkeit und frische Gesichtsfarbe junger Leute ist eine Art von Jugend, während in der Dhamma-Sprache die Jugendlichkeit - des Gemütes, Herzens und Geistes - sich auf spirituelle Heiterkeit, Kraft und Ruhe bezieht, welche man mit grösserer Dhamma-Nähe gewinnt. Das ist die Jugendlichkeit aus der abnehmenden Hitze, so dass Kühle eindringen und uns umfangen kann. Konsequenter Weise fühlen wir uns zunehmend erfrischt, beschwingt und munter. Lasst also alle älteren Leute frisch und voll Leben werden. Mögen doch wir alle jugendlicher werden, bis unser Alter verschwindet. Lasst nur die Jugendlichkeit in uns wachsen und das Problem des Zankens und Streitens wir es nicht mehr geben.

Schlimmer noch als streiten, ist die Gewohnheit des "sich selbst preisen, während man andere herabsetzt". Bösartiges Zurück-Keifen und Namen-geben hat unter Buddhisten keinen Platz und jeder der solche Dinge tut, hat aufgehört ein Buddhist zu sein, ausser vielleicht nur dem Namen nach. Ein Buddhist nur dem Namen nach zu sein bedeutet gar nichts, darauf ist kein Verlass. Sich einfach als "Buddhist" zu erklären weil es auf der Geburtsurkunde geschrieben steht oder weil sich jemand in bestimmten Tempeln eingetragen hat, nützt nicht viel, weil sie nicht aufrichtig sind. Wir müssen echte Buddhisten sein im wahren Sinn des Wortes, was bedeutet, "Ich" und "Mein" zu schwächen und verringern, um kühl zu sein und damit Nibbana näher zu sein. Wir brauchen also Abscheulichkeiten wie, andere zu schmälern und zu unterdrücken oder sich zu preisen und andere herabzusetzen, nicht diskutieren. Diese Dinge sollten niemals passieren.

Was ist zu tun mit jenen, die noch immer in solches Benehmen verfallen? Ich weiss nicht, in welche Klasse ich sie stecken soll: Erste Klasse? Kindergarten? Kinderkrippe? Die sind noch zu hoch; da sollte es noch eine niedrigere Klasse oder Stufe für Leute, die sich in so unanständiger Weise benehmen, geben. Im Buddhismus tun echte Laienanhänger sowas nie. Selbst solche, die sich auf der Kindergartenebene befinden und noch nicht die Erste Klasse der Grundschule erreicht haben, wissen es besser, als dass sie solche Dinge tun würden. Sie wissen, dass solches Benehmen heiss ist und nichts mit Dhamma oder Buddhismus zu tun hat.

Durch die Oberschule fortschreitend, durch die Unter- und Oberstufe, gibt es weniger Egoismus, bis schliesslich kein "Ich" und "Mein" mehr da ist. Auf der höchsten Ebene gibt es kein Selbst, alles ist leer von Selbst. Da gibt es kein "Ich", kein "Du" kein "Wir", kein "Ihr", das bedeutet auch keinen Buddhismus, kein Christentum, keinen Islam und keine Religion. Wie können verschiedene Religionen existieren, wenn es kein "Wir", kein "Sie", kein "Irgendwer" gibt, wenn da nichts ist als Dhamma? Da ist nur die reine Natur selbst (suddhidhamma pavattanti). Natur ist alles was da existiert - mit entweder aktiven Aspekten oder ruhigen Aspekten abhängig davon, ob etwas bedingt ist und vergänglich oder nicht bedingt und absolut. Die in den Oberstufen sind, verstehen das schon. Jene die im Kindergarten und in der Grundschule sind, sollten auch davon wissen, so dass sie sich darauf vorbereiten können, diese höchste Stufe zu erreichen.

Also verfangt euch nicht in Neid und Eifersucht, in Beleidigungen und Lobpreisung, nicht darin andere zu belästigen und zu stören, nicht in Streit und Kampf, nicht darin sich selbst zu rühmen während man andere herabsetzt. Solches Benehmen ist wertlos. Es ist für diejenigen, die nicht mal auf der untersten Stufe zu lernen verstehen. Es ist zu niedrig, um im Netzwerk der Buddhisten einen Platz zu finden.

Wir alle beginnen an einem Punkt, wo wir voll Anhaften sind, verringern dann beständig das Anhaften, bis wir überhaupt nicht mehr an irgend etwas haften, bis wir den Punkt erreichen, wo alles Leerheit ist: Leer von "Ich" und leer von "Mein". Versteht recht, dass im Grunde alles von An-fang an leer war. Sei es physisch oder mental, schaut tief in seine wesentliche Natur und es wird sich als leer erweisen. Da gibt es kein Anhaften mehr.

Was es auch immer an Anhaften gibt, geschieht gerade jetzt. Ursprünglich gab es kein Anhaften, gerade so wie alles Wasser ursprünglich rein und klar war. Während es sich in den Wolken bildet ist es rein, aber es nimmt feine Staubpartikel auf sobald es vom Himmel fällt. Wenn es erst mal auf Dächer fällt und sich in Wasserkrügen sammelt, wird es noch weiter verschmutzt. Noch weiter verunreinigt ist das Wasser in Quellen, Strömen, Teichen und Sümpfen. Und noch schlimmer ist das modrige Wasser welches man in Gräben, Kanälen und Toiletten findet. Indem wir die äusserlichen Veränderungen betrachten, sollten wir erkennen, dass die schmutzigen Elemente nicht das Wasser und nicht wesentlich sind.

Seht also tief in eben diesen Körper und Geist, wenn sie in ihrem natürlichen Zustand sind, wenn sie nicht verunreinigt sind durch beschmutzte Objekte. Der reine, natürliche, nicht verunreinigte Körper-Geist ist das Objekt des Wissens und Untersuchens. Prüft das "Ich", das Ego, seht, dass es einfach schmutziges Zeug ist. Es vermischt sich mit dem Geist, verunreinigt und beschmutzt ihn. Natürlich sind unser Körper und Geist in sich nicht dreckig, aber aus Dummheit und Unachtsamkeit dringen die frisch gestalteten Unreinheiten ein. Es sind diese unreinen Gäste, welche den Geist betreten und ihn beschmutzen. Warum aber nehmen wir diese unreinen Spätankömmlinge als "Ich", "Mir" oder "mein wahres Selbst" an. Sie sind einfach Neuankömmlinge und an ihnen ist nichts Echtes. Sie sind nur Schmutz, ist es nicht blöde Schmutz für sein Selbst zu halten? Man hat letztlich ein schmutziges Selbst, ein schmutziges Ego - ganz ohne Zweifel.

Der Geist welcher wissensfähig und weise ist, der erwacht ist (Buddha), hält überhaupt nichts für ein Selbst. Er hält keine schmutzigen Dinge für sein "Selbst". Er hält keine Verunreinigungen für ein "Selbst". Wenn er ein Selbst haben muss, dann muss die Leerheit, die frei von Verunreinigungen ist, dieses Selbst sein. Die Leerheit an Verunreinigungen haftet oder klammert sich an gar nichts. Selbst wenn der Mund sagt "Ich bin" oder "Ich habe", fühlt drinnen der Geist keinerlei Anhaften. "Der Mund ist eines, der Geist ein anderes" zu allen Zeiten. Ich hoffe, dass ihr das alle so praktizieren werdet.

Alles was ich heute gesagt habe, ist lediglich ein Geplauder unter Freunden. Wenn das eine öffentliche Vorlesung oder formelle Predigt wäre, könnten wir die Dinge nicht so sagen. Es könnte eine grosse Störung verursachen. Dies war jedoch nur ein informelles Gespräch innerhalb unseres kleinen Freundeskreises, unter solchen die es verstehen sollten. Ich habe diese Dinge nur erwähnt, weil ich dachte, dass die Leute hier in der Lage sind zu verstehen. Ich hoffe in der Tat, dass jeder sorgfältig zugehört hat, auch folgen konnte und ernsthaft die Themen überdenken wird. Jene welche die Wahrheit dieser Prinzipien sehen und ihnen zustimmen, sollten versuchen demgemäss zu leben. Gar bald werden wir auf dem Pfad zur Leerheit und der Freiheit von Leid zu einer höheren Ebene fortschreiten. Dann können wir Arbeit aller Art mit leerem Geist tun und alle Früchte der Leerheit übergeben. Wir werden in der Lage sein, die Nahrung der Leerheit zu essen. Und so werden wir fähig sein von Anbeginn an völlig zu sterben. Das ist das Ende. Das ist das Ende ein Buddhist zu sein, es ist das Ende aller Religionen. In der Umgangssprache sagen sie: "Vergeude nicht die Gelegenheit als Mensch geboren worden und dem Buddha-Dhamma begegnet zu sein". Wenn wir jedoch in Dhamma-Sprache reden, würden wir sagen müssen: "Es ist das Ende von allem. Nichts bleibt über, das jemals wieder ein Problem machen könnte". So ein Leben kann "Ewiges Leben" genannt werden, denn da gibt es keine Geburt mehr, kein Altern, keine Krankheit oder Tod.

Seid ihr bereit vor dem Tod zu sterben?

G L O S S A R

anatta, Nicht-Selbst, Selbstlosigkeit: Die Tatsache, dass allen Dingen jegliche dauerhafte Essenz oder Substanz fehlt, die man eigentlich als "Selbst" bezeichnen könnte.

dukkha, Schmerz, Verletzung, Leiden, Unbefriedigtheit: Wörtlich, "schwer zu ertragen"; die spannungsreiche Qualität aller Erfahrungen, die von Verlangen, Anhaften und Ego begleitet werden. Dukkha gilt als universelles Charakteristikum aller Phänomene; da die Dinge unbeständig sind, sind sie unzuverlässig und können uns nie zufriedenstellen. Der naturgegebene Verfall und die Auflösung der Dinge ist dukkha.

Dhamma, Natur, Naturgesetze, Pflicht, Wahrheit: Die natürliche Art der Dinge und wie wir leben müssen, damit die Dinge (Dhammas) uns nicht zum Problem werden. "Dhamma-Praxis" heisst, uns zu trainieren, in Übereinstimmung mit Dhamma zu leben.

kandha, Gruppen, Haufen, Aggregate: Die fünf grundlegenden Lebensprozesse oder Untersysteme, die menschliches Leben ausmachen, nämlich, Körper, Gefühl, Wahrnehmung, Denken und Bewusstsein.

kilesa, Befleckung, Verunreinigung, Unreinheit: Die verschiedenen Manifestationen der Selbstsucht, die den Geist beflecken, zusammengefasst als Gier, Ärger und Verblendung, ebenso einschliessend Lust, Hass, Furcht, Schuld, Überdruss, Aufregung, Eifersucht, Dummheit, Ignoranz und viele andere.

Nibbana, Kühle: Das höchste Ziel buddhistischer Praxis. Der kühle Frieden des Nibbana manifestiert sich, wenn die Feuer der Beschmutzung, Selbstsucht und des Leidens gründlich und endgültig erloschen sind. "Nibbana hier und jetzt" kann zeitweilig in unserem täglichen Leben erfahren werden.

der Edle Achtfache Pfad: Der mittlere Lebensweg, der zu Nibbana führt, nämlich, rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechte Tat, rechter Lebenserwerb, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit und rechte Sammlung.

die Edlen: Menschen, die alle oder nahezu alle Anhaftungen und Beschmutzungen ausgerottet haben. Sie sind die Vorbilder buddhistischen Lebens aufgrund ihrer Weisheit, Kühle, Ruhe und ihres Mitgefühls.

sunnata, Leerheit: Die Realität leer und frei zu sein von Selbst- sucht, Ego oder irgend etwas, das für "Ich" oder "Mein" gehalten werden könnte. (Siehe anatta)

upadana, Anhaften, Klammern, Ergreifen: Dummerweise an etwas festhalten, das heisst es als "Ich" oder "Mein" zu betrachten; Dinge persönlich nehmen.

Ü B E R D E N A U T O R

Buddhadasa Bhikkhu, ein Sino-Thai Mönch, war der wichtigste Deuter und Reformator Thai-Buddhistischen Denkens in diesem Jahrhundert. Seit er 1932 mit Suan Mokkh, "Den Garten der Befreiung", gründete, hat er ein innovatives, einflussreiches und umfassendes Studium des Pali-Schrifttums im Theravada Buddhismus durchgeführt. Diese Studien waren der Unterbau für seine Untersuchungen und Erforschungen von Leben und Natur, woraus sich ein sehr gewichtiges Schriftenwerk entwickelte. Seine Gespräche, Vorlesungen und Schriften, zusammen mit der klösterlichen Gemeinschaft, die er begründete, haben viele dazu inspiriert, Buddhismus und Religion mit neuen Augen zu sehen. Sein Ziel war es, vollständiges Wer von Bezugspunkten für gegenwärtige und künftige Forschung und die Dhamma-Praxis zu schaffen.

Obwohl seine formelle Schulung nur bis zur "secondary school" und anfänglichen Pali-Studien führte, wurden ihm von Thai-Universitäten sieben Ehren-Doktorate für seine Studien im Wald verliehen. Seine Bücher füllen einen Raum in der National-Bibliothek und beeinflussen alle ernsthaften Thai-Denker, Buddhisten und andere.

Fortschrittliche Elemente in der Thai-Gesellschaft wurden durch seine Lehren und selbstloses Vorbild inspiriert, angefangen mit Pridi Panomyong, Führer der Revolution von 1932, und dieser Einfluss wirkt bis heute weiter. Seit den 6oer Jahren haben sich Aktive in Bereichen wie, Erziehung, soziale Wohlfahrt, ländliche Entwicklung und Inter-Religiöser Austausch, auf seine Lehren und Ratschläge bezogen.

Buddhadasa Bhikkhu hatte immer ein tiefgehendes Interesse für andere Religionen und schaffte sich viele Freunde unter diesen. Insbesondere war er im Gespräch mit dem Christentum durch fremde Missionare und örtliche Christen, die erfreut waren, einen buddhistischen Mönch zu fin-den, der nur danach strebte zu verstehen und mit ihrer Religion zu kooperieren, ohne auf sie herabzublicken. Dieses Interesse war mehr praktischer als wissenschaftlicher Natur. Er versuchte gemeinsamen Boden zu finden, so dass alle religiösen Menschen sich zum Wohle der Menschheit und des Friedens vereinen können. Dieses Buch offenbart einige seiner Gedanken über Religion. (Siehe auch "Christianity & Buddhism")

Das Sechzigste Jubiläum von Suan Mokkh, der Gemeinschaft die er gründete, fand am 27.Mai 1992 statt, aber der Ehrenwerte Ajahn Buddhadasa war den Grossteil des Vorjahres krank gewesen: Herzattacken, Schlaganfälle und die Altersleiden. Trotzdem setzte er die Arbeit fort und hielt Reden wenn er es konnte. Am 25.Mai 93 erlitt er einen schweren Schlaganfall, während er Notizen für ein Gespräch vorbereitete, das er an seinem 87.Geburtstag führen sollte.

Der Ehrenwerte Ajahn verschied am 8.Juli 1993 in Suan Mokkh.

Suan Mokkh, unterstützt durch die Dhammadana Foundation und andere Träger, setzt sein Werk fort. Besucher sind in Suan Mokkh immer willkommen.

(Deutsche Übersetzung von Kurt Jungbehrens, BGM, München)